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Das höchst selige Hinscheiden des Hl. Joseph - MARIA VON AGREDA

MARIA VON AGREDA ...Das höchst selige Hinscheiden des Hl. Joseph. Einzelne Vorgänge dabei. Unser Heiland Jesus Christus und unsere Heiligste Herrin Maria stehen ihm im Tode bei.
Die Krankheit und Leiden des überglücklichen heiligen Joseph hatten bereits acht Jahre gedauert. Seine edelmütige Seele war im Feuerofen der Geduld und Liebe zu Gott von Tag zu Tag reiner geworden; sein Körper aber wurde mit der Zunahme des Alters und der damit verbunden Gebrechen immer schwächer, seine Kräfte nahmen mehr und mehr ab, und so nahte denn das unvermeidliche Ziel des Lebens, an welchem alle Kinder Adams den Sold des Todes bezahlen müssen. Aber auch die Himmelskönigin war immer sorgfältiger bedacht, ihren Bräutigam mit unermüdlicher Aufmerksamkeit zu pflegen; und da sie in ihrer hohen Weisheit wusste, dass seine letzte Stunde sehr nahe sei, begab sie sich zu ihrem göttlichen Sohne und sprach zu ihm: „Allerhöchster Herr und Gott, Sohn des ewigen Vaters, Heiland der Welt! Durch dein göttliches Licht erkenne ich, dass die von deinem ewigen Willen festgesetzte Todesstunde deines Dieners Joseph herannaht. Bei deiner unendlichen Güte und bei den Erbarmungen, die du von jeher uns erwiesen hast, bitte ich dich, ihm in jener Stunde mit deinem allmächtigen Arme beizustehen, damit sein Tod kostbar sei in deinen Augen (Ps 115,6), wie sein tugendhaftes Leben dir so wohlgefällig gewesen ist. Möge er im Frieden scheiden, mit der sicheren Hoffnung auf die ewige Belohnung für jenen Tag, da du Sohn, sein eingedenk der Liebe und Demut deines Dieners, seiner überaus hohen Verdienste und Tugenden, seiner treuen Sorge für mich, deine geringe Dienerin, im Schweiße seines Angesichtes ernährt hat!“

Unser Heiland erwiderte: „Meine Mutter, deine Bitten sind mir wohlgefällig, und die Verdienste Josephs stehen vor meinem Geiste. Ich werde ihm jetzt beistehen; einstens aber werde ich ihm unter den Fürsten meines Volkes einen so erhabenen Sitz anweisen, dass Engel und Menschen darüber staunen und Gott preisen werden. Für niemand werde ich gleiches tun, wie für deinen Bräutigam.“

Die große Königin dankte ihrem süßesten Sohne für dieses Versprechen. Während der neun Tage, welche dem Tode des Hl. Joseph unmittelbar vorausgingen, waren Jesus und Maria Tag und nacht an seiner Seite; nie war er allein; immer war entweder Jesus oder Maria bei ihm. Auf Befehl unseres Herrn machten die Heiligen Engel dem glückseligen Kranken an jedem dieser Tage dreimal Himmlische Musik, mit Lobliedern zur Ehre Gottes und unter Lobpreisungen des Heiligen.Überdies verbreitete sich in dem armen, aber verehrungswürdigen Hause ein höchst lieblicher und wunderbarer Wohlgeruch, welcher nicht nur dem Hl. Joseph, sondern auch allen denjenigen Stärkung bereitete, welche von außen herzukamen – und deren waren es viele -, um sich daran zu erquicken. Am Tage vor seinem Tode hatte der Hl. Joseph durch die genannten Gnaden schon ganz glühend von Liebe zu Gott, noch eine sehr hohe Verzückung. Dieselbe dauerte vierundzwanzig Stunden, während welcher ihm der Herr durch ein Wunder Kräfte und Leben erhielt. In dieser großartigen Verzückung sah er in klarer Anschauung die Wesenheit Gottes. Er schaute nun unverhüllt und ohne Schleier alles, was er bisher im Glauben erkannt hatte, sowohl in Bezug auf die unfassbare Wesenheit Gottes, als über das Geheimnis der Menschwerdung und Erlösung sowie über die Streitende Kirche und die ihr anvertrauten Sakramente. Die Allerheiligste Dreieinigkeit bestimmte ihm zum Vorläufer des göttlichen Heilandes bei den Heiligen Vätern und Propheten der Vorhölle. Sie trug ihm auf denselben aufs neue ihre Erlösung anzukündigen und sie auf den Besuch des Herrn vorzubereiten, welcher kommen werde, um sie aus dem Schoße Abrahams zur ewigen Ruhe und Seligkeit zu führen. Alles dieses schaute die Heiligste Jungfrau Maria in der Seele ihres Heiligsten Sohnes auf dieselbe Weise, wie sie die übrigen Geheimnisse schaute. Sie wusste alles, was in ihrem liebevollsten Bräutigam vorging, und für alles brachte die große Königin dem Herrn würdige Danksagung dar.

Als der Hl. Joseph von dieser Verzückung zurückkam, strahlte sein Gesicht von Schönheit und wunderbarem Glanze; seine Seele aber war durch die Anschauung der göttlichen Wesenheit ganz in Gott umgewandelt. Dann bat er seine Heiligste Braut um ihren Segen; diese aber bat ihren gebenedeiten Sohn, ihn zu Segnen, und unser Herr tat es. Nun kniete die große Königin, die Lehrmeisterin der Demut, nieder und bat den Hl. Joseph, er möge auch sie als ihr Bräutigam und Haupt Segnen. Der Mann Gottes gab, nicht ohne göttlichen Antrieb, der weisesten Braut zum Abschiede seinen Segen, um sie zu trösten; sie aber küsste die Hand, mit welcher er sie gesegnet hatte und bat ihn, in ihrem Namen die Heiligen Väter der Vorhölle zu grüßen. Der Hl. Joseph, so groß in der Demut, wollte das Testament seines Lebens auch mit dem Siegel dieser Tugend beschließen; er bat also seine Himmlische Braut um Verzeihung für alles, was er als schwacher, irdischer Mensch in ihrem Dienste und in ihrer Hochachtung versäumt habe; auch bat er, sie möge ihm in dieser Stunde ihren Beistand und ihre Fürsprache nicht entziehen. Ihrem Heiligsten Sohne sagte der Heilige Bräutigam gleichfalls Dank für alle Gnaden, die er sein ganzes Leben hindurch, insbesondere währen der letzten Krankheit, aus seiner freigebigen Hand empfangen hatte. Die letzten Worte, welche Joseph an Maria richtete, lauteten:

„Du bist gebenedeit unter allen Weibern, auserkoren unter allen Geschöpfen. Die Engel und Menschen mögen dich loben! Alle Geschlechter mögen deine Würde kennen und verherrlichen! Der Name des Allerhöchsten werde durch dich erkannt, erhöht und angebetet in allen künftigen Jahrhunderten! Ewig sei er gelobt, dass er dich erschaffen hat, so schön in seinen Augen und so schön in den Augen aller seligen Geister! Ich hoffe, im Himmlischen Vaterlande deines Anblicks mich zu erfreuen.“

Darauf wandte sich der Mann Gottes an unseren Herrn. Er hätte sich gerne auf den Boden niedergekniet, um in dieser Stunde mit tiefster Ehrfurcht zu seinem Gotte zu sprechen; doch der gütigste Jesus kam zu ihm und nahm in in seine Arme. Der Hl. Joseph aber, sein Haupt auf die Arme Jesu stützend. Sprach:

„Mein Herr, allerhöchster Gott, Sohn des Ewigen Vaters, Schöpfer und Erlöser der Welt, gib deinem Diener, dem Werke deiner Hände, deinen ewigen Segen! Mildester König, verzeihe die Sünden, die ich Unwürdiger in deinem Dienste und in deiner Gesellschaft begangen habe. Ich bekenne und preise dich und sage dir aus dem Grunde meines Herzens ewigen Dank, dass du in deiner unendlichen Güte mich aus allen Menschen auserwählt hast zum Bräutigam deiner wahren Mutter. Mögen deine eigene Majestät und Herrlichkeit mein Dank sein für alle Ewigkeit!“
Der Erlöser der Welt gab ihm den Segen und Sprach:

„ Mein Vater, ruhe in Frieden, in der Gnade meines Himmlischen Vaters und in meiner Gnade! Bringe meinen Propheten und Heiligen, die dich in der Vorhölle erwarten, die frohe Botschaft, dass ihre Erlösung bereits naht.“

Bei diesen Worten Jesu Christi hauchte der höchst beglückte Heilige Joseph in den Armen des Heilandes seine Seele aus. Der Sohn Gottes drückte ihm die Augen zu. In demselben Augenblicke stimmten die Engelscharen, welche ihren König und ihre Königin umgaben, mit himmlisch schönen und wohlklingenden Stimmen süßeste Loblieder an. Dann geleiteten sie die heiligste Seele Josephs auf den Befehl des Herrn zur Vorhölle der Altväter und Propheten. Dort erkannten alle an dem Glanze der unvergleichlichen Gnadenfülle in ihr den Nährvater und großen Vertrauten des Erlösers der Welt, der deswegen ganz besonderer Verehrung würdig war. Er aber brachte ihnen dem Auftrag des Herrn gemäß die Frohe Botschaft, dass ihre Erlösung nahe, und erregte dadurch in der unzählbareb Schar jener Heiligen unnennbare Freude. Es darf nicht mit Stillschweigen übergangen werden, dass der kostbare Tod des Hl. Joseph, obwohl ihm langedauernde und schmerzliche Krankheiten vorangingen, doch nicht bei all seinen Krankheiten hätte er natürlicherweise noch länger leben können, wenn nicht die Wirkung jenes glühendsten Liebesfeuers, welches in seinem Herzen brannte, hinzugekommen wären. Damit nämlich dieser höchst selige Tod mehr ein Triumph der Liebe als eine Strafe der Sünde sei, hob der Herr die besondere und wunderbare Gnadenwirkung auf, durch welche er die natürlichen Kräfte seines Dieners gegen die verzehrende Gewalt der Liebe bisher geschützt hätte. Sobald diese Gnadeneinwirkung aufhörte, unterlag die Natur; das Band, welches die Heiligste Seele im sterblichen Leibe gefangen hielt, zerbrach, und in dieser Trennung besteht ja der Tod. Die Liebe war also die letzte der oben beschriebenen Krankheiten des Heiligen Joseph, aber auch die größte und glorreichste; denn mit ihr ist der Tod ein Schlaf für den Leib, für die Seele aber der Anfang des unvergänglichen Lebens.
Als die Himmelskönigin ihren Bräutigam tot sah, bereitete sie seinen Leib zur Beerdigung. Sie bekleidete ihn nach damaliger Sitte, ohne dass andere Hände ihn berührten als die ihrigen und die der Engel, welche ihr in sichtbarer Gestalt dabei halfen. Damit die züchtigste Sittsamkeit der Jungfräulichen Mutter in nichts verletzt würde, umgab unser Herr den Leichnam des Hl. Joseph mit wunderbarem Glanze, der ihn ganz bedeckte, so dass nur das Gesicht sichtbar blieb und die reinste Braut nichts von dem Leibe sah, obwohl sie ihn bekleidete. Der von ihm ausgehende Wohlgeruch zog manche Leute an, und sie alle waren höchst erstaunt, ihn so wohlriechend, so schön und biegsam zu finden. Dann wurde der Heilige Leib des glorreichen Hl. Joseph unter Begleitung von Verwandten und Bekannten und vieler anderer, vor allem aber unter Begleitung des Erlösers der Welt, seiner Heiligsten Mutter und einer großen Menge Engel zur allgemeinen Begräbnisstätte getragen.

Bei allen diesen Anlässen und Handlungen bewahrte die weiseste Königin ihre würdige Fassung unverändert; in ihren Zügen und Gebärden war nichts zu bemerken, was eine ungeordnete, unmännliche Erregtheit geoffenbart hätte. Der Schmerz hindere sie nicht, für alles Vorsorge zu treffen, was zur Beerdigung ihres hingeschiedenen Bräutigams und zur Bedienung ihres Heiligsten Sohnes erforderlich war. Alles dies fand Raum genug in dem großen, Königlichen Herzen der Beherrscherin der Völker. Dann sagte sie ihrem Sohne, dem wahren Gotte, Dank für alle Gnadenvorzüge, die er ihrem Heiligen Bräutigam verliehen hatte. Und um die Demut in ihrer ganzen Vollkommenheit und Schönheit zu üben, warf sie sich ihrem Allerheiligsten Sohne zu Füssen und Sprach:

„Herr und Gebieter meines ganzen Wesens, mein wahrer Sohn und Meister! Die Heiligkeit meines Bräutigams Joseph hat es vermocht, dich bis zur Stunde zurückzuhalten und zu bewegen, deiner ersehnten Gesellschaft und würdig zu machen. Allein da dein geliebter Diener nunmehr gestorben ist, muss ich fürchten, eine Gnade zu verlieren, deren ich nicht würdig bin. Möge doch, o Herr deine eigene Güte dich bewegen, mich nicht zu verlassen! Nimm mich aufs neue als Deine Dienerin an uns sieh gnädig auf das Demütige, ängstliche Verlangen eines Herzens, das dich liebt!“
Der Erlöser der Welt nahm diese neue Hingabe seiner Heiligsten Mutter gütigst an. Er versprach ihr auch, sie nicht allein zu lassen, bis der Zeitpunkt gekommen sei, wo er im Gehorsam gegen den Himmlischen Vater sein Predigtamt anzutreten habe.

Lehre der Heiligsten Himmelskönigin Maria

Meine liebste Tochter, es ist nicht ohne besonderen Grund geschehen, dass dein Herz mit einem außergewöhnlichen Mitleiden für die Sterbenden und einen besonderen Verlangen, denselben in der Todesstunde beizustehen, erfüllt worden ist. Denn es ist wahr, wie du gesehen hast, dass die Seelen in jener Stunde unglaublichen Nöten und Gefahren ausgesetzt sind, teils von Seiten der bösen Geister, welche die bestürmen, teils von der eigenen Natur teils von den Dingen der Welt. Der Tod ist jener Augenblick, in welchem die Akten des Lebens geschlossen und das Endurteil gefällt wird, ein Urteil, welches entscheidet, ob ewiges Leben oder ewiger Tod, ob immerwährende Qual oder unvergängliche Herrlichkeit das Los des Menschen werde. Der Allerhöchste, welcher dir dieses Verlangen eingeflößt hat, will die die Gnade geben, dasselbe tatsächlich auszuführen; und darum bestärke auch ich dich in eben diesem Verlangen und ermahne dich, mit Aufbietung aller deiner Kräfte mit der Gnade mitzuwirken und hierin sowohl dem Herrn als mir gehorsam zu sein.
So wisse denn, meine Freundin: Sobald Luzifer und die übrigen Knechte der Finsternis aus den Krankheitszuständen eines Menschen und aus anderen natürlichen Ursachen ersehen, dass sich jemand in einer lebensgefährlichen Krankheit befindet, so waffnen sie sich augenblicklich mit all ihrer Bosheit und Hinterlist, um den armen, arglosen Kranken anzufallen und womöglich durch mannigfache Versuchungen zum Falle zu bringen. Und da den bösen Geistern die Frist, in der sie die Seele versuchen können, ausgeht, so trachten sie durch ihre Wut das Fehlende zu ersetzen und durch erhöhte Bosheit zu ergänzen, was ihnen an Zeit gebricht.

Zu diesem Zwecke kommen sie, heißhungrigen Wölfen gleich, zusammen, um den Zustand des Kranken, sowohl was seine natürlichen Anlagen, als was seine erworbenen Fertigkeiten betrifft, noch einmal auszukundschaften. Sie erforschen seine Neigungen, Gewohnheiten und Sitten und suchen in Bezug auf Leidenschaften seine schwache Seite zu entdecken, um dann ihre heftigsten Angriffe auf diesen Punkt hinzurichten. Diejenigen, welche eine ungeordnete Anhänglichkeit an das Leben haben, sucht der Satan zu bereden, es sei keine so große Gefahr; oder er verhindert, dass man ihnen die Wahrheit sage. Jene, welche lau und nachlässig im Empfang der Hl. Sakramente gewesen sind, macht er auch jetzt lau und gleichgültig und legt ihnen noch größere Hindernisse und Schwierigkeiten in den Weg, damit sie entweder ohne Sakramente sterben oder dieselben fruchtlos und in schlechter Verfassung empfangen. Anderen flößt er falsche Scham ein, dass sie ihr Gewissen nicht aufdecken und ihre Sünden verschweigen. Andere hält er ab, etwaige Verpflichtungen, die dir noch auf dich haben, einzugestehen, damit so ihr Gewissen nicht in Ordnung komme. Andere, welche die Eitelkeit lieben, sucht er zu bewegen, dass sie selbst in jener letzten Stunde noch mancherlei unnütze und eitle Anordnung treffen in Bezug auf das was nach ihrem Tode geschehen soll. Jenen, welche dem Geiz oder der Sinnlichkeit huldigten, sucht er heftige Neigungen zu dem Gegenstande ihrer blinden Liebe einzuflößen. Und so nützt dieser grausame Feind alle bösen Gewohnheiten und Neigungen, um die Sterbenden auf die Dinge der Welt hinzulenken und ihnen die Anwendung der Heilmittel zu erschweren oder unmöglich zu machen. Alle sündhaften Handlungen, welche der Sterbende in seinem Leben begangen und wodurch er sich schlimme Gewohnheiten zugezogen hat, sind für den Dein der Seelen ebenso viele Handhaben oder Waffen, mit denen er in jener fürchterlichen Stunde den Menschen anfällt und bestürmt. Durch jede böse Neigung, die man befriedigte, hat man dem Satan einen Weg gebahnt und einen Pfad eröffnet, auf dem er in die Burg d.h. In die Seele, eindringen kann. Und hier im inneren der Seele, strömt er dann seinen Pesthauch aus und erregt dichte Finsternis, - und das ist es eben, was er zu bewirken sucht - , damit die Sterbenden die göttlichen Einsprechungen nicht achten, ihre Sünden nicht wahrhaft bereuen und für ihr schlimmes Leben nicht Buße tun.
Im allgemeinen richten die bösen Geister in jener Stunde dadurch große Verheerungen an, dass sie den Kranken die trügerische Hoffnung beibringen, sie würden noch länger leben und könnten dann mit der Zeit jene guten Einsprechungen befolgen, welche ihnen der Herr jetzt durch die Engel zukommen lässt; in dieser Hoffnung werden die getäuscht und gehen verloren. Groß ist ferner die Gefahr in jener Stunde auch für diejenigen, welche in ihrem Leben das Heilmittel der Heiligen Sakramente geringgeschätzt haben. Diese Geringschätzung , welche sowohl für den Herrn als für die Heiligen sehr beleidigend ist, wird von der göttlichen Gerechtigkeit gewöhnlich damit bestraft, dass solche Seelen sich selbst überlassen werden. Denn weil sie das geeignete Heilmittel nicht zur rechten Zeit angewendet, vielmehr es verachtet haben, so verdienen sie, das nach den gerechten Gerichte Gottes auch sie in jener letzten Stunde verachtet werden, auf welche sie in törichter Vermessenheit die Sorge um das ewige Heil verschoben haben. Sehr gering ist die Zahl der Gerechten, welche in jener letzten Not nicht mit unglaublicher Wut von der alten Schlange angefallen werden. Wenn aber der Satan in jeder Stunde sogar große Heilige zu stürzen versucht, was werden dann erst die Lasterhaften, die Gleichgültigen und jene zu erwarten haben, welche Sünde auf Sünde gehäuft und ihr ganzes Leben damit zugebracht haben, die Gnade und Hilfe Gottes von sich zu stoßen! Was werden jene zu erwarten haben, welche leer sind an Werken, die sie dem bösen Feinde entgegenhalten könnten!

Mein Heiliger Bräutigam Joseph war einer von den Bevorzugten, welche in der Todesstunde den Satan nicht sahen und nicht gewahrten; denn als die bösen Geister es versuchten, ihm zu nahen, fühlten sie gegen sich eine große Gewalt, welche sie fernhielt. Überdies wurden sie auch von den Heiligen Engeln verjagt und in die Tiefe geschleudert. Da sie sich nun so unterdrückt, und um nach deiner Vorstellungsweise zu sprechen, zu Boden geschmettert sahen, waren sie ganz verwirrt, ratlos und außer Fassung. Dies gab die Veranlassung, das Luzifer eine Versammlung oder ein Konziliabulum hielt, um diesen Vorfall zu beraten, worauf er die Welt durchstreifte, um auszukundschaften, ob etwa der Messias schon gekommen sei. Hiervon wirst du aber später reden.

Aus dem Gesagten magst du abnehmen, wie überaus viele Seelen in jener Stunde verloren gehen, in welcher sowohl die Verdienste wie die Sünden zu wirken beginnen. Ich sage dir nicht wie viele verloren gehen; denn wenn du von wahrer Liebe zum Herrn beseelt bist, so würdest du vor Schmerz sterben, wenn du es erführest. Die allgemeine Regel aber ist diese, dass auf ein gutes Leben auch ein guter Tod folgt. Ausnahmen sind zweifelhaft, selten und zufällig. Das sichere Mittel aber ist dies, dass man den Anlauf schon von weitem nimmt. Darum ermahne ich dich, täglich schon beim ersten Morgengrauen zu bedanken, dieser Tag könne der letzte für dich sein. Zue dann, wie wenn er es wirklich wäre, denn du weißt nicht, ob er es nicht sein wird. Bereite deine Seele so, dass du den Tod, falls er käme, mit freudigem Angesicht aufnehmen könntest. Verschiebe es keinen Augenblick, deine Sünden zu bereuen und den Vorsatz zu fassen, sie, falls du solche auf dir hast, zu beichten und selbst die geringste Unvollkommenheit zu verbessern. Lasse keinen einzigen Fehler in deinem Gewissen, den man dir vorwerfen könnte und den du noch nicht bereut hättest. Wasche dich ab im Blute meines allerheiligsten Sohne Jesu Christi und setze dich instand, vor dem gerechten Richter erscheinen zu können, welcher dich über den geringsten Gedanken und über die geringste Regung deiner Seelenkräfte erforschen und richten wird.
Damit du aber deinem Verlangen gemäß denjenigen, welche sich in dieser äußersten Gefahr befinden, helfen zu könnest, mache ich dich auf folgenden aufmerksam: Fürs erste erteile allen, bei denen es dir möglich ist, die gleichen Ratschläge, die ich dir gegeben habe; sage, sie sollen während ihres Lebens für ihre Seele besorgt sein, wenn sie eines seligen Todes sterben wollen. Überdies musst du jeden Tag ohne Ausnahme in dieser Absicht besondere Gebete verrichten. Flehe mit glühender Andacht und starkem Rufen zum Allmächtigen, dass er die Täuschungen, mit welchen die bösen Geister die Sterbenden und in Todesgefahr Schwebenden berücken, zerstreue, ihre Fallstricke vernichte, ihre Pläne vereitle und mit seinem göttlichen Arme alle bösen Geister zuschanden mache. Du weißt, dass ich in dieser Weise für die Sterbenden gebetet habe, und ich will, dass du mich hierin nachahmest. Und damit du den Sterbenden noch wirksamere Hilfe bringen könntest, trage ich dir auf, den bösen Geistern die strengsten Befehle zu erteilen, dass sie sich von denselben entfernen und sie nicht mehr belästigen. Von dieser Gewalt kannst du gar wohl Gebrauch machen, auch wenn du bei den Sterbenden nicht gegenwärtig bist; ist ja doch der Herr gegenwärtig, in dessen Namen und zu dessen größerer Ehre und Verherrlichung du den bösen Geistern zu befehlen und sie zu verjagen hast.

Was deine Schwestern betrifft, so belehre sie, wenn sie in diese Lage kommen, was sie zu tun haben, jedoch ohne sie zu verwirren. Ermahne sie und sei ihnen behilflich, das sie sich ohne Verzug mit den Heiligen Sakramenten versehen lassen und dieselben überhaupt immer häufig empfangen. Trachte, sie zu ermutigen und zu trösten, indem du mit ihnen von Gott, von göttlichen Dingen und von der Heiligen Schrift redest, damit sie gute Gefühle und Begierden erwecken und für die Himmlischen Erleuchtungen und Einflüsse sich bereiten. Befestige sie in der Hoffnung, stärke sie gegen die Versuchungen zu entdecken, noch ehe sie dir dieselben mitteilen. Gelingt es dir nicht, so wird Gott dich erleuchten, damit du sie erkennest und für eine jede das passende Heilmittel anwendest; denn geistliche Krankheiten sind schwer zu erkennen und schwer zu heilen. Alle diese Ermahnungen musst du als meine teuerste Tochter Gott zuliebe ausführen; dann werde ich dir von Seiner Majestät verschiedene Vorrechte erlangen sowohl für dich, als für die, welchen du jener schrecklichen Stunden beizustehen verlangst. Sei nicht karg in der Liebe, denn du wirkst hiebei nicht durch deine Kraft, sondern durch die Kraft des Allerhöchsten, welcher selbst in dir wirken will.AMEN ( Maria von Agreda blieb unverwest !)
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