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Tugendschule für Deutschland (3) Offenheit

Tugendschule für Deutschland (3) Offenheit

Diese Tugend zu untersuchen, ist äußerst interessant, da sie
wohl eher selten thematisiert wird. Offenheit bezieht sich
einerseits auf Menschen, andererseits auf die Wahrheit.

Offenheit gegenüber Menschen und ihr Mangel
Offenheit ist die Eigenschaft des Menschen, der sich offen so
zeigt, wie er wirklich ist. Man sagt, er spielt mit offenen Karten
und macht den andern nichts vor, er spielt nicht mit der Un-
wissenheit der Menschen, um sich als besonders geheimnis-
voll darzustellen. Er macht niemanden unsicher oder bringt
ihn in Verwirrung. Wer offen ist, ist also auch ehrlich. Ein Bei-
spiel: ein Arzt, der seine Patienten im Voraus bewusst nicht über
eventuelle negative Folgen der Behandlung informiert, sündigt
gegen die Offenheit und die Ehrlichkeit. Offenheit und Ver-
schlossenheit im spirituellen Sinne dürfen nicht mit extravertiert
und introvertiert verwechselt werden, Charaktereigenschaften,
die auf eine eher nach außen oder nach innen gerichtete Le-
bensweise hinweisen. Introvertiert zu sein, bedeutet also nicht,
dass man nicht offen ist, denn wenn dieser Mensch etwas über
sich erzählt, kann er doch offen sich so zeigen, wie er wirklich
ist. Genauso kann ein extrovertierter Mensch sich offen so
zeigen wie er wirklich ist oder eben nicht. Über den Verschlosse-
nen im spirituellen Sinne sagt der Volksmund schon mal, "der
hat es faustdick hinter den Ohren". Es ist, wie wenn man bei
diesem Menschenschlag immer vorbereitet sein müsste, auch
wenn mal nichts Negatives geschieht. Das schafft Hemmung
und Unsicherheit in der mitmenschlichen Beziehung. Das wahre
Christentum ist das Streben nach Einheit aller Menschen ohne
jedwedes Wegstoßen, weder im Großen noch im Kleinen, wenn
dies auch nicht im Sinne eines falschen Ökumenismus gemeint
ist, sondern im respektvollen und toleranten Umgang miteinan-
der.

Offenheit gegenüber der Wahrheit und ihr Mangel
Eine typische Form von Mangel an Offenheit ist die Vorein-
genommenheit. Der voreingenommene Mensch hat vorgefasste
Meinungen, die er selbst oft dann nicht ändert, wenn er sinnvolle
Argumente hört, denn er ist befangen und hält an seiner Meinung
auch dann fest, wenn er sich gar nicht selber informiert hat. Nicht
selten verurteilt er seinen Mitmenschen und duldet keinen Wider-
spruch, weil er ja selber automatisch recht hat, so ist er jedenfalls
überzeugt. Diese Einstellung geht konform mit Eigensinn, eine
Verfassung, in der man nicht auf den Ratschlag - dieser "Schlag"
wäre durchaus manchmal sehr heilsam - des andern hört, weil
Eigensinn oft zu Starrsinn führt und man sich auch gar nicht
ändern möchte. Bei diesem Menschen fragt man sich dann schon
mal, "kann er oder will er es nicht verstehen". Starrsinn ist eine
gefährliche Einstellung, die schon mal Züge des Judas Iskariot
aufweist, der sich trotz vieler liebender Lehrerweise Jesu und
der liebenswürdigen Anwesenheit der Muttergottes nicht erwei-
chen ließ, sondern Jesus auslieferte. Spirituelle Verschlossenheit
trennt die Seele von der Wahrheit des Evangeliums, was sie au-
tomatisch offen für die Finsternis macht. Die andern Apostel
hingegen waren offen gegenüber den Worten Jesu, auch wenn
sie sie noch nicht verstanden. Sie hielten ihr Herz zumindest
offen, wodurch der Verstand es später erfassen konnte, doch
wer sich von vornherein verschließt, kann es auch später nicht
fassen, was Wahrheit ist. Offenheit gegenüber dem Worte Gottes
bedeutet, dass man immer und überall dafür offen ist, egal wo
es zur Sprache kommt: in der Bibel, in den Schriften der Kirchen-
väter und - lehrer, in mystischen Schriften der Heiligen, in der
Predigt des Priesters, im Umgang mit Menschen oder im eige-
nen Herzen, denn der Geist Gottes weht, wo Er will.

(Aus einem Tugendbuch zusammengefasst)
... dieser "Schlag" wäre durchaus manchmal sehr heilsam ...