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HL. BRUDER KLAUS Predigt zum Fest des Heiligen v. Kaplan A. Betschart

Wir feiern am 25. September das Fest des besten Mannes, den die Schweiz hervorgebracht hat. Es ist der hl. Nikolaus von Flüe, genannt Bruder Klaus. Das Gebet zu diesem Heiligen tut uns bitter not, da er - wie alle Heiligen - bereit ist, uns die Augen für das Leid und die Not unserer Zeit in der Schweiz und auf der ganzen Welt zu öffnen. Vor allem will er uns aber helfen, die vielfältigen Schwierigkeiten und Bedrohungen im Lichte Gottes zu sehen, mit denen unsere Gegenwart offenbar allein nicht fertig zu werden vermag. Denn der "Heilige ist gleichsam jene Öffnung in der Welt, durch die Gott zu uns Menschen herabsteigt und durch die wir zum Ewigen emporschauen können."
Wer aber ist Bruder Klaus, dass über fünfhundert Jahre nach seinem Tod Tausende von Menschen verschiedener Konfessionen des In- und Auslandes in den Ranft pilgern, um seine lebendige Nähe zu erfahren? Kürzlich habe ich erfahren, dass seinerzeit der deutsche Bundeskanzler Dr. Konrad Adenauer eine ganze Nacht lang in der Ranftzelle wachte und betete, bevor er nach Moskau reiste, um mit den Russen über die Freilassung deutscher Kriegsgefangener zu verhandeln.
Klaus von Flüe, 1417 geboren, war ein urwüchsiger Sohn unseres Landes, ein echter Bergbauer, der in harter Arbeit dem Boden das tägliche Brot abringen musste. Der ständige Kampf mit der Natur machte ihn herb, nüchtern und unsentimental. Sein einfaches Holzhaus baute er selbst. Er heiratete mit etwa dreissig Jahren Dorothea Wyss, die ihm zehn Kinder schenkte: fünf Buben und fünf Mädchen.
Nikolaus von Flüe war in seiner Heimat angesehen. Er stieg auf zu hohen Ämtern, die er getreu und unbestechlich verwaltete. Von den siebzig Jahren, die ihm zu leben vergönnt waren, lebte er die ersten fünfzig wie die anderen Menschen. So schien es wenigstens nach aussen. Als die entscheidende Wende kam, war sie für alle ein Skandal: der hervorragende Politiker legte alle Ämter nieder, der tüchtige Bauer verliess Haus und Hof. Und der geliebte Ehegatte und Vater verabschiedete sich für immer von seiner Familie, um unter unerhört harten Bedingungen als Einsiedler zu leben.
Diesem Entschluss aber gingen Jahre voraus, die gezeichnet waren von schweren seelischen Kämpfen, in denen er geführt und zugleich bedrängt wurde vom Allerhöchsten. Was sich in solchen Stunden abspielte, bekannte er später einmal einem Dominikaner. Bruder Klaus sagte:

“Als es Christus gefiel, um mich zurückzukaufen, Seine Barmherzigkeit gegen mich vollzumachen, wandte Er die reinigende Feile und den antreibenden Sporn an, so dass Er weder tags noch nachts duldete, dass ich ruhig war. Ich war vielmehr niedergedrückt, dass mir selbst meine liebe Frau und die Gesellschaft der Kinder lästig war.”

Sein Jugendfreund erklärte, “dass ihm Bruder Klaus oft gesagt habe, wie ihm der Teufel täglich viel zu leid täte”. Die Quellen berichten denn auch von gewaltigen Kämpfen des Bruder Klaus mit dem bösen Feind. Seinem Freund Heimo am Grund, Pfarrer von Kriens, berichtete er davon. Bruder Klaus sagte später einmal:

“Ihm enthüllte ich meine Beängstigung und Beschwernis. Er brachte mir darauf verschiedene heilsame Ratschläge und Mittel vor, durch welche er meine Versuchung zu heben hoffte; aber ich erwiderte ihm: dies und ähnliches hätte ich versucht und keinen Trost gefunden, und es hatte nicht im geringsten genützt. Dann erst fügte er noch jenes beste und heilkräftigste Mittel bei: Es bleibe noch die andächtige Betrachtung des Leidens Christi. Ganz erheitert erwiderte ich ihm, das sei mir unbekannt.

So vereinigte Bruder Klaus sein Leiden mit dem Kreuzesleiden des Herrn und reifte in der Leidensschule Christi zu jenem grossen Heiligen heran, als den wir ihn kennen. Am 16. Oktober 1467 verliess er alles, was ihm lieb und teuer war. Menschlich gesprochen war es für seine Frau und seine Kinder eine schmerzliche Tragödie. Aber es war nichts Geringeres als das Ernstnehmen des Wortes Christi, um Seinetwillen alles zu verlassen:

“Wenn jemand zu Mir kommt und nicht Vater und Mutter, Frau und Kinder, Brüder und Schwestern und sogar sein eigenes Leben hasst, der kann Mein Jünger nicht sein” (Lk 14,26).

Bruder Klaus konnte nicht anders, er war ein von Gott Getriebener. Er musste dem Rufe Gottes Folge leisten. Die Leute verspotteten diesen Ruf als Einbildung. Später aber, als die Folgen offenbar wurden, erkannten sie, dass Bruder Klaus weder ein Betrüger noch ein Betrogener war. Die Vorsehung hatte ihn auf diesen Weg geführt. Sie hatte ihn auserwählt als Opfer für die Menschen seiner Zeit. Denn Bruder Klaus hatte in seinem Leben bitter erfahren müssen, wie sehr die Korruption der Geistlichkeit, der Armee und der politischen Körperschaften die gesamte Ordnung zerrüttete. Alle Übel entstammten einer einzigen Quelle: der Habgier, von der hl. Paulus sagt:

“Die Wurzel alles Bösen ist die Geldgier” (1 Tim 6,10).

Immer war es das Geld, weshalb die Geistlichen die Seelsorge vernachlässigten, weshalb die Soldaten brandschatzten und mordeten und weshalb Richter das Recht beugten und brachen. Zur Habgier gesellte sich der Stolz und die Wollust. Gegen diese drei Laster hatte Bruder Klaus in seinem öffentlichen Leben vergeblich gekämpft. Vielleicht ist er sich eines Tages des Wortes Christi bewusst geworden:

“Diese Art von unreinem Geist wird nur durch Gebet und Fasten ausgetrieben” (Mk 9,29).

Auf jeden Fall wurde Bruder Klaus zum grossen Büsser und Beter. Er wandte jene Mittel an, mit denen seit Hunderten von Jahren unzählige Einsiedler und Mönche Stolz, Habsucht und Unkeuschheit bekämpften, nämlich durch die drei evangelischen Räte: Armut, Keuschheit und Gehorsam, die diesen drei Lastern radikal entgegengesetzt sind. Während andere Menschen nur ihren Trieben frönten und gottvergessen sich selbst suchten, tötete Bruder Klaus seine Bedürfnisse so vollkommen ab, dass er auf sich selbst vergass und nur noch Gott lebte. Es war ein stellvertretendes Sühneleiden, das in der Kraft Christi die sittliche Ordnung der Welt wieder ins Lot brachte.
Die Wirkungen dieses Sühneleidens kamen geheimnisvoll seinem Volke zugute, was sich später auch sichtbar zeigte. Vielleicht wusste Bruder Klaus um diese Zusammenhänge nichts. Entscheidend war allein, dass er sich im Gehorsam vollständig Gott auslieferte, das Höchste, was ein Mensch tun kann. Aus diesem Grunde ist der hl. Bruder Klaus heute genauso aktuell wie zu seiner Zeit.
So lebte er in seiner Zelle im Ranft, die der Zeitgenosse Mykonius schilderte: “Seine Zelle war zweieinhalb Schritte lang, anderthalb Schritte breit und so hoch, dass sein Scheitel an die Decke rührte. Sie hatte zwei handbreite Fenster. Man sah darin nichts anderes als armselige Schemel.”
Bruder Klausens Zelle können wir heute noch sehen, und man kann sie nicht betreten ohne tiefe Ergriffenheit. Der protestantische Prof. Walter Nigg schrieb über diese Zelle:

“Es gibt in der Schweiz einige wenige Gedenkstätten, die man nur bewegten Herzens betreten kann. Aber sie alle werden von der kleinen Zelle im Ranft übertroffen, die man nicht anders als einen heiligen Ort bezeichnen kann.”

Es gibt denn auch nirgendwo einen Raum, der so stark von Busse, Abtötung und Sammlung redet wie die nackte Ranftzelle. Was Bruder Klaus in dieser martervollen Enge durchgemacht hat, können wir nur ahnen. Aber zwischen diesen ungefügen Balken betete und büsste Bruder Klaus sich immer tiefer in das Geheimnis des Dreifaltigen Gottes hinein.
Hier empfing er himmlische Schauungen von einer solchen Übermächtigkeit, dass von ihm etwas Erschreckendes ausging. Wölflin schreibt darüber: “Er selbst gab als Grund dieses Schreckens an, dass er einst einen riesigen Lichtglanz gesehen habe, der ein menschliches Antlitz umgab, bei dessen Anblick sein Herz, in kleine Stücke zerspringend, vor Schreck erschauerte. Völlig betäubt und den Blick abwendend, sei er zur Erde gestürzt.”
Hier in dieser Zelle rang er auch mit den Dämonen. Bruder Klaus erfuhr die Wahrheit des Wortes des hl. Paulus am eigenen Leibe:

“Wir haben nicht gegen Fleisch und Blut zu kämpfen, sondern gegen die Mächte, gegen die Gewalten, gegen die Weltbeherrscher dieser Finsternis, gegen die Geister der Bosheit im Überirdischen” (Eph 6, 12).

Wie der französische Dichter Georges Bernanos sagt, bleibt der Hass Satans den Heiligen vorbehalten. Bruder Klaus, der mit ganzer Kraft zum göttlichen Lichte strebte, hat die grimmige Wut der höllischen Finsternis leibhaftig zu spüren bekommen.
Wie das Leben des Bruder Klaus, so war auch sein Sterben: beides war nicht leicht. Auch er musste an sich erfahren, dass Gott Seine Heiligen im Sterben oft wie Job auf einem Schindanger liegen lässt. In äusserster Armseligkeit gab er, seiner Gewohnheit gemäss auf dem Boden liegend, unter grossen Schmerzen seine Seele dem Schöpfer zurück. Es war der 21. März 1487.
Es ist Ihnen, liebe Gläubige, bekannt, dass unsere westliche Welt nicht durch Hunger, Armut und Naturkatastrophen zugrunde geht, sondern an den Folgen gieriger und hemmungsloser Genussucht. Auch die Schweiz hängt wie eine wurmstichige Frucht am Baume der Zeit. Und es braucht gewiss keinen Orkan, um sie in den Abgrund hinunter zu fegen. Der hl. Bruder Klaus lehrt uns, in dieser Situation zu tun, was wir tun können. Es sind Busse und Gebet. Er selbst hat sich ein schreckliches Mass an Busse auferlegt, stellvertretend für die andern.
Auch wenn wir nicht zu solcher Grösse berufen sind, ist es unabdingbar notwendig, freiwillig Busse zu tun. Nur durch Busse und Verzicht, also durch das Abstandnehmen von materiellen Gütern, welche die klare Sicht auf die Ewigkeit oft verstellen, erhalten wir die einzig richtige Blickrichtung, die Sicht auf Gott. Ein alter Weisheitsspruch sagt:

“Manch einer erringt das zukünftige Leben in einer Stunde, manch einer erwirbt es in siebzig Jahren; aber beide gelangen dazu nur durch Busse.”

Die Busse ist die letzte Rettung für unsere Zeit. Im Vergessen dieser helfenden Möglichkeit liegt zugleich die tiefste Not unserer Zeit, vor allem der Christenheit, die es eigentlich wissen müsste.
Busse und Gebet sind der kürzeste Weg, der zu Gott führt, und damit auch zur wirklichen Freude. Denn Gott allein kann das Verlangen des menschlichen Herzens nach Glück erfüllen.
Als zweites lehrt uns der hl. Bruder Klaus das Gebet. Er wusste um dessen ungeheure Bedeutung. Das anbetende, dankende und bittende Gebet gehört zum Wichtigsten in unserem Leben. Nichts nimmt im Christentum neben der Busse einen so bedeutenden Platz ein wie das Gebet.

“Nichts ist gewaltiger als das Gebet, nichts ist ihm zu vergleichen!” (hl. Chrysostomus).

Dass wir überhaupt zu Gott beten können und dürfen, ist der höchste und erhabenste Ausdruck unserer Gottebenbildlichkeit.
Das Gebet ist deshalb so wichtig, weil es in Verbindung mit der Busse die Not der Zeit zu wenden vermag. Wir sind nämlich in eine Stunde der Geschichte eingetreten, in der die Lichter langsam erlöschen und alles im Dunkel unterzugehen droht. Ausser dem Gebet scheint uns alles genommen. Mit ihm aber können wir die geistige Schlacht, in der wir mitten drin sind, bestehen. Der hl. Bruder Klaus lehrt uns die Macht des Gebetes in der Geschichte. Darum ist er heute noch der stille Mahner von einer unwiederholbaren Einzigartigkeit, ein leuchtendes Wachtfeuer, von Gott entzündet, im Dunkel der Zeit. Er besass jene Weisheit, die man auf keiner Schule und auf keiner Universität lernen kann, weil sie allein eine Frucht des Gebetes ist, die erste Gabe des Heiligen Geistes.
Im Leben des hl. Bruder Klaus bewahrheitete sich mit seltener Richtigkeit das, was der Dichter Reinhold Schneider in einem unvergesslichen Gedicht gesagt hat:

“Allein den Betern kann es noch gelingen,
das Schwert ob unsern Häuptern aufzuhalten
und diese Welt den richtenden Gewalten
durch ein geheiligt Leben abzuringen.”


Quellenhinweis:

▸ Nigg W., Große Heilige, Zürich 19668.
▸ Nigg W., Niklaus von Flüe, Reihe: Heilige der ungeteilten Christenheit, Düsseldorf 1967 2. Aufl..

Bild: Alteste Darstellung des eiligen aus dem Jahre 1492
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jmjilers
Danke
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onda
wunderbare Predigt, Danke !
🇨🇭
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