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M.RAPHAEL
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Etwas zu meinen Beiträgen auf Gloria TV

Gestern haben wir bekanntlich die traditionelle Liturgie des fünften Sonntags nach Pfingsten gefeiert. Das Evangelium war Mt. 5, 20-24. Hmmh, habe ich nicht den einen oder anderen, wenn nicht die ganze Moderne, hier schon als gottlos bezeichnet? Ja, aber trotzdem verstoße ich nicht gegen die Weisung unseres Herrn. Warum?

Ich greife niemals Personen persönlich an. Ich werde niemals eine unsterbliche Seele richten oder eben als gottlos verurteilen. Jeder Mensch hat eine unhintergehbare Würde, die ihm nicht genommen werden kann. Er kann sie nur selbst in einem endgültig entschiedenen Akt der Verneinung Gottes aufgeben. Darüber zu entscheiden ist nicht die Sache von uns auf Erden, mögen wir noch so fromm sein.

Ich unterscheide zwischen, sich in Bezug auf irdische Sachverhalte rasend zu streiten und zu zanken, und, sich gleichzeitig immer gegenseitig die Würde zu unterstellen, die der göttlichen Liebe entspringt.

Mein Vater hat auf eine solche Kultur der offenen und tabulosen Kritik bestanden. Gerade weil wir uns in unserer Familie unbedingt geliebt haben, war das möglich. Heute setzt es zwei, drei bessere Argumente und es fliegen die Fetzen (unendlich bzgl. der Frage, ob Kinder mit oder ohne Anlagen auf die Welt kommen), morgen sind wir wieder eine liebevolle Familie. Das tut manchmal weh, aber langfristig ist es die Grundlage jeder Wahrheitssuche und –liebe. Mein höchstes Ziel ist es, der Wahrheit die Ehre zu geben. Da Gott die Wahrheit ist, bedeutet das die radikale Verherrlichung Gottes.

Als mir der Teufel in einer Art Vision gezeigt worden ist, war er hinter einer weißen Wand der Unschuld, der Tabus. (Vielleicht werde ich irgendwann mal diese Erfahrung hier schildern. Sie war wichtig für meine Aktivierung durch den Herrn nach langen Jahren des Schlafes.) Nein, es gibt es keine Tabus und keine Unschuld auf der Jagd nach dem Bösen. Aber, wie gerade erwähnt, der liebende Respekt vor der Würde der konkreten Person und Seele wird unbedingt eingehalten. Die Privatsphäre gilt absolut. Sartre hat geirrt, als er glaubte, dass Gott auf die Toilette mitkommt.

Der Feind erscheint immer als unschuldig. Meistens versucht er, überhaupt nicht aufzutauchen und Sündenböcke für sein böses Handeln vorzuschieben, damit diese verfolgt und bestraft werden. Das findet er besonders lustig.

Dem Herrn hat es gefallen, mich überall hinzuschicken, um mir alles anzusehen. Da bekommt man schon einiges mit. Heimtücke und Hinterhältigkeit, Selbstillusionen der Unschuld und machtorientierte Selbstgerechtigkeit findet man überall. Dabei sitze ich eigentlich in meiner Zelle der Stille und höre auf den Geist. Er will meine kindliche Einfachheit. Gerade die erlaubt mir, die Wucht des Schleims zu ertragen. Oft bin ich ziemlich geschafft. Der Druck ist immens. Besonders schwer wird es, wenn man die Grenzen der bürgerlichen Vernunft hinter sich lassen muss. Dann verliert man schnell jeden Respekt. Der Kampfanzug wird schmutzig. Aber es geht nicht anders. Der Feind versteckt sich im Abgrund der menschlichen Gier und der dazugehörigen Verlogenheit.

Mich interessiert alles, was die Heilige Liebe verdunkelt und es unmöglich macht, sie zu erkennen. Das ist natürlich vor allem die ausgeklügelte Formensprache des Novus Ordo, die die Heilige Kirche in eine oberflächliche Nettigkeit pervertieren soll. Übermäßige Vertrautheit zerstört Respekt. Das ständige Ausplappern der heiligen Geheimnisse intendiert am Ende die Vernichtung der Kirche. Die Menschen sollen vom Knien emanzipiert werden. Nur dann kann es die lange angestrebte Einheitsreligion der humanistischen Vernunft geben. Auf Dauer gibt es im Novus Ordo weder Liebe noch Vertiefung. Es gibt nur bürgerliche Selbstbestätigung. Die Verlogenheit ist nicht zu ertragen.

Die göttliche Liebe wird überall angegriffen und verneint, in der Kultur, in der Mode, in der Wirtschaft, in der Politik, in der Sexualität, usw. Da gibt es viele liebgewonnene Privilegien oder Eitelkeiten, die aber hinterfragt werden müssen. Dafür werden mich selbst Gloria TVler manchmal nicht mögen, obwohl ihnen vieles davon im Regelfall genauso bewusst ist, wie mir. Die Heilige Liturgie ist ihr Lehrmeister. Trotzdem, es geht nicht anders. Sollte ich Dinge nicht klar sehen, bitte ich um Kritik. Am wichtigsten ist aber, dass ich meine ganze Arbeit im Dienst für das traditionelle katholische Lehramt verstehe. Nur dieses ist am Ende die Richtschnur der Wahrheit. Wenn ich unabsichtlich oder unwissentlich davon abweiche, ist es mein Fehler. Dann bitte ich um Berichtigung.

Abschließend, wenn ich also einen hochrangigen Kirchenvertreter als gottlos bezeichne, dann nicht um ihn zu verurteilen, sondern um ihm klarzumachen, dass er m.E. nicht der Wahrheit und Liebe dient. Er möge bitte umkehren. Er wird sich vor Gott verantworten müssen, wie wir alle. Das ist sehr real. Es ist eine quasi wissenschaftliche Aussage objektiver Wahrheit. Verstans?
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MMB16
Ihre sehr geschätzten Beiträge las ich immer mit Gewinn.

Doch geht es dem Menschen, zumal dem Modernen, der Inkarnation des Humanismus, um Wahrheit?

Ich denke nicht. Es genügt ihm der Spiegel:
Kardinal Ouellet hat Erzbischof Viganò der "Gotteslästerung" beschuldigt, weil er Franziskus kritisiert hat
(Es gab da noch einen Cartoon mit diesem Franziskus, den ich nicht finde.)

Der Mensch …More
Ihre sehr geschätzten Beiträge las ich immer mit Gewinn.

Doch geht es dem Menschen, zumal dem Modernen, der Inkarnation des Humanismus, um Wahrheit?

Ich denke nicht. Es genügt ihm der Spiegel:
Kardinal Ouellet hat Erzbischof Viganò der "Gotteslästerung" beschuldigt, weil er Franziskus kritisiert hat
(Es gab da noch einen Cartoon mit diesem Franziskus, den ich nicht finde.)

Der Mensch sucht sich - und findet sich. Narzissmus, Selbstvergewisserung, im Extremen Selbstgerechtigkeit sind sein Fluch. Er dreht sich um sich selbst. Immer und immer wieder.

Der Blick auf Ihn, er ist eine furchtbar fruchtbare Entäußerung, ich gehe über mich hinaus - ich liebe! Ich drehe mich um Ihn. Der Walzer des Lebens (von einer Frau). Gott ist die Liebe. Er ist nicht Ich. Ich bin nicht nichts, nicht alles. Es ist so einfach.

Wenn man sich verkennt.
MMB16
Dieses das, sich zu verkennen, ist DIE Berufung der notwendigen kontemplativen Orden.
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Nicolaus
Bei aller sachlicher Analyse bleibt zu bedenken, dass wir auch schwache suendige Menschen sind, mit denen zuweilen der Gaul durchgeht, viel Verletzung und Verbitterung liest man durch die Zeilen, Grundkenntnisse der Psychologie sind nicht verkehrt.
M.RAPHAEL
Lieber @Nicolaus: Da meine Arbeit ohne rücksichtslose Selbstreflexion unmöglich wäre, bitte ich um konkretere Kritik, insbesondere bzgl. der Psychologie. Vielen Dank.
MMB16
Das mit der Psychologie versteht sich wohl weniger auf Ihre Person (so verstehe ich das) bezogen, sondern vielmehr auf den Umstand, als die betrachteten Umstände, soweit sie mit Menschen zu tun haben, durchaus auch einem psychologischen Verständnis zugänglich sind.
@Nicolaus Bitte sind Sie doch so freundlich und klären dies hier verbal oder anderweitig anschaulich.
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