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Predigt von Pfarrer Maximilian Pühringer zum heutigen Sonntag, 14.11.2021

Predigt 33. Sonntag im Jahreskreis, 14.11.2021
Perikopen: Dan 12,1-3 Mk 13,24-33
Liebe Brüder und Schwestern im gemeinsamen Glauben!
Der heutige alttestamentliche Bibeltext aus dem Buch Daniel ist nicht gerade leicht verständlich. Und doch, das muss ich sagen, als ich ihn zur Vorbereitung auf die Predigt mehrmals gelesen und darüber nachgedacht habe, ich war sehr betroffen. Mir ist bewusst geworden, dass er unsere, gerade nicht leichte Zeit, trifft. Das möchte ich kurz ausführen. Erstens: Unserer Zeit wird die Frage gestellt: „Wer ist wie Gott?“ Es war die Rede in der Lesung von Michael. Er gehört zu den Erzengeln. Wir haben meist eine ganz falsche Vorstellung von Engeln. Es handelt sich hier nicht um Wesen und Gestalten, wie sie die Kunst darstellt. Engel sind die Art und Weise wie Gott wirkt. Der Name Michael ist übersetzt die Frage: „Wer ist wie Gott?“ Was können wir darauf antworten: „Niemand, niemand ist wie Gott!“ Gott ist nur Gott, sonst niemand. Der Mensch ist Abbild, Ebenbild, oder modern gesagt Selfie Gottes, aber nicht Gott. Der Mensch kann und soll sich als Abbild Gottes erweisen, aber er erweist sich leider oft auch nur als Zerrbild des Ebenbildes. „Wer ist wie Gott?“ Tun wir uns vielleicht nicht auch deshalb so schwer innerlich mit dieser Pandemie zurecht zu kommen, weil wir uns zu oft an die Stelle Gottes setzen? „Wer ist wie Gott?“ Niemand, ich bin nicht Gott, aber ich habe Möglichkeit mit ihm in eine liebende Beziehung zu treten. Zweitens: Unsere Zeit ist gerade eine Zeit der Not. Nachdem Michael aufgetreten ist, heißt es, „dass eine Zeit der Not kommt.“ Ich verstehe das so, dass die falsche Antwort auf die Frage „Wer ist wie Gott?“ den Menschen in eine große Not, in Teufelsküche bringt, weil Gott so verloren geht, weil dann alles vom Menschen abhängig ist. Dass dies in eine Sackgasse führt, haben wir eigentlich immer schon gewusst, die Pandemie hat uns sehr hart daran erinnert. Wenn man das Wort Pandemie übersetzt, dann heißt es „das ganze Volk betreffend.“ Das ganze Volk, alle Menschen sind betroffen. Das ist Faktum, da kann sich niemand ausklammern, auch wenn das leider gar nicht so wenige tun. „Das ganze Volk ist betroffen,“ das erscheint mir auch der Schlüssel, der hilft Notzeiten zu überwinden. Es kommt auf das Mittun aller an die Pandemie mit jenen Mitteln zu bekämpfen die wir haben. Es kommt auf das Suchen der Einheit an. Das Gemeinsame muss vor das trennende gestellt werden. Wir erleben, das lässt sich nicht leugnen, eine zutiefst gespaltene Gesellschaft. „Ich will, dass alle eins sind,“ hat unser Herr Jesus Christus vor seinem Abschied den Jüngern gesagt. Er wusste um die Gefahr unter den Jüngern damals, und auch heute, sich zu zerfleischen. „Das ganze Volk ist betroffen.“ Das wäre für mich persönlich auch der Wunsch in dieser Zeit vermehrt zu jenen Mitteln zu greifen, die der Glaube uns schenkt, zu den sogenannten geistlichen Waffen: Gebet, Unterscheidung der Geister, Besinnung auf echtes Menschsein und Christsein, Besinnung auf das Wesentlichen, Zurückfinden zur Wahrheit, Tun des Guten etc. „Pandemie = das ganze Volk ist betroffen.“ Das ist und bleibt Appell in Zeiten der Not. Drittens: Es gibt auch noch die Zeit danach, es gib auch noch die Welt nach dieser Welt. Diese Zeit danach hat der Bibeltext folgendermaßen beschrieben: „Von denen, die im Land des Staubes schlafen, werden viele erwachen, die einen zum ewigen Leben, die anderen zur Schmach, zur ewigen Abscheu.“ Dieser Satz spricht deutlich an, dass es ewiges Gelingen und ewiges Scheitern des Lebens gibt. Entweder für ewig bei Gott sein oder für ewig von ihm getrennt sein. Wir schaffen uns wohl in dieser Zeit die Grundlage für die Zeit danach. Es schadet uns wohl sicher nicht uns das in Erinnerung zu rufen. Vielleicht werden wir ein bisschen nachdenklicher. Freilich dürfen wir einen Fehler nicht machen, dass wir einteilen, wer in der anderen Welt, wo steht. Das kommt nur Gott zu. Es kann sein, dass das ganz anders ist als wir uns vorstellen. Der heilige Augustinus hat gesagt: „Manche die drinnen sind, sind draußen. Und manche die draußen sind, sind drinnen.“ Oder wie Jesus einmal gesagt hat, dass Erste Letzte, und Letzte Erste sein werden. In der Ewigkeit wird wohl manches umgedreht werden. Und dann schließt der Bibeltext mit einer ganz klaren Aussage, die man nicht weiter erklären muss: „Die Verständigen werden glänzen wie der Glanz des Himmels, und jene, die andere zur Rechtschaffenheit geführt haben, werden leuchten wie die Sterne auf immer und ewig.“
Liebe Brüder und Schwestern!
Mit Gott Ja sagen zur Zeit, darum geht es. Der heutige Bibeltext passt einfach. Er stellt uns vor die Michaelsfrage „Wer ist wie Gott?“ Er spricht von Zeiten der Not, und diese betreffen immer alle. Er sagt uns aber auch, dass es die Zeit danach gibt. Dort geht es darum „das Leben zu haben und es in Fülle zu haben,“ wie Jesus es einmal in einem der stärksten Sätze der Bibel sagt. Es geht darum in vielfacher Hinsicht um dieses Leben zu wissen. In diesem starken Wissen und mit festen Glauben sollen wir bewusst auf dieses Leben zugehen. In Selbstdisziplin müssen wir wissen, das ist jetzt der Weg, darauf läuft es hinaus, das ist jetzt anzugehen, mit allen Mitteln wie sie unser Glaube bereit hat, mit allem, was guttut, dorthin zu gehen, wo alles Leben, alles Geschenk ist, das einem nie, nie mehr genommen werden kann. In dieser aufrechten Haltung müssen wir auf dieses Leben zugehen. Amen