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Der vergessene Feiertag - Mariä Unbefleckte Empfängnis

Die evangelischen Christen bedauern es sehr, dass der Buß- und Bettag aus dem staatlichen Feiertagskalender gestrichen wurde und damit kein freier Tag mehr für die arbeitende Bevölkerung ist. Er wurde 1995 geopfert für die Finanzierung der Pflegeversicherung. Die katholischen Christen in Bayern haben bereits 1970 drei Feiertage gestrichen bekommen: den Josephstag am 19. März, Peter und Paul am 29. Juni und Mariä Unbefleckte Empfängnis am 8. Dezember. Sie wurden gebraucht, um die Wirtschaft zu fördern. Haben wir nicht bald darauf eine wirtschaftliche Flaute und einen Niedergang der Vollbeschäftigung erlebt?

Religiöse Feiertage sind nicht nur Ruhetage, es sind auch Besinnungstage. Sie möchten uns an etwas erinnern. Selbst Leute, die keine Kirchgänger sind und von Religion nicht viel halten, schätzen diese Unterbrechungen des Alltags und werden leise daran erinnert, dass es noch mehr gibt als Arbeit und Vergnügen.

Gläubigen Menschen gehen an solchen Tagen Glaubenswahrheiten wieder neu auf, wenn beim Gottesdienst das Festgeheimnis erschlossen wird, deshalb ist es immer wieder bedauerlich, wenn ein Festtag seinen Stellenwert in der Gesellschaft verliert wie etwa der 8. Dezember, das Fest der Unbefleckten Empfängnis Mariens.

Dieses Marienfest hatte in Bayern von jeher einen hohen Rang. Im Jahre 1708 wurde es auf die ganze Kirche ausgedehnt. Der bayerische Kurfürst Karl Albrecht und später Kaiser Karl der VII. hat sogar einen Ritterorden, den St.-Georgs-Orden, gegründet, dessen Mitglieder sich verpflichteten, die Ehre der "Immaculata" mit ihrem Leben zu verteidigen. Dieser Ritterorden bestand bis 1918. Mit dem Untergang des Königreiches Bayern endete auch das Rittertum.

Andere übernahmen diese Aufgabe. So hat sich 1917 in Rom ein junger Franziskaner namens Maximilian Kolbe der Immaculata als ihr Ritter zur Verfügung gestellt. Es war zur gleichen Zeit, als die Freimaurer in Rom einen Weltkongress abhielten, dabei die katholische Kirche scharf angriffen und die Gottesmutter blasphemisch beleidigten. Sie wollten alles daran setzen, um die katholische Kirche aus dem öffentlichen Leben zu entfernen.

Pater Maximilian Kolbe hat später eine Zeitschrift gegründet und sich unermüdlich für den Glauben und die Ehre der Immaculata eingesetzt. Im Konzentrationslager Auschwitz hat er sein Leben für einen polnischen Familienvater geopfert.

Bayern hat eine lange Tradition des Festes von der Unbefleckten Empfängnis Mariens, das richtiger heißt: "Hochfest der ohne Erbsünde empfangenen Jungfrau und Gottesmutter Maria".

Mit der Abschaffung des Festes als staatlichem Feiertag schwindet es mehr und mehr aus dem Bewusstsein. Was ist denn der Hintergrund dieses Festes. Neun Monate vor Mariä Geburt, das wir am 8. September begehen, ist das Fest der Unbefleckten Empfängnis der allerseligsten Jungfrau Maria. Es wird daran erinnert, dass Maria vom ersten Augenblick ihres Daseins an ohne die Erbschuld war, mit der jeder Mensch zur Welt kommt. Die Erbschuld ist seit Adam und Evas Sündenfall das Schicksal des Menschen. Damit ist nicht nur der Tod verbunden, sondern auch Leid und Schmerz, ebenso die Beeinträchtigung der Verstandesgaben. Alle diese Behinderungen lieben Maria erspart, weil sie Gott ausersehen hatte, die Mutter seines eingeborenen Sohnes zu werden. Maria wurde zur zweiten Eva. Im Gegensatz zur Stammmutter ist Maria an ihrer Aufgabe nicht gescheitert. Sie wollte nicht sein wie Gott, sondern sie blieb die demütige Magd des Herrn.

Das Fest der Unbefleckten Empfängnis Mariens ist ein adventliches Fest, denn es macht die Größe der Schuld der Stammeltern bewusst, aber auch die Größe von Gottes Erbarmen. Gott hat Maria erwählt, und sie hat sich als würdig für ihre Berufung erwiesen. Maria ohne Sünde von Anfang an blieb immer, ein Leben lang, ohne Sünde. Ihr seliger Heimgang wird deshalb zum Heimgang in den Himmel mit Leib und Seele.

Beide Feste, Mariä Unbefleckte Empfängnis und Mariä Aufnahme in den Himmel mit Leib und Seele (15. August), stehen in einem inneren Zusammenhang. Man mag es bedauern, dass uns im Advent der Besinnungstag auf die Schuld des Menschen und das Erbarmen Gottes genommen wurde, aber niemandem ist es verwehrt, das Fest der Immaculata trotzdem zu feiern.