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Tradition und Glauben

Geistliche Allergie oder die dunklen und lichtvollen Internetpräsenzen

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Allergie als Metapher

Der Schreiber dieser Zeilen hat unlängst erfahren, dass er an einer Staub-Milben-Allergie leidet. Diese Diagnose ist recht neu, da er bisher keine Allergien hatte, obwohl der Kontakt mit Staub durchaus gegeben war. Da Allergien auch psychisch bedingt sind, vom allgemeinen Zustand des Immunsystems abhängen und daher kommen und gehen können, daher braucht man sich darüber keine Sorgen zu machen und wenn man an die göttliche Vorsehung glaubt, dann erst recht nicht. Dennoch stellt diese Diagnose einen Befreiungsschlag dar, da all das, was er für Erkältungserscheinungen hielt, sind der Allergie geschuldet, welche eine kleine dauernde Infektion auslöste zu denen sich auch äußere Infektionen zugesellten, was zu Krankheiten führte. Alles in allem: „Nicht jammern, noch öfter den Staub wischen.“

Sie werden sich wahrscheinlich fragen, was diese Vorbemerkungen sollen, da sie verdächtig an eine deutschsprachige Predigt erinnern, bei der man beim Weltlichen anfängt, zum Weltlichen übergeht und schließlich beim Weltlichen endet. Unsere Allergie soll aber den ersten Teil eines Analogieschlusses bilden, bei dem man die Verfahrensweise: wie im weltlichen oder im Natürlichen (in naturalibus), so im Geistlichen oder im Übernatürlichen (in supranaturalibus) anwenden. Der Analogieschluss ist die traditionelle und richtige theologische Methode, von Progressiven und Modernisten verlacht, sodass wir davon ausgehen können, dass sie stimmt. Wofür steht denn die Allergie? Für die geistliche Verpestung oder den geistlichen Staub. Denn so wie ein Stauballergiker vom Staub, den er einatmet krank wird, so wird ein Frommer von den Kontakten mit Unfrommen geistlich krank. Bevor wir dies näher erläutern ein paar einführende Bemerkungen.

Unter einem Frommen verstehen wir theologisch gesehen einen Gerechten, im Sinne eines Gerechtfertigten (iustus). Der katholische Rechtfertigungsbegriff lautet nach dem Konzil von Trient wie folgt:

"Rechtfertigung ist nun „die Versetzung aus dem Zustand, in dem der Mensch als Sohn des ersten Adam geboren wird, in dem Zustand der Gnade und der Annahme zu Gotteskindern durch den zweiten Adam Jesus Christus, unseren Erlöser“. (DH 1524)

Die Theologie unterscheidet zwischen der negativen und positiven Seite der Rechtfertigung. Die negative Seite besteht in der wahrten Sündentilgung, die positive in der übernatürlichen nun Heiligung und Erneuerung des inneren Menschen (DH 1528).[1] Ein Gerechter ist ein zumindest Getaufter, der im Gnadenstand lebt und niemals in eine schwere Sünde gefallen ist. Es kann also Fromme und Gerechte auch unter den Nichtkatholiken geben, wenn sie in unüberwindbarer Unwissenheit (ignorantia invicibilis) leben und zwar bezüglich der katholischen Wahrheit der Katholischen Kirche, welche weiterhin die allein seiligmachende ist. Ein in der unüberwindbarer Unwissenheit lebender Nichtkatholik hat aber wesentlich weniger Gnadenhilfen als ein Katholik zur Verfügung, sodass seine Werke vor Gott viel weniger verdienstvoll sind (nun meritoria), seine Heiligkeit kleiner, seine Fegefeuerstrafe länger und sein Platz im Himmel ferner. Hier sprechen wir aber von einer recht idealistischen Situation, dass jemand niemals in schwere Sünde fallen sollte. Beim Katholiken ist die Sündenvergebung in der Beichte, natürlich unter der Einhaltung aller Bedingungen einer guten Beichte, gewiss, einem Protestanten bleibt nur ein Akt der Liebesreue (contritio) übrig, also ein Akt der Reue allein aus Liebe zu Gott. Also nicht aus Furcht oder Eigennutz. Echte Liebesreue ist sehr selten und außersakramentale Sündenvergebung der schweren Sünde ebenso. An dieser Stelle wird unter einem Frommen oder Gerechten (iustus) ein im Gnadenstand lebender Katholik gemeint, der betet, beichtet, andere Sakramente empfängt und sogar jede lässliche Sünde meidet. Es ist also schon der obere Bereich gemeint und kein Durchschnittskatholizismus. Warum denn diese Eingrenzung? Weil man nur in diesem Zustand seinen geistlichen Eindrücken einigermaßen erfüllen trauen kann.

Sensus fidei, geistliche Wahrnehmung und das Internet

Die Kirche spricht vom sensus fidei – dem Glaubenssinn, welcher nur einem im Gnadenstand Lebenden eigen ist. Die Kirchenväter sprechen doch tatsächlich von einem quasi zusätzlichen Sinn, durch welchen wir die göttliche, d.h. die übernatürliche und geistige Wirklichkeit Gottes, wahrnehmen können. So spricht der Cyrill von Jerusalem (gest. 387) in seiner Ansprache an die Neugetauften von einem geistigen Sehen:

Meine Zuhörer, die ihr jetzt den Herrn mit geistigen Augen schaut, höret auf seine Worte, welche er auch zu euch spricht: „Sehet zu, dass euch niemand irre führe!“[2]

Dieser Glaubenssinn ist aber nicht nur intellektuell zu verstehen, sondern tatsächlich mit einer immer genaueren Wahrnehmung und Unterscheidung des Geistlichen identisch. Das ganze Werk über die Geistesunterscheidung von Kardinal Bona, das wir hier vorstellen, ist in diesem Bereich gewidmet.

Ein Leser hat uns in einem Kommentar vorgeworfen, dass von unserem Blog geht zu eine Dunkelheit ausgeht. Interessanterweise haben wir die gleiche Empfindung, wenn wir, nennen wir sie einfach die geistlich-virtuelle Internetpräsenz unseres polnischen und unseres deutschen Blogs vergleichen. Der polnische ist irgendwie lichtvoller, positiver, fröhlicher, der deutsche leider irgendwie trockener und dunkler. Woran kann es liegen? Da der Schreiber dieser Zeilen zwar nicht alle aber doch viele der polnischen oder deutschen Beiträge selbst verfasst hatte, so kann es nicht an ihm selbst liegen, dass sich seine geistliche Ausstrahlung, sowohl im positiven als auch im negativen Sinne, allein durch die gewählte Sprache auswirkt. Auf unserem polnischen Blog gibt es auch sehr substantielle Kirchenkritik, sowie eine substantielle Kritik sowohl vieler nachkonziliarer Erneuerungsbewegung als auch Kritik der Piusbruderschaft. Wir haben uns demzufolge viele Feinde in vielen Gruppierungen gemacht, die uns ab und zu schmähen und uns Böses wünschen. Da der Schreiber dieses Blogs in einem deutschsprachigen Land lebt und den Verfall der Kirche täglich und buchstäblich vor Augen hat, so kann es durchaus sein, dass er selbst, wenn er auf Deutsch schreibt, pessimistisch gesonnen ist. Es kann auch sein, dass wir auf unserem deutschsprachigen Blog ihr tatsächlich mehr Kirchenkritik als positiver katholischer Lehre darstellen. Während also auf dem polnischen Blog das Verhältnis Positives zum Negativen etwa sieben zu drei beträgt, ist es wohl auf dem deutschsprachigen Blog genau umgekehrt. Es scheint irgendwie zu stimmen, dass die geschriebenen Worte irgendwie in der virtuellen Wirklichkeit des Internets stehen und wirken. Je mehr also an Negativität des Inhalts, umso negativer die Ausstrahlung. So kann man auch verstehen, warum von vielen katholischen, traditionellen, traditionalistischen oder sedisvakantistischen Seiten, obwohl sie auch die reine katholischer Lehre wiedergegeben, wirklich reine Dunkelheit ausstrahlt. Andererseits strahlt aus vielen katholischen Seiten, die sich meistens an einer recht emotionalen Religiosität und an den Privatoffenbarungen richten eine Art verdorbene Süßigkeit aus. Natürlich sind dies höchst subtile und subjektive Eindrücke, welche der Schreiber dieser Zeilen dennoch hiermit wiedergibt auch auf die Gefahr hin sich völlig lächerlich und unglaubwürdig zu machen. Dennoch hat er diese Eindrücke, wenn er durch das Internet surft.

Er hat diese Eindrücke aber auch, wenn er mit bestimmten Menschen spricht (Priester, Theologen, Theologieprofessoren, Ordensschwestern, Gremienkatholiken und viele andere auch). Sie strahlen in den meisten Fällen eine Dunkelheit und Trockenheit aus, manchmal mit sehr viel persönlicher Bosheit verbunden. Er hat diese Eindrücke in sehr vielen Kirchen, Kapellen, katholischen Akademien und anderen Einrichtungen, Pfarreien oder theologischen Fakultäten vernommen. Ja, es gibt auch durchaus lichtvolle Personen und Orte, oder auch dunkle Orte, an denen sich ab und zu etwas Reines und Lichtvolles präsentiert, aber sie sind die Ausnahmen. Man muss einfach davon ausgehen, dass alle unsere Gedanken Worte und Werke eine geistliche und bleibende Präsenz produzieren. Dies erklärt auch die sogenannten gnadenvollen Orte oder die heimgesuchten Orte, von denen man sich möglichst schnell entfernen möchte. Aber nicht nur das, was an einem Ort passierte macht seine geistliche Atmosphäre aus, sondern auch diejenigen, die solch einen Ort besuchen tragen das Ihre zu seiner Atmosphäre bei. Deswegen kann man einen ursprünglich heiligen Ort, an dem Heiliges jahrhundertelang stattfand, gezielt entweihen, die neulich dem Kölner Dom auf eine Anweisung von Kardinal Woelki hin, welcher persönlich einen Techno-Abend im Dom bewilligte. Dies ist aber nichts Neues, weil ihm die Feinde der Kirche, meistens allerdings keine Geistlichen, die Kirchen schändeten, indem sie diese zweckentfremdeten. So wurde die Hagia Sophia, die heiligste Kirche in Konstantinopel, 1206 von plündernden Horden der, leider Gottes, Kreuzritter in einen Pferdestall umgewandelt, die Kathedrale Notre Dame diente nach der französischen Revolution eine nackte Schauspielerin auf dem Altar aufzustellen und diese als die Göttin Vernunft anzubieten. Man kann also einen heiligen Raum oder auch eine heilige Präsenz, vielleicht auch virtueller Natur, entweihen. Zwar halten wir unseren Blog nicht für einen heiligen Raum, wir glauben aber auch nicht, dass wir diese ganze Dunkelheit, die von unserem Blog ausgeht tatsächlich selbst produzieren. Unsere Leser können sich dazu äußern. [...]

Lesen Sie weiter unter: traditionundglauben.wordpress.com/…/geistliche-alle…

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elisabethvonthüringen
Als "Hochmedialveranlagter" braucht der Verwandte das Internet auch nicht, er sieht ja eh alles, bevor es geschieht!
Josef Berchtold
Ein Verwandter von mir, welcher hoch medial veranlagt ist und ein Seher, lehnt das Internet als Teufels Zeug total ab. [더보기]
elisabethvonthüringen
Zu den "Unglückspropheten von 1960" zählte ja auch der spätere Papst Benedikt...

'Leidenschaftlicher Umgang mit dem Wort Gottes'

Benedikt XVI. über die Theologie in Deutschland: „Die deutsche Universitätstheologie ist sicher in einer Krise und braucht neue Köpfe, braucht neue Energien, braucht eine neue Intensität des Glaubens“
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elisabethvonthüringen
<<<Wir haben auch keinen Einfluss darauf, wer diesen Blog besucht, möchten aber, dass ihr etwas Positives von hier mitnimmt, wozu wir nach dem besten Wissen und Gewissen beitragen möchten.<<<
Ich bin immer sehr dankbar für alle Arten von "Positiven", die ich durch irgendjemanden von irgendwo mitnehmen kann.

Diese , durch die Unglückspropheten von 1960 angekündigte Zeitspanne, gilt es ja jetzt … [더보기]
Falko
Ich denke, Ihre Beobachtungen treffen zu. Ich kenne im Unterschied zu den deutschen Blogs auch einige kroatische. Die Eindrücke decken sich mit den Ihren. Ich sehe darin die Krise, die wieder den starken Kräften des wahren Glaubens zum Durchbruch verhelfen wird. Deutschlands Krise ist allumfassend, und diese Immunschwäche zieht alle anderen Infektionen an, so ist es.