Advent in Australien: Ein Adventskranz aus Bumerangholz
Nachrichten 22/11/2010 05:23:02
Das Interview führte André Stiefenhofer.
Pater Hubka, bevor wir uns über Weihnachten in Australien unterhalten, fühlen wir uns doch erst in den europäischen Advent hinein ...
... ja, es duftet schon entsprechend: Kaffee, Christstollen und ein Adventsgesteck, bei dem die Tannennadeln schon etwas angebrannt sind - das riecht fast wie Weihrauch! Dann können die geistlichen Komponenten gleich viel einfacher dazukommen.
Gibt es all diese Hilfsmittel für eine adventliche Stimmung auch in Australien?
Kaffee und Christstollen gibt es schon, sogar Weihnachtsmärkte, aber die sind im Hochsommer bei 45 Grad natürlich nicht jedermanns Sache. Am 20. Dezember fangen in Australien die Sommerferien an und dauern bis Ende Januar. Die Städte sind zu dieser Zeit leer und die Strände voll - eine komplett andere Welt. Weihnachten ähnelt in Australien darum vielerorts einem großen Grillfest. An den Stränden stehen die Leute in ihren Badehosen und backen riesige Truthähne. Das ist schon ein anderes Weihnachten als hierzulande!
Wie soll man denn am Sandstrand in eine adventliche Stimmung kommen?
Das ist für uns Mitteleuropäer in der Tat schwierig. Wenn zum Beispiel der Nikolaus vorbeikommt, sagt er: "Von draus vom Walde komm ich her - ich muss euch sagen, ich habe sehr kalte Füße." Dann schaut er sich um, blickt auf den glühend heißen Sand unter sich und bemerkt, dass er das falsche Gedicht herausgezogen hat. Die Australier, zumindest die deutschstämmigen, haben darum die Eigenart entwickelt, Weihnachten am 24. Juni nachzufeiern. Dann ist in Australien tiefster Winter und im Gebirge kann es bis zu zwei Meter Schnee geben. Das mag für die Stimmung besser sein, aber als Priester muss ich mich natürlich ans Kirchenjahr halten.
Das heißt, wenn man wollte, könnte man auch in Australien mitteleuropäisch Weihnachten feiern - nur eben nicht im Dezember?
Nun, zumindest, wenn man einige praktische Probleme überwindet. Nehmen wir einmal den Adventskranz: Es ist schwierig, in Australien Tannenbäume zu finden. Adventskränze werden daher dort aus dem sogenannten "Wattle Tree" hergestellt. Das ist eine Mimosenart, aus deren Holz die Eingeborenen auch ihre Bumerangs herstellen.
Vieles, was wir mit Weihnachten verbinden, ist also vor allem durch unsere Kultur und Klimazone bedingt. Wie kann ich es schaffen, mich fern von all diesen Äußerlichkeiten auf Weihnachten vorzubereiten?
Bei mir geht das über die lebendige Glaubenserfahrung. Ich muss mir bewusst werden, dass ich erlösungsbedürftig bin. Wenn ich heute im Himmel oder beim jüngsten Gericht ankommen würde und mein Leben bewerten müsste, würde ich wohl einiges Gutes erzählen können. Aber es wird mir auch viel bewusst werden, in dem ich versagt habe. Und wenn ich ehrlich bin, wird das Versagen die positiven Dinge bei weitem überwiegen. Diese Tatsache kann ich durch nichts rechtfertigen und erkenne, dass ich Erlösung brauche. Daher singt man an Weihnachten: "Christus, der Retter ist da!" Im Advent bereiten wir uns auf die Ankunft unseres Retters vor. Wenn ich Christus kenne, kann ich mich auf ihn besinnen und ihn erwarten. Wenn er mir ein Fremder ist, geht das nur schwer. Kurz gesagt: Wenn ich Christus vor Augen habe, brauche ich keinen Christstollen.

