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Predigt von Pfarrer Maximilian Pühringer zum Fest Allerheiligen 1.11. 2020

Predigt Allerheiligen, 1.11.2020
Perikopen: 1 Joh 3,1-3 Mt 5,1-12a
Liebe Brüder und Schwestern im gemeinsamen Glauben!
Wir alle haben einmal das Schreiben gelernt. Es war wahrscheinlich am Anfang gar nicht so leicht das Schreibgerät so zu beherrschen, dass nach und nach eine ordentliche Schrift herauskam. Oft werden wir den Bleistift gespitzt haben, sodass er irgendwann einmal zum Stummel geworden ist. In der Biographie der heiligen Mutter Theresa wird berichtet, dass sie in einem Gespräch mit einem Bleistiftstummel spielte und sagte: „Sehen Sie, so ungefähr verhält es sich bei mir. Ich bin sozusagen Gottes Bleistift, ein Bleistiftstummel in Gottes Hand, mit dem er schreibt.“ Das ist ein schöner Gedanke. Im Zusammenspiel von Mensch und Gott kommt seine Handschrift in die Welt. Die vielen Heiligen des heutigen Tages, die bekannten und unbekannten, haben sich auf dieses Zusammenspiel eingelassen. Allerheiligen ist das Fest der vielen Schreibgeräte Gottes. Drei Fragen dürfen wir uns hier stellen. Erstens: Lasse ich mich als Schreibgerät Gottes überhaupt verwenden und führen? Es ist nicht so leicht, sich einfach jemanden zu überlassen. Da kann innerer Widerstand aufkommen. Wir kennen aber wohl auch das gute Gefühl, uns von Menschen führen und leiten zu lassen. Vertrauen spielt hier eine zentrale Rolle. Sich der Hand Gottes zu überlassen ist eine spezielle Sache. Es braucht Zeit, die Erfahrungen von Nähe und Distanz, Wissen um eigene Möglichkeiten und Grenzen. Dass Gott seine Spur in meine Wege einträgt, wird manchmal erst im Rückblick auf bestimmte Lebensabschnitte erkennbar. Er geht meine Wege mit, ob sie nun gerade oder geschlängelt, ob es Umwege oder Sackgassen sind. Das heißt für mich Führung. Ich muss nicht immer alles aus eigener Kraft heraus bewältigen. Ich darf darauf vertrauen, dass Gott mich nicht irgendwann als unnützen Bleistift zur Seite legt, weil er endgültig genug von mir hat. Er will gemeinsam mit mir in diese Welt seine Botschaft hineinschreiben. Ich denke, diese Grundhaltung, sich von Gott verwenden lassen, ist das Markenzeichen, das Heilige ausmacht und mir als lebenslange Aufgabe und Herausforderung mitgegeben ist. Zweitens: Trägt mein Leben die Handschrift Gottes? Wir kennen die Aussage: „Das Werk trägt die Handschrift des Künstlers“. Das bedeutet, dass ein Bild, eine Skulptur, etwas Charakteristisches und Wiedererkennbares aufgrund der Persönlichkeit des Künstlers hat. Denken wir an Chagall, Rembrandt etc. Spiegelt sich in meinem Leben auch etwas Typisches wider, das als Handschrift Gottes erkennbar ist? Die heute gehörten Seligpreisungen sind zentral. Papst Franziskus bezeichnet die Seligpreisungen als Personalausweis des Christen und bringt sie mit dem persönlichen Lebensstil in Verbindung. Es geht nicht um eine überhöhte Frömmigkeit, die vom Boden abhebt. Vielmehr ist es die Sensibilität für das Leiden der Menschen, die Suche nach Gerechtigkeit für Arme und Schwache, das barmherzige Sehen und Handeln, die Kunst, Frieden zu stiften. Es wird jedoch auch deutlich, dass wir Christen nicht immer mehrheitsfähig sind, und unser Glaube auf Widerstand stößt. „Selig seid ihr, wenn man euch schmäht und verfolgt und alles Böse über euch redet, um meinetwillen.“ Mein Lebensstil, meine inneren Haltungen, können sichtbarer Ausdruck der Handschrift Gottes werden. Nicht nur im Leben großer Heiliger der Vergangenheit lässt sich Gottes Handschrift entdecken. Es gibt genügend Heilige mitten im Alltag, die die Seligpreisungen zu ihrem Lebensprogramm machen. Wie halte ich es damit? Trägt mein Leben die Handschrift Gottes. Drittens: Wie gut lesbar ist die Handschrift Gottes mit seiner besonderen Schriftart? Es gibt unzählige Handschriften. Manche sind leicht, manche nicht so leicht zu entziffern. Im Pfarrarchiv sind auch noch Dokumente in der nicht immer deutlich lesbaren Kurrentschrift. Man muss üben und üben und die Bedeutungen von Abkürzungen und Wörtern erlernen, damit man den Inhalt verstehen kann. Das braucht Zeit und Geduld. Es gibt auch eine besondere Schriftart Gottes, deren Lesbarkeit nicht immer auf Anhieb gegeben ist. Gottes Schriftart ist die Botschaft Jesu, die er uns zu lesen und zu leben zur Aufgabe gemacht hat. Dafür braucht es ein ständiges Einüben, um sich mit ihr vertraut zu machen, um sie zu entziffern. „Selig seid ihr, wenn man euch schmäht und verfolgt und alles Böse über euch redet um meinetwillen.“ Diese Seligpreisung, die ich zuerst schon einmal erwähnt habe, werde ich wohl noch oft lesen müssen, um sie zu verstehen. Schwer tue ich mich zu verstehen, wie viele Menschen den Glauben bewusst oder unbewusst ablehnen, und so Christus auch heute noch verfolgt wird. Von vielen Heiligen wissen wir, dass ihnen die Schriftart Gottes nicht immer von vornherein vertraut und für sie gut lesbar war. Bis zum Ende ihres Lebens wurde diese Schriftart für sie immer geläufiger. Das Fest Allerheiligen ist für mich nicht nur ein Gedenktag aller Heiligen, sondern eine Anfrage an mich, wie ich es mit meiner Heiligkeit halte. Mutter Teresa meint, dass Heiligkeit kein Luxus einiger weniger besonders Begnadeter oder besonders Verrückter ist, sondern „einfach eine Pflicht für jeden von uns“.
Liebe Brüder und Schwestern!
Allerheiligen, Fest der Schreibwerkzeuge Gottes. Bin ich ein Schreibwerkzeug Gottes? Lasse ich mich von Gott führen? Trägt mein Leben die Handschrift Gottes? Was ist die besondere Schriftart Gottes in meinem Leben? Diese Fragen dürfen uns im Blick auf alle Heiligen beschäftigen und Mut machen. Amen.