Heiliger Franziskus von Assisi, Diakon, Ordensstifter, + 4.10.1226 - Fest: 4. Oktober

Wie war die Jugend des heiligen Franziskus? Dass das einzigste Kind des reichen Kaufmanns Bernardone ebenfalls Kaufmann wird, war für den Vater eine …
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Angelus über Assisi
(Aus: „Tiere unterm Regenbogen“, Aloysius Roche, Berlin 1954)
Bis jetzt hat noch keiner der Weisen dieser Welt uns mitgeteilt, wie viel Vögel es auf der Erde gibt; das ist fast merkwürdig, wenn wir bedenken, was alles berechnet wird! Aber die Vögel warten noch auf ihren Rechenmeister. Sind sie zum Beispiel zahlreicher als wir Menschen? Wir wissen wohl, dass es „ziemlich viele …More
Angelus über Assisi

(Aus: „Tiere unterm Regenbogen“, Aloysius Roche, Berlin 1954)

Bis jetzt hat noch keiner der Weisen dieser Welt uns mitgeteilt, wie viel Vögel es auf der Erde gibt; das ist fast merkwürdig, wenn wir bedenken, was alles berechnet wird! Aber die Vögel warten noch auf ihren Rechenmeister. Sind sie zum Beispiel zahlreicher als wir Menschen? Wir wissen wohl, dass es „ziemlich viele sind“, wie einmal ein Kind sagte. Das Wunderbare daran ist, wie alle die Vögel zu ihrem Futter kommen, - besonders zur Winterszeit.

Vor langer Zeit lebte in Italien ein Mann, der sich über diese und ähnliche Dinge seine Gedanken machte. Sein Kopf war voll von ganz großen Plänen zur „Vogelfrage“, - einer davon war folgender: Der Kaiser sollte ein Gesetz erlassen, das alle Bürgermeister und die verschiedenen Verwaltungen verpflichtete, die Wege entlang Vogelfutter streuen zu lassen, besonders zu Weihnachten. Zugegeben, manche seiner Einfälle – so auch dieser – waren recht poetisch, aber diese Art Poesie verwandelt sich manchmal früher oder später in Prosa – und die Welt, in der wir leben, wird dann ein wenig besser. Das Streusystem die Wege entlang hat sich zwar nicht durchgesetzt, aber ein bescheidener Plan wurde Wirklichkeit. Tatsächlich funktioniert er nun schon seit mehr als 750 Jahren.

Wir sprechen natürlich vom heiligen Franz. Er liebte sein Assisi mehr als jeden anderen Ort auf Erden. Mit das letzte, was er sich erbat, ehe es mit ihm zu Ende ging, war: man möchte ihn doch auf seiner Bahre, auf der man ihn trug, ein wenig aufrichten, damit er die geliebte kleine Stadt segnen könnte. Vielleicht hat er gehofft, sie könnte für alle Städte ein Beispiel werden. Jedenfalls aber ließ er ihre Einwohner versprechen, für die hungrige Vogelwelt zu sorgen. Und da er wusste, dass Versprechungen nicht etwas besonders Stabiles sind, richtete er einen festen Brauch ein.

„Meine lieben Freunde, ihr wisst wohl, was für eine Menge Esswaren ihr alle täglich verkommen lasst, - man kann das wohl nicht ändern, Brot wird eben hart, und man kann es dann nicht mehr essen. Aber denkt an unsere kleinen Geschwister, die Vögelchen, wie froh sie wären, wenn sie dieses Brot hätten! Ich möchte, dass ihr jeden Abend eure Krümel und Bröckchen auf den Marktplatz bringt, und zwar, wenn der Angelus geläutet wird. Tut das doch und lasst niemals davon ab. Die Jungen werden es von den Alten lernen, und so wird diese gute Tat bis zum Ende der Zeiten weiterdauern.“

In vielen Ländern ist das Angelus-Läuten um 6, um 12 und um 18 Uhr eine sehr vertraute Sache. Früher läutete es nur zum Tagesende und sollte das Volk daran erinnern, dass vor langer Zeit unser Erlöser Einer von uns wurde. Die Glocke selber hieß häufig „Gabriels Glocke“, manchmal stand sogar des Engels Name drauf, etwa so: „Ich bin wie Honig süß und heiße Gabriel“ oder: „Hört, diese Glocke tönt vom treuen Gabriel“ oder: „Ich trage Gabriels Namen, der vom Himmel gesandt ward.“

Um es kurz zu machen: das Volk von Assisi tat, wie im geheißen wurde, und in kürzester Zeit entdeckten die Vögel, dass diese Abendglocke für sie Krümel, Berge köstlicher Krümel bedeutete. Sobald sie den ersten Glockenschlag hörten, kamen sie zum Markt. Die Stadt liegt hoch wie ein Adlernest, und so konnte man den Kling-Klang meilenweit hören, bis in die umbrische Ebene hinein. Er zog immer mehr und mehr Vögel an. Und genau so, wie die Einwohner der Stadt diese gute Übung an ihre Kinder weitergaben, so machten es auch die Vögel: sie brachten ihren Kindern diese Futterzeit bei. So haben denn Einwohner und Vögel seit dem dreizehnten Jahrhundert an diesem Brauch festgehalten.

Diese Erscheinung, so bemerkenswert sie ist, ist aber kein Wunder. Vögel gewöhnen sich rasch an eine Futterstelle und auch an bestimmte Zeiten. Und wie es scheint können sie sich auch darüber untereinander verständigen, denn bei schlechtem Wetter finden zum Beispiel Möwen in Not ihren Weg zu den merkwürdigsten Hintertüren, wo die Brocken für sie liegen, die sie nötig haben. Und was Glocken angeht, so gab es vor wenigen Jahren in Essex ein Pferd auf einer Weide, das immer zum Zaun getrabt kam, wenn die Glocke zur Messe läutete. Es wusste aus Erfahrung, dass dann in kurzer Zeit etwas zu erwarten war.

Jedenfalls vergaßen die Vögel von Assisi ihren Wohltäter nicht. Als es zum Sterben kam, flogen seine besonderen Lieblinge, die Haubenlerchen, in Scharen über dem Ort, wo er lag, als ob sie noch seiner scheidenden Seele Ehre antun wollten.