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CSc 5

Lobpreis der Barmherzigkeit und Gerechtigkeit Gottes

„Was wir nur schwer miteinander in Einklang bringen können, vereinbart sich in Gott: die Barmherzigkeit und die Gerechtigkeit. Gott, der uns aus der Tiefe unseres Elends herausheben wollte, hat unsere Schuld gesühnt. Er hat seine Herrlichkeit, die von uns in Mißkredit gebracht wurde, wiederhergestellt. Wir müssen diese großartige Verherrlichung lieben und alles Leid, das sie fordert, großmütig annehmen. Wir müssen die Barmherzigkeit und die Gerechtigkeit bis hin zu den ewigen Strafen sehen, lieben und besingen. Auf den ersten Blick ist das ein entsetzliches Mysterium. Es erhellt sich aber durch die fortgesetzte Glaubensbetrachtung. Für alle geht die Barmherzigkeit »bis zum Äußersten« (Joh 13, 1). Es ist nicht ihre Schuld, wenn das Elend nicht geheilt wird. Es hängt vom Menschen allein ab, daß die göttliche Liebe abgelehnt wird. Die Annahme der Gnade ist das Werk der Gnade, der Wille stimmt ihr zu. Die Ablehnung der Gnade ist das Werk des menschlichen Willens allein. Das Herz des Vaters hat sich voll Erbarmen zu seinem rebellischen Kind hingeneigt. Es hat zu seinem Herzen gesprochen. Er hat etwas eigentlich Unmögliches getan, um es zu erweichen, um von ihm angenommen zu werden. Ehre sei der Barmherzigkeit! Der aus eigener Schuld Verdammte wird diese Anstrengung der Liebe leuchten lassen, und der Glanz dieser Liebe erstrahlt in den Gerechten.“

Augustin Guillerand, Im Angesicht Gottes. Gebetserfahrungen eines Kartäusermönch, Jaidhof 2001 [1956 erstmals veröffentlicht], S. 106f.

Siehe auch: Warum befahl Gott den Israeliten die Ausrottung der Heiden?

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