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Nicky41

Paul vom Kreuz

Worte des Heiligen

Die Liebe zu Jesus Christus, dem Gekreuzigten, drängt auch uns, in unserem Inneren ein Fest des Kreuzes zu feiern:

Es ist gut und heilig, an das Leiden des Herrn zu denken und es zu betrachten; denn so gelangen wir zur Vereinigung mit Gott. In dieser heiligen Schule lernen wir die wahre Weisheit, dort haben alle Heiligen sie gelernt. Wenn das Kreuz Jesu seine Wurzeln tiefer in eure Herzen senkt, werdet ihr rufen: Leiden, nicht sterben! oder: Entweder leiden oder sterben! oder noch besser: Weder leiden noch sterben, sondern volle Bekehrung zum Willen Gottes!

Die Liebe ist eine einigende Kraft, sie macht sich die Qualen des Geliebten zu eigen. Dieses Feuer dringt bis ins Mark, es verwandelt den Liebenden in den Geliebten. Auf erhabene Weise mischt sich die Liebe mit dem Schmerz und der Schmerz mit der Liebe. Es entsteht eine Verbindung von Liebe und Schmerz, die so eng ist, dass man die Liebe nicht mehr vom Schmerz und den Schmerz nicht mehr von der Liebe trennen kann. Darum freut sich die liebende Seele in ihrem Schmerz und jubelt in ihrer schmerzenden Liebe.

Seid standhaft in der Übung aller Tugenden, besonders darin, dass ihr Jesus in seinem Leiden nachahmt; denn das ist der Höhepunkt der Liebe. Euer Handeln lasse alle erkennen, dass ihr nicht nur innerlich, sondern auch äußerlich ein Abbild des gekreuzigten Christus seid, des Beispiels aller Güte und Sanftmut. Wer nämlich in seinem Innern mit dem Sohn Gottes vereint ist, der ist auch äußerlich sein Abbild durch die dauernde Übung heroischer Tugend, besonders durch kraftvolle Geduld, die weder geheim noch öffentlich klagt. Bergt euch also in dem gekreuzigten Jesus und wünscht nichts anderes, als dass sich alle Menschen in allen Dingen zu seinem Willen bekehren.
Wenn ihr den Gekreuzigten wirklich liebt, dann werdet ihr im Tempel eures Innern stets das Fest des Kreuzes feiern, indem ihr schweigend duldet und euch keinem Geschöpf anvertraut. Weil Feste aber in Freude gefeiert werden, müssen alle, die den Gekreuzigten lieben, das Fest des Kreuzes in schweigendem Dulden begehen, mit heiterer und froher Miene, so dass das Leiden den Menschen verborgen und nur dem Höchsten bekannt ist. Bei diesem Fest werden Gastmähler gehalten, bei denen der Wille Gottes die Speise ist nach dem Beispiel unserer gekreuzigten Liebe.

Paul vom Kreuz

Wenn der Kaufmann Danei im norditalienischen Ovada seine Kinder, sechszehn an der Zahl, beidseitig der Größe nach abgestuft, nebeneinander stellte, so sah es aus wie eine lebendige Orgel. Da gab es dann auch täglich ein Orgelkonzert, und manchmal herrschte ein Krach im Haus, dass man das eigene Wort nicht verstand. Die kinderliebenden Eltern hatten an dieser Musik die größte Freude. Obwohl sie hart arbeiten mussten, um all die Mädchen und Jungen großzuziehen, mochten sie trotzdem nicht auf eine einzige Stimme an ihrer sechszehnpfeifigen lebendigen Hausorgel verzichten. Wenn es manchmal allzu laut herging, rief der Vater oft dazwischen: „Kinder, wie oft habe ich euch schon gesagt, dass nie mehr als sieben zur gleichen Zeit reden sollen!“ dann lachten alle umso lauter und lärmten und sangen und pfiffen weiter.

Nur beim gemeinschaftlichen Gebet am Morgen, vor und nach dem Essen und zur Nacht herrschte Ruhe, die abends noch eine Weile anhielt, denn nach dem Rosenkranz, der täglich gebetet wurde, griff Vater Danei zur Heiligenlegende und las laut und schön die Geschichte des Heiligen vom nächsten Tag vor. Es dauerte etwa zehn Minuten, und nachher fragten die Kinder noch die Eltern aus nach diesem und jenem, was sie in der Legende nicht verstanden hatten. Gern erklärten Vater und Mutter alles, bis es allmählich Zeit wurde, in die Federn zu kriechen.

Vor allem war es Paul, der Älteste, ein stiller, nachdenklicher, lieber Junge, der, weil er gern alles genau wissen wollte, am meisten fragte. Ihm war es nämlich klar, dass auch er ein Heiliger werden musste. Tatsächlich steht heute das hohe Wort „heilig“ vor seinem Namen. Pauls spätere Heiligkeit hat also ihre Wurzel in der täglichen Lesung der Heiligenlegende.

Besonders zog die Geschichte vom bitteren Leiden und Sterben des Heilandes den warmherzigen Jungen an. Schon in der frühesten Jugend war es so bei ihm. Paul trug nämlich der damaligen Mode entsprechend langes Haar, und wenn ihn die Mutter morgens nach dem Waschen kämmte, schrie er regelmäßig so sehr, dass man es auf der Straße hören konnte. Wenn ihm aber die Mutter ein Kruzifix in die Hand drückte und zu ihm sagte: „Schau, wie viel der liebe Heiland gelitten hat!“, so verstummte sofort jeder Laut, und jede Träne versiegte. Tapfer biss der Kleine die Zähne zusammen und ruckte und muckte sich nicht mehr.

Paul war also schon in der Kindheit ein Paul vom Kreuz. Als junger Mann ging er dann dem Vater im Geschäft zur Hand. Später meldete er sich freiwillig zu einem Kriegszug gegen die Türken. Unterwegs erhielt er jedoch in einer übernatürlichen Erleuchtung von Gott den Auftrag, selbst ein Heer von geistigen Gottesstreitern aufzustellen, nämlich einen neuen Orden zu gründen, dessen Mitglieder vor allem durch feurige Predigten über den gekreuzigten Heiland die Menschen zu Christus zurückführen sollten.

So geschah es auch. Paul, der sich von nun an Paul vom Kreuz nannte, stiftete den Orden der Passionisten. Das bedeutet, den Orden vom bitteren Leiden und Sterben unseres Herrn Jesus Christus, der heute noch blüht und weltweit viele tausend Mitglieder hat, die gerade durch die Predigt über den Gekreuzigten zahllose Menschen in die Freiheit der Kinder Gottes führen. Im Jahr 1775 starb Paul vom Kreuz, und 1867 wurde er heiliggesprochen.

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