Geschiedene Wiederverheiratete werden Thema bei Freiburger Diözesanversammlung
Nachrichten 11/06/2012 12:24:51
170 Priestern und Diakonen unterstützten Reformaufruf in einem Brief an alle Geistlichen des Bistums und bat darum, das Internet-Memorandum nicht zu unterzeichnen beziehungsweise eine geleistete Unterschrift zurückzuziehen.
Die Bistumsleitung teile zwar Grundanliegen des Aufrufs, wiederverheirateten Geschiedenen «neue Möglichkeiten der Beheimatung» in der Kirche zu eröffnen. Ein öffentliches Bekunden, sich «bewusst generalisierend und undifferenziert» über das Kirchenrecht hinwegzusetzen, sei aber nicht hilfreich, heißt es in dem Schreiben. Das Memorandum werde den mit dem Thema verbundenen theologischen und seelsorglichen Fragen nicht gerecht.
Die Bistumsleitung wirbt dafür, alle mit dem Thema verbundenen Probleme bei einer im Frühjahr 2013 geplanten Diözesanversammlung zu beraten. Kein anderes Thema werde derzeit so intensiv vorbereitet, sagte ein Bistumssprecher. Ziel seien Lösungen, die die persönliche Lage der Betroffenen berücksichtigten. Er verwies zudem auf vielfältige seelsorgliche Angebote der Kirche für Geschiedene, etwa des Seelsorgeamts oder des Geistlichen Zentrums des Bistums.
Nach dem Kirchenrecht sind Katholiken nach einer zweiten Eheschließung vom Sakramentenempfang ausgeschlossen. Hintergrund ist das katholische Verständnis von der Unauflösbarkeit der Ehe. Seit Jahren wird um einen anderen Umgang mit dieser Frage gerungen. Zuletzt bezeichnete Papst Benedikt XVI. die Nichtzulassung von wiederverheiraten Geschiedenen als «großes Leiden der heutigen Kirche». Auch Zollitsch sprach sich mehrfach für einen «barmherzigen» Umgang mit Katholiken aus, deren Ehe gescheitert ist.
In der vergangenen Woche hatten 13 katholische Seelsorger aus dem Erzbistum ein Memorandum online gestellt, in dem sie auf rasche Veränderungen drängen. Zugleich machten die Unterzeichner öffentlich, dass sie in ihren Gemeinden wiederverheiratete Geschiedene nicht länger vom Sakramentenempfang oder kirchlichen Aufgaben etwa im Pfarrgemeinderat ausschließen. «Uns ist bewusst, dass wir damit oft gegen derzeit geltende kirchenrechtliche Vorschriften der römisch-katholischen Kirche handeln», heißt es in der Erklärung. Den Aufruf haben bislang 170 Priester und Diakone unterzeichnet. Insgesamt gibt es bistumsweit knapp 900 Priester und 250 Diakone.


