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Der Rosenkranz und das Wunder einer christlichen Wiedergeburt Europas – Kardinal Walter Brandmüller

Predigt von Kardinal Walter Brandmüller, verlesen (Bild) beim Hochamt „Rosenkranz für Österreich“ am 13. Mai 2019, Karlskirche in Wien

Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!

Rosenkranz für Österreich – das ist es, was uns heute zusammenführt.

Wer erinnert sich da nicht an die schicksalsschweren Stunden, in denen schon Eure Vorfahren zum Rosenkranz gegriffen und in größter Not die Hilfe der Gottesmutter, der Magna Mater Austriae, auf wunderbare Weise erfahren haben.

War es der Sieg Don Juans d’Austria bei Lepanto, waren es die tapfer überstandenen Belagerungen durch die Janitscharen des Sultans – oder schließlich die Befreiung Österreichs nach dem 2. Weltkrieg – immer war es das Rosenkranzgebet das Erhörung gefunden hat.

In der Erinnerung an diese großen Augenblicke, da die Hilfe des Himmels so spürbar war, greifen wir auch heute zum Rosenkranz, dieser mächtigsten Waffe in der Hand des Christen.

Heute, liebe Gläubige, sind es nicht mehr fremde Heere, die uns bedrohen – es sind menschenfeindliche Ideologien, es sind moralische Verirrungen, die wie Krankheiten unsere Gesellschaft befallen haben und unser Zusammenleben, unsere Kultur zerstören.

Da nun gilt es aufs Neue, die Hilfe der Gottesmutter zu erflehen, indem wir im Rosenkranz betend die Geheimnisse unserer Erlösung betrachten und immer wieder hinzufügen: „Heilige Maria, Gottes Mutter, bitte für uns Sünder jetzt und in der Stunde unseres Todes. Amen.“

Zugleich aber hören wir ihre Worte, die sie den Tischdienern bei der Hochzeit zu Kana sagte, als dort der Wein ausgegangen war: „Was ER euch sagt, das tut“ – und dann geschah das Wunder. Was aber sagt ER uns - auch heute?

„Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben“.

I

„ Ich bin der Weg..“In der Tat –vom Weg sind wir abgekommen. Sittliche Verirrungen werden als normal bezeichnet. Und – einige Stichworte nur: Leben und Gesundheit der Bevölkerung werden durch Vertrieb verdorbener Lebensmittel oder Medikamente aufs Spiel gesetzt, Bauunternehmer verwenden minderwertiges Material und verursachen damit Gebäudeeinstürze.

Kinder werden entführt, verstümmelt, getötet, um mit ihren gesunden Organen Handel zu treiben.

Hinter fragwürdigen biotechnischen Forschungen stecken massive finanzielle Interessen. Hinzu kommt der ungeheuerliche Skandal der Abtreibung, dem in zunehmendem Maße am Ende des Lebens – welch schönes Wort für Tötung! – sogenannte Euthanasie entspricht – genug des Schrecklichen. Wir sind weit vom Wege abgeirrt, von Jesus Christus, der sagt: „Ich bin der Weg“.

Erinner wir uns aber: es ist der Schöpfer selbst, der seinem Geschöpf Mensch einen Kompass mitgegeben hat, der ihm den wahren Weg zum Leben weist.

Die Rede ist hier von dem natürlichen Sittengesetz, dessen Normen und Forderungen sich aus der geistig-leiblichen Natur des Menschen, der menschlichen Person ergeben.

So wie diese Raum und Zeit übergreifend ein und dieselbe menschliche Natur ist, so muss sich auch das sittliche Handeln des Menschen an Maßstäben orientieren, die immer und überall gültig sind und keinem Wandel unterliegen.

Und – so sagt der hl. Johannes Paul II., „Diese Normen bilden in der Tat das unerschütterliche Fundament und die zuverlässige Gewähr für ein gerechtes und friedliches menschliches Zusammenleben…“ (Veritatis splendor Nr. 96). Diese Prinzipien und Normen wurzeln in der innersten Natur des Menschen. So konnte denn der hl. Paulus schreiben, dass auch den Heiden „die Forderung des Gesetzes ins Herz geschrieben ist und ihr Gewissen legt Zeugnis davon ab.“

Wenn wir diesem Wegweiser folgen, finden wir Ihn, der sagt: „Ich bin der Weg. Niemand kommt zum Vater außer durch mich.“

Kehren wir als Einzelne, als ganzes Volk, auf diesen Weg zurück, folgen wir dem Wort der Mutter unseres Herrn: „Was ER sagt, das tut!“

II

Jesus sagt: „Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben“. Ja, von Wahrheit ist die Rede – und allein heute von „Wahrheit“ zu reden genügt, um Protest und Unverständnis hervorzurufen. Die alte Pilatus-Frage wird laut: „Was ist Wahrheit?“ – sagen wir es auch so: Was ist schon Wahrheit?! Es gibt doch eigentlich nur eine Meinung: Meine Meinung, deine Meinung – und jeder hat ein Recht auf seine Meinung. Wahrheit, gibt es sie überhaupt? Kommt es überhaupt darauf an?

Eigentlich nicht, sagen viele. Die Frage ist doch, ob etwas nützt, ob etwas zum Erfolg führt! Aber,so fragen wir, dachte so nicht auch der Hohepriester Kaiphas? Er meinte, es sei doch besser, dass nur ein einziger sterbe, als dass die Römer das ganze Volk vernichteten. Ob die gegen den Propheten aus Galiläa erhobenen Anklagen war sind, oder nicht – das spielt in einem Augenblick, da politisch so viel auf dem Spiel steht, wahrlich keine Rolle!

Wahrheit – kommt es wirklich darauf an? Entscheidend ist doch, meinen allzuviele, ob etwas machbar ist, was dabei herauskommt? „Was ist Wahrheit“ hat ja schon Pilatus gefragt.

Ihm ging es im Fall des Galiläers um eine praktische, machbare Lösung. Da bot sich die Freilassung des Barabbas an. Ja, meine Lieben, geht man so nicht auch heute mit der Wahrheit um?

Und doch - auf sie ,die Wahrheit, kommt es entscheidend an. Ein einziges Beispiel nur: Niemals wären Astronauten auf dem Mond gelandet, wenn die Berechnungen der Ingenieure nicht wahr, sondern falsch gewesen wären!

Nicht die einzige, wohl aber die entscheidende Frage, die wir vor allen unseren Entscheidungen stellen müssen, heißt also nicht: „Was bringt’s“, sondern: ist es wahr! Und wenn es wahr ist, dann ist es auch gut und schön! Dann ist es auch im Einklang mit Jesus Christus, der sagt: Ich bin die Wahrheit.

III

Dann aber fügt er hinzu: „und das Leben“. „Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben“. Damit meint Jesus das ewige Leben: „wer mein Fleisch ißt und mein Blut trinkt,hat das ewige Leben“.Darum aber geht es doch!Daß eben mit dem Tod das Leben nicht einfach erlischt,sondern in Wahrheit erst eigentlich beginnt. Ein Mensch, eine Gesellschaft, die diese ewige Bestimmung des Menschen aus dem Blick verloren hat, verschließt sich selbst die entscheidende Dimension menschlicher Existenz. Das bedeutet aber auch einen grundsätzlichen Verzicht auf das Wahre, Gute, Schöne und Heilige, denn Quelle für all das ist der unendliche, ewige Schöpfer allen Seins. Nur wenn wir Ihm begegnen, wenn unser Leben ein beständiges Zwiegespräch mit dem Dreieinigen Gott ist, kann es gelingen, wird der Strom unseres Lebens in den uferlosen Ozean des ewigen Lebens münden.

Eben diese Botschaft den Vielen bekanntzumachen, die orientierungslos dahintreiben, ist ein wahrer Akt der Nächstenliebe. Jeder von uns ist hier in die Pflicht genommen. So wie Maria einst den Gottessohn in ihrem Schoß zu Elisabeth getragen hat, sollen auch wir Jesus, der in uns lebt, zu denen tragen, denen wir in unserem Alltag begegnen.

Worauf es aber noch vor allen Worten ankommt,ist die in Wahrhaftigkeit, Gerechtigkeit und Liebe gelebte Botschaft unseres Lebens. Sie vermag das Evangelium auch jenen mehr als vier Millionen katholisch Getaufter neu zu erschließen,die –wie die Statistik sagt- hierzulande den Sonntag ohne die Heilige Messe erleben.Mögen dann auch sie die Stimme der Gottesmutter hören:“Was Er euch sagt,das tut“ um dann nicht zwar eine Verwandlung des Wassers zu Wein,sondern eine Verwandlung ihres Lebens zu erfahren,die in die Ewigkeit hineinreicht.

IV

Unser heutiges öffentliches Rosenkranzgebet für Österreich hier in Wien ruft – wie haben eingangs davon gesprochen – große Erinnerungen wach. Erinnerung auch daran, dass es in all den historisch so bedeutenden Augenblicken keineswegs allein um Österreich gegangen wäre. Stets hat auch das Schicksal Europas, des Christentums in Europa, auf dem Spiel gestanden. Ist aber das – so fragen wir – nicht auch heute der Fall?

Gewiss, heute wird Europas Zukunft nicht mehr auf dem Schlachtfeld entschieden – sondern bei Wahlen. Aber auch da gilt es, all das, was Europa, was Euer Vaterland in Jahrhunderten groß gemacht hat, im Auge zu behalten: Es war der Glaube, den wir bekennen, wenn wir den Rosenkranz beginnen. Dabei hören wir aber auch die Stimme der Mutter, die, wie einst zu den Tischdienern in Kana, so auch heute zu uns sagt: „Was ER euch sagt, das tut.“

Wenn wir dies hören und befolgen, dann kann der Sohn auch in unseren Tagen Wunder der Verwandlung wirken – das Wunder einer christlichen Wiedergeburt Europas.
Pazzo
Trägt der Vortragende die Kleidung des Malteserordens (Kreuz an der linken Brust)? Aber mit einem lutherischen Kragen?
Bilbo
Es handelt sich wohl um einen Kreuzherrn mit dem roten Stern.
de.wikipedia.org/wiki/Kreuzherren_mit…
Moselanus
Beffchen sind nicht per se protestantisch.
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M.RAPHAEL
Eine sehr gute Predigt aus dem Heiligen Geist. Danke.
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Moselanus
Eine sehr schöne Osterkerze, aber UN-gebleichtes Bienenwachs?
@Moselanus Ungebleichtes Wachs verwendet man eigentlich nur beim Requiem, aber vielleicht wartet man in der Karlskirche damit bis zur Auferstehung der Kirche!
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Moselanus
Möglich. Ich habe mich eben gewundert, dass die Kerze ungebleicht ist!
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