Kardinal Koch: Papstkritik an «Pfarrer-Initiative» war notwendig
Nachrichten 28/04/2012 11:05:12
(gloria.tv/ KNA) Der vatikanische Ökumeneminister Kardinal Kurt Koch sieht die päpstliche Kritik an der österreichischen «Pfarrer-Initiative» als «notwendig». Allerdings sei er zunächst erstaunt gewesen, dass der Papst dem «Aufruf zum Ungehorsam» überhaupt «die Ehre einer Erwähnung» gegeben habe, sagte Koch in einem Interview, das die Vatikanzeitung «Osservatore Romano» (Freitag) in Auszügen veröffentlichte.Der Papst habe sich in seiner Predigt am Gründonnerstag «klar, aber in einem sehr freundlichen Ton» geäußert, so der Schweizer Kardinal.
Zugleich zeigte Koch Verständnis für die Motive der Unterzeichner des Aufrufs. Viele Priester hätten sich der Initiative angeschlossen, weil sie sehr besorgt seien angesichts der seelsorgerlichen Probleme der heutigen Zeit. Er glaube jedoch nicht, «dass alle Unterzeichner mit der Entwicklung einverstanden sind, die diese Initiative genommen hat», so der Kardinal. Es sei das «traurige Paradox» der «Pfarrer- Initiative», dass Priester und Diakone zum Ungehorsam anstifteten. Dies sei ein «sehr unüblicher Tatbestand» für geweihte Personen.
Als tiefere Ursache für innerkirchliche Protestbewegungen im deutschsprachigen Raum bezeichnete Koch eine verzerrte Darstellung des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962-1965). Einen «angeborenen» Hang zur Auflehnung der deutschsprachigen Katholiken gegenüber Rom verneinte er hingegen.
Bis zum Ende der 50er hätten die Katholiken geschlossen, einig und treu zur römischen Kirchenleitung gestanden, so der Kardinal. Nach dem Konzil hätten die Massenmedien jedoch vor allem die Interpretation des Schweizer Theologen Hans Küng verbreitet. Dieser habe das Konzil als Bruch mit der kirchlichen Tradition und nicht als Weiterentwicklung dargestellt. Auf diese Sichtweise gründeten sich seiner Ansicht nach die «heutigen Unruhen» in den deutschsprachigen Ländern, sagte Koch. - Der vollständige Wortlaut des Interviews erschien am Freitag in der italienischen Wochenzeitung «Tempi».
















