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Für das Lebensrecht im Gefängnis. Es begann als eine Mutter ihr sagte: „Das Baby ist weg"

Im Oktober 2014 sprach die katholische Lebensschützerin Mary Wagner (42) aus Kanada mit dem polnischen Portal PCh24.pl. Nachfolgend eine Übersetzung des Video-Interviews.

Mary Wagner versucht, Frauen in Abtreibungskliniken zu beraten. Dafür wurde sie in den letzten 16 Jahren rund zehnmal verhaftet. Sie verbrachte viereinhalb Jahre im Gefängnis. In der Klinik fragt sie die Mütter: „Bist du sicher, dass du dein Baby töten willst?“ - „Warum möchtest du dich entscheiden, deinem ungeborenen Kind das Leben zu nehmen?“ oder „Realisierst du wirklich, dass du dein Baby tötest?“ und „Jesus liebt dich!“

Zuletzt wurde Wagner am 12. Dezember 2016 in einem Abtreibungszentrum in Toronto verhaftet.

Portal Pch24.pl : Wie kamen Sie zur Lebensschutzbewegung?

Mary Wagner:
Ich wurde in eine Familie geboren, welche die Kultur des Lebens fördert – also begann das schon als Kind, Anfang der 1970er Jahre, als die Abtreibung legalisiert wurde, 1969 in Kanada. Meine Eltern waren diesbezüglich politisch aktiv, und meine Mutter war engagiert in der Unterstützung von schwangeren Müttern, welche Hilfe benötigten. Meine Familie pflegte dieses Feingefühl für das Leben, und ich fuhr damit fort.

An den öffentlichen Schulen, wo Abtreibung als akzeptiert galt, begann ich sie öffentlich anzusprechen, auch an der Universität. Ich besuchte eine nicht christliche, sehr heidnische Universität und begann ungeborenen Kindern eine Stimme zu geben.

Als ich die Universität abgeschlossen hatte, reiste ich nach Europa. Ich war von polnischen Freunden eingeladen, Auschwitz zu besuchen. Das war wirklich eine eindrückliche Erfahrung für mich, einen Ort zu sehen, wo eine bestimmte Gruppe von Menschen komplett verachtet wurde, zusammen mit noch anderen Menschengruppen. Ich las im Gästebuch, dass dies nie wieder geschehen dürfe. Das hatten Menschen immer wieder geschrieben, und ich dachte mir: „Es geschieht wieder“. Ich glaube, dass Gott mich an diesem Punkt vorbereitete, mich für den Kampf, das Leben zu schützen, stärker einzusetzen.

Portal Pch24.pl : Welche Aktionen unternahmen Sie nach diesem Ereignis?

Mary Wagner:
Anschließend kehrte ich von Europa zurück. Ich war überzeugt, dass Gott mich zu einer Aufgabe in der Pro-Life-Bewegung rief. Ich begann eine Arbeit als Hausmutter für Mütter in Erwartung, um mit schwangeren Frauen zu leben. Während dieser Zeit, in den ersten paar Monaten, traf ich einen Freund, der während des Sommers in eine medizinische Untersuchung involviert war. Er war sich nicht sicher, ob die Arbeit, die er tat, nicht problematisch wäre. Sie belastete ihn. Ich sagte ihm, er müsse die Wahrheit suchen und die Quellen dieser Untersuchung herausfinden. Er war besorgt, dies zu tun. Ich sagte ihm: „Wir müssen die Wahrheit suchen. Wir können nicht einfach weitermachen wie gehabt nur weil man uns das sagt.“ Ich betete für ihn und im Zusammenhang mit diesen Gebeten lüftete Gott mir einen Schleier und ich sah, was bei einer Abtreibung geschieht.

Ich wollte nie einen Film sehen, von einem Baby das abgetrieben wird. Es ist so verstörend. Aber es war, als ob Gott mich zwang, diese Realität zu sehen. Sie berührte mich tief, und ich wusste, dass sich die Dinge geändert haben. Die Dinge blieben nicht im Abstrakten, sondern wurden sehr konkret. Es gibt Zeiten und Orte, wo unsere ungeborenen Brüder und Schwestern getötet werden. Das führte mich dazu diese Orte aufzusuchen.

Portal Pch24.pl : Versuchen Sie regelmäßig vor Abtreibungszentren Frauen darüber aufzuklären, wie es sich mit Abtreibungen verhält?

Mary Wagner:
Die erste Zeit, als ich dieser Erfahrung folgte und dies wusste, ging ich direkt dahin, wo es passierte. Ich sprach mit einem Priester, und er sagte, ich solle beten, sehr intensiv beten. Mein Glaube war damals nicht so stark. Jemand hatte mir vorgeschlagen, zu einem Priester zu gehen, um mit ihm zu sprechen. So ging ich zur Kathedrale in Vancouver, wo ich lebte und aufgewachsen war.

Ich betete - ich liebte diese Kathedrale - und ein junges Mädchen, sechzehn Jahre alt, saß auf den Stufen vor der Kathedrale und bat mich, mit ihr zu sprechen. Nach einem langen Gespräch erzählte sie mir, dass sie schwanger wäre. Ihr Freund war dabei. Sobald ich sie fragte, welche Art der Hilfe sie für das Baby brauchte, machte der Freund rasch klar, dass sie das Baby nicht haben und es abtreiben würde.

Ich fühlte meine Verantwortung, sie zu unterstützen. Wir taten nur das. Sie kam aus der Provinz. Die Abtreibung konnte nicht sofort sein, weil sie nicht versichert war. Wir wussten, dass wir noch Zeit haben. Ich sprach darüber mit meinen Eltern und sie sagten, sie sei herzlich willkommen, bei ihnen zu leben, was sie brauche, und wie es mit einer Adoption aussehe. Dem jungen Mädchen wurde alles angeboten. Der Freund war es, der die Situation kontrollierte.

Nach rund einem Monat, wo ihr jede Unterstützung angeboten wurde, beschloss sie die Abtreibung. Ich traf das Mädchen außerhalb der Einrichtung [Abtreibungsklinik] am folgenden Tag. Es war sehr schwierig mit ihr zu reden, denn ihr Freund war immer dabei. Ihr Freund sagte wieder, sie würden die Abtreibung machen. Dann gingen wir gemeinsam hinein. Wir waren im Warteraum und eine dort Beschäftigte rief die nächste Frau für ihre Abtreibung, und ich stand auf und sagte ihr: „Sie dürfen das nicht tun!“, und die junge Frau sagte zu mir: „Ich muss es tun, ich habe keine Wahl.“

Diese kleine Begegnung ließ die Angestellte aufhorchen, dass sie meine Anwesenheit dort nicht wünschte. Ich realisierte, dass ich nur die Wahl hatte zu gehen oder dort zu bleiben. Alles, was ich tun könnte, war dortzubleiben.

Als ich dort war, war ich nicht in der Lage, mit der jungen Frau zu sprechen oder mit der anderen Frau. Die Angestellten standen mir im Weg. Sie holten die Polizei. Diese kam und sagte, ich hätte zwei Möglichkeiten: „Entweder gehen Sie freiwillig, oder wir müssen Sie mitnehmen.“ Ich könne nicht da bleiben. Das Einzige, was ich tun konnte, war, dort stehen zu bleiben, und so verhafteten sie mich. Sie verhafteten auch meine Freundin, die draußen an einer öffentlichen Straße stand. Sie verhafteten sie, weil die Klinikangestellte sagte, sie dürfe dort nicht stehen, das wäre gegen das Gesetz. Die Polizei glaubte ihr, und so brachten sie uns ins Gefängnis.

Ich fand dieses Mädchen zwei Wochen später wieder auf der Außenseite der Kathedrale. Sie sah fürchterlich aus und sagte: „Das Baby ist weg und ich will nicht mehr mit dir reden.“ Ich sah sie mehrmals danach. Sie sah schrecklich aus. Später sah ich sie nie mehr.

Ich realisierte, dass Gott mir einen klaren Weg gezeigt hatte, in Seiner Gegenwart zu bleiben. Die ganze Situation war sehr übel, so nah daran zu sein, wo Leben weggenommen wird. Es ließ mir Zeit, darüber nachzudenken, dass das Leben auch dann schützenswert ist, wenn am Ende nichts dafür getan werden kann. So ging ich wieder hin, um Frauen zu erreichen. Ich war nicht immer in der Lage hineinzugehen und mit den Frauen zu reden, weil sie die Sicherheitsvorkehrungen verschärft hatten.

Portal Pch24.pl : War es ein wichtiger Aspekt zu erkennen, ob Frauen die Abtreibung selbst wollten oder ob ihre Familien oder „Freunde“ sie dazu drängten?

Mary Wagner: Sicher. Ich denke, in einigen Kulturen ist Abtreibung undenkbar. Natürlicherweise will und tut dies eine Frau nicht. In Kanada, wo Abtreibungen seit den letzten vierzig Jahren normalisiert wurden, werden junge Frauen desensibilisiert, wenn in ihren Familien oder unter Freundinnen abgetrieben wird. Ja, manchmal kann eine Frau sagen, das sei ihre Entscheidung, die sie treffe, aber oft ist es ihr Freund oder ihre Familie, die sie dazu drängt.

Ich sprach mit vielen Frauen, vor allem im Gefängnis, vor allem viele junge Frauen, die als Teenager schwanger wurden. Sie wollten ihre Kinder haben, aber ihre Eltern oder ihre Freunde wollten das nicht. Es waren sehr oft die jungen Teenager, die ihre Kinder schützen wollten, trotz des Drucks Anderer. Aber ältere Frauen waren oft geprägt von einer Abtreibungsmentalität, die ein Kind als einen Besitz betrachteten, den sie entweder haben oder nicht haben konnten. Aber natürlicherweise möchte niemand eine Abtreibung haben.

Portal Pch24.pl : Schildern Sie uns Ihre letzte Präsenz vor einer Abtreibungsklinik, wo Sie mit Frauen sprachen, die eine Abtreibung wollten, und wo Sie von der Polizei verhaftet wurden. Wie lief das ab?

Mary Wagner: In den letzten Jahren haben ich versucht, möglichst nahe bei den Frauen und den Kindern zu sein. So: Die letzten Male wurde ich innerhalb der Abtreibungskliniken verhaftet. Das letzte Mal, wofür ich zwei Jahre im Gefängnis verbrachte, ging ich wieder hinein. Doch zwei Krankenschwestern drängten mich hinaus. Also stand ich gezwungenermaßen am Gang. Ich stand also auf „Privatgrund“.

Manche Leute sehen es anders als ich. Sie sagen, Abtreibung ist nicht richtig, aber das ist deren Eigentum. Sie haben Probleme zu verstehen, dass es auch auf einem Privatgrund nicht in Ordnung ist, jemanden zu töten.

Was meine Freundin Linda Gibbons anbelangt, die sich derzeit im Gefängnis befindet, so stand sie immer auf dem Gehweg, der kein Privatbesitz ist. Sie wurde während der letzten 20 Jahre dafür verhaftet, ein Schild zu halten, und auf und abspazierend Flugblätter an Frauen zu verteilen. Das ist für manche Leute empörender.

Wenn man das Video von Lindas letzter Verhaftung im August ansieht, da war ein Mann, der auf dem Weg nach Hause oder zur Arbeit war. Er sah fünf Polizisten, die diese mittelalterliche Person umgaben, und er sagte: „Was geht hier vor?“ Er war sehr erschüttert, dass jemand verhaftet werden konnte, nur weil er ein Schild hält. Ich denke, das ist die Reaktion der meisten Menschen.

Aber es gibt auch viel Gleichgültigkeit in Kanada. Es gibt viele Leute, die kümmern sich nicht um die Rechte, die wir haben. Linda Gibbons hat nicht viel Aufmerksamkeit von den Medien erhalten.

Portal Pch24.pl : Ihr Richter hatte (offenbar) gesagt, Ihr Gott, Ihr christlicher Gott liege falsch - jedenfalls bezüglich der Abtreibung.

Mary Wagner:
Ja, in diesem Kontext wurde er sehr wütend. Er sprach sehr lange auf mich ein und meinte, ich hätte kein Recht, dort zu sein, also in der Abtreibungsklinik. Das war vor einigen Jahren. Und er sagte: „Wenn Sie denken, Sie hätten das Recht, anderen Frauen zu erzählen, was sie zu tun hätten, so liegen Sie falsch, und Ihr Gott ist falsch!“ Das war, was er sagte.

Er schickte mich für drei Monate länger ins Gefängnis als der Staatsanwalt wollte. Ich hatte bereits drei Monate im Gefängnis verbracht und für den Staatsanwalt war das genug. Doch der Richter verdoppelte die Zeit. Das ist sehr ungewöhnlich für einen Richter. Wir appellierten, und das Berufungsgericht korrigierte den Richter. Dieser war verärgert, weil ich wieder zurückkehrte. Aber er hatte vielleicht in seinem Umfeld die Erfahrung einer Abtreibung, seine Frau oder seine Tochter... - er war sehr, sehr wütend.

Portal Pch24.pl : Ist dies das wichtigste Argument, welches man gegen das Pro Life Movement in Kanada anführt, dass nämlich das Gesetz verletzt werde? Die gesetzlichen Normen und Rollen? Wie sehen Sie das?

Mary Wagner:
Ja, es ist nicht so kompliziert, denn das Unrecht ist sehr klar. Unser Heiliger Vater der Hl. Johannes Paul II., spricht in der Enzyklika „Evangelium Vitae“, von einer Lüge. (…) Wenn ein Kind in Gefahr ist, so muss es geschützt werden. Da kann kein Gesetz sagen, das geht nicht, oder das sei ein Privatgrundstück. Das ergibt keinen Sinn. Wenn man sich auf einem Privatgrundstück befindet, darf man jemanden umbringen, der es betritt, nur weil es dein Eigentum ist?

Portal Pch24.pl : Was sind Ihre Zukunftspläne?

Mary Wagner:
Nach meiner Polenreise hoffe ich auf eine Zeit des Gebets, Exerzitien. Im Gefängnis war das ein wenig schwierig, und ich schenke Gott alles – die letzten Jahre und die Zukunft. Meine Absicht ist es, nach Toronto zu gehen, wo Linda ist. Das ist alles, was ich weiß. Wenn Gott mir die Kraft gibt weiterzufahren, möchte ich weiterhin Frauen erreichen.

Englisches Original-Interview mit Mary Wagner: Mary Wagner: Bóg wzywa do obrony życia!

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Tesa
Vielen Dank für das Übersetzen des Interviews. Mary Wagners Geschichte geht zu Herzen.
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Sunamis 46
Und jetzt erst recht katholisch
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Eugenia-Sarto
Mary ist die katholische Zukunft!
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CollarUri
Solche Frauen braucht das Land. Schande über die Scheinjustiz, die sie verfolgt.
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Caruso
Gibt es irgendwelche Unterstützungsinitiativen für Mary Wagner, wo wir sie bei ihrem Kampf unterstützen können? z.B. auch materiell? Vielleicht könnte man das hier platzieren.
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Eugenia-Sarto
Eine grossartige Frau. Das ist wie Weihnachten."Dass Jesus in Dir geboren werde." Möge Gott ihr viel Kraft geben, so weiter zu machen.
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Bethlehem 2014
Eine Frau, die weiß, was Emanzipation wirklich heißt! - Gebe Gott, daß immer mehr Frauen so mutig werden! Im christlichen Mittelalter schließlich waren Frauen viel mutiger als in unseren gottlosen Zeiten der sog. Aufklärung!
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