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Hl. Augustinus «Dieses Volk ehrt mich mit den Lippen, sein Herz aber ist weit von mir»

Tina 13
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**«Dieses Volk ehrt mich mit den Lippen, sein Herz aber ist weit von mir»** „Das Gesetz des Geistes und des Lebens in Christus Jesus hat dich frei gemacht vom Gesetz der Sünde und des Todes“ (Röm 8,…More
**«Dieses Volk ehrt mich mit den Lippen, sein Herz aber ist weit von mir»** „Das Gesetz des Geistes und des Lebens in Christus Jesus hat dich frei gemacht vom Gesetz der Sünde und des Todes“ (Röm 8,2).... Paulus sagt, dass das Gesetz des Mose gegeben wurde, um unsere Schwachheit aufzuzeigen, und nicht nur um sie aufzuzeigen, sondern um sie zu vergrößern und uns dadurch zu zwingen, einen Arzt aufzusuchen... : “wo jedoch die Sünde übermächtig wurde, ist die Gnade übergroß geworden“ (vgl. Röm 3,20, 5,20)... Warum hat dieses erste Gesetz, das doch vom Finger Gottes geschrieben worden ist (Ex 31,18), nicht diesen so überaus notwendigen Beistand der Gnade geschenkt? Weil es auf Steintafeln geschrieben worden war, und nicht auf Tafeln aus Fleisch und Blut, welche unsere Herzen sind (1 Kor 3,3)... Der Heilige Geist ist es, der nicht auf den Stein, sondern auf das Herz schreibt; „Das Gesetz vom Geist des Lebens“, das auf das Herz geschrieben wird und nicht auf den Stein, dieses Gesetz vom Geist des Lebens, das in Jesus dem Christus wohnt, in dem das Pascha in seiner tiefsten Wahrheit vollzogen worden ist (vgl. 2 Kor 5,7-8), hat euch vom Gesetz der Sünde und des Todes befreit. Wollt ihr einen Beweis für den eindeutigen und zweifelsfreien Unterschied, der das Alte Testament vom Neuen scheidet? ... So hört, was der Herr durch den Mund eines Propheten gesprochen hat ...: „Ich lege mein Gesetz in sie hinein und schreibe es auf ihr Herz“ (Jer 31,33). Wenn also das Gesetz des lebendigen Gottes in dein Herz eingeschrieben ist, verursacht es keine Angst [wie auf dem Sinai], sondern verströmt in deiner Seele eine verborgene Süße.
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Hl. Augustinus (354-430), Bischof von Hippo (Nordafrika) und Kirchenlehrer

Erklärung zur Bergpredigt 3,11

Bete im Verborgenen

Jesus sagt: „Wenn du betest, geh in deine Kammer“. Welche Kammer kann gemeint sein, wenn nicht das eigene Herz? Darauf deutet der Psalm hin, in dem es heißt: „Was ihr in euren Herzen sprecht, bereut auf eurer Lagerstatt“ (vgl. Ps 4,5 (Vulg.)). Er sagt: „Schließ die …More
Hl. Augustinus (354-430), Bischof von Hippo (Nordafrika) und Kirchenlehrer

Erklärung zur Bergpredigt 3,11

Bete im Verborgenen

Jesus sagt: „Wenn du betest, geh in deine Kammer“. Welche Kammer kann gemeint sein, wenn nicht das eigene Herz? Darauf deutet der Psalm hin, in dem es heißt: „Was ihr in euren Herzen sprecht, bereut auf eurer Lagerstatt“ (vgl. Ps 4,5 (Vulg.)). Er sagt: „Schließ die Türe, und bete zu deinem Vater im Verborgenen“. Hineingehen allein reicht nicht, wenn die Türe für Zudringliche offenbleibt: Belanglosigkeiten schleichen sich von außen ein und überfluten das Innere. Beiläufiges und Offenkundiges dringt durch die Türe herein in unsere Gedanken. Eine Menge Trugbilder überlagern unsere Sinne und stören unser Gebet. Die Türe muss also geschlossen werden, das heißt, wir müssen den Sinnen widerstehen, damit ein rein geistiges Gebet zum Vater aufsteigen kann, dass aus dem Herzensgrund kommt, wo wir im Stillen zum Vater beten. „Dein Vater, der in das Verborgene sieht, wird es dir vergelten.“ […]

Der Herr will uns hier nicht nahelegen zu beten, sondern uns lehren, wie wir beten sollen. So wie er uns vorher nicht das Geben von Almosen nahegelegt hat, sondern die rechte Gesinnung beim Geben. Er fordert ein reines Herz, und das können wir nur durch eine einzige, einfache Ausrichtung erwirken: eine, die sich am ewigen Leben orientiert in Liebe zu der einen und reinen Weisheit.
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Hl. Augustinus (354-430), Bischof von Hippo (Nordafrika) und Kirchenlehrer

Vorträge über das Johannes-Evangelium, 104,3-105,4 (vgl. Bibliothek der Kirchenväter, München 1913-1914)

„Vater [...] verherrliche deinen Sohn, damit der Sohn dich verherrlicht!“

Die Verherrlichung des Sohnes durch den Vater sehen einige darin, dass er ihn nicht verschont, sondern ihn für uns alle hingegeben hat (Röm 8,…More
Hl. Augustinus (354-430), Bischof von Hippo (Nordafrika) und Kirchenlehrer

Vorträge über das Johannes-Evangelium, 104,3-105,4 (vgl. Bibliothek der Kirchenväter, München 1913-1914)

„Vater [...] verherrliche deinen Sohn, damit der Sohn dich verherrlicht!“

Die Verherrlichung des Sohnes durch den Vater sehen einige darin, dass er ihn nicht verschont, sondern ihn für uns alle hingegeben hat (Röm 8,32). Allein wenn man sagt, er sei durch das Leiden verherrlicht worden, um wieviel mehr durch die Auferstehung! Denn im Leiden tritt mehr seine Erniedrigung als seine Verherrlichung hervor […] Damit also der Mittler zwischen Gott und den Menschen, der Mensch Christus Jesus, durch die Auferstehung verklärt oder verherrlicht würde, ist er vorher durch das Leiden erniedrigt worden […] Dass der Sohn vom Vater hinsichtlich der Knechtsgestalt verherrlicht wurde, die der Vater von den Toten auferweckte und zu seiner Rechten setzte, bringt die Natur der Sache mit sich, und darüber ist auch kein Christ im Zweifel.

Aber weil der Herr nicht bloß sagte: „Vater, verherrliche Deinen Sohn“, sondern auch beifügte: „Damit Dein Sohn Dich verherrliche“, so fragt man mit Recht, wie der Sohn den Vater verherrlicht hat […] Allein in sich selbst kann die Klarheit des Vaters weder vermindert noch vermehrt werden, bei den Menschen aber war sie ohne Zweifel geringer, als Gott nur in Judäa bekannt war, seine Diener noch nicht vom Aufgang der Sonne bis zum Untergang den Namen des Herrn priesen (Ps 113(112),1-3). Weil aber durch das Evangelium Christi bewirkt wurde, dass der Vater durch den Sohn den Völkern bekannt wurde, so hat in der Tat auch der Sohn den Vater verherrlicht.

Wenn aber der Sohn nur gestorben und nicht auferstanden wäre, so wäre er ohne Zweifel weder vom Vater verherrlicht worden, noch hätte er den Vater verherrlicht; nun aber vom Vater verherrlicht durch die Auferstehung, verherrlicht er durch die Verkündigung seiner Auferstehung den Vater. Dies lässt nämlich die Wortfolge deutlich hervortreten: „Verherrliche“, sagt er, „Deinen Sohn, damit Dein Sohn Dich verherrliche“, als würde er sagen: Erwecke mich, damit Du dem ganzen Erdkreis durch mich bekannt werdest. […] Gott wird hienieden verherrlicht, indem er durch die Verkündigung den Menschen bekannt wird und durch den Glauben der Glaubenden gepriesen wird.
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Hl. Augustinus (354-430), Bischof von Hippo (Nordafrika) und Kirchenlehrer

„Es gibt keine größere Liebe, als wenn einer sein Leben für seine Freunde hingibt“ (Joh 15,13)

Euer Glaube erkennt, was für ein Getreidekorn es ist, das auf die Erde gefallen ist und stirbt, noch bevor es reiche Frucht getragen hat; es wohnt in eurer Seele. Kein Christ zweifelt daran, dass Christus hier von sich selber …More
Hl. Augustinus (354-430), Bischof von Hippo (Nordafrika) und Kirchenlehrer

„Es gibt keine größere Liebe, als wenn einer sein Leben für seine Freunde hingibt“ (Joh 15,13)

Euer Glaube erkennt, was für ein Getreidekorn es ist, das auf die Erde gefallen ist und stirbt, noch bevor es reiche Frucht getragen hat; es wohnt in eurer Seele. Kein Christ zweifelt daran, dass Christus hier von sich selber gesprochen hat […] Hört mir zu, ihr geheiligten Getreidekörner, die ihr hier anwesend seid, daran zweifle ich nicht im geringsten […], oder hört vielmehr durch mich dem ersten Getreidekorn zu, wenn es zu euch sagt: liebt euer Leben auf dieser Welt nicht; liebt es nicht, wenn ihr mich wirklich liebt, denn ihr werdet es retten, wenn ihr es nicht liebt […] „Wer sein Leben auf dieser Welt liebt, wird es verlieren“ (vgl. Joh 12,25).

Es ist das zu Erde gefallene Getreidekorn, das so spricht, es ist gestorben, damit es viel Frucht trägt. Beachtet seine Worte, weil es sagt, was es getan hat. Es lehrt uns und zeigt uns durch sein Beispiel den Weg. Christus hat tatsächlich keinen Anspruch auf sein Leben auf dieser Welt erhoben – er ist gekommen, um es zu verlieren, es an uns auszuliefern und es dann, wenn er es wolle, wieder an sich zu nehmen […]: „Ich habe Macht, es hinzugeben, und ich habe Macht, es wieder zu nehmen. Niemand entreißt es mir, sondern ich gebe es aus freiem Willen hin“ (vgl. Joh 10,17-18).

Wie hat er dann, ausgestattet mit einer derartigen göttlichen Macht, sagen können: „Jetzt ist meine Seele erschüttert“? Wie ist dieser Gottmensch erschüttert, wenn er nicht das Abbild unserer Schwäche in sich trägt? Wenn er sagt: „Ich habe Macht, mein Leben hinzugeben und ich habe Macht es wieder zu nehmen“, erweist sich Christus als der, der er selber ist. Wenn er aber beim Nahen des Todes erschüttert ist, zeigt Christus sich als der, der in dir ist.

Predigt 305, zum Fest des hl. Laurentius
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Hl. Augustinus (354-430), Bischof von Hippo (Nordafrika) und Kirchenlehrer

Nun ziehen wir nach hinauf Jerusalem

Warum aber ist es nur von deinem Geiste gesagt? Warum ist es bloß von ihm gesagt, gleichsam als wenn er dort räumlich wäre, der doch nicht räumlich ist, der allein, wie es heißt, „dein Geschenk“ ist? In deinem Geschenke finden wir Ruhe, in ihm genießen wir dich. Unsere Ruhe ist unser …More
Hl. Augustinus (354-430), Bischof von Hippo (Nordafrika) und Kirchenlehrer

Nun ziehen wir nach hinauf Jerusalem

Warum aber ist es nur von deinem Geiste gesagt? Warum ist es bloß von ihm gesagt, gleichsam als wenn er dort räumlich wäre, der doch nicht räumlich ist, der allein, wie es heißt, „dein Geschenk“ ist? In deinem Geschenke finden wir Ruhe, in ihm genießen wir dich. Unsere Ruhe ist unser Platz. Dorthin erhebt uns die Liebe, und dein guter Geist „erhebt dorthin unsere Niedrigkeit von den Pforten des Todes“ (vgl. Ps 9,15). In deinem guten Willen ruht unser Friede.

Ein Körper strebt wegen seiner Schwere nach seinem Platze; die Schwere strebt nicht nur nach der Tiefe, sondern nach einem Ruhepunkte. Das Feuer strebt nach oben, nach unten der Stein. Ihre Schwere bestimmt ihre Bewegung und treibt sie nach ihrem Platze. Gießt man Öl unter Wasser, so erhebt es sich über das Wasser; gießt man Wasser über das Öl, so taucht es unter das Öl unter: ihre Schwere bestimmt ihre Bewegung und treibt sie nach ihrem Platze. Solange sie nicht in ihrer Ordnung sind, sind sie unruhig; erst wenn sie geordnet sind, ruhen sie.

Meine Triebkraft ist meine Liebe; von ihr lasse ich mich tragen, wohin immer es mich zieht. Deine Gabe entzündet uns und trägt uns zur Höhe hinauf; sie entflammt uns, und wir setzen uns in Bewegung. […] Dein Feuer, dein gutes Feuer, setzt uns in Glut, in Bewegung. Wir wandeln ja hinauf „zum Frieden Jerusalems“, „ich habe gejubelt mit denen, die mir gesagt haben: ‚Wir wollen gehen in das Haus des Herrn‘“ (vgl. Ps 121(122),1). Dort wird uns der gute Wille eine Wohnstätte verschaffen, so dass wir nichts anderes mehr begehren als dort zu bleiben in Ewigkeit.

Bekenntnisse, XIII, 9 (vgl. Bibliothek der Kirchenväter, München 1914)
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Hl. Augustinus (354-430), Bischof von Hippo (Nordafrika) und Kirchenlehrer

„Die Erde frohlocke [...] vor dem Herrn, wenn er kommt“ (Ps 96(95),11.13)

„Es jauchze die Flur und was auf ihr wächst. Jubeln sollen alle Bäume des Waldes“ (Ps 96(95),12). Bei seinem ersten Kommen haben alle Bäume des Waldes gejubelt. Und er wird wiederkommen „um die Erde zu richten“ (V. 13), und voller Jubel wird er …More
Hl. Augustinus (354-430), Bischof von Hippo (Nordafrika) und Kirchenlehrer

„Die Erde frohlocke [...] vor dem Herrn, wenn er kommt“ (Ps 96(95),11.13)

„Es jauchze die Flur und was auf ihr wächst. Jubeln sollen alle Bäume des Waldes“ (Ps 96(95),12). Bei seinem ersten Kommen haben alle Bäume des Waldes gejubelt. Und er wird wiederkommen „um die Erde zu richten“ (V. 13), und voller Jubel wird er die antreffen, weil „er erschienen ist“, die an sein erstes Kommen geglaubt haben [...] „Er richtet den Erdkreis in Gerechtigkeit und die Völker nach seiner Wahrheit“ (vgl. Vers 13 (Vulg.)). Nur weil du selber ungerecht bist, soll dein Richter nicht gerecht sein? Nur weil du ein Lügner bist, soll die Wahrheit nicht wahrhaftig sein? Willst du indes einen barmherzigen Richter antreffen, dann sei barmherzig, bevor er kommt. Vergib, wenn man vor dir schuldig geworden ist; verteile großzügig, was du besitzt.

Und was willst du denn verteilen, was du nicht von ihm erhalten hast? Wenn du etwa etwas von deinem selbst erworbenen Besitz hergeben würdest, dann wäre dies großzügig. Nachdem du aber das verteilst, was du von ihm erhalten hast, ist es doch nur eine Rückgabe. „Und was hast du, das du nicht empfangen hättest?“ (1 Kor 4,7).

Über die Psalmen, Psalm 96(95)
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„Und doch wird euch kein Haar gekrümmt werden. Wenn ihr standhaft bleibt, werdet ihr das Leben gewinnen“

„[...] falsche Zeugen standen gegen mich auf und wüten!“ (Ps 27(26),12) [...] Der Psalmist wehrt sich gegen seine Gegner, die ihn verfolgen und bedrängen; er kann nicht mehr, er ist in großer Not, doch er bleibt …More
Hl. Augustinus (354-430), Bischof von Hippo (Nordafrika) und Kirchenlehrer

„Und doch wird euch kein Haar gekrümmt werden. Wenn ihr standhaft bleibt, werdet ihr das Leben gewinnen“

„[...] falsche Zeugen standen gegen mich auf und wüten!“ (Ps 27(26),12) [...] Der Psalmist wehrt sich gegen seine Gegner, die ihn verfolgen und bedrängen; er kann nicht mehr, er ist in großer Not, doch er bleibt standhaft; er bleibt zuversichtlich, denn Gott stützt ihn, Gott hilft ihm, Gott leitet ihn, Gott zeigt ihm den Weg. Er ist gleichzeitig von großer Freude bewegt über das, was er staunend erkannt und besungen hat und ist doch von Kummer überwältigt über das, was er erleiden musste, doch am Ende atmet er auf und ruft laut: „Ich aber bin gewiss, zu schauen die Güte des HERRN im Land der Lebenden!“ Wie sanft ist doch die Güte des Herrn, wie unsterblich, unvergleichlich, ewig, unveränderlich! Und wann werde ich dich erblicken, o Güte meines Herrn? „Ich aber bin gewiss, zu schauen“, aber nicht hier auf Erden, sondern „im Land der Lebenden“. Der Herr wird mich aus dem Land der Sterblichen herausführen, er, der doch um meinetwillen dieses Land der Toten aufgesucht hat, um aus der Hand der Sterblichen zu sterben [...]

Lasst uns auch auf die Stimme unseres Herrn hören, der uns aus der Höhe herab belehrt und tröstet, hören wir auf die Stimme dessen, der unser Vater und Mutter zugleich ist (vgl. Vers 10). Denn er hat unser Klagen gehört, er hat unsere Seufzer bemerkt, er hat das Verlangen unseres Herzens erkannt. „Eines erbitten wir vom HERRN“ (vgl. Vers 4). Dank der Fürsprache Jesu Christi, hat er gnädig unser Flehen, unsere einzige Bitte erhört. Und wenn wir ans Ende unserer irdischen Pilgerschaft gelangen, und sollte der Weg auch sehr lang sein, wird er uns nicht das Versprochene verweigern. Er rät uns: „Hoffe auf den HERRN“. Der dieses Versprechen gab, ist allmächtig, ist wahrhaftig, und er ist treu. „Hoffe auf den HERRN, sei stark und fest sei dein Herz!“ (Vers 14). Lass dich also nicht verwirren.

2. Vortrag zum Psalm 26
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„Aber man nahm ihn nicht auf, weil er auf dem Weg nach Jerusalem war“

Zwei große Städte sind es; die eine heißt Babylon, die andere Jerusalem. Der Name Babylon bedeutet soviel wie „Verwirrung“, Jerusalem bedeutet „Vision des Friedens“. Seht euch genau die große Stadt der Verwirrung an, um besser die Vision des Friedens …More
Hl. Augustinus (354-430), Bischof von Hippo (Nordafrika) und Kirchenlehrer

„Aber man nahm ihn nicht auf, weil er auf dem Weg nach Jerusalem war“

Zwei große Städte sind es; die eine heißt Babylon, die andere Jerusalem. Der Name Babylon bedeutet soviel wie „Verwirrung“, Jerusalem bedeutet „Vision des Friedens“. Seht euch genau die große Stadt der Verwirrung an, um besser die Vision des Friedens erkennen zu können; ertragt die erste, doch streckt euch aus nach der zweiten.

Was erlaubt uns, diese zwei großen Städte voneinander zu unterscheiden? Können wir schon jetzt die eine von der anderen trennen? Die eine ist mit der anderen vermischt seit dem Morgengrauen des Menschengeschlechts, und sie gehen ihren Weg dergestalt bis zum Ende der Zeiten. Jerusalem wurde geboren mit Abel, Babylon mit Kain [...] Die beiden gegenständlichen Städte wurden später gebaut, doch sie stellen symbolhaft die beiden ungegenständlichen Städte dar, deren Ursprünge bis zum Anfang der Zeiten zurückreichen und die hier unten bestehen bleiben sollen bis zu ihrem Ende. Der Herr wird sie dann trennen, wenn er die eine zu seiner Rechten und die andere zu seiner Linken aufrichten wird (vgl. Mt 25,33) [...]

Doch etwas gibt es, was schon jetzt die Bürger Jerusalems von den Bürgern Babylons unterscheidet: Es sind das zwei Arten der Liebe. Die Liebe zu Gott macht Jerusalem aus, die Liebe zur Welt Babylon. Fragt euch, wen ihr liebt, und ihr werdet wissen, von wo ihr stammt. Wenn ihr euch als Bürger Babylons wiederfindet, dann reißt aus eurem Leben die Begierde aus und pflanzt in euch die Liebe ein. Wenn ihr euch als Bürger Jerusalem wiederfindet, dann ertragt geduldig die Gefangenschaft und hofft auf eure Befreiung. Denn viele Bürger unserer heiligen Mutter Jerusalem (vgl. Gal 4,26) waren vorher Gefangene Babylons [...]

Wie aber kann in uns die Liebe zu unserer Heimat Jerusalem erwachen, deren Erinnerung durch die Länge der Verbannung verlorengegangen ist (vgl. Ps 137(136))? Der Vater selbst ist es, der uns von dort schreibt und in uns durch seine Briefe, nämlich die Heiligen Schriften, das Heimweh der Rückkehr brennen lässt.

Erörterungen über die Psalmen, Ps 65 (64)
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„Herr, ich bin nicht würdig“

Bei der Verkündigung des Evangeliums haben wir gehört, wie Jesus unseren mit der Demut verbundenen Glauben lobt. Als er dem Hauptmann versprach, in sein Haus zu kommen und seinen Diener zu heilen, hat jener geantwortet: „Ich bin nicht würdig, dass du eintrittst unter mein Dach, aber sprich …More
Hl. Augustinus (354-430), Bischof von Hippo (Nordafrika) und Kirchenlehrer

„Herr, ich bin nicht würdig“

Bei der Verkündigung des Evangeliums haben wir gehört, wie Jesus unseren mit der Demut verbundenen Glauben lobt. Als er dem Hauptmann versprach, in sein Haus zu kommen und seinen Diener zu heilen, hat jener geantwortet: „Ich bin nicht würdig, dass du eintrittst unter mein Dach, aber sprich nur ein Wort, und mein Diener wird gesund sein“ (vgl. Mt 8,8). Indem er sagt, dass er unwürdig sei, erweist er sich als würdig – nicht nur würdig, dass Christus in sein Haus eintritt, sondern auch in sein Herz [...]

Denn es wäre für ihn kein großes Glück gewesen, wenn der Herr Jesus nur in sein Haus eingetreten wäre, nicht aber in sein Herz. Denn Christus, der Meister der Demut durch Wort und Beispiel, hat sich im Haus eines hochmütigen Pharisäers namens Simon zu Tisch gesetzt (vgl. Lk 7,36ff.). Doch obwohl er bei ihm zu Tisch saß, war er nicht in sein Herz gekommen. Denn dort „hat der Menschensohn keinen Ort, wo er sein Haupt hinlegen kann“ (vgl. Lk 9,58). Hier jedoch tritt er nicht in das Haus des Hauptmanns ein, doch er besitzt sein Herz [...]

Der Glaube also, der auch demütig ist, der ist es, den der Herr bei diesem Hauptmann lobt. Als jener sagt: „Ich bin nicht würdig, dass du eintritt unter mein Dach“, antwortet der Herr: „Amen, das sage ich euch: Einen solchen Glauben habe ich in Israel noch bei niemand gefunden“ [...] Der Herr war zum Volk Israel gekommen im Fleisch, um zuerst in diesem Volk sein verirrtes Schaf zu suchen (vgl. Lk 15,4) [...] Wir anderen jedoch können, da wir Menschen sind, nicht den Glauben der Menschen ermessen. Der bis auf den Grund des Herzens schaut, den niemand täuschen kann, der Zeugnis davon gebracht hat, was im Herzen dieses Menschen verborgen war, er schenkte ihm ein Wort, das Heilung brachte, nachdem er dessen demütiges Wort gehört hat.

62. Predigt
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„Diese Stimme, die vom Himmel kam, haben wir gehört, als wir mit ihm auf dem heiligen Berg waren“ (2 Petr 1,18)

„Herr, es ist gut für uns, dass wir hier sind!“ Ermüdet vom Leben inmitten der Menge, hatte Petrus die Einsamkeit auf dem Berg entdeckt, in der seine Seele sich an Christus laben konnte. Warum diesen Ort …More
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„Diese Stimme, die vom Himmel kam, haben wir gehört, als wir mit ihm auf dem heiligen Berg waren“ (2 Petr 1,18)

„Herr, es ist gut für uns, dass wir hier sind!“ Ermüdet vom Leben inmitten der Menge, hatte Petrus die Einsamkeit auf dem Berg entdeckt, in der seine Seele sich an Christus laben konnte. Warum diesen Ort verlassen, um den Ermüdungen und Mühen entgegenzugehen, wo er doch in einer heißen Liebe zu Gott entbrannt war und durch diesen Zustand sein Leben heiligte? Er wollte dieses Glück für sich selbst, so dass er hinzufügte: „Wenn Du willst, werde ich hier drei Zelte bauen, eines für dich, eines für Mose und eines für Elija“ (vgl. Mt 17,4) [...]

Petrus wünschte sich drei Zelte: die Antwort vom Himmel hat gezeigt, dass wir aber nur eines haben: das Wort Gottes ist Christus, das Wort Gottes ist im Gesetz, das Wort Gottes ist in den Propheten [...] Im Augenblick, als die Wolke sie alle einhüllte und gleichsam ein einziges Zelt über ihnen formte, kam eine Stimme heraus [...] Der, den die Stimme enthüllte, ist der, dessen sich das Gesetz und die Propheten rühmten: „Das ist mein geliebter Sohn, an dem ich Gefallen gefunden habe; auf ihn sollt ihr hören“. Denn ihr habt ihn gehört in den Propheten, ihr habt ihn gehört im Gesetz, und wo habt ihr ihn nicht gehört? Bei diesen Worten fielen die Jünger zu Boden [...]

Indem sie zu Boden fielen, symbolisieren die Apostel unseren Tod [...], doch indem er sie aufhebt, symbolisiert der Herr die Auferstehung. Doch zu was dient das Gesetz nach der Auferstehung? Zu was dient die Prophezeiung? Von da ab verschwindet Elija, und auch Mose verschwindet. Das, was bleibt, besteht darin: „Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und das Wort war Gott“ (Joh 1,1). Das Wort bleibt dir, damit Gott alles in allem sei (vgl. 1 Kor 15,28) [...]

Steige hinunter, Petrus. Du hast dir gewünscht, dich auf dem Berg auszuruhen [...]; der Herr selbst aber sagt dir hier: „Steige hinunter, um dich abzumühen und in dieser Welt zu dienen, um verachtet und gekreuzigt zu werden in dieser Welt.“ Das Leben ist hinabgestiegen, um getötet zu werden, das Brot ist hinabgestiegen, um Hunger zu leiden, der Weg ist hinabgestiegen, um auf dem Weg zu ermüden, die Quelle ist hinabgestiegen, um Durst zu haben, und du, du weist es zurück, zu leiden? Suche nicht deinen Vorteil. Praktiziere die Liebe, verkünde die Wahrheit. Du wirst dadurch zur Unsterblichkeit gelangen, und mit ihr wirst du den Frieden finden.

78. Predigt, 2−6; PL 38, 490−493
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Hl. Augustinus (354-430), Bischof von Hippo (Nordafrika) und Kirchenlehrer

„Herr, rette uns“

Oh mein Gott, mein Herz ist wie ein weites Meer, das ständig von Stürmen aufgewühlt ist: möge es doch in dir den Frieden und die Ruhe finden. Du hast den Winden und dem Meer geboten, sich zu beruhigen, und auf dein Wort hin wurden sie ruhig. Komm und beruhige die Unruhe meines Herzens, damit alles in …More
Hl. Augustinus (354-430), Bischof von Hippo (Nordafrika) und Kirchenlehrer

„Herr, rette uns“

Oh mein Gott, mein Herz ist wie ein weites Meer, das ständig von Stürmen aufgewühlt ist: möge es doch in dir den Frieden und die Ruhe finden. Du hast den Winden und dem Meer geboten, sich zu beruhigen, und auf dein Wort hin wurden sie ruhig. Komm und beruhige die Unruhe meines Herzens, damit alles in mir still und friedvoll ist, um dich besitzen zu können, mein einziges Gut, und um dich ohne Unruhe und Dunkelheit betrachten zu können, sanftes Licht meiner Augen. Oh mein Gott, meine Seele soll sich, befreit von den aufwühlenden Gedanken dieser Welt, „im Schatten deiner Flügel bergen“ (vgl. Ps 16(17),8). Sie soll bei dir einen Ort der Erquickung und des Friedens finden, damit sie voller Freude singen kann: „In dir kann ich nunmehr einschlafen und in Frieden in dir ruhen“ (vgl. Ps 4,9).

Möge sie sich doch ausruhen können, so bitte ich dich, mein Gott, möge sie sich ausruhen können von jedem Gedanken an alles, was unter dem Himmel ist, aufgeweckt einzig für dich, so wie geschrieben steht: „Ich schlafe, doch mein Herz wacht“ (Hld 5,2 (Vulg.)). Meine Seele kann nicht in Frieden und Sicherheit sein, mein Gott, wenn sie nicht unter den Fittichen deines Schutzes geborgen ist (Ps 90(91),4). Ewig also möge sie in dir bleiben und von deinem Feuer umarmt werden. Über sich selbst emporgestiegen, soll sie dich betrachten und dein Lob singen voller Freude. Inmitten der Verwirrung, die mich umtreibt, sollen deine Gnadengaben meine süße Tröstung sein, bis ich zu dir kommen werde, oh du wahrhafter Friede.

Betrachtungen, Kap. 37
Tina 13
Hl. Augustinus (354-430), Bischof von Hippo (Nordafrika) und Kirchenlehrer

Zwei Apostel, zwei Leben, eine Kirche

Die Kirche kennt zwei Leben, die von Gott gelobt und gutgeheißen werden. Das eine ist jenes im Glauben, das andere jenes der himmlischen Schau – jenes während der irdischen Pilgerschaft, dieses in der ewigen Wohnung; jenes in der Arbeit, dieses in der Ruhe; jenes auf dem Weg, dieses …More
Hl. Augustinus (354-430), Bischof von Hippo (Nordafrika) und Kirchenlehrer

Zwei Apostel, zwei Leben, eine Kirche

Die Kirche kennt zwei Leben, die von Gott gelobt und gutgeheißen werden. Das eine ist jenes im Glauben, das andere jenes der himmlischen Schau – jenes während der irdischen Pilgerschaft, dieses in der ewigen Wohnung; jenes in der Arbeit, dieses in der Ruhe; jenes auf dem Weg, dieses schon im Vaterland; jenes in der Mühe der Tat, dieses in der Belohnung der himmlischen Schau [...] Das erste Leben wird symbolisiert durch den Apostel Petrus, das zweite durch Johannes [...] Und nicht nur sie sind es, sondern die ganze Kirche, die Braut Christi, die dieses lebt, und die befreit werden soll von den irdischen Prüfungen, um in der ewigen Seligkeit zu wohnen.

Petrus und Johannes haben jeder auf seine Weise eines dieser zwei Leben in der Zeit und im Glauben symbolisiert. Zusammen erfreuen sie sich des zweiten Lebens in der Ewigkeit und in der himmlischen Schau. Es gilt also allen Heiligen, die dem Leib Christi verbunden sind. Und damit sie durch die Stürme dieses Lebens geleitet werden können, hat Petrus, der Erste der Apostel, die Schlüssel des Himmelreichs bekommen, mit der Vollmacht, Sünden zu vergeben oder die Vergebung zu verweigern (vgl. Mt 16,19). Zum Nutzen aller Heiligen war es auch, um ihnen Einlass in die Tiefen seines innersten Lebens zu gewähren, die von Frieden erfüllt sind, dass Christus Johannes an seiner Brust ruhen ließ (Joh 13,23.25). Denn die Vollmacht, Sünden zu vergeben und die Vergebung zu verweigern, liegt nicht allein bei Petrus, sondern bei der ganzen Kirche. Und Johannes hat nicht alleine von der Quelle an der Brust des Herrn getrunken, des Wortes, das von Anfang an Gott ist und bei Gott ist (Joh 7,38; 1,1), vielmehr hat der Herr selbst dieses Evangelium auf dem ganzen Erdkreise ausgebreitet, damit es all die Seinen, jeder nach seiner besonderen Fassungskraft, trinken.

Predigten über das Johannesevangelium, N° 124
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Scheidet das Gute vom Bösen, die Gerechtigkeit von der Ungerechtigkeit

Der Herr Jesus nun sprach: „Habe ich nicht euch, die Zwölf, erwählt? Und doch ist einer von euch ein Teufel“ (Joh 6,70). Also er hätte sagen sollen: Elf habe ich erwählt. Oder wird auch der Teufel erwählt und befindet sich auch der Teufel unter den …More
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Scheidet das Gute vom Bösen, die Gerechtigkeit von der Ungerechtigkeit

Der Herr Jesus nun sprach: „Habe ich nicht euch, die Zwölf, erwählt? Und doch ist einer von euch ein Teufel“ (Joh 6,70). Also er hätte sagen sollen: Elf habe ich erwählt. Oder wird auch der Teufel erwählt und befindet sich auch der Teufel unter den Erwählten? [...] Sollen wir annehmen, dass der Erlöser, indem er den Judas erwählte, gegen seinen Willen, ohne dass er es wusste, durch ihn ein so großes und gutes Werk erfüllt wissen wollte? Das ist Gott zu eigen [...]: Die schlechten und bösen Werke dem Guten dienstbar zu machen [...] Der Böse macht alle guten Werke Gottes dem Bösen dienstbar, der gute Mensch jedoch macht die Missetaten der Bösen dem Guten dienstbar. Und wer ist so gut wie der einzige Gott? Der Herr sagt selbst: „Niemand ist gut außer Gott, dem Einen“ (Mk 10,18) [...]

Wer ist schlechter als Judas? Aus den Jüngern des Meisters, aus den Zwölfen, ist er es, der ausgewählt wurde, um die Kasse zu verwalten und sich um die Armen zu sorgen (vgl. Joh 13,19). Doch nach einer solch guten Tat ist er es, der auf Geld aus ist, um den auszuliefern, der das Leben ist (Mt 26,15); er hat den als Feind verfolgt, dem er als Jünger gefolgt war [...] Doch der Herr hat ein so großes Verbrechen zum Guten gewendet. Er hat es auf sich genommen, verraten zu werden, um uns loszukaufen: und so wurde das Verbrechen des Judas zum Guten gewendet.

Wie viele Märtyrer hat der Satan verfolgt? Doch hätte er es nicht getan, so würden wir heute nicht ihren Triumph feiern [...] Der Böse kann sich nicht der Güte Gottes entgegenstellen. Er kann sich wohl als Künstler der Bosheit ausgeben, doch der höchste Künstler würde die Existenz des Bösen nicht zulassen, wenn er sich seiner nicht bedienen könnte, um alles zum Guten zu wenden.

Predigten über das Johannesevangelium, Nr. 27, § 10
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Gerechtigkeit und Erbarmen

Die Pharisäer sprachen also untereinander: Er hat den Ruf, wahrhaftig und sanftmütig zu sein: also muss man sich in Sachen Gesetzestreue gegen ihn nach einer Falle umsehen. Bringen wir ihm eine im Ehebruch ergriffene Frau, sagen wir, was in Bezug auf sie im Gesetz vorgeschrieben ist [...] Was …More
Hl. Augustinus (354-430), Bischof von Hippo (Nordafrika) und Kirchenlehrer

Gerechtigkeit und Erbarmen

Die Pharisäer sprachen also untereinander: Er hat den Ruf, wahrhaftig und sanftmütig zu sein: also muss man sich in Sachen Gesetzestreue gegen ihn nach einer Falle umsehen. Bringen wir ihm eine im Ehebruch ergriffene Frau, sagen wir, was in Bezug auf sie im Gesetz vorgeschrieben ist [...] Was antwortete daraufhin der Herr Jesus? Was antwortete die Wahrheit? (Joh 14,6) Was antwortete die Weisheit? (1 Kor 1,24) Was antwortete die Gerechtigkeit, der eine Schlinge gelegt wurde? Er sagt nicht: „Sie soll nicht gesteinigt werden“, um nicht den Anschein zu geben, als spreche er gegen das Gesetz. Doch hütete er sich, zu sagen: „sie soll gesteinigt werden“; denn er kam nicht, um zu verderben, was er gefunden hatte, sondern um zu suchen, was verloren war (Lk 19,10). Was also antwortete er? Seht, wie seine Antwort voller Gerechtigkeit ist, voll von Sanftmut und Wahrheit! „Wer von euch ohne Sünde ist“, sagt er, „werfe als erster einen Stein auf sie.“

O Antwort der Weisheit! Wie hat er sie damit gezwungen, sich selbst zu erforschen! Denn ihre Gedanken richteten sich nach außen, sich selbst aber im eigenen Inneren erforschten sie nicht; die Ehebrecherin machten sie ausfindig, doch in sich selbst blickten sie nicht ... o ihr Pharisäer, o ihr Gesetzeslehrer, ihr habt den Gesetzeshütern zugehört, aber ihr habt nicht den verstanden, welcher der Urheber des ganzen Gesetzes ist! Was anderes zeigt er euch, indem er mit dem Finger auf die Erde schreibt? Mit dem Finger Gottes nämlich wurde das Gesetz geschrieben, doch wegen der Hartherzigen wurde es auf Stein geschrieben (Ex 31,18; 34,1); Jetzt aber schrieb der Herr auf die Erde, weil er nach der Frucht des Gesetzes suchte […] Jeder von euch betrachte sich selbst, er gehe in sich, er besteige den Richterstuhl seines Geistes, er stelle sich vor sein Gewissen … Jeder, der sich selbst untersucht, findet sich als Sünder vor. Ja, so ist es. Also: entweder lasst ihr diese Frau gehen oder empfangt mit ihr zusammen die Strafe des Gesetzes!

Das ist die Stimme der Gerechtigkeit: „Gestraft werde die Sünderin, aber nicht von den Sündern; erfüllt werde das Gesetz, aber nicht von den Übertretern des Gesetzes“ [...] Von dieser Gerechtigkeit wie von einer Lanze getroffen, blickten sie in ihr Inneres und fanden sich schuldig und sie gingen alle, einer nach dem andern, davon.

Vorträge über das Johannesevangelium, n°33, 4−6
Tina 13
Hl. Augustinus (354-430), Bischof von Hippo (Nordafrika) und Kirchenlehrer

Traktat zum Johannesevangelium, Nr. 28

„Seine Stunde war noch nicht gekommen“

„Das Laubhüttenfest der Juden war nahe. Da sagten seine Brüder zu ihm: Geh von hier fort, und zieh nach Judäa, damit auch deine Jünger die Werke sehen, die du vollbringst [...] Jesus sagte zu ihnen: Meine Zeit ist noch nicht gekommen, für …More
Hl. Augustinus (354-430), Bischof von Hippo (Nordafrika) und Kirchenlehrer

Traktat zum Johannesevangelium, Nr. 28

„Seine Stunde war noch nicht gekommen“

„Das Laubhüttenfest der Juden war nahe. Da sagten seine Brüder zu ihm: Geh von hier fort, und zieh nach Judäa, damit auch deine Jünger die Werke sehen, die du vollbringst [...] Jesus sagte zu ihnen: Meine Zeit ist noch nicht gekommen, für euch aber ist immer die rechte Zeit“ (Joh 7,2−6) [...] Wenn also der Herr sagt: „Meine Stunde ist noch nicht gekommen“, so antwortete er denen, die ihm einen Rat betreffs der Ehre gaben: Die Zeit meiner Ehre ist noch nicht gekommen. Sehet, wie tief das ist: zur Ehre ermuntern sie ihn, aber er wollte in Niedrigkeit der Höhe vorangehen und durch Niedrigkeit zur Höhe den Weg bahnen. Denn auch jene Jünger suchten sicherlich die Ehre, welche, der eine zu seiner Rechten, der andere zur Linken sitzen wollten (Mt 10,37); sie richteten ihr Augenmerk wohl auf das Ziel, aber nicht auf den Weg; der Herr rief sie, damit sie in geordneter Weise ins Vaterland kämen, auf den Weg zurück. Denn hoch liegt das Vaterland, niedrig ist der Weg dahin. Das Vaterland ist das Leben Christi, der Weg ist der Tod Christi; das Vaterland ist die bleibende Wohnung Christi, der Weg ist das Leiden Christi [...]

Machen wir uns nichts vor: die Zeit unserer Herrlichkeit ist noch nicht gekommen. Hören wir doch, was denen gesagt wird, die, wie die Brüder des Herrn, diese Welt lieben: „Für euch ist immer die rechte Zeit, unsere Zeit ist noch nicht gekommen.“ Haben auch wir den Mut, das zu sagen. Die wir hier der Leib unseres Herrn Jesus Christus, die wir hier seine Glieder sind, die wir ihn mit Freude als unseren Meister anerkennen, wiederholen wir diese Worte, denn für uns hat er sie in seiner Güte zuerst gesagt. Wenn diejenigen, die die Welt lieben, unseren Glauben verhöhnen, dann lasst uns ihnen sagen: „Für euch ist immer die rechte Zeit, die unsrige ist noch nicht gekommen.“ Der Apostel Paulus hat doch tatsächlich zu uns gesagt: „Denn ihr seid gestorben, und euer Leben ist mit Christus verborgen in Gott.“ Wann wird unsere Zeit kommen? „Wenn Christus, unser Leben, offenbar wird, dann werdet auch ihr mit ihm offenbar werden in Herrlichkeit“ (Kol 3,3).

„Unser Leben ist mit Christus verborgen in Gott.“ Im Winter kann man durchaus sagen: dieser Baum ist abgestorben, z.B. ein Feigenbaum, ein Birnbaum oder jeder andere Obstbaum; während der ganzen Winterszeit scheint er ums Leben gebracht. Aber im Sommer tritt er den Beweis an und lässt uns entscheiden, ob er lebt. Unser Sommer ist das Offenbarwerden Christi.
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Tina 13
Hl. Augustinus (354-430), Bischof von Hippo (Nordafrika) und Kirchenlehrer

Die Genesis im wörtlichen Sinn, 4,11−13 [21−24]

„Mein Vater wirkt bis jetzt, und auch ich wirke“

Wir möchten erklären, inwiefern die zwei folgenden Textstellen gleichermaßen wahr sind: die Stelle aus der Genesis, wo es heißt, dass Gott am siebten Tag ruhte, nachdem er sein ganzes Werk vollbracht hatte, sowie die Stelle …More
Hl. Augustinus (354-430), Bischof von Hippo (Nordafrika) und Kirchenlehrer

Die Genesis im wörtlichen Sinn, 4,11−13 [21−24]

„Mein Vater wirkt bis jetzt, und auch ich wirke“

Wir möchten erklären, inwiefern die zwei folgenden Textstellen gleichermaßen wahr sind: die Stelle aus der Genesis, wo es heißt, dass Gott am siebten Tag ruhte, nachdem er sein ganzes Werk vollbracht hatte, sowie die Stelle im Evangelium, wo der Herr, durch den alles geworden ist, sagt: „Mein Vater wirkt bis jetzt, und auch ich wirke“ [...] Die Einhaltung des Sabbat war den Juden vorgeschrieben, um den geistigen Frieden vorabzubilden, den Gott den Glaubenden für die guten Werke versprach, einen Frieden, den Jesus Christus, der Herr, durch seine Grabesruhe bestätigt hat. Denn es war Sabbat, als er im Grab ruhte [...] nachdem er alle seine Werke vollbracht hatte [...]

Man denkt vielleicht, dass Gott sich nach der Schaffung der verschiedenen Kreaturen ausgeruht habe, weil er nachher keine neuen Arten mehr geschaffen hat. Aber selbst am siebten Tag hat er Himmel, Erde und alle anderen geschaffenen Wesen weiter regiert; sonst wäre ja alles ins Nichts zurückgefallen. Denn die Macht des Schöpfers, die Kraft des Allmächtigen ist der Grund für das Überleben alles Geschaffenen [...] Bei Gott ist es nämlich nicht so, wie bei einem Baumeister: das Haus ist fertig, er geht und [...] das Haus bleibt stehen. Ganz im Gegenteil, die Welt könnte nicht einen Augenblick fortbestehen, wenn Gott ihr seine Hilfe entzöge [...]

Das sagte der Apostel Paulus, als er kam, um den Athenern Gott zu verkünden: „[...] in ihm leben wir, bewegen wir uns und sind wir“ (Apg 17,28) [...] Wir sind freilich nicht in Gott als ein Teil seiner eigenen Substanz, in dem Sinne, dass er, wie es heißt, „das Leben in sich hat“. Vielmehr können wir, da wir von anderer Art sind als er, nur in ihm sein, weil er folgendermaßen handelt: „Seine Weisheit entfaltet ihre Kraft von einem Ende zum andern und durchwaltet voll Güte das All“ (vgl. Weish 8,1).

Jetzt sehen wir die guten Werke Gottes (Gen 1,31); seinen Frieden werden wir erleben, wenn wir unsere guten Werke vollbracht haben.
Tina 13
Hl. Augustinus (354-430), Bischof von Hippo (Nordafrika) und Kirchenlehrer

Er hat alles für dich gegeben

„Jesus also, ermüdet von der Reise, setzte sich so hin an den Brunnen. Es war um die sechste Stunde.“ Nun beginnen die Geheimnisse. Denn nicht umsonst wird Jesus müde; nicht umsonst wird die Kraft Gottes müde […] Deinetwegen ist Jesus ermüdet von der Reise. Wir finden die Kraft Jesus, wir …More
Hl. Augustinus (354-430), Bischof von Hippo (Nordafrika) und Kirchenlehrer

Er hat alles für dich gegeben

„Jesus also, ermüdet von der Reise, setzte sich so hin an den Brunnen. Es war um die sechste Stunde.“ Nun beginnen die Geheimnisse. Denn nicht umsonst wird Jesus müde; nicht umsonst wird die Kraft Gottes müde […] Deinetwegen ist Jesus ermüdet von der Reise. Wir finden die Kraft Jesus, wir finden den schwachen Jesus; den starken und den schwachen Jesus: den starken, denn „im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort. Dieses war im Anfang bei Gott“. Willst du sehen, wie stark dieser Sohn Gottes war? „Alles ist durch ihn geworden, und ohne ihn ist nichts geworden“; und ohne Anstrengung ist es geworden. Was ist also stärker als der, durch den ohne Anstrengung alles geworden ist? Willst du den schwachen kennen lernen? „Das Wort ist Fleisch geworden, und hat unter uns gewohnt“ (Joh. 1,1.3.14).

Die Stärke Christi hat dich erschaffen, die Schwäche Christi hat dich neugeschaffen. Die Stärke Christi hat bewirkt, daß sei, was nicht war; die Schwäche Christi hat bewirkt, daß nicht verloren gehe, was war. Er hat uns erschaffen durch seine Stärke, uns gesucht durch seine Schwäche. Er nährt also, selbst schwach, die Schwachen, wie eine Henne ihre Jungen; denn dieser hat er sich ähnlich gemacht: „Wie oft wollte ich“, sagt er zu Jerusalem, „deine Kinder unter die Flügel versammeln, und du hast nicht gewollt“? (Matth. 23,37) […]

So also wird Jesus schwach, müde von der Reise. Seine Reise ist das Fleisch, das er für uns angenommen hat. Denn wie kann man bei dem von einer Reise reden, der überall ist, der nirgends abwesend ist? Er geht und kommt, aber er würde zu uns nicht kommen, wenn er nicht die Gestalt des sichtbaren Fleisches angenommen hätte. Weil er also zu uns zu kommen in der Weise sich würdigte, daß er durch Annahme des Fleisches in Knechtsgestalt erschien, so ist die Annahme des Fleisches seine Reise. Was heißt darum „müde von der Reise“ anderes als Ermüdung im Fleische? Jesus wird schwach im Fleische, aber werde du nicht schwach; in seiner Schwäche sollst du stark sein; denn was schwach ist an Gott, ist stärker als die Menschen (1 Kor 1,25).

Traktat über das Johannesevangelium, 15, 6−7 (Bibliothek der Kirchenväter, München 1913−1914)
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Tina 13
Hl. Augustinus (354-430), Bischof von Hippo (Nordafrika) und Kirchenlehrer

Der wahre Reichtum und die wahre Armut

Wenn ich sage, Gott neigt sein Ohr nicht den Reichen zu, dann zieht nicht den Schluss daraus, meine Brüder, dass Gott nicht die erhört, die Gold und Silber, Häuser und Ländereien besitzen. Wenn sie in diesem Stand geboren wurden und diesen Rang in der Gesellschaft einnehmen, …More
Hl. Augustinus (354-430), Bischof von Hippo (Nordafrika) und Kirchenlehrer

Der wahre Reichtum und die wahre Armut

Wenn ich sage, Gott neigt sein Ohr nicht den Reichen zu, dann zieht nicht den Schluss daraus, meine Brüder, dass Gott nicht die erhört, die Gold und Silber, Häuser und Ländereien besitzen. Wenn sie in diesem Stand geboren wurden und diesen Rang in der Gesellschaft einnehmen, sollen sie sich an das Wort des Apostels Paulus erinnern: „Ermahne die, die in dieser Welt reich sind, nicht überheblich zu werden“ (1 Tim 6,17). Die nämlich, die nicht hochmütig werden, sind arm vor Gott, der sein Ohr den Armen und Gebeugten zuneigt (vgl. Ps 85(86),1). Und sie wissen tatsächlich, dass ihre Hoffnung nicht im Gold oder im Silber, noch in all den Dingen liegt, worin sie eine Zeit lang schwimmen. Es genügt, dass die Reichtümer für sie nicht zum Verderben werden und dass sie, wenn [die Reichtümer] ihnen schon nicht zum Heil verhelfen, ihnen wenigstens nicht zum Hindernis werden [...] Wenn also ein Mensch all das verachtet, was seinem Hochmut als Nahrung dient, so ist er arm vor Gott; und Gott neigt sein Ohr ihm zu, denn er kennt die Qual seines Herzens.

Zweifellos, Brüder, wurde dieser arme Lazarus, der mit Geschwüren bedeckt war, der an der Tür des Reichen lag, von den Engeln in den Schoß Abrahams getragen; das lesen wir und daran glauben wir. Der Reiche hingegen, der in Purpur und feines Leinen gekleidet war und jeden Tag in Saus und Braus dahinlebte, er wurde den Qualen der Hölle überantwortet. Kann es denn wirklich nur die Bedürftigkeit sein, die dem Armen als Verdienst angerechnet wurde und ihm erwirkt hat, von den Engeln mitgenommen zu werden? Und der Reiche, wurde er den Qualen überantwortet, weil er in seiner Unmäßigkeit gefehlt hat? Man muss es klar sehen: im Armen wurde die Demut geehrt, was beim Reichen hingegen bestraft wurde, das ist der Hochmut.

Enarrationes, Psalm 85,3; CCL 39, 1178
Tina 13
Hl. Augustinus (354-430), Bischof von Hippo (Nordafrika) und Kirchenlehrer

„Er nahm ihn beiseite, von der Menge weg, legte ihm die Finger in die Ohren“ (Mk 7,33)

„Gott heilt all deine Gebrechen“ (vgl. Ps 102(103),3). Alle deine Gebrechen werden geheilt, hab keine Angst. Du wirst sagen, dass sie groß sind; aber der Arzt ist größer. Für einen allmächtigen Arzt gibt es keine unheilbare Krankheit. …More
Hl. Augustinus (354-430), Bischof von Hippo (Nordafrika) und Kirchenlehrer

„Er nahm ihn beiseite, von der Menge weg, legte ihm die Finger in die Ohren“ (Mk 7,33)

„Gott heilt all deine Gebrechen“ (vgl. Ps 102(103),3). Alle deine Gebrechen werden geheilt, hab keine Angst. Du wirst sagen, dass sie groß sind; aber der Arzt ist größer. Für einen allmächtigen Arzt gibt es keine unheilbare Krankheit. Lass dich ganz einfach behandeln, stoße seine Hand nicht zurück. Er weiß, was er zu tun hat. Freue dich nicht nur dann, wenn er sanft mit dir umgeht; halte ihn auch aus, wenn er schneidet. Nimm den Behandlungsschmerz an und denk daran, dass er dir die Gesundheit zurückgeben will.

Bedenkt doch, meine Brüder, was die Menschen in ihren körperlichen Krankheiten alles aushalten, um ihr Leben auch nur einige Tage zu verlängern [...] Du aber, du leidest wenigstens nicht um eines zweifelhaften Ergebnisses willen. Derjenige, der dir Gesundheit versprochen hat, kann sich nicht irren. Warum irren Ärzte manchmal? Weil sie den Körper, den sie behandeln, nicht geschaffen haben. Gott aber hat deinen Körper geschaffen und deine Seele. Er kann das, was Er geschaffen hat, neu machen; das, was er gebildet hat, neu bilden. Du brauchst dich nur seinen Arzthänden zu überlassen [...] Ertrage also seine Hände, o Seele, die du ihn lobst und nicht vergisst, was er dir Gutes getan hat: „er heilt all deine Gebrechen“ (vgl. Ps 102(103),2−3).

Er, der dich so geschaffen hatte, dass du niemals krank geworden wärest, wenn du nur seinen Anweisungen hättest folgen wollen: wird Er dich denn nicht heilen? Er, der die Engel gemacht hat, und der dich, wenn er dich neu bildet, den Engeln gleich macht, wird er dich denn nicht heilen? Er, der Himmel und Erde gemacht hat, wird er dich denn nicht heilen, nachdem er dich nach seinem Bild geschaffen hat? (Gen 1,26). Er wird dich als sein Abbild heilen, aber du musst damit einverstanden sein. Er heilt jeden Kranken ganz und gar, aber er heilt ihn nicht gegen dessen Willen [...] Christus ist deine Gesundheit.

Predigt über die Psalmen 102,5−6
Tina 13
Hl. Augustinus (354-430), Bischof von Hippo (Nordafrika) und Kirchenlehrer

Alle, die den Saum seines Gewandes berührten, wurden geheilt

Jeder Mensch möchte glücklich sein. Es gibt niemand, der es nicht wollte und der es nicht so stark ersehnte, dass es für ihn vorrangig ist. Noch besser gesagt: Alles, was er darüber hinaus will, ersehnt er nur deshalb. Die Menschen folgen unterschiedlichen …More
Hl. Augustinus (354-430), Bischof von Hippo (Nordafrika) und Kirchenlehrer

Alle, die den Saum seines Gewandes berührten, wurden geheilt

Jeder Mensch möchte glücklich sein. Es gibt niemand, der es nicht wollte und der es nicht so stark ersehnte, dass es für ihn vorrangig ist. Noch besser gesagt: Alles, was er darüber hinaus will, ersehnt er nur deshalb. Die Menschen folgen unterschiedlichen Leidenschaften, der eine dieser, der andere jener. Es gib darüber hinaus viele Weisen, sich sein Leben in der Welt zu verdienen: ein jeder wählt seinen Beruf und übt ihn aus. Doch ob man sich nun in diesem oder jenem Lebensstil eingerichtet hat – alle Menschen haben ihr Handeln darauf ausgerichtet, glücklich zu sein [...] Was also ist dieses Leben, das uns glücklich werden lässt, das alle ersehnen, aber nicht alle erreichen? Machen wir uns auf die Suche [...]

Wenn ich jemanden frage: „Willst du leben?“, dann wird niemand versucht sein mir zu antworten: „Ich will es nicht.“ [...] Ähnlich verhält es sich, wenn ich frage: „Willst du gesund sein?“, denn dann wird niemand antworten: „Ich will es nicht.“ Die Gesundheit ist ein kostbares Gut in den Augen des Reichen. Für den Armen ist es oft der einzige Reichtum, den er besitzt [...] Alle sind einhellig der Meinung, dass man das Leben und die Gesundheit liebt. Doch kann sich der Mensch damit begnügen, zu leben und gesund zu sein? [...]

Ein reicher junger Mann fragte den Herrn: „Guter Meister, was muss ich tun, um das ewige Leben zu gewinnen?“ (Mk 10,17). Er fürchtete sich davor zu sterben und war doch gezwungen zu sterben [...] Er wusste, dass ein Leben voller Schmerzen und Qualen kein Leben ist, und dass man es eher als Tod bezeichnen könnte [...] Einzig das ewige Leben kann glücklich sein. Gesundheit und Leben machen hienieden nicht sicher, denn ihr fürchtet euch ständig, sie zu verlieren: Nennt es doch „sich ständig fürchten“ und nicht „immer leben“ [...] Wenn unser Leben nicht ewig ist, wenn es nicht auf ewig unsere Wünsche erfüllt, dann kann es nicht glücklich sein, dann kann es noch nicht einmal Leben genannt werden [...] Wenn wir jenes Leben besitzen, dann können wir sicher sein, immer in ihm zu sein. Wir werden die Sicherheit haben, ewig das wahre Leben zu besitzen, ohne Angst haben zu müssen, denn wir werden in dem Reich sein, von dem es heißt: „und sein Reich wird kein Ende haben“ (vgl. Lk 1,33).

306. Predigt
Tina 13
Hl. Augustinus (354-430), Bischof von Hippo (Nordafrika) und Kirchenlehrer

Der Verfolger wird zum Verkünder

Vom Himmel her hat die Stimme Christi Saulus umgeworfen: Er empfing den Befehl, seine Verfolgungen nicht mehr fortzusetzen und fiel mit dem Gesicht zu Boden. Er musste zuerst auf den Boden niedergestreckt und dann aufgerichtet werden, zuerst geschlagen, dann geheilt werden. Denn Christus …More
Hl. Augustinus (354-430), Bischof von Hippo (Nordafrika) und Kirchenlehrer

Der Verfolger wird zum Verkünder

Vom Himmel her hat die Stimme Christi Saulus umgeworfen: Er empfing den Befehl, seine Verfolgungen nicht mehr fortzusetzen und fiel mit dem Gesicht zu Boden. Er musste zuerst auf den Boden niedergestreckt und dann aufgerichtet werden, zuerst geschlagen, dann geheilt werden. Denn Christus hätte niemals in ihm gelebt, wenn Saulus nicht seinem alten sündigen Leben gestorben wäre. Als er so niedergeworfen war, was konnte er da hören? „Saul, Saul, warum verfolgst du mich? Es wird dir schwerfallen, gegen den Stachel auszuschlagen“ (Apg 26,14). Er aber antwortete: „Wer bist Du, Herr?“ Da fuhr die Stimme aus der Höhe fort: „Ich bin Jesus, den du verfolgst.“ Die Glieder liegen noch am Boden, das Haupt aber ruft vom Himmel aus; es sagt nicht: „Warum verfolgst du meine Diener?“, sondern „Warum verfolgst du mich?“

Und Paulus, der seine ganze Glut in die Verfolgung legte, macht sich schon bereit, um zu gehorchen: Was willst Du, dass ich tue? Der Verfolger ist hier zum Verkünder geworden, der Wolf verwandelte sich ins Schaf, der Feind in den Verteidiger. Paulus erkennt, was er tun soll: Wenn er auch blind geworden ist, wenn das Licht der Welt ihm für eine Zeit genommen wurde, dann nur, um in seinem Herzen das innere Licht aufstrahlen zu lassen. Das Licht wurde dem Verfolger genommen, um dem Verkünder wiedergegeben zu werden. In dem Augenblick, da er nichts mehr von dieser Welt sehen konnte, hat er Jesus gesehen. Das ist ein Symbol für die Gläubigen: Die an Christus glauben, sollen den Blick ihrer Seele auf Ihn richten, ohne sich von den äußerlichen Dingen ablenken zu lassen [...]

Saulus wird also zu Hananias geführt, der wilde Wolf begegnet dem Schaf. Doch der Hirt, der alles vom Himmel aus lenkt, beruhigt es [...]: „Geh nur! [...] Ich werde ihm auch zeigen, wieviel er für meinen Namen leiden muss“ (Apg 9,15−16). Welch ein Wunder! Der Wolf wird gefangen zum Schaf geführt [...] Das Lamm, das für die Schafe gestorben ist, lehrt sie, sich nicht mehr zu fürchten.

279. Predigt
Tina 13
Hl. Augustinus (354-430), Bischof von Hippo (Nordafrika) und Kirchenlehrer

„Ich bin die Stimme, die in der Wüste ruft“

Johannes war die Stimme, doch „im Anfang war das Wort“ (Joh 1,1). Johannes, eine Stimme für eine bestimmte Zeit; Christus, das Wort von Anfang an, das ewige Wort. Nimm das Wort weg, was ist dann noch die Stimme? Wo es nichts zu verstehen gibt, da ist leerer Lärm. Die Stimme …More
Hl. Augustinus (354-430), Bischof von Hippo (Nordafrika) und Kirchenlehrer

„Ich bin die Stimme, die in der Wüste ruft“

Johannes war die Stimme, doch „im Anfang war das Wort“ (Joh 1,1). Johannes, eine Stimme für eine bestimmte Zeit; Christus, das Wort von Anfang an, das ewige Wort. Nimm das Wort weg, was ist dann noch die Stimme? Wo es nichts zu verstehen gibt, da ist leerer Lärm. Die Stimme ohne das Wort dröhnt im Ohr, sie erbaut nicht das Herz. Doch entdecken wir, wie die Dinge sich aneinanderreihen in unserem Herzen, das es zu erbauen gilt: Wenn ich daran denke, was ich sagen soll, dann ist das Wort schon in meinem Herzen; doch wenn ich zu dir sprechen möchte, dann suche ich danach, wie ich in dein Herz gelangen lassen kann, was ich schon in meinem Herzen trage. Wenn ich also danach suche, wie das Wort, das schon in meinem Herzen ist, dich erreichen und sich in deinem Herzen festsetzen kann, so bediene ich mich der Stimme und mittels der Stimme spreche ich zu dir. Der Klang der Stimme lässt die darin enthaltene Idee durch das Wort zu dir gelangen. Ja, es ist wahr, dass der Klang vergeht; doch das Wort, das durch den Klang zu dir gelangt ist, ist nunmehr in deinem Herzen, ohne das meinige verlassen zu haben.

Wenn das Wort zu dir gelangt ist, ist es dann nicht auch der Klang, der, wie bei Johannes dem Täufer, zu sagen scheint: „Er muss wachsen, ich aber muss kleiner werden“ (Joh 3,30). Der Klang der Stimme ist erschollen, um seinen Dienst zu erfüllen, und er ist vergangen, wie um zu sagen: „Ich habe die Freude in Fülle.“ Halten wir also das Wort fest; lassen wir das Wort nicht entweichen, das wir im Tiefsten unseres Herzens empfangen haben.

293. Predigt, 7. Predigt zur Geburt Johannes des Täufers
Tina 13
Hl. Augustinus (354-430), Bischof von Hippo (Nordafrika) und Kirchenlehrer

Alle sagten: Was wird wohl aus diesem Kind werden?

Wie groß wird die Herrlichkeit des Richters sein, wenn schon die Herrlichkeit des Herolds so groß ist? Wie groß wird der sein, der als Weg kommen soll (Joh 14,6), wenn derjenige, der den Weg bereitet, schon so groß ist? (Mt 3,3) [...] Die Kirche erachtet die Geburt des …More
Hl. Augustinus (354-430), Bischof von Hippo (Nordafrika) und Kirchenlehrer

Alle sagten: Was wird wohl aus diesem Kind werden?

Wie groß wird die Herrlichkeit des Richters sein, wenn schon die Herrlichkeit des Herolds so groß ist? Wie groß wird der sein, der als Weg kommen soll (Joh 14,6), wenn derjenige, der den Weg bereitet, schon so groß ist? (Mt 3,3) [...] Die Kirche erachtet die Geburt des Johannes als besonders heilig; es findet sich keiner unter den Heiligen, die uns vorausgegangen sind, dessen Geburt wir feiern; wir feiern nur die von Johannes und Christus [...] Johannes wird von einer unfruchtbaren, alten Frau geboren, Christus von einem jungfräulichen Mädchen. Das Alter der Eltern begünstigte die Geburt des Johannes nicht, die Geburt Christi kam ohne die Vereinigung von Mann und Frau zustande. Der eine wird von einem Engel angekündigt, der andere durch die Stimme des Engels empfangen [...] Die Geburt des Johannes begegnet dem Unglauben und sein Vater wird stumm; Maria glaubt an die [Geburt] des Christus und empfängt ihn durch den Glauben [...]

Johannes bildet also so etwas wie eine Grenzlinie zwischen den beiden Testamenten, dem Alten und dem Neuen. Dass er eine Art Grenze darstellt, bestätigt der Herr selbst mit den Worten: „Bis zu Johannes hatte man nur das Gesetz und die Propheten“ (Lk 16,16). Johannes steht also sowohl für das Alte als auch für das Neue. Weil er die alten Zeiten vertritt, hat er zwei Alte zu Eltern; da er für die neuen Zeiten steht, wird er schon im Mutterleib zum Propheten (Lk 1,41) [...] Er erscheint als Wegbereiter Christi, noch bevor sie sich begegnet sind. Das sind göttliche Zusammenhänge, die die Fassungskraft des schwachen Menschen übersteigen.

Schließlich wird er geboren, empfängt seinen Namen, und sein Vater erhält die Sprache zurück. Diese Ereignisse müssen in ihrer tiefen Symbolik gesehen werden.

Predigt 293, Nr. 6, zur Geburt von Johannes dem Täufer, 1
Tina 13
Hl. Augustinus (354-430), Bischof von Hippo (Nordafrika) und Kirchenlehrer

Johannes war die Lampe

Durch den Willen Gottes war der Mensch, der gesandt war, um für Christus Zeugnis abzulegen, so sehr begnadet, dass man ihn für Christus halten konnte. Es hat tatsächlich „unter allen Menschen keinen größeren gegeben als Johannes den Täufer“ (vgl. Mt 11,11), sagt Christus selbst. Wenn keiner unter …More
Hl. Augustinus (354-430), Bischof von Hippo (Nordafrika) und Kirchenlehrer

Johannes war die Lampe

Durch den Willen Gottes war der Mensch, der gesandt war, um für Christus Zeugnis abzulegen, so sehr begnadet, dass man ihn für Christus halten konnte. Es hat tatsächlich „unter allen Menschen keinen größeren gegeben als Johannes den Täufer“ (vgl. Mt 11,11), sagt Christus selbst. Wenn keiner unter den Menschen größer ist als jener, so ist jemand, der ihn übertrifft, mehr als ein Mensch. Christus stellt sich da selbst ein großes Zeugnis aus! Wenn aber Augen krank und schwach sind, dann ist es für den Tag schwierig, Zeugnis von sich selbst abzulegen: kranke Augen fürchten den Tag, sie ertragen nur das Licht einer Lampe. Deshalb ließ der Tag seinem Erscheinen eine Lampe vorausgehen; dieses in die Herzen der Getreuen fallende Licht sollte die Herzen der Ungläubigen beschämen.

„Ich stelle für meinen Gesalbten ein Licht auf“, sagt David, König und Prophet, in einem Psalm (vgl. 132[131],17). Es ist Gott selbst, der durch seinen Mund spricht: Ich habe Johannes darauf vorbereitet, Herold des Retters zu sein, Vorläufer des kommenden Richters, Freund des erwarteten Gemahls. „Ich stelle für meinen Gesalbten ein Licht auf.“

Predigt 293,4; PL 38, 1329
Tina 13
Hl. Augustinus (354-430), Bischof von Hippo (Nordafrika) und Kirchenlehrer

Jesus kam an den Jordan, um sich taufen zu lassen. Johannes sagte zu ihm: Ich müsste von dir getauft werden (vgl. Mt 3,13−14)

„Viele Propheten und Gerechte haben sich danach gesehnt zu sehen, was ihr seht, und haben es nicht gesehen“ (Mt 13,17). Tatsächlich sehnten sich diese heiligen Gestalten, die vom Geist Gottes …More
Hl. Augustinus (354-430), Bischof von Hippo (Nordafrika) und Kirchenlehrer

Jesus kam an den Jordan, um sich taufen zu lassen. Johannes sagte zu ihm: Ich müsste von dir getauft werden (vgl. Mt 3,13−14)

„Viele Propheten und Gerechte haben sich danach gesehnt zu sehen, was ihr seht, und haben es nicht gesehen“ (Mt 13,17). Tatsächlich sehnten sich diese heiligen Gestalten, die vom Geist Gottes erfüllt waren, um das Kommen Christi zu verkünden, mit brennendem Verlangen danach, wenn möglich seine Gegenwart auf Erden zu erleben. Deshalb zögerte Gott die Abberufung des Simeon hinaus; er wollte ihm den Wunsch erfüllen, in der Gestalt eines Kindes den betrachten zu können, der die Welt erschaffen hat (Lk 2,25f.) [...] Simeon hat ihn gesehen, allerdings als ein kleines Kind, Johannes hingegen erkannte ihn, als er schon lehrte und Jünger um sich versammelte. Und wo war das? An den Ufern des Jordanflusses [...]

Hierin können wir ein Zeichen sehen und ein Bild der Taufe in Jesus Christus, in dieser Taufe der Vorbereitung, die ihm den Weg geöffnet hat, wie Johannes sagte: „Bereitet dem Herrn den Weg! Ebnet ihm die Straßen!“ (Mt 3,3). Der Herr selbst wollte getauft werden durch seinen Knecht, um all jenen verständlich zu machen, welche Gnaden denen geschenkt werden, die die Taufe auf ihren Herrn empfangen. Dort also hat er seine Herrschaft angetreten, um diese Verheißung zu erfüllen: „Er herrsche von Meer zu Meer, vom Strom bis an die Enden der Erde“ (Ps 71(72),8). Am Ufer des Flusses, an dem diese Herrschaft Christi ihren Anfang nimmt, hat Johannes den Erlöser gesehen. Er hat ihn gesehen, hat ihn erkannt und Zeugnis von ihm gegeben. Johannes hat sich vor der göttlichen Herrschaft verdemütigt und hat es dadurch verdient, von dieser Herrschaft erhoben zu werden. Er nennt sich den Freund des Bräutigams (Joh 3,29), und was für ein Freund ist das? Ist es einer, der auf gleicher Augenhöhe mit seinem Freund seinen Weg geht? Weit weist er diesen Gedanken zurück. Wohin stellt er sich also? „Ich bin es nicht wert“, so sagt er, „ihm die Schuhe aufzuschnüren“ (vgl. Mk 1,7).

288. Predigt
Tina 13
Hl. Augustinus (354-430), Bischof von Hippo (Nordafrika) und Kirchenlehrer

Das ganze Volk lauschte seinen Worten

Man betet im Tempel Gottes, wenn man im Frieden der Kirche betet, in Einheit mit dem Leib Christi, weil der Leib Christi aus der Vielzahl der Gläubigen besteht, die auf der ganzen Erde verteilt sind [...] Um erhört zu werden, muss man in diesem Tempel beten, „im Geist und in der …More
Hl. Augustinus (354-430), Bischof von Hippo (Nordafrika) und Kirchenlehrer

Das ganze Volk lauschte seinen Worten

Man betet im Tempel Gottes, wenn man im Frieden der Kirche betet, in Einheit mit dem Leib Christi, weil der Leib Christi aus der Vielzahl der Gläubigen besteht, die auf der ganzen Erde verteilt sind [...] Um erhört zu werden, muss man in diesem Tempel beten, „im Geist und in der Wahrheit“ (Joh 4,23), und nicht im Tempel aus Steinen von Jerusalem. Dieser war „ein Schatten dessen, der kommen sollte“ (vgl. Kol 2,17), deshalb musste er zur Ruine werden [...] Dieser Tempel, der gefallen ist, hätte kein Haus des Gebetes sein können, von dem gesagt worden ist: „Mein Haus wird ein Haus des Gebets genannt werden für alle Nationen“ (vgl. Mk 11,17; vgl. Jes 56,7).

Waren wirklich jene, die aus ihm eine „Räuberhöhle“ machen wollten, die Ursache für seinen Fall? Genauso wenig können jene, die in der Kirche ein Leben in Unordnung führen, jene, die aus dem Haus Gottes eine Räuberhöhle machen wollen, so es in ihrer Macht steht, diesen Tempel niederreißen. Ein Tempel wird erstehen, aus dem sie hinausgejagt werden mit der Peitsche ihrer Sünden. Diese Versammlung der Gläubigen, Tempel Gottes und Leib Christi, hat nur eine Stimme und singt wie ein Mann [...] Wenn wir es wollen, wird es unsere Stimme sein; wenn wir es wollen und wir sie singen hören, werden auch wir im Herzen singen.

Predigt über Psalm 130, § 3
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Tina 13
Hl. Augustinus (354-430), Bischof von Hippo (Nordafrika) und Kirchenlehrer

Um Vergebung bitten und anderen vergeben

„Alle Pfade des Herrn sind Huld und Treue denen, die seinen Bund und seine Gebote bewahren“ (Ps 24(25),10). Was der Psalm über Huld und Treue sagt, ist von ganz großer Wichtigkeit [...] Er spricht von Huld, denn Gott hat nicht unsere Verdienste im Sinn, sondern seine Huld; er …More
Hl. Augustinus (354-430), Bischof von Hippo (Nordafrika) und Kirchenlehrer

Um Vergebung bitten und anderen vergeben

„Alle Pfade des Herrn sind Huld und Treue denen, die seinen Bund und seine Gebote bewahren“ (Ps 24(25),10). Was der Psalm über Huld und Treue sagt, ist von ganz großer Wichtigkeit [...] Er spricht von Huld, denn Gott hat nicht unsere Verdienste im Sinn, sondern seine Huld; er will uns ja unsere Sünden vergeben und uns das ewige Leben verheißen. Er spricht auch von Treue, denn Gott steht immer zu seinen Versprechen. Lasst uns also dieses göttliche Modell erkennen und Gott nachahmen, der uns seine Huld und Treue erwiesen hat [...] Lasst uns in dieser Welt Werke voll Huld und Treue vollbringen. Lasst uns gut sein zu den Schwachen, den Armen und sogar zu unseren Feinden.

Lasst uns in seiner Huld leben und Böses meiden. Wir wollen doch nicht Sünden anhäufen, denn derjenige, der in sich eine falsche Vorstellung von Gottes Güte hegt, lässt in sich den Willen aufkommen, Gott für ungerecht zu halten. Er stellt sich vor, dass Gott, selbst wenn er in seinen Sünden verharrt und sich der Reue verschließt, ihm einen Platz bei seinen treuen Dienern zuweisen werde. Wäre es denn aber gerecht, wenn Gott dir den gleichen Platz zuweisen würde wie denen, die ihren Sünden abgeschworen haben, wenn du doch in deinen Sünden verharrst? [...] Warum willst du, dass Gott sich deinem Willen beugt? Unterwirf dich doch vielmehr seinem Willen.

Zu Recht sagt der Psalmist in diesem Zusammenhang: „Immerdar bleibt er vor dem Angesichte Gottes. Wer wird seine Barmherzigkeit und Treue erforschen?“ (Ps 60(61),8 Vulg.). [...] Warum „vor dem Angesichte Gottes“? Viele suchen in den heiligen Büchern Erkenntnis über die Liebe und die Treue Gottes. Wenn sie aber fündig geworden sind, dann leben sie für sich und nicht für ihn. Sie verfolgen ihre eigenen Interessen und nicht die Interessen Jesu. Sie predigen Huld und Treue, aber leben sie nicht. Wenn einer Gott und Christus liebt, dann sucht er, wenn er Gottes Huld und Treue verkündet, Gott, und nicht seinen eigenen Nutzen. Er will aus seiner Verkündigung keine materiellen Vorteile ziehen, sondern strebt das Wohl der Glieder Christi an, also das seiner Gläubigen. An sie teilt er aus, was er im Geist der Wahrheit erkannt hat, „damit die Lebenden nicht mehr für sich leben, sondern für den, der für sie starb“ (2 Kor 5,15). Wer sucht nun die Barmherzigkeit und Treue des Herrn?

Abhandlung über die Psalmen, Ps 60,9; CCL 39,771
Tina 13
Hl. Augustinus (354-430), Bischof von Hippo (Nordafrika) und Kirchenlehrer

Reich sein vor Gott

Brüder, prüft sorgfältig eure inneren Wohnungen, öffnet die Augen und schaut genau auf euer Kapital an Liebe, und dann vermehrt die Summe, die ihr in euch selbst entdeckt habt. Wacht über diesen Schatz, damit ihr innerlich reich seid. Man sagt, dass die Dinge wertvoll sind, die einen großen Preis …More
Hl. Augustinus (354-430), Bischof von Hippo (Nordafrika) und Kirchenlehrer

Reich sein vor Gott

Brüder, prüft sorgfältig eure inneren Wohnungen, öffnet die Augen und schaut genau auf euer Kapital an Liebe, und dann vermehrt die Summe, die ihr in euch selbst entdeckt habt. Wacht über diesen Schatz, damit ihr innerlich reich seid. Man sagt, dass die Dinge wertvoll sind, die einen großen Preis haben – und das zu recht [...] Aber was ist wertvoller als die Liebe, meine Brüder? Was ist eurer Meinung nach ihr Preis? Und wie ist sie zu bezahlen? Der Preis einer Länderei oder der von Weizen ist mit deinem Geld zu bezahlen. Den Preis einer Perle wiegt dein Gold auf. Doch der Preis der Liebe bist du selber. Wenn du ein Feld kaufen willst, ein Schmuckstück, ein Tier, so suchst du die nötigen Finanzen zusammen und schaust dich nach ihnen um. Doch wenn du die Liebe besitzen willst, dann suche nur dich selbst; dich selber musst du finden.

Was fürchtest du, wenn du dich verschenkst? Dich zu verlieren? Das Gegenteil ist der Fall: Wenn du dich dagegen sträubst, dich zu verschenken, dann verlierst du dich. Die Liebe selbst spricht durch den Mund der Weisheit und befriedet mit einem Wort die Verwirrung, die durch dieses Wort in dir entstand: „Gib dich selbst hin!“ Wenn jemand dir seinen Acker verkaufen will, so spräche er zu dir: „Gib mir dein Geld.“ Oder für eine andere Sache: „Gib mir, was du an Geld hast.“ Höre, was dir die Liebe sagt durch den Mund der Weisheit: „Mein Kind, schenke mir dein Herz“ (vgl. Spr 23,26). Dein Herz war böse, als es dir gehörte, als es in dir war. Du warst die Beute von Nichtigkeiten, ja sogar von schlechten Leidenschaften. Nimm es von dort weg! Wohin es bringen? Wo es darbringen? „Mein Kind, schenke mir dein Herz.“ sagt die Weisheit; wenn es mir gehört, dann wirst du es nicht mehr verlieren…

„Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele und mit all deinen Gedanken“ (Mt 22,37) [...] Der, der dich erschaffen hat, will dich ganz und gar.

34. Predigt über Psalm 149
Tina 13
Hl. Augustinus (354-430), Bischof von Hippo (Nordafrika) und Kirchenlehrer

Auf Felsen bauen

Brüder, der heilige Apostel Jakobus wendet sich an eifrige Hörer des Gotteswortes, wenn er spricht: „Hört das Wort nicht nur an, sondern handelt danach; sonst betrügt ihr euch selbst“ (Jak 1,22). Nicht den Verfasser der Wortes würdet ihr täuschen, nicht den, der es euch verkündigt, sondern euch selbst [.…More
Hl. Augustinus (354-430), Bischof von Hippo (Nordafrika) und Kirchenlehrer

Auf Felsen bauen

Brüder, der heilige Apostel Jakobus wendet sich an eifrige Hörer des Gotteswortes, wenn er spricht: „Hört das Wort nicht nur an, sondern handelt danach; sonst betrügt ihr euch selbst“ (Jak 1,22). Nicht den Verfasser der Wortes würdet ihr täuschen, nicht den, der es euch verkündigt, sondern euch selbst [...] Selbst der Verkünder predigte ohne Nutzen draußen das Wort Gottes, wenn er nicht zuvor in sich selbst darauf hören und es in die Tat umsetzen würde [...]

Wer aber handelt innerlich nach dem Wort? Es ist der, der sich vor dem schlechten Begehren in acht nimmt. Und wer beobachtet des Wort äußerlich? Der, der an die Hungrigen sein Brot austeilt (vgl. Jes 58,7). Was wir tun, das sieht unser Nächster, doch warum wir es tun, dafür ist Gott allein Zeuge. Setzt das Wort also in die Tat um, begnügt euch nicht damit, es zu hören; ihr würdet euch selbst betrügen – nicht Gott und nicht seinen Diener. Ich kann nicht in eurem Herzen lesen, doch Gott, der die Herzen erforscht, sieht das, was die Menschen nicht sehen können. Er sieht euer eifriges Hören, eure Gedanken, eure Entschlüsse, die Fortschritte, die ihr durch seine Gnade macht, die Unerschütterlichkeit eures Gebetes, die Bitten, die ihr an ihn richtet, um zu erhalten, was euch fehlt und euren Dank, den ihr ihm für seine Wohltaten darbringt [...].

Denkt daran, Brüder! Wenn es schon lobenswert ist, das Wort zu hören, um wieviel besser ist es, es auch umzusetzen. Wenn ihr es nicht hört, lebt ihr nachlässig, und ihr baut nichts auf. Wenn ihr es hört, ohne es in die Tat umzusetzen, baut ihr nur Ruinen. Der Herr hat uns in diesem Zusammenhang ein sehr passendes Beispiel vorgestellt: „Wer meine Worte hört und sie befolgt, gleicht einem klugen Mann, der sein Haus auf Felsen gebaut hat.“ Hören und befolgen, das heißt auf Felsen bauen [...], hören ohne zu befolgen, das heißt auf Sand bauen; es sogar zurückweisen zu hören, das heißt überhaupt nichts bauen.

179. Predigt
Tina 13
Hl. Augustinus (354-430), Bischof von Hippo (Nordafrika) und Kirchenlehrer

Er verbrachte die ganze Nacht im Gebet zu Gott

Wenn der Apostel Paulus sagt: „bringt in jeder Lage eure Bitten vor Gott“ (vgl. Phil 4,6), heißt das nicht, dass Gott etwa darauf angewiesen wäre, da er ja bereits vor ihrem Ausgesprochen sein um sie wusste, sondern, dass wir nur mittels der Geduld und der Ausdauer vor Gott …More
Hl. Augustinus (354-430), Bischof von Hippo (Nordafrika) und Kirchenlehrer

Er verbrachte die ganze Nacht im Gebet zu Gott

Wenn der Apostel Paulus sagt: „bringt in jeder Lage eure Bitten vor Gott“ (vgl. Phil 4,6), heißt das nicht, dass Gott etwa darauf angewiesen wäre, da er ja bereits vor ihrem Ausgesprochen sein um sie wusste, sondern, dass wir nur mittels der Geduld und der Ausdauer vor Gott – und nicht etwa durch das Gerede vor den Menschen – erkennen können, ob unsere Gebete gut sind [...] es ist demnach weder verboten noch nutzlos, über eine lange Zeit hinweg zu beten, wenn dies möglich ist, also wenn es uns nicht von anderen guten und notwendigen Tätigkeiten abhält; sowieso sollte man ja bei jeglichem Tun immer Gott innerlich zugewandt bleiben, wie ich es bereits gesagt habe.

Denn wenn man lange im Gebet verharrt, heißt das nicht, wie einige meinen, es sei ein sinnloses Geplappere (Mt 6,7). Pausenlos zu reden ist eine Sache, immerfort zu lieben eine andere. Denn es steht geschrieben, dass auch der Herr „die Nacht im Gebet verbrachte“, und dass er „noch inständiger betete“ (vgl. Lk 22,44). Wollte Jener uns nicht ein Vorbild des immerwährenden Betens hier auf Erden sein, der mit seinem Vater unsere Gebete in der Ewigkeit erhört?

Man sagt, dass die Mönche in Ägypten fast unablässig beten, doch sind es sehr kurze Gebete, so wie Pfeile. Dadurch wollen sie vermeiden, dass die für die Beter so notwendige Wachsamkeit nachlassen könnte und sich verflüchtige, wenn das Gebt zu lange dauert [...] Es sollte auch nicht allzu viele Worte enthalten, sondern voll Hingabe sein; so kann es in wacher Aufmerksamkeit verharren [...] Viel zu beten bedeutet, lange und von ganzem Herzen an die Tür dessen zu klopfen, zu dem wir beten (Lk 11,5f.). Das Gebet besteht in der Tat mehr aus Seufzern und Tränen, als aus großen Reden und vielen Worten.

Brief 130, an Proba, über das Gebet
Tina 13
Hl. Augustinus (354-430), Bischof von Hippo (Nordafrika) und Kirchenlehrer
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„Wer an mich glaubt, wird leben“
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„Wer an mich glaubt, wird leben, auch wenn er stirbt, und jeder, der lebt und an mich glaubt, wird auf ewig nicht sterben.“ Was heißt das? „Wer an mich glaubt, wird leben, auch wenn er stirbt“, wie Lazarus gestorben ist, „leben“, weil er nicht ein Gott der Toten, sondern der Lebenden …More
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„Wer an mich glaubt, wird leben“
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„Wer an mich glaubt, wird leben, auch wenn er stirbt, und jeder, der lebt und an mich glaubt, wird auf ewig nicht sterben.“ Was heißt das? „Wer an mich glaubt, wird leben, auch wenn er stirbt“, wie Lazarus gestorben ist, „leben“, weil er nicht ein Gott der Toten, sondern der Lebenden ist. Betreffs der schon längst verstorbenen Väter Abraham, Isaak und Jakob hat Gott den Juden diese Antwort gegeben: „Ich bin […] der Gott Abrahams, der Gott Isaaks und der Gott Jakobs“ (Ex 3,6). „Er ist doch kein Gott von Toten, sondern von Lebenden“ (Lk 20,38); alle leben in ihm. Glaube also, und wenn du auch gestorben bist, so wirst du leben; wenn du aber nicht glaubst, so bist du, auch wenn du lebst, tot [...] Woher der Tod der Seele nach? Weil der Glaube fehlt. Woher der Tod dem Leibe nach? Weil die Seele fehlt. Also ist die Seele deiner Seele der Glaube.
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„Wer an mich glaubt, wird leben, auch wenn er stirbt“ dem Fleische nach, „leben“ der Seele nach, bis auch das Fleisch aufersteht, um nachher nie mehr zu sterben. Das heißt: „Wer an mich glaubt“, mag er auch sterben, wird leben. Und „jeder, der lebt“ dem Fleische nach „und an mich glaubt, wird“, obwohl er jetzt wegen des Todes des Fleisches sterben wird, „auf ewig nicht sterben“ wegen des Lebens des Geistes und der unvergänglichen Dauer der Auferstehung.
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Dies ist das was Jesus in Seiner Antwort an Martha sagen will [...] „Glaubst du das?“ Sie sprach zu ihm: „Ja, Herr, ich glaube, dass du der Messias bist, der Sohn Gottes, der in die Welt kommen soll.“ Indem ich dies glaube, glaube ich, dass du die Auferstehung bist, glaube ich, dass du das Leben bist, glaube ich, dass, wer an dich glaubt, auch wenn er stirbt, leben wird, und dass, wer lebt und an dich glaubt, auf ewig nicht stirbt.
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Predigt über das Johannes Evangelium, Nr. 49, 15
Tina 13
Hl. Augustinus (354-430), Bischof von Hippo (Nordafrika) und Kirchenlehrer
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„Er muss wachsen, ich aber muss kleiner werden“ (Joh 3,30)
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Der größte unter den Menschen wurde gesandt, damit er für den Zeugnis ablege, der mehr war als ein Mensch. Wenn er, der der größte unter allen Menschen war (vgl. Mt 11,11), tatsächlich sagt: „Ich bin nicht der Messias“ (Joh 1,20), und wenn er sich vor Christus …More
Hl. Augustinus (354-430), Bischof von Hippo (Nordafrika) und Kirchenlehrer
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„Er muss wachsen, ich aber muss kleiner werden“ (Joh 3,30)
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Der größte unter den Menschen wurde gesandt, damit er für den Zeugnis ablege, der mehr war als ein Mensch. Wenn er, der der größte unter allen Menschen war (vgl. Mt 11,11), tatsächlich sagt: „Ich bin nicht der Messias“ (Joh 1,20), und wenn er sich vor Christus erniedrigt, dann müssen wir doch begreifen, dass Christus mehr als ein Mensch war [...] „Aus seiner Fülle haben wir alle empfangen“ (Joh 1,16). Was heißt das: „Wir alle“? Es heißt, dass die Patriarchen, die Propheten und heiligen Apostel, dass alle, die vor der Menschwerdung lebten oder hernach vom Fleisch gewordenen Wort selbst entsandt wurden, dass wir alle aus seiner Fülle empfangen haben. Wir sind Gefäße, er ist die Quelle. Johannes [...] ist also Mensch, Christus ist Gott: Der Mensch muss sich erniedrigen, damit Gott erhoben wird.
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Damit der Mensch lerne, kleiner zu werden, wurde Johannes an dem Tag geboren, von dem an die Tage abnehmen; um uns begreifen zu lassen, dass Gott erhoben werden muss, wurde Christus an dem Tag geboren, von dem an die Tage wieder länger werden. Darin liegt ein tiefes Geheimnis. Wir feiern die Geburt des Johannes wie die Geburt Christi, weil in dieser Geburt ein großes Geheimnis liegt. Was für ein Geheimnis? Das Geheimnis unserer Größe. Lasst uns selber kleiner werden, um in Gott größer zu werden. Erniedrigen wir uns in unserer Kleinheit, um in seiner Größe erhoben zu werden.
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Predigt 289,3. Predigt zur Geburt von Johannes dem Täufer
Tina 13
Hl. Augustinus (354-430), Bischof von Hippo (Nordafrika) und Kirchenlehrer
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„Ich bin nicht gekommen, um aufzuheben, sondern um zu erfüllen“ (Mt 5,17)
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Brüder: „Singet dem Herrn ein neues Lied!“ (Ps 149, 1). Dem alten Menschen ist ein altes Lied eigen; dem neuen Menschen, ein neues Lied. Dem alten Bund gebührt ein altes Lied, dem neuen Bund, ein neues Lied. Die Verheißungen des alten Bundes …More
Hl. Augustinus (354-430), Bischof von Hippo (Nordafrika) und Kirchenlehrer
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„Ich bin nicht gekommen, um aufzuheben, sondern um zu erfüllen“ (Mt 5,17)
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Brüder: „Singet dem Herrn ein neues Lied!“ (Ps 149, 1). Dem alten Menschen ist ein altes Lied eigen; dem neuen Menschen, ein neues Lied. Dem alten Bund gebührt ein altes Lied, dem neuen Bund, ein neues Lied. Die Verheißungen des alten Bundes sind mehr zeitlicher und irdischer Natur. Jene, die am Irdischen angekettet bleiben, singen noch das alte Lied; um das neue Lied singen zu können, muss man die ewigen Dinge lieben. Diese Liebe ist gleichzeitig neu und ewig; immer erneuert sie sich, nie wird sie alt.
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Doch wenn man recht bedenkt, ist diese Liebe bereits alt; wie kann sie denn dann neu sein? Meine Brüder, ist etwa das ewige Leben gestern erst geboren? Das ewige Leben ist Jesus Christus selbst, und als Gottes Sohn ist er nicht erst gestern geboren worden. Denn: „Im Anfang war das Wort [...] und das Wort war Gott. Im Anfang war es bei Gott. Alles ist durch das Wort geworden, und ohne das Wort wurde nichts, was geworden ist. (Joh 1,1-3). Wenn er alle Dinge geschaffen hat, was ist er anders, als gleich ewig wie der Vater? Wir sind es, die durch die Sünde alt und kraftlos geworden sind [...] Der Mensch ist als Folge seiner Sünde gealtert; und durch die Gnade Gottes wird er wieder erneuert. Alle, die so durch Jesus Christus erneuert werden, die singen ein neues Lied, denn sie beginnen, aus diesem ewigen Leben heraus zu leben.
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Predigten zu den Psalmen, Ps 149
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Tina 13
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Gott, seinen Nächsten und sich selbst lieben
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Wer seinen Bruder nicht liebt, ist nicht in der Liebe, und wer nicht in der Liebe ist, ist nicht in Gott, denn „Gott ist die Liebe“ (1 Joh 4,8).
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Außerdem ist der, der nicht in Gott ist, nicht im Licht, denn „Gott ist Licht, und keine Finsternis ist in ihm“ (1 Joh 1,5). …More
Hl. Augustinus (354-430), Bischof von Hippo (Nordafrika) und Kirchenlehrer
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Gott, seinen Nächsten und sich selbst lieben
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Wer seinen Bruder nicht liebt, ist nicht in der Liebe, und wer nicht in der Liebe ist, ist nicht in Gott, denn „Gott ist die Liebe“ (1 Joh 4,8).
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Außerdem ist der, der nicht in Gott ist, nicht im Licht, denn „Gott ist Licht, und keine Finsternis ist in ihm“ (1 Joh 1,5). Was ist also daran erstaunlich, dass einer, der nicht im Licht ist, das Licht, anders gesagt, Gott, nicht sieht, da er ja in der Finsternis ist? Er hat eine menschliche Sicht auf seinen Bruder, und die lässt ihn Gott nicht sehen. Wenn er jedoch diesen Bruder, den er mit menschlichen Augen sieht, geistig lieben würde, so sähe er Gott, nämlich durch diese innere Sichtweise, die es erlaubt Ihn zu sehen […]
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Wie viel Liebe wir unserem Bruder und wie viel wir Gott schulden, davon soll nicht mehr die Rede sein: unvergleichlich viel mehr Gott als uns, und genau so viel unseren Brüdern wie uns selbst; nun ist es aber so: dass wir uns selbst umso mehr lieben, je mehr wir Gott lieben. Wir lieben also Gott und den Nächsten mit ein und derselben Liebe, Gott jedoch um seinetwillen, uns und den Nächsten um Gottes willen.
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De Trinitate, 8,12 ; PL 42, 958
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Tina 13
Hl. Augustinus (354-430), Bischof von Hippo (Nordafrika) und Kirchenlehrer
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„Sprich nur ein Wort, dann wird mein Diener gesund“
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Wie hat der Hauptmann die Gnade erlangt, dass sein Diener gesund wird? „Auch ich muß Befehlen gehorchen und habe selber Soldaten unter mir; sage ich nun zu einem: Geh!, so geht er, und zu einem andern: Komm!, so kommt er, und zu meinem Diener: Tu das!, so tut er es. …More
Hl. Augustinus (354-430), Bischof von Hippo (Nordafrika) und Kirchenlehrer
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„Sprich nur ein Wort, dann wird mein Diener gesund“
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Wie hat der Hauptmann die Gnade erlangt, dass sein Diener gesund wird? „Auch ich muß Befehlen gehorchen und habe selber Soldaten unter mir; sage ich nun zu einem: Geh!, so geht er, und zu einem andern: Komm!, so kommt er, und zu meinem Diener: Tu das!, so tut er es. Ich habe Macht über meine Untergebenen, doch bin selber Untergebener. Wenn also schon ich, der ich gehorchen muss, die Macht habe zu befehlen, was kannst dann Du, dem alle Mächte gehorchen müssen?“ Dieser Mann gehört zu einem heidnischen Volk, denn die jüdische Nation war damals von den Armeen des römischen Reichs besetzt. In Judäa also hat er den Soldaten als Hauptmann Befehle erteilt [...]
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Unser Herr aber, obwohl er mitten im Volk von Judäa stand, tut kund, dass die Kirche sich über die ganze Erde ausbreiten wird, wohin auch immer er seine Apostel senden würde (vgl. Mt 8,11). Und tatsächlich haben die Heiden geglaubt, ohne ihn gesehen zu haben [...] Der Herr ist nicht dem Leibe nach ins Haus des Hauptmanns eingetreten - und obwohl er dem Körper nach abwesend, seiner Königsmacht nach jedoch anwesend war, hat er dieses Haus und seinen Glauben [den des Hauptmanns nämlich] geheilt. Und so war der Herr dem Leibe nach nur inmitten des judäischen Volkes gegenwärtig; die anderen Völker haben nicht gesehen, wie er aus einer Jungfrau geboren wurde, wie er litt, wie er wanderte, wie er den menschlichen Gegebenheiten unterworfen war, noch haben sie gesehen, wie er göttliche Wunder tat. Nichts dergleichen hat er unter den Heiden getan, und doch hat sich in ihrer Mitte erfüllt, was gesagt wurde auf sie hin: „Ein Volk, das ich nicht kannte, diente mir.“ Wie konnte es ihm dienen, wo es ihn nicht kannte? Der Psalm fährt fort: „Sobald es mich nur hört, gehorcht es mir.“ (vgl. Ps 17[18],45).
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62. Predigt
Tina 13
Hl. Augustinus (354-430), Bischof von Hippo (Nordafrika) und Kirchenlehrer
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Pfingsten, die Vollendung des Osterfestes
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Das jüdische Volk feierte das Pascha, wie ihr wisst, mit der Opferung eines Lammes, das zusammen mit ungesäuerten Broten gegessen wurde. Diese Opferung des Lammes stellte schon die Opferung Jesu Christi dar und die ungesäuerten Brote das neue, vom alten Sauerteig geläuterte …More
Hl. Augustinus (354-430), Bischof von Hippo (Nordafrika) und Kirchenlehrer
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Pfingsten, die Vollendung des Osterfestes
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Das jüdische Volk feierte das Pascha, wie ihr wisst, mit der Opferung eines Lammes, das zusammen mit ungesäuerten Broten gegessen wurde. Diese Opferung des Lammes stellte schon die Opferung Jesu Christi dar und die ungesäuerten Brote das neue, vom alten Sauerteig geläuterte Leben [...] Fünfzig Tage nach dem Pascha feierte dieses Volk den Augenblick, in dem Gott auf dem Berg Sinai das von ihm eigenhändig, mit seinem Finger geschriebene Gesetz gegeben hatte. Dem Vorausbild des Pascha folgt das Pascha in Fülle (vgl. 1 Kor 5,7). Jesus Christus wurde geschlachtet und führt uns aus dem Tod ins Leben. Das Wort Pascha bedeutet denn auch wirklich „Übergang“, was der Evangelist beschreibt, wenn er sagt: „Die Stunde war gekommen, in der Jesus aus dieser Welt zu seinem Vater gehen sollte“ (vgl. Joh 13,1) [...]
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Das neue Ostern wird gefeiert, der Herr ist auferstanden und läßt uns vom Tod zum Leben hinübergehen [...] und fünfzig Tage später kommt der Heilige Geist, „der Finger Gottes“ (Lk 11,20), auf die Jünger herab. Aber betrachtet nur den Unterschied zu den Ereignissen [auf dem Sinai]. Dort blieb das Volk weit entfernt stehen, es war die Furcht und nicht die Liebe, die es zurückhielt [...] Gott stieg auf dem Sinai im Feuer herab, versetzte das Volk in Furcht und Schrecken [...] Und ganz anders, als der Heilige Geist auf die Erde herabkam: die Jünger waren „alle beisammen an einem Ort“ und der Geist kam in das Haus, wo sie versammelt waren, ohne sie von der Höhe des Berges zu erschrecken (vgl. Apg 2,1ff.) [...]
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Sie sahen, so sagt die Schrift, Feuerzungen, die sich verteilten. War es ein Feuer, das schon von Ferne Schrecken verbreitet? Ganz und gar nicht. Diese Feuerzungen ließen sich auf einem jeden von ihnen nieder und jene begannen in verschiedenen Sprachen zu sprechen, wie es der Geist ihnen eingab. Hört die Zunge, die spricht, und versteht, dass es der Geist ist, der schreibt, nicht in Stein sondern in die Herzen (Ex 31,18; 2 Kor 3,3). So ist also das Gesetz des lebenspendenden Geistes (Röm 8,2), geschrieben in das Herz und nicht auf Stein, ist also das Gesetz des lebenspendenden Geistes, so sage ich, in Jesus Christus, in dem das Pascha in ganzer Wahrheit gefeiert worden ist.
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155. Predigt,5-6; PL 38,843
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Tina 13
Hl. Augustinus (354-430), Bischof von Hippo (Nordafrika) und Kirchenlehrer
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Petrus und Johannes, von der Aktion zur Kontemplation
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Die Kirche kennt zwei von Gott gepriesene und empfohlene Lebenswirklichkeiten: die eine aus dem Glauben heraus, die andere in der Vision; die eine auf dem Pilgerweg der Zeit, die andere in der Wohnung der Ewigkeit; die eine in Arbeit, die andere in der Ruhe; die …More
Hl. Augustinus (354-430), Bischof von Hippo (Nordafrika) und Kirchenlehrer
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Petrus und Johannes, von der Aktion zur Kontemplation
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Die Kirche kennt zwei von Gott gepriesene und empfohlene Lebenswirklichkeiten: die eine aus dem Glauben heraus, die andere in der Vision; die eine auf dem Pilgerweg der Zeit, die andere in der Wohnung der Ewigkeit; die eine in Arbeit, die andere in der Ruhe; die eine auf dem Weg, die andere in der Heimat; die eine in der Anstrengung der Tat, die andere in der Belohnung der Kontemplation [...] Die erste stellt der Apostel Petrus dar, die zweite der Apostel Johannes. Die erste spielt sich ganz hier auf Erden ab bis zum Ende der Zeiten; dann wird sie zu Ende sein. Die zweite findet ihre Vollendung erst nach dem Ende der Zeiten; in der kommenden Welt wird sie kein Ende kennen.
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Deshalb sagt Jesus zu Petrus: „Folge mir“, und mit dem Blick auf Johannes: „Wenn ich will, dass er bis zu meinem Kommen bleibt, was geht das dich an? Du aber folge mir nach!“ [...] Dein Tun folge mir nach, vollkommen und dem Beispiel meines Leidens nachgebildet. Die Kontemplation, die begonnen hat, dauere bis zu meinem Kommen fort: ich werde sie vollkommen machen, wenn ich wiederkomme. Denn er folgt Christus nach, dieser ausdauernde Eifer, der durchhält bis zum Tod; sie aber, diese Erkenntnis, die dann in ihrer Fülle offenbar wird, bleibt bis zur Wiederkunft Christi bestehen. Hier, im Land der Sterblichen, muss man die Übel dieser Welt ertragen; dort werden wir die Güte des Herrn im Land der Lebenden schauen (Ps 27,13) [...]
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Niemand trenne also den einen dieser zwei hervorragenden Apostel vom anderen; denn beide waren in dem, was Petrus versinnbildlicht, und beide werden in dem sein, was Johannes darstellt.
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Traktat 124 über das Johannesevangelium, 5, 7
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Hl. Augustinus (354-430), Bischof von Hippo (Nordafrika) und Kirchenlehrer
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„Dies rede ich noch in der Welt, damit sie meine Freude in Fülle in sich haben“
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Nachdem er zu seinem Vater gesagt hat: „Ich bin nicht mehr in der Welt, [...] und ich gehe zu dir.“ (Joh 17,11), vertraut unser Herr seinem Vater diejenigen an, die seiner körperlichen Anwesenheit beraubt sein werden: „Heiliger Vater, …More
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„Dies rede ich noch in der Welt, damit sie meine Freude in Fülle in sich haben“
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Nachdem er zu seinem Vater gesagt hat: „Ich bin nicht mehr in der Welt, [...] und ich gehe zu dir.“ (Joh 17,11), vertraut unser Herr seinem Vater diejenigen an, die seiner körperlichen Anwesenheit beraubt sein werden: „Heiliger Vater, bewahre in deinem Namen, die du mir gegeben hast.“ Als Mensch bittet Jesus Gott für die Jünger, die er von Gott erhalten hat. Doch geben wir acht auf das Folgende: „[...] damit sie eins sind wie wir.“ Er sagt nicht: Damit sie eins seien mit uns, oder: Damit wir, sie und wir, nur eine Sache seien, wie wir eins sind, sondern: „Damit sie eins sind wie wir.“ Damit sie eins sind in ihrer Natur, wie wir eins sind in unserer. Diese Worte erfordern, um wahr zu sein, dass Jesus so gesprochen hat, weil er eine selbe göttliche Natur hat wie sein Vater, wie er auch sagt: „Mein Vater und ich sind eins.“ (vgl. Joh 10,30). Nach seiner menschlichen Natur hat er gesagt: „Mein Vater ist größer als ich.“ (vgl. Joh 14,28), doch da in ihm Gott und Mensch nur eine einzige und selbe Person bilden, so verstehen wir, dass er Mensch ist, weil er betet, und verstehen wir ebenfalls, dass er Gott ist, weil er eins ist mit dem, zu dem er betet [...]
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„Aber jetzt gehe ich zu dir. Doch dies rede ich noch in der Welt, damit sie meine Freude in Fülle in sich haben.“ Er hatte die Welt noch nicht verlassen, er war immer noch in ihr, doch da er sie bald verlassen sollte, war er sozusagen schon nicht mehr von ihr. Was aber ist das für eine Freude, von der er will, dass seine Jünger ganz erfüllt seien? Er hat es schon weiter oben erläutert, als er sagt: „Damit sie eins sind wie wir.“ Er verheißt ihnen diese Freude, die seine Freude ist und die er ihnen gegeben hat, und er verheißt ihnen ihre Vollendung; und deshalb spricht er von ihr „in der Welt“. Diese Freude ist der Friede und das Glück der zukünftigen Welt. Um sie zu erlangen, müssen wir in dieser Welt bescheiden, gerecht und fromm leben.
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Predigten über das Johannesevangelium, Nr. 107
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Tina 13
JEDES MAL, WENN DER HERR bei Johannes anhebt: ,Ich bin ...‘, fällt eine Hülle von seinem gottmenschlichen Geheimnis, und es leuchtet die Herrlichkeit Gottes auf im Angesicht Jesu Christi (vgl. 2 Kor 4,6). Das Neue an der Selbstbezeugung Jesu hier im Bild vom Weinstock und den Reben ist die Offenbarung unserer Zugehörigkeit zu seinem Geheimnis. Auch wir sind mit einbezogen in seine gottmenschl…More
JEDES MAL, WENN DER HERR bei Johannes anhebt: ,Ich bin ...‘, fällt eine Hülle von seinem gottmenschlichen Geheimnis, und es leuchtet die Herrlichkeit Gottes auf im Angesicht Jesu Christi (vgl. 2 Kor 4,6). Das Neue an der Selbstbezeugung Jesu hier im Bild vom Weinstock und den Reben ist die Offenbarung unserer Zugehörigkeit zu seinem Geheimnis. Auch wir sind mit einbezogen in seine gottmenschliche Herrlichkeit. Das ist das Christusgeheimnis, wie Paulus es kennt und zu künden nie müde wird: ,Das Geheimnis Christi, das da ist: Christus in euch‘ (Kol 1,27). ,Diese Stelle des Evangeliums, meine Brüder, wo der Herr sich den Weinstock und seine Jünger die Reben nennt, besagt dies insofern, als er, der Mensch Christus Jesus, das Haupt der Kirche ist und wir seine Glieder (Augustinus)“ (Bonaventura Rebstock).
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Der Unterschied Die Liebe ist das Einzige, was die Kinder Gottes von den Kindern des Teufels unterscheidet. Hörst du: das Einzige. Wer die Liebe hat, ist aus Gott geboren; wer sie nicht hat, ist nicht aus Gott geboren. Das ist das große Zeichen, der große Unterschied. (Augustinus)
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Hl. Augustinus (354-430), Bischof von Hippo (Nordafrika) und Kirchenlehrer
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„Niemand kommt zum Vater außer durch mich“
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„Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben.“ Damit scheint uns Christus zu sagen: „Welchen Weg willst du einschlagen? Ich bin der Weg. Wo willst du ankommen? Ich bin die Wahrheit. Wo willst du weiterhin sein? Ich bin das Leben.“ Gehen wir also getrost auf diesem Weg: …More
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„Niemand kommt zum Vater außer durch mich“
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„Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben.“ Damit scheint uns Christus zu sagen: „Welchen Weg willst du einschlagen? Ich bin der Weg. Wo willst du ankommen? Ich bin die Wahrheit. Wo willst du weiterhin sein? Ich bin das Leben.“ Gehen wir also getrost auf diesem Weg: abseits des Weges müssen wir mit Fallen rechnen; denn auf dem Weg wagt der Feind den Angriff nicht – der Weg ist Christus selbst –, aber abseits des Weges stellt er uns Fallen […]
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Christus in seiner Demut ist unser Weg; Christus als Wahrheit und Leben ist der Christus in seiner Herrlichkeit, in seiner Göttlichkeit. Wenn du den Weg der Demut einschlägst, gelangst du zum Höchsten. Wenn du in deiner Schwachheit die Demut nicht gering schätzt, verbleibst du voller Kraft im Höchsten. Warum hat Christus den Weg der Demut gewählt? Wegen deiner Schwäche, die ein unüberwindbares Hindernis darstellte. Um dich von ihr zu erlösen, hat sich ein so großer Arzt deiner angenommen. Du konntest ihn nicht aufsuchen: er ist zu dir gekommen. Er ist gekommen, um dich Demut zu lehren, den Weg der Umkehr; denn es war der Stolz, der uns daran hinderte, zum Leben zurückzukehren, das wir eben durch ihn verloren hatten […]
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So ruft uns Jesus, der uns zum Weg geworden ist, zu: „Geht durch das enge Tor!“ (Mt 7,13). Der Mensch bemüht sich hier durchzukommen, aber der Stolz, der uns aufbläht, hindert uns daran. Akzeptieren wir also das Heilmittel Demut, schlucken wir diese bittere, aber heilbringende Medizin […] Der von Stolz aufgeblähte Mensch fragt: „Wie komme ich hindurch?“ Christus antwortet uns: „Ich bin der Weg, gehe über mich hindurch. Ich bin die Tür (Joh 10,7), warum willst du es anderswo versuchen?“ Damit du dich nicht verirrst, ist er für dich alles geworden, und er rät dir: „Sei gütig, sei demütig“ (Mt 11,29).
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Predigt 142
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Tina 13
Hl. Augustinus (354-430), Bischof von Hippo (Nordafrika) und Kirchenlehrer
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„Möchtest du wieder gesund werden?“
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Die Wunder Christi sind Symbole der unterschiedlichen Umstände unseres ewigen Heils [...], dieses Bad ist das Symbol des kostbaren Geschenkes, welches uns das Wort des Herrn macht. Kurz, dieses Wasser stellt das jüdische Volk dar, die fünf Torhallen sind das von Moses in fünf …More
Hl. Augustinus (354-430), Bischof von Hippo (Nordafrika) und Kirchenlehrer
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„Möchtest du wieder gesund werden?“
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Die Wunder Christi sind Symbole der unterschiedlichen Umstände unseres ewigen Heils [...], dieses Bad ist das Symbol des kostbaren Geschenkes, welches uns das Wort des Herrn macht. Kurz, dieses Wasser stellt das jüdische Volk dar, die fünf Torhallen sind das von Moses in fünf Büchern niedergeschriebene Gesetz. Das Wasser war also von fünf Säulengängen umschlossen, wie das Volk vom Gesetz, welches es umfasste. Das Wasser, das in Wallung geriet und trüb wurde, bedeutet die Passion des Retters inmitten dieses Volkes. Derjenige, der in dieses Wasser hinabstieg, war geheilt, einer allein, um die Einheit darzustellen. Diejenigen, die es nicht ertragen können, wenn man von der Passion Christi spricht, das sind die Stolzen: sie wollen nicht eintauchen und werden nicht geheilt. „Was“, sagt der Hochmütige, „an einen Gott glauben, der Fleisch geworden ist, der aus einer Frau geboren wurde, an einen Gott, der gekreuzigt und gegeißelt wurde? Nein, ich würde nie daran glauben, dass ein Gott sich so demütigen lässt, das ist eines Gottes nicht würdig.“
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Lasst in diesem Zusammenhang lieber euer Herz als euren Verstand sprechen. Demütigungen erscheinen den Arroganten als eines Gottes unwürdig, deshalb sind sie auch weit davon entfernt, geheilt zu werden. Hütet euch vor diesem Stolz. Wenn ihr geheilt werden wollt, dann steigt hinein in dieses Wasser. Man könnte sich zu Recht beunruhigen, wenn einem gesagt würde, dass Christus sich in seiner Fleischwerdung irgendwie verändert habe. Aber nein, seid unbesorgt, euer Gott bleibt, was er war. Er ist unvergänglich und bewirkt, dass auch ihr unvergänglich seid. Er bleibt in der Tat, was er ist. Er wird von einer Frau geboren, aber nur dem Fleisch nach [...] Als Mensch hat man ihn ergriffen, gefesselt, ausgepeitscht, mit Hohn überschüttet und schließlich gekreuzigt und umgebracht. Warum solltet ihr erschrecken? Das Wort des Herrn bleibt ewig. Wer nicht annehmen will, dass ein Gott sich so demütigt, will von der tödlichen Geschwulst seines Stolzes nicht geheilt werden.
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Unser Herr Jesus Christus hat durch sein Kommen im Fleisch unserem Fleisch die Hoffnung zurückgegeben. Er hat Geburt und Tod auf sich genommen, Gaben dieser Erde, die wir nur zu gut kennen und die uns allen gemeinsam sind. Geburt und Tod hat die Erde tatsächlich im Überfluss hervorgebracht; nicht aber Auferstehung, nicht aber ewiges Leben. Gott hat die unseligen Gaben dieser undankbaren Erde angenommen und uns dafür die Güter seines himmlischen Reiches geschenkt.
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Predigt 124
Tina 13
Tina 13
Hl. Augustinus (354-430), Bischof von Hippo (Nordafrika) und Kirchenlehrer
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„Sein Vater sah ihn schon von weitem kommen“
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„Von fern erkennst du meine Gedanken. Ob ich gehe oder ruhe, es ist dir bekannt; du bist vertraut mit all meinen Wegen“ (Ps 138,2-3). Während ich noch auf Reisen bin, vor meiner Ankunft im Vaterland, hast du meine Gedanken erkannt. Denkt an den jüngeren Sohn, der in die …More
Hl. Augustinus (354-430), Bischof von Hippo (Nordafrika) und Kirchenlehrer
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„Sein Vater sah ihn schon von weitem kommen“
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„Von fern erkennst du meine Gedanken. Ob ich gehe oder ruhe, es ist dir bekannt; du bist vertraut mit all meinen Wegen“ (Ps 138,2-3). Während ich noch auf Reisen bin, vor meiner Ankunft im Vaterland, hast du meine Gedanken erkannt. Denkt an den jüngeren Sohn, der in die Ferne aufbrach […] Der Erstgeborene war nicht aufgebrochen, er arbeitete auf den Feldern und war Symbol der Heiligen, die, unter dem Gesetz stehend, die Praktiken und Vorschriften des Gesetzes erfüllten.
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Auch das Menschengeschlecht, das sich verirrt hatte in den Götzendienst, war „in die Ferne“ aufgebrochen. Und wirklich: Nichts steht ihm, der dich geschaffen hat, so fern wie dieses Bild, das du selbst von dir entworfen hast. Der jüngere Sohn ging also fort in ein weit entferntes Land, nahm sein Erbteil mit sich und vertat es, wie uns das Evangelium berichtet […] Nach vielen Unglücken, Bedrängnissen, Prüfungen und Entbehrungen erinnerte er sich an seinen Vater und wollte zu ihm zurückkehren. Er sagte zu sich: „Ich will aufbrechen und zu meinem Vater gehen […]“ Doch der, den ich verlassen hatte, ist er nicht überall? Deshalb sagt uns der Herr im Evangelium, dass sein Vater „ihm entgegenging“. Und das ist wahr, denn er hatte „von fern seine Gedanken erkannt […] Du bist vertraut mit all meinen Wegen“. Welche sind denn das, wenn nicht die schlechten Wege, denen er gefolgt war, um seinen Vater zu verlassen, als wenn er sich verbergen könnte vor seinen Blicken, die ihn zurückriefen; oder als wenn das bedrückende Elend, das ihn soweit erniedrigte, sogar die Schweine hüten zu müssen, nicht die Strafe wäre, die der Vater ihm auferlegte, nachdem er weggegangen war, um ihn bei seiner Rückkehr wieder aufnehmen zu können? [...]
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Gott kämpft gegen unsere Leidenschaften, wohin immer wir gehen mögen, wie weit wir uns auch entfernen. Wie ein Flüchtling also, den man stellt, sagt der Sohn: „Ob ich gehe oder ruhe, es ist dir bekannt; du bist vertraut mit all meinen Wegen.“ Mein Weg, so weit er auch wegführte, hat mich nicht deinen Blicken entziehen können. Ich bin weit gewandert, doch du warst dort, wo ich angekommen bin. Bevor ich noch dort eintreten konnte, bevor ich überhaupt dorthin aufbrechen konnte – du hast es im voraus gesehen. Und du hast es zugelassen, dass ich meinen Weg mit Mühe gehe, damit ich auf deine Wege zurückkehre, wenn ich der Mühe überdrüssig geworden bin […] Ich bekenne meine Sünde vor dir: Ich bin meinem eigenen Pfad gefolgt, ich habe mich von dir entfernt; ich habe dich verlassen, bei dem ich es so gut hatte; und es war zu meinem Nutzen, dass es mir schlecht erging, als ich ohne dich war. Denn wäre es mir gut ergangen, hätte ich womöglich nicht zu dir zurückkehren wollen.
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Homilien über die Psalmen, Ps. 138,5-6