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Lassen wir uns rühren von Anna Katharina Emmerick in der Karfreitagsschau.

Kaiphas war ein gesetzter Mann von glühendem, grimmigen Angesicht. Er trug einen langen, dunkelroten, mit goldenen Blumen und Quasten verzierten Mantel.
Kaiphas war schon ziemlich lange Zeit mit seinen Anhängern des Hohen Rates versammelt. Seine Ungeduld und sein Grimm wuchsen so hoch, dass er selbst in seinem ganzen Ornat von dem hohen Sitz in den Vorhof hinablief und zankte und fragte, ob er (Jesus) noch nicht bald komme; indem näherte sich der Zug (mit dem gefangenen Jesus).

Unter tobendem Hohngeschrei, Stossen, Reissen und mit Unflat beworfen, ward Jesus in das Atrium geführt, wo ein dumpfes Murren und Flüstern des zurückgehaltenen Grimms an die Stelle der ungebundenen Pöbelwut trat.

Kaum war Jesus durch die Säulen empor vor den Hohen Rat getreten, als Kaiphas ihm auch schon entgegenschrie:" Bist du da, du Gottesschänder, der uns diese heilige Nacht zerstört!"
Kaiphas ergoss sich in einem Strom von Schimpfnamen und Vorwürfen gegen Jesus, und die Schergen und näherstehenden Soldaten zerrten und stiessen unseren Herrn; sie hatten eiserne Stäbchen in den Händen, an denen oben stachelige, birnenförmige Köpfe sassen, mit welchen sie ihn hin und her stiessen und dazu schrien:"Antworte! Oeffne den Mund! Kannst du nicht reden?"
Alles dies geschah, während Kaiphas noch grimmiger als Annas eine Unzahl stürmischer Fragen an Jesus tat, der still und leidend vor sich nieder sah, ohne Kaiphas anzublicken.

Die Schergen aber wollten ihn zum Reden zwingen, sie stiessen ihn in den Nacken und in die Seite, sie schlugen ihn auf die Hände und stachen ihn mit Pfriemen. Ja, ein greulicher Bube drückte mit dem Daumen die Unterlippe auf die Zähne und sagte:"Hier, nun beisse!"

Nun aber folgte das Zeugenverhör.Es war dies ein wildes Schreien und Toben von bestochenem Pöbel. Alle seine Worte, Lehren und Parabeln wurden verdreht und verkehrt, von Schimpfworten und Misshandlungen unterbrochen und als Beschuldigungen gegen ihn vorgebracht. Alle widersprachen und verwickelten sich (in Widersprüche).
Die Zeugenhaufen traten ab und auf und schimpften ihm mehr ins Gesicht, als dass sie zeugten. Sie stritten heftig untereinander, und dazwischen setzte sich das Schimpfen von Kaiphas und einzelnen Räten ununterbrochen fort.

Sie schrien immer zwischendurch: "Welch ein König bist du? Zeige deine Macht. Wo hast du das Geld der Witwen und Toren hingebracht, ganze Güter hast du verschleudert. Antworte, rede!"
Alle diese Reden wurden von steten Misshandlungen durch die Gerichtsdiener begleitet, die ihn mit Schlagen und Stossen zum Antworten zwingen wollten.

Durch Gott allein konnte er bei allem diesem noch länger leben, um die Sünden der Welt zu tragen.
Einige niederträchtige Zeugen sagten aus, der Herr sei ein unehelicher Sohn; da widersprachen aber andere und sagten: "Das ist erlogen, denn seine Mutter war eine fromme Jungfrau im Tempel, und wir waren bei ihrer Trauung mit einem sehr gottesfürchtigen Mann zugegen."
Dann ging das Zanken und Misshandeln weiter.

Kaiphas wurde nun ganz erbittert, denn die Misshandlung Jesu, der Widerspruch der Zeugen und die unbegreiflich stumme Geduld des Angeklagten machten einen sehr üblen Eindruck auf viele Anwesende.
Einigemal wurden die Zeugen schier verlacht. Viele wurden bei dem Schweigen Jesu bange im Gewissen, und etwa zehn Kriegsknechte wurden so dadurch gerührt, dass sie unter dem Vorwand der Uebelkeit sich hinwegbegaben; und als sie bei Petrus und Johannes vorüberkamen, sprachen sie zu ihnen:"Dieses Schweigen Jesu des Galiläers bei so schändlichem Verfahren ist herzzerreissend, es ist, als solle einen die Erde verschlingen. Aber sagt, wo sollen wir uns hinwenden?"
Die beiden Apostel aber, vielleicht weil sie ihnen nicht trauen und fürchteten, von ihnen als Jünger verraten zu werden, antworteten mit traurigem Blick nur im allgemeinen:"So euch die Wahrheit ruft , lasst euch von ihr führen, das übrige wird sich finden."
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