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Das kann doch einen Seemann nicht erschüttern – Von Monsignore N.N.

Vor kurzem wurde ich zu einem mir bis dahin nicht bekannten Schwerkranken gerufen, der vor den Toren der Stadt auf dem Lande wohnte.

Seine Familie instruierte mich auf der Fahrt genau. Da der sterbende Großvater beim Anblick eines Priesters und den entsprechenden Texten zur Letzten Ölung erschrecken könnte, solle ich in Zivilkleidung erscheinen und das Sakrament so spenden, dass Opa nichts davon mitbekäme.

Er sei zwar seit rund fünfzig Jahren nicht mehr in der Kirche gewesen (und hat somit den Neuen Ritus sozusagen übersprungen), aber ansonsten ein Familienmensch, arbeitsam und äußerst tierliebend. Was will man mehr!

Um ihn nicht zu beunruhigen, hatte man ihm weisgemacht, es käme ein Arzt vorbei. Ich fragte, ob sich der Großvater nicht wundern werde, wenn der Doktor ihm zwar sämtliche Sinnesorgane salbe, aber weder den Blutdruck noch das Fieber messe.

"Das gehe schon in Ordnung", meinten sie, denn so klar bei Sinnen sei Opa nun auch nicht mehr, um auf solche Details zu achten.

Als ich zu dem Kranken ins Zimmer trat, war dort die ganze Familie, teils andächtig schluchzend, teils mit dem Handy hantierend, ums Bett versammelt.

Das erste, was mir beim Opa ins Auge stach, war das großflächige Tattoo einer textilfreien ‚Seemannsbraut’ auf seiner Brust, wie ich sie eher bei Seeleuten oder Gefängnisinsassen vermutet hätte.

Mit dieser Szene vor Augen und um Andacht bemüht, spendete ich ihm nacheinander die bedingungsweise Lossprechung, die Letzte Ölung und den Päpstlichen Segen – mehrfach unterbrochen vom Hinweis piano, piano!, [leiser!, leiser!], das heißt, ich möge doch leiser sprechen, denn sonst könnte der Opa am Ende noch mitkriegen, worum es geht.

Die „volle und tätige Teilnahme des Volkes Gottes“ (Sacrosanctum Concilium 14) bei der Sakramentenspendung war wohl anders gedacht, aber ich fühlte mich durch den Hinweis aus SC 75 ermutigt, dass die Gebete der Krankensalbung „den verschiedenen Verhältnissen der das Sakrament empfangenden Kranken gerecht werden“ sollen.

Am Schluss des Versehgangs war der Atem des Kranken unter der Sauerstoffmaske ganz ruhig geworden, als hätte er auf die Gnade der Sakramente gewartet. Er starb friedlich am nächsten Tag.

Nach dem Requiem und der Beerdigung, die ich auf Wunsch der Familie halten sollte, bedankte sich die Familie und fragte gleich an, ob ich im Herbst die Hochzeit ihres Enkelsohnes halten könnte.

Als der junge Bräutigam zum ersten Mal in die Kirche kam, um sich vorzustellen, bemerkte ich gleich die Ähnlichkeit mit seinem Großvater.

Was nicht zu übersehen war: Er trug stolz das gleiche Seemannsbraut-Tattoo – wie er mir sagte „aus Liebe zum Opa“.

In Italien hält man eben noch auf Familie, deren Bande buchstäblich bis unter die Haut gehen.
SvataHora
Dem Toten hat das nichts geholfen. Es war ein Ritual für die Hinterbliebenen, auf das sie aus Gewohnheit eben nicht verzichten wollten.
Chris.Izaac
Für mich eher ital. Aberglaube.
Tue einem Ungläubigen die letzte Ölung geben und das war´s.
Wer ungläubig stirbt, wird auch ungläubig vor dem HERRN stehen.

Man möge mir nachweisen, dass es anders ist.

Ferner finde ich es vom Priester nicht gut, dass er so gehandelt hat.
Ich hätte der Familie erklärt, dass es mit dem Öl nicht getan ist, sondern er glauben muss und man ihn überzeugen muss. Und …More
Für mich eher ital. Aberglaube.
Tue einem Ungläubigen die letzte Ölung geben und das war´s.
Wer ungläubig stirbt, wird auch ungläubig vor dem HERRN stehen.

Man möge mir nachweisen, dass es anders ist.

Ferner finde ich es vom Priester nicht gut, dass er so gehandelt hat.
Ich hätte der Familie erklärt, dass es mit dem Öl nicht getan ist, sondern er glauben muss und man ihn überzeugen muss. Und wenn er und diese nicht wollen... dann eben nicht.
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Eremitin
was für ein Quatsch!
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michael7
Gegen den freien Willen ist ein Sakrament nicht gültig.
Bei Bewusstlosigkeit kann es zwar bedingungsweise gespendet werden, da man ja nicht weiß, ob die Zustimmung vorhanden ist, weil der Betreffende sich ja nicht äußern kann.

Darf man aber einen Sterbenden einfach täuschen oder einschläfern, damit er von den Sterbesakramenten nichts mitbekommt?
Muss man ihm wenigstens nicht kurz klar machen, …More
Gegen den freien Willen ist ein Sakrament nicht gültig.
Bei Bewusstlosigkeit kann es zwar bedingungsweise gespendet werden, da man ja nicht weiß, ob die Zustimmung vorhanden ist, weil der Betreffende sich ja nicht äußern kann.

Darf man aber einen Sterbenden einfach täuschen oder einschläfern, damit er von den Sterbesakramenten nichts mitbekommt?
Muss man ihm wenigstens nicht kurz klar machen, in welch entscheidendem Augenblick er nun eintritt und dass er jetzt noch die sakramentale Hilfe bekommt, die für sein ewiges Heil entscheidend sein kann?
Es kann sein, dass er nur stillschweigend zustimmt oder vielleicht auch nur leicht nickt. Falls er aber entschieden ablehnt, kann er das Sakrament wohl nicht empfangen. Doch kann und soll man trotzdem (still) Gebete für ihn sprechen. Früher wachte und betete man für solche Sterbende oft stunden- und tage/nächtelang. Vielleicht bekommt er dann doch noch die Gnade, die er braucht.

Es ist ja das Übel der heutigen Zeit, dass man die Menschen oft schon zu Lebzeiten "einschläfert" und ihnen vorgaukelt, sie bräuchten sich nicht für Gott oder das Gute und gegen das Böse entscheiden.
Darf dieses Vortäuschen eines Lebens, in dem man sich nicht entscheiden muss, im Angesicht des nahen Todes noch weitergeführt oder verstärkt werden?! Möglicherweise verhindert man dadurch sogar eine wirkliche Umkehr und einen gültigen Empfang der Sakramente??!

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HerzMariae
Diese humoristischen Geschichten aus dem Leben eines Pfarrers sind genau das richtige für unsere triste Kirchenkrise.
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