Alexander Kissler: Deutschland ist führungslos
Nachrichten 01/10/2010 12:26:34
Im Gespräch mit dem Journalisten und Veranstalter Michael Ragg kritisierte Kissler besonders die Entwicklung der C-Parteien. Das ganze Parteiprogramm der CDU bestehe im Wesentlichen aus den Worten „Die Mitte“. Die Art und Weise wie führende Unionspolitiker ihr Privatleben in der Öffentlichkeit präsentieren, sei „mit einem Mindestmaß an öffentlicher Würde, Anstand und Dezenz nicht zu vereinbaren“. Kissler bezog sich dabei besonders auf den Früheren Ministerpräsidenten von Hamburg, Ole von Beust und auf den früheren CDU-Generalsekretär Laurenz Meyer. Längst sei „der Hedonismus Geschäftsgrundlage“ aller Parteien geworden.
Kissler, der vor allem in der Süddeutschen Zeitung und bei Magazinen wir Focus und Cicero publiziert, erkennt in Deutschland eine „hermetische Debattenkultur“, in der nicht Meinungen ausgetauscht würden sondern Vorurteile. Zu den Debatten, die in der Gesellschaft geführt werden müssten, komme man meist gar nicht. Das „kleine Debatten-Hoch Thilo“ habe kurzzeitig zu einer „Ausweitung der Debattenzone“ geführt, jetzt sei aber der „Windhauch von der Straße und der Realität, der in die hermetisch abgeriegelten Fernsehstudios hereingeweht“ sei, schon wieder abgeflaut.


