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Religionsfreiheit contra Gottesrecht?

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Religionsfreiheit contra Gottesrecht? Gibt es für die Konzilserklärung Dignitatis humanae eine Hermeneutik der Reform in Kontinuität mit der überlieferten Lehre der Kirche? Von Wolfgang Schüler. Teil…More
Religionsfreiheit contra Gottesrecht?
Gibt es für die Konzilserklärung
Dignitatis humanae eine Hermeneutik der Reform in Kontinuität mit der
überlieferten Lehre der Kirche?
Von Wolfgang Schüler.

Teil 3.

,, Verurteilung liberaler Ideen durch das vorkonziliare Lehramt.,,

Das vorkonziliare Lehramt hat nicht nur Forderungen an den Staat gestellt, die die Ehre Gottes und das Heil der Seelen schützen sollen, sondern es hat auch liberale Ideen verurteilt, die im Widerspruch zu diesen Forderungen stehen.
Für das vorkonziliare Lehramt ist das Gottesrecht der Maßstab, und Menschenrechte gibt es nur im Rahmen des Gottesrechtes. Christus hat nur eine Kirche gestiftet und sie auf Petrus gegründet. In sie sollen nach Seinem Willen alle Menschen eintreten, und es ist das Recht Gottes zu fordern, dass die Menschen sich nach Seinem Willen richten.

Diese Einsicht liefert übrigens das Kriterium, das gestattet, ein angebliches Menschenrecht auf seine Legitimität zu prüfen: Kein Menschenrecht darf gegen das Gottesrecht gerichtet sein.
Die Anbindung der Menschenrechte an das Gottesrecht hat zur Folge, dass nur der Wahrheit, nicht aber dem Irrtum ein Naturrecht zuerkannt werden soll, speziell in religiösen Dingen. Daraus folgt wiederum, dass ein Recht zur Wahl und Ausübung nur für die wahre Religion existiert und dass den falschen Religionen kein solches Recht gewährt werden darf.

Wohl hat der Mensch das Recht, frei von jedem Zwang bei der Wahl einer Religion zu sein, aber er hat kein Recht darauf, eine falsche Religion zu wählen und auszuüben, weil ein solches Recht gegen das Gottesrecht gerichtet ist.
Die vom vorkonziliaren Lehramt verurteilten liberalen Ideen bestehen vor allem in der Zuerkennung von Rechten, die mit der Glaubenswahrheit nicht zu vereinbaren sind. Zu ihnen gehört die Kultfreiheit. Sie bezeichnet ein angeblich bestehendes Recht auf Wahl, Bekenntnis und Ausübung eines beliebigen religiösen Kultes.

Leo XIII. lehrt dazu in Libertas praestantissimum:

„Beginnen Wir zuerst mit dem, was man für jede einzelne Person fordert und was so sehr der Tugend der Religion widerspricht: die sogenannte ‘Freiheit des Kultus’. Dies ist der Grundgedanke, worauf diese beruht: Jeder Einzelne habe freie Hand, irgendeine beliebige Religion oder auch überhaupt keine zu bekennen. – Hingegen ist ohne allen Zweifel die größte und heiligste unter allen
Pflichten der Menschen diejenige, welche den Menschen Frömmigkeit und Gottesverehrung gebietet. Dies folgt notwendig daraus, daß wir uns immerdar unter Gottes Gewalt befinden und von Gottes Willen und Vorsehung gelenkt werden;
von Ihm sind wir ausgegangen und zu Ihm müssen wir zurückkehren.“ (Freude
an der Wahrheit, Nr. 73, 15f)

Ergänzend dazu führen wir aus dem Brief E giunto dieses Papstes die Stelle an, wo er den für legal gehaltenen Glaubensabfall der Gesellschaft als Konsequenz aus dieser Kultfreiheit darstellt:

„Bereits zu wiederholten Malen haben wir in offiziellen, an die katholische Welt gerichteten Dokumenten bewiesen, wie irrig die Lehre derer ist, die unter dem verführerischen Namen der Kultfreiheit die legale Apostasie der Gesellschaft proklamieren und diese damit von ihrem göttlichen Urheber abwendig
machen.“ (Lefebvre, 67f)

Im Hinblick auf unsere Auseinandersetzung mit M. Rhonheimer sei darauf hingewiesen, dass der Papst zwar im letzten Zitat in der Apostasie eine Konsequenz aus der Kultfreiheit sieht, aber keineswegs beides identifiziert.
Das vorangegangene Zitat zeigt ebenso wie die folgenden, dass das vorkonziliare Lehramt die angeführten liberalen Freiheiten selbst verurteilt und Indifferentismus sowie Apostasie zwar als in Beziehung mit diesen liberalen Freiheiten stehend erkennt, sie aber nicht mit ihnen identifiziert.

Auch wenn es dem modernen Menschen unverständlich erscheint, gilt es
zu erkennen, dass auch das Gewissen des Menschen kein Recht zur Annahme und Ausübung einer jeden beliebigen Religion zu begründen vermag. Denn es gibt das irrende Gewissen, aufgrund dessen sich der Mensch
genötigt sehen kann, eine falsche Religion zu wählen. Da eine falsche Religion gegen den Willen unseres Herrn gerichtet ist, gibt es kein Recht, sie zu wählen bzw.auszuüben.
Die schuldlos irrige Gewissensentscheidung der betreffenden Person gibt ihr zwar eine subjektive sittliche Befugnis zur Wahl bzw. Ausübung dieser Religion, aber keine objektive sittliche Befugnis, denn diese kommt nur der Wahl der wahren Religion zu. Für die Wahl und die Ausübung der
wahren Religion besteht demnach sowohl eine subjektive als auch eine objektive sittliche Befugnis und nur die letztere kommt, wenn es mit rechten Dingen zugeht, für die Gewährung eines Rechtes in Betracht.

Zutreffend stellt Erzbischof Lefebvre unter Bezugnahme auf Thomas von
Aquin fest:

„Der unüberwindliche und damit nicht schuldhafte Irrtum erspart wohl jede moralische Verschuldung, kann aber nicht die Handlung zu einer guten machen und gibt deshalb ihrem Urheber kein Recht!
Das Recht kann sich nur auf die objektive Norm des Gesetzes und in erster Linie auf das Gesetz Gottes gründen, welches in spezieller Weise regelt, auf welche Weise Gott von den Menschen geehrt werden will.“ (Lefebvre, 191f)

Aus diesem Grund hat das vorkonziliare Lehramt die Lehre verurteilt, dass der Mensch das Recht habe, jede Religion zu wählen und auszuüben. In Nr.
15 seines Syllabus verurteilt Pius IX. deshalb den Satz:

„Es steht jedem Menschen frei, jene Religion anzunehmen und zu bekennen,
welche jemand, durch das Licht der Vernunft geführt, für die wahre hält.“ (Freude an der Wahrheit, Nr. 52, 15)

Zur Gewissensfreiheit führt Leo XIII. in Libertas praestantissimum aus:

„Viel gefeiert wird auch die sogenannte ‘Gewissensfreiheit’. Wird diese so verstanden, daß ein jeder nach Belieben Gott verehren oder auch nicht verehren kann, so ist sie durch das bereits oben Gesagte ausreichend widerlegt. – Sie kann aber auch in dem Sinne aufgefaßt werden, daß es dem Menschen in der staatlichen Gesellschaft erlaubt ist, nach dem Gebote seines Gewissens ungehindert Gottes Willen zu tun und Seine Befehle auszuführen. Dies ist die wahre und angemessene Freiheit, wie sie den Kindern Gottes zukommt. Sie beschützt
die Würde der menschlichen Person in der edelsten Weise und ist erhaben über
jeglichen Zwang und jede Gewalttat. Von jeher war sie der Kirche immer erwünscht und besonders teuer.“ (Freude an der Wahrheit, Nr. 73, 21)

An anderer Stelle dieser Enzyklika lehrt dieser Papst :

„ …‘Recht’ bezieht sich auf die Erlaubtheit von etwas sittlich Gutem. Wie wir schon öfters erklärt haben und noch öfter erklären müssen, ist daher die Behauptung ungereimt, als sei (das Recht) von Natur aus der Wahrheit und der Lüge, der Sittlichkeit und dem Laster gemeinsam und ohne Unterschied gegeben. Was wahr ist und was gut ist: das hat ein Recht darauf, sich in weiser Freiheit in der Gesellschaft auszubreiten, damit es zu recht vielen gelange. Dagegen
werden lügenhafte ‘Meinungen’, diese größte Pest des Geistes, und Laster, welche den Charakter und die Sitten verderben, mit Recht von der Obrigkeit sorgfältig niedergehalten, damit sie nicht zum Schaden der Allgemeinheit um sich greifen.“ (18)

In seiner Enzyklika Immortale Dei sagt Leo XIII. ergänzend dazu:

„Die Freiheit ist ein sittliches Gut, uns Menschen gegeben zu unserer Vervollkommnung. Darum darf sie sich auch nur im Rahmen des Wahren und Guten
betätigen.“ (Freude an der Wahrheit, Nr. 74, 17)

In gleichem Sinn sagt Pius XII. in seiner Ansprache Ci riesce, die der
Papst am 6. Dezember 1953 an den Verband der katholischen Juristen Italiens richtete, und in der er in einem Satz zusammenfasst, warum es kein Recht für die Verbreitung von Irrtümern geben darf:

„Was nicht der Wahrheit und dem Sittengesetz entspricht, hat objektiv kein
Recht auf Dasein, Propaganda und Aktion.“
(AAS, Band 45, 1953, 799)

Was aber „der Wahrheit und dem Sittengesetz entspricht, hat objektiv“ ein
„Recht auf Dasein, Propaganda und Aktion“. Deshalb ist es ein Grundrecht des Menschen, Gott in der wahren, also in der katholischen Religion verehren zu dürfen. Dieses Recht ergibt sich aus der Pflicht zur Gottesverehrung.

Die oben aufgestellten Maßstäbe formulieren, wie das Verhältnis von Kirche und Staat sein soll, und sie gelten deshalb grundsätzlich für jeden Staat.
Denn das, was sein soll, ist unabhängig von dem, was ist, von den faktischen Gegebenheiten. Die Faktizität soll sich ja nach dem richten, was sein soll.
Die Umkehrung gilt freilich nicht, denn dem, was ist, einer bloßen Gegebenheit, kann man nicht entnehmen, was sein soll.

Allerdings bestimmen die faktischen Gegebenheiten in einem Staat die
Möglichkeit der Umsetzung dessen, was sein soll.
Die Umsetzung jener Maßstäbe ist nur in einem Staat mit katholischer Bevölkerungsmehrheit möglich. Selbstverständlich darf auch in einem solchen niemand zur Annahme des katholischen Glaubens gezwungen werden,
worauf der Ottaviani-Entwurf mit folgenden Worten hinweist:

„In der Tat ist ja der Glaube von seinem Wesen her frei. Er darf nie Gegenstand
des Zwanges sein, wie die Kirche lehrt: ‚Niemand darf gegen seinen Willen dazu gezwungen werden, sich dem katholischen Glauben anzuschließen.’“ (Ottaviani-Entwurf, 24, Codex des kanonischen Rechts, can 1351 (1917))

Der Ottaviani-Entwurf hält aber – in Übereinstimmung mit obiger Passage
aus Libertas praestantissimum - auch fest und begründet es mit der Sorge für das Heil der Seelen, warum in einem katholischen Staat die Staatsgewalt die öffentlichen Kundgebungen der anderen Religionen einschränken darf, nämlich
„ … um die Bürger vor den Verführungen des Irrtums zu bewahren und um den
Staat in der Einheit des Glaubens zu erhalten, was das höchste Gut darstellt und
die Quelle einer Vielzahl von Wohltaten ist, auch in der zeitlichen Ordnung aus
eigenem Ermessen die öffentlichen Kundgebungen der übrigen Kulte zu regeln
und seine Bürger vor der Verbreitung der falschen Lehren zu schützen, durch
die nach dem Urteil der Kirche ihr ewiges Heil gefährdet wird.“ (25)
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