Mehr als 60 Menschen bei Anschlägen in Nigeria getötet
marthe2010 06/11/2011 12:23:44
Kano — Bei einer Anschlagsserie im Norden Nigerias sind mehr als 60 Menschen ums Leben gekommen. Die Angreifer verübten in der Stadt Damaturu Bombenanschläge auf das Polizeihauptquartier, zwei Polizeiwachen und sechs Kirchen, berichteten Augenzeugen der Nachrichtenagentur AFP. Zu den Anschlägen bekannte sich ein Sprecher der islamistischen Sekte Boko Haram.
Ein Anwalt, der auf der Suche nach einem vermissten Freund das Regierungskrankenhaus von Damaturu besuchte, berichtete, er habe 60 Todesopfer gesehen. Ein Vertreter des Roten Kreuzes sprach von 63 Toten. Ein örtlicher Regierungsvertreter sagte, das Krankenhaus sei überfüllt mit Verletzten. Er gehe von hunderten Verletzten aus.
Die Anschläge ereigneten sich wenige Stunden nach einem Selbstmordattentat in der Stadt Maiduguri, die rund hundert Kilometer östlich von Damaturu gelegen ist. Maiduguri ist die Hauptstadt des Bundesstaates Borno und gilt als Hochburg der Sekte Boko Haram, die bereits in der Vergangenheit für zahlreiche blutige Anschläge verantwortlich war.
Bei den Angriffen in Damaturu wurden zunächst Bomben gezündet, bevor die Angreifer mit Schusswaffen das Feuer eröffneten. Das Polizeihauptquartier schien eines der ersten Ziele der Angreifer gewesen zu sein. Der Bauarbeiter Adamu Mohammed sagte, er habe die Leichen von fünf Polizisten gesehen. In dem mehrheitlich christlichen Stadtviertel mit dem Namen Jerusalem wurden sechs Kirchen, eine Polizeiwache und eine Werkstatt der Polizei angegriffen, wie der Bewohner Edwin Silas berichtete.
Boko-Haram-Sprecher Abul Qaqa bekannte sich in einem Telefongespräch mit der Nachrichtenagentur AFP zu den Bombenanschlägen. Zugleich kündigte er weitere Anschläge auf Regierungseinrichtungen an, "solange die Sicherheitskräfte nicht aufhören, unsere Mitglieder und Zivilisten zu verfolgen".
Nigeria ist zwischen dem mehrheitlich muslimischen Norden und dem überwiegend von Christen besiedelten Süden gespalten. Zwischen den Religionsgruppen bestehen seit langem Spannungen, die immer wieder in Gewalt münden. Ein 2009 von Boko Haram in Maiduguri initiierter Aufstand wurde von der Armee blutig niedergeschlagen.
Die Sekte strebt die Errichtung eines islamischen Staates im Norden des Landes an und verübt immer wieder Anschläge. Sie bekannte sich auch zu dem Anschlag auf den UN-Sitz in der Hauptstadt Abuja, bei dem Ende August 24 Menschen getötet wurden.
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