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Tina 13
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„In ihnen bin ich verherrlicht“ (Joh 17,10)

Hl. Bernhard (1091-1153)

Zisterziensermönch und Kirchenlehrer
Predigten über das Hohelied, 27,8–10 (Sermons sur le Cantique des Cantiques, in: Les Pères commentent l'Évangile, Éd. Brepols 1991, p. 370; ins Dt. trad. © Evangelizo)

„In ihnen bin ich verherrlicht“ (Joh 17,10)

„Der Vater und ich“, sagte der Sohn, „wir werden zu ihm kommen“, das heißt, zu einem heiligen Menschen, „und wir werden bei ihm Wohnung nehmen“. Und ich denke, dass der Prophet nicht von einem anderen Himmel sprach, als er sagte: „Aber du bist heilig; du thronst über dem Lobpreis Israels“. Und der Apostel Paulus sagt ganz klar: „Durch den Glauben wohnt Christus in unseren Herzen.“ Es ist also nicht verwunderlich, dass Christus gerne in diesem Himmel wohnen möchte. Während er für die Erschaffung jenes sichtbaren Himmels nur zu sprechen brauchte, hat er sich diesen mühsam erkämpft: er starb, um ihn zurückzukaufen. Deshalb spricht er nach all seinen Mühen, nachdem er sein Verlangen verwirklicht hatte: „Das ist für immer der Ort meiner Ruhe; hier will ich wohnen, ich hab’ ihn erkoren“. Und selig ist jene, zu der er sagt: „Komm, meine Auserwählte, meine Braut, ich will in dir meinen Thron errichten.“ „Warum bist du betrübt, meine Seele, und warum schreckst du mich auf?“ Denkst du, auch in dir würdest du einen Platz für den Herrn finden? Und welcher Ort in uns wäre denn einer solchen Ehre würdig und könnte dem Anspruch genügen, seine Hoheit zu empfangen? Könnte ich ihn denn auch nur an dem Ort anbeten, wo seine Füße gestanden haben? Wer gewährt mir, wenigstens den Fußspuren einer heiligen Seele zu folgen, „die er sich zum Erbe erwählt hat“? Doch möge er sich auch herablassen, die Salbung seiner Barmherzigkeit in meine Seele ausgießen, damit auch ich sagen kann: „Den Weg deiner Gebote lief ich, denn du machst mein Herz weit“. Dann könnte auch ich vielleicht in mir, wenn auch nicht „einen großen, fertig hergerichteten Raum“ zeigen, „wo er mit seinen Jüngern essen kann“, so doch wenigstens „einen Ort, wo er sein Haupt hinlegen kann“. […] Es ist notwendig, dass die Seele wächst und weit wird, um gottfähig zu sein. Nun, ihre Weite ist ihre Liebe, wie der Apostel Paulus sagt: „Lass doch auch euer Herz weit aufgehen in der Liebe“. Denn obwohl die Seele keine räumliche Dimension hat, da sie Geist ist, verleiht ihr die Gnade, was die Natur verwehrt. […] Die Größe einer jeden Seele entspricht also dem Maß ihrer Liebe. Und zwar so sehr, dass jene, die viel Liebe hat, groß ist; jene, die wenig hat, ist klein; jene, die gar nichts davon hat, ist nichts. Der heilige Paulus bekräftigt denn auch: „Wenn ich die Liebe nicht habe, bin ich nichts.“ (Vgl. biblische Referenzen: Joh 14,23; Ps 21(22),4 Vulg; Eph 3,17; Joh 1,3; Ps 132(131),14; Hld 2,10; Ps 41(42),6 Vulg; Ps 32(33),12 Vulg; Joh 14,23; Ps 118(119),32 Vulg; Mk 14,15; Mt 8,20; 2 Kor 6,13; 1 Kor 13,3)
Tina 13
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