Planspiel für Affenpocken-Pandemie im März 2021

Bei der Münchener Sicherheitskonferenz im vergangenen Jahr spielte ein internationales Teilnehmerfeld das Szenario von Affenpocken durch. Das RKI bezeichnet die Risiken für die Bevölkerung als gering.
Eine Frau arbeitet im Institut für Mikrobiologie der Bundeswehr in München, wo erstmals in Deutschland bei einem Patienten das Affenpockenvirus zweifelsfrei nachgewiesen wurde.
Eine Frau arbeitet im Institut für Mikrobiologie der Bundeswehr in München, wo erstmals in Deutschland bei einem Patienten das Affenpockenvirus zweifelsfrei nachgewiesen wurde.Foto: Martin Bühler/Bundeswehr/dpa
Von 28. Mai 2022

Als Mitte Mai 2022 die ersten Meldungen über an Affenpocken Erkrankte in Großbritannien das europäische Festland erreichten, könnten die meisten Menschen davon überrascht gewesen sein.

Für die 19 Teilnehmer eines sogenannten Tabletop mag das weniger gelten. Unter Tabletop versteht man ein Strategiespiel, bei dem mit Figuren auf einer Oberfläche gespielt wird. Um Strategie ging es auch bei der Münchner Sicherheitskonferenz in der bayerischen Landeshauptstadt, an der die US-amerikanische Non-Profit-Organisation National Threat Initiative (NTI) teilnahm.

Die Runde aus 19 Teilnehmern hatte sich im März 2021 getroffen, um ein Pandemie-Szenario zu den Affenpocken durchzuspielen. Der Beginn des Szenarios wurde im Planspiel auf den 15. Mai 2022 festgelegt. Die hochrangigen Führungskräfte und Experten kamen aus Afrika, Nord- und Südamerika, Asien und Europa und blickten auf jahrzehntelange Erfahrung in den Bereichen öffentliche Gesundheit, Biotechnologie, internationale Sicherheit und Philanthropie zurück. Zu den Teilnehmern gehörten Vertreter der US-amerikanischen und chinesischen Regierung, der Bill & Melinda Gates Foundation, der Weltgesundheitsorganisation, der Pharmakonzerne Johnson & Johnson und Merck sowie der Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit. 

Was die Fachleute besprachen, ist in einem 36-seitigen Bericht festgehalten. So heißt es beispielsweise auf Seite acht: „Das Übungsszenario stellte eine tödliche, globale Pandemie dar, ausgelöst durch einen ungewöhnlichen Stamm des Affenpockenvirus‘ in der fiktiven Nation Brinia. Es verbreitete sich innerhalb von 18 Monaten weltweit. (…) Der Erreger stammte aus einem unzureichend gesicherten Labor. Am Ende der Übung führte die fiktive Pandemie zu mehr als drei Milliarden Krankheitsfällen und 270 Millionen Todesopfern weltweit.“ 

Wie bei Corona: Erster Patient in Münchner Klinik

Die ersten Fälle von Affenpocken sind vor allem in Europa, USA und Nordamerika aufgetaucht. Leichte Verläufe seien charakteristisch für die Krankheit, sagt Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD). Er beruft sich auf die Einschätzung des Robert Koch-Instituts, das eine Gefährdung der Bevölkerung derzeit als gering einschätzt.

Prof. Clemens Wendtner, Chefarzt der München Klinik Schwabing, behandelt den ersten Pockenkranken auf deutschem Boden. Der Mediziner hatte 2020 auch die ersten Corona-Fälle betreut. Und wie bei Covid-19 verhilft nun auch bei den Affenpocken der von Dr. Christian Drosten entwickelte und umstrittene PCR-Test bei der Diagnose. 

Bayern setzt sich für Impfung ein

Die Weltgesundheitsorganisation fordert eine Überwachung in nicht-endemischen Ländern, um eine Ausbreitung zu verhindern.

Mit Bayern verlangte vor knapp einer Woche das erste Bundesland Impfungen.  Gesundheitsminister Klaus Holetschek (CSU) möchte gern präventiv aktiv werden. Er will vor allem auch die impfen, die ein nicht so stabiles Immunsystem haben. Von einer Impfpflicht möchte Holetschek nicht sprechen.

Der Vorsitzende des Weltärztebundes, Frank Montgomery, spricht sich für eine Impfung vor allem jüngerer Männer aus. Dies hängt eventuell damit zusammen, dass Affenpocken bislang vermehrt bei homosexuellen Männern festgestellt wurden. Die Ansteckungsquellen für die bisher in Deutschland bestätigten Fälle von Affenpocken waren Angaben zufolge Partys unter anderem in Berlin und auf der spanischen Insel Gran Canaria, bei denen es zu sexuellen Handlungen kam.

Gesundheitsminister erforscht die Lage

Am 19. Mai 2022 informierte Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach über eine Pocken-Pandemie, die von den G7-Staaten und der WHO als Übung simuliert werde. Es gehe darum, „zu erfahren, ob aus Fehlern der Vergangenheit effektive Lehren gezogen wurden“, sagte Lauterbach zu Beginn der Beratungen der Gesundheitsminister der sieben führenden Industriestaaten.

Es werde sich um eine sehr realistische Übung handeln, bei der davon ausgegangen werde, dass sich aus einem Leopardenbiss eine Pocken-Pandemie entwickeln könnte, sagte Lauterbach. In der Simulation treffe die Pocken-Pandemie vor allem junge Leute.



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