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VON "FRAU WELT" VERLACHT UND VERSPOTTET Predigt zu Septuagesima von Kaplan A. Betschart

Am vergangenen Sonntag haben wir in der Predigt das Leben der heiligen Jungfrau Agnes betrachtet, die wegen des Glaubens und wegen der Tugend der Keuschheit das Martyrium auf sich genommen hat. Mit dem heutigen Sonntag Septuagesima beginnt bereits die Vorfastenzeit, die Vorbereitung auf die eigentliche Fastenzeit, dieser ernsten Zeit des Kirchenjahres. Die drei Sonntage der Vorfastenzeit möchte ich zum Anlass nehmen, über das ernste, aber sehr schöne Thema zu predigen: die Tugend der Keuschheit.
Wir kennen bereits von der letzten Predigt her den Allelujavers in der Messe von einer hl. Jungfrau und Märtyrin in der österlichen Zeit:

“O wie schön ist ein keusches Geschlecht im Tugendglanze! Denn unsterblich ist sein Andenken bei Gott und den Menschen.”

Mit so herrlichen Worten preist die Kirche den keuschen Menschen und in ihm die Tugend der Keuschheit.
Wenn wir unsere Zeit betrachten, ist sie nicht nur geprägt von einer erschreckenden Krise der Kirche - von einem gigantischen Glaubensabfall -, unsere Zeit ist ebenso geprägt von einem furchtbaren Zerfall der Sittlichkeit, näher hin der Sexualmoral. Der inzwischen verstorbene jugoslawische Kardinal Franjo Kuharić, Erzbischof von Zagreb, schrieb in seinem Hirtenbrief vom 17. April 1983:

“(Es) findet auf dem Gebiet der Geschlechtlichkeit ein Aufstand statt gegen alle Normen, die sie in Schranken halten wollen. Es ist ein Aufstand gegen die Würde der menschlichen Person, ein Aufstand gegen die Familie, ein Aufstand gegen das Leben. Dieser Aufstand, dieser Kampf tobt besonders gegen die Reinheit der Jugendlichen und gegen die eheliche Treue, gegen die Keuschheit in der Ehe und gegen die Empfängnisbereitschaft sowie gegen das ungeborene Leben. Dieser Aufstand greift in der Kirche den Zölibat und das Jungfräulichkeitsgelübde an. Aus der ungezügelten geschlechtlichen Begierde wächst das Verlangen noch völliger Ungebundenheit auf diesem Gebiet. Man wagt sogar, diese Forderungen als Fortschritt zu bezeichnen. Es entsteht eine Haltung des Nur-noch-Geniessen-Wollens. Die Sünde wird als ‘Befreiung’ gepriesen. Man macht sich lustig über den Wert der Unschuld, der Reinheit, des Schamgefühls - also über alle Werte, die das Geschlechtliche vor der Entehrung schützen und die Würde der Person verteidigen.”

Das Gift der Unkeuschheit wird überall ausgestreut. Durch die Mode, durch die Reklame; vor allem durch die Massenmedien ist die Verführung fast allgegenwärtig. Aber nicht nur der erwachsene Mensch, selbst die unschuldigen Kinder im Vorschulalter werden von dieser schmutzigen Flut bedroht. Diese bewusste Verführung der Kleinsten, Gottes liebster Geschöpfe, gehört zum Schändlichsten und ist ein Phänomen, das es meines Wissens in der Geschichte der Menschheit noch nie gegeben hat. Gemäss dieser Menschheitsgeschichte wissen wir, dass der Zerfall der Sexualmoral ganze Völker zu Grunde gerichtet hat.
Angesichts dieser Tatsachen soll deshalb wieder einmal die Schönheit und der strahlende Glanz der Tugend der Keuschheit, und was ihr entgegen steht, aufgezeigt werden. Denn die Keuschheit ist jene Tugend, die gegen diese schmutzige Flutwelle ein sicherer und schützender Damm ist für Seele und Leib.
Wie jede Tugend muss auch die Tugend der Keuschheit erkämpft werden und zwar solange, bis das Gut, das die Keuschheit darstellt, zur zweiten Natur, zur selbstverständlichen Haltung des betreffenden Menschen geworden ist.

Was ist Keuschheit?

Was aber ist denn Keuschheit? Der hl. Thomas von Aquin, der “allgemeine Lehrer der Kirche”, reiht die Keuschheit unter die Kardinaltugend der TEMPERANTIA ein, also unter ZUCHT und MASS, über die er sagt:

“Vornehmlich die Tugend der Zucht und des Masses beansprucht unter den Tugenden eine besondere Schönheit; und den Sünden der Zuchtlosigkeit ist am meisten Hässlichkeit eigen” (II, II 143).
“Zuchtlosigkeit streitet am meisten gegen des Menschen Klarheit und Schönheit” (II, II, 142, 4).


Das innerste Wesen der Keuschheit ist dann dies: Sie verwirklicht durch das In-Zucht-Nehmen der Geschlechtskraft jene Ordnung, die Gott für die Weitergabe des Lebens in den Menschen hineingelegt hat. Wie die Tugend der Armut von der Bindung und der Versklavung an die Erdengüter befreit und deren Gebrauch regelt, so befreit die Keuschheit von der Versklavung an die Sinne und gibt ihnen das rechte Mass.
Die Tugend der Keuschheit ist aber mehr als nur Triebbeherrschung. Sie ist in ihrem tiefsten Wesen eine Haltung der Ehrfurcht vor dem Geheimnis der Weitergabe des menschlichen Lebens - eine Ehrfurcht, um die sich sowohl der Verheiratete als auch der Unverheiratete bemühen muss. Wer ohne triftigen Grund alles sehen, alles hören, alles ausprobieren will, dem fehlt diese Haltung, die wir Schamhaftigkeit nennen können. Wer auf diese Weise schamlos handelt, gleicht einem, der sein Haustor jedem Eindringling weit offen lässt. Die Sinne sind das Tor zur Seele. Durch die Schamhaftigkeit müssen die Sinne bewacht werden, damit der Schatz der Keuschheit nicht gefährdet wird.
Das Bewahren der Ordnung der Geschlechtskraft war im Paradies eine Selbstverständlichkeit. Seit dem Sündenfall Adams und Evas ist auch diese Ordnung auf das Empfindlichste getroffen und gestört worden, so dass es, wie auf allen anderen sittlichen Gebieten, auch hier einer steten und bewussten Willensanstrengung bedarf, um entsprechend dieser von Gott zum Segen des Menschen gesetzten Ordnung zu leben.
Die Ordnung der Geschlechtskraft kann seit der Erlösung des Menschen durch Jesus Christus, seit dieser Neuschöpfung, in zweifacher Weise verwirklicht werden: einmal in der Ehe oder in der Jungfräulichkeit. Einzig und allein in der sakramental geschlossenen Ehe darf von der Geschlechtskraft Gebrauch gemacht werden zur Weckung neuen Lebens und als Ausdruck gegenseitiger Liebe der beiden Ehegatten. Dabei ist mit dem hl. Thomas von Aquin - gegen einen unbewusst schwelenden Manichäismus, der die leibliche Zeugung irgendwie als unrein und unter der wahren Würde des Menschen gelegen verdächtigt -, deutlich festzuhalten, dass der Sinn und der Zweck der Geschlechtskraft nicht nur ein Gut, sondern ein “überragendes Gut” ist (II, II; q. 153, a. 2).
Gerade deshalb, weil sie ein überragendes Gut darstellt, wird ihr Missbrauch zu einem schweren Schaden für den betreffenden Menschen, nicht nur - um ein Beispiel zu nennen - für den Leib durch die medizinisch nicht besiegte Krankheit Aids, sondern noch viel mehr für Seele und Geist. Der hl. Thomas von Aquin nennt als erstgeborene Tochter der Unkeuschheit die Blindheit des Geistes (caecitas mentis). Eine Folge davon ist: was der Tugend der Klugheit entgegen sei, habe meistens ihre Wurzeln in der Unkeuschheit. Ebenso werde nicht nur die Kraft zu Willensentscheidungen durch die Unkeuschheit zerrüttet, sondern es werde gerade jene innerste Kraft der Seele geschwächt und getrübt, um für die Realität, für die Wirklichkeit offen zu sein, also das erkennen zu können, was ist. Deshalb gilt für immer:

“O wie schön ist ein keusches Geschlecht im Tugendglanze! Denn unsterblich ist sein Andenken bei Gott und den Menschen.”

Es segne und behüte Sie der allmächtige und barmherzige Gott: der VATER, der SOHN und der HEILIGE GEIST!"

Amen.

Bildquelle: de.wikipedia.org/wiki/Keuschheit%3a Hans Memling Allegorie der Keuschheit
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Pfarrer Hans Milch sagte dazu treffend: 'Fortschritt ist immer das Zauberwort der Dekadenz.'
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