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Novena - Oremus
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Die heilige Gertrud von Helfta

Als fünfjähriges Mädchen kam sie in das Zisterzienserinnenkloster Helfta bei Eisleben. Das Kloster war damals eine Stätte hoher Bildung und tiefster Beschauung. Es galt als die Krone der damaligen deutschen Frauenklöster. Unter der Führung der reichbegabten, innig frommen Äbtissin Gertrud von Hackeborn und der Chorleiterin und Novizenmeisterin Mechtild der Heiligen, einer leiblichen Schwester der Äbtissin, war Helfta zu einer gesegneten Gottesinsel geworden. Das Kind fühlte sich in dem beschaulichen, traulichen Kloster bald so heimisch, daß es selbst um den Schleier bat und Gottesbraut wurde. Mit einem ungestümen Wissenshunger stürzte sich Gertrud auf die Ausbildungsmöglichkeiten, die ihr im Kloster geboten wurden. Sie lernte Latein so trefflich, daß sie mühelos in dieser Sprache zu schreiben und zu lesen verstand. Für die "freien Künste" besaß sie ein so lebhaftes Interesse, daß sie aus allzu großem Eifer in den Studien das geistige Leben einige Zeit vernachlässigte. Ihr ungeregelter Wissensdrang wäre ihr so beinahe zur großen Gefahr geworden.
Sie erkannte die Gefahr, in der sie schwebte und verlegte sich jetzt mit demselben Eifer, den sie bisher auf die weltlichen Wissenschaften verwandt hatte, auf das Studium der Gotteswissenschaft, besonders der Heiligen Schrift und der Kirchenväter, unter denen sie vor allem Augustinus und Bernhard bevorzugte.
Sie bekennt von sich, daß sie oft und lange über Gottes unergrüngliche Geheimniswelt nachgegrübelt und gemeint hatte, ähnlich wie einst St. Augustinus, könne und müsse sie den Grund der Geheimnisse Gottes mit ihrem Verstand finden und begreifen. Da offenbarte ihr eines Tages der Heilige Geist: "Gott ist höher und tiefer als alle Erkenntnis; nur die Liebe ist es, die ihn erreicht." Von da an grübelte sie nicht mehr, sondern ergab sich ganz der Liebe Gottes. Sie fand und fühlte seine Gegenwart, wo immer sie ging und stand.
Während ihr Leib ständig von Krankheiten gepeinigt wurde, erhob sich ihre geläuterte Seele bis zu den Höhen innigster Gottvereinigung. Sie schrieb ihre Gesichte und Erfahrungen in dem Buch "Der Gesandte der göttlichen Liebe" nieder.
Gertrud war mit dem Heiland e i n Geist. An ihr erfüllte sich das Pauluswort: "Wer dem Herrn anhängt, ist
e i n Geist mit ihm". Als Braut Christi ging sie mit all ihrem Sinnen und Trachten, mit ihrem ganzen Sein in ihrem himmlischen Bräutigam auf.
Bis zum letzten Aushauchen ihrer Seele tat sie, was Jesus von ihr einmal verlangte:
"Weil ich, der Gott der Liebe, dich erwählt habe, so verlange ich, daß du bei mir bleibst in unzertrennlicher Vereinigung, wie der Mensch nicht seinen Geist verlieren will, ohne den er nicht eine Stunde leben könnte." Großmütig, ohne jeden Vorbehalt, gab sich Gertrud dem Heiland hin. Sie sah und prüfte alles mit den Augen Jesu, sie dachte Jesu Gedanken und lebte Jesu Wünsche. Ihm Freude zu machen, seine Ehre zu fördern, war das einzige Ziel ihres Lebens.
Zur Faschingszeit gab ihr der Heiland einmal zu verstehen, daß er in diesen Tagen von den Sünden der Menschen verfolgt und mißhandelt, an die Pforte ihres Herzens poche und Einlaß begehre, um darin Schutz und Ruhe zu suchen. "Sei du, Geliebte, mir Schützerin und nimm dir vor, mich gegen Unbilden, so gut du es vermagst, zu schützen. " Da umschlang die Heilige im Geiste den Herrn mit solcher Kraft der Innbrunst, daß sie, der äußeren Sinne nicht mehr mächtig, ganz in Gott versang. Als sie hierauf Jesus befragte, wodurch sie in jenen drei Sündentagen ihm einen besonders angenehmen Dienst leisten könnte, sagte er: "Durch nichts kannst du mir besser dienen als wenn du zum Andenken an mein Leiden alle inneren und äußeren Beschwerden, die über dich kommen, geduldig erträgst und dich zwingst, das zu tun, was dir am meisten widerstrebt. Nicht besser wirst du das tun können, als wenn du die äußeren Sinne bewachst und zügelst, denn wer zum Nachdenken an mein Leiden sich hierin übt, der darf einen reichen Lohn von meiner Güte hoffen".
Die Heilige versichert, sie habe während jener drei Tage nichts gefunden, wodurch sie Gott eine angenehmere Erquickung hätte bereiten können als durch Gebete, Stillschweigen und sonstige Abtötungen für die Bekehrung der weltlich gesinnten Menschen. Nicht nur diese drei Fastnachtstage, ihr ganzes Leben lang suchte St. Gertrud ihrem himmlischen Bräutigam durch ein still verborgenes Gebets - und Opferleben Sühne zu leisten. Zum Lohn dafür überhäufte Gott sie mit reichsten Gnaden und würdigte sie gleichsam beständig himmlischer Erscheinungen und Offenbarungen. Sie redete von Gott und göttlichen Dingen mit solcher Anmut und Kraft, daß sie die Herzen der Menschen mit unwiderstehlicher Gewalt hinriß und viele Sünder auf den Weg der Tugend zurückführte. Kein Wunder, daß Jesus, der Liebhaber frommer, reiner Seelen, einmal einer von seinen Auserwählten gestand: "Nirgends kannst du mich auf Erden lieblicher finden als im Sakrament des Altares, und sodann in Herz und Seele dieser meiner Geliebten, der ich in wunderbarer Weise die ganze Wonne meines göttlichen Herzens zugewandt habe".
St. Gertrud war mit Christus e i n Wille. Göttlicher Wille ging ihr über all ihre Wünsche. Von Herzen gerne hätte sie einmal eine Partikel vom heiligen Kreuz gehabt. Aber als der Herr sie belehrte, jedes seiner Worte sei eine kostbarere Reliquie als das Kreuzesholz, gab sie sich sofort zufrieden. Christus fragte sie einmal: "Was willst du, daß ich dir tun soll?" Ohne Besinnen erwiderte die Gottesbraut: "Vor allen Freuden begehre ich, daß sowohl in mir als in jeglichem deiner Geschöpfe dein liebreichster Wille zur Vollendung komme und daß ich zur Erreichung dieses Zweckes bereit erfunden werde, jedes meiner Glieder jeder Art von Leiden auszusetzen".
Als sie einmal unter der Last einer Krankheit schmerzlich litt, bot ihr der Herr Gesundung und Krankheit zur Wahl an. Sie aber hatte nur die eine Bitte: "Herr, tu an mir nach deinem Willen!"
Einmal - es mag eine Stunde trüber Anfechtungen gewesen sein - betete sie 365mal nacheinander: "Nicht mein, sondern dein Wille geschehe, liebreichster Jesu!" Es mag wenige auserwählte Seelen gegeben haben, die so ganz eins waren mit dem Willen Gottes wie St. Gertrud. Der Herr selber rühmte öfter die Gleichförmigkeit des Willens seiner Braut mit seinem Willen: "Ich habe mein Herz unzertrennlich mit ihrer Seele vereinigt, so daß sie in allem und vor allem mit meinem Willen so vollkommen übereinstimmt wie die Glieder des Körpers mit dem menschlichen Willen. Denn also habe ich sie zu meiner Wohnung erwählt, daß ihr Wille und sein Wirken so eng mit meinem Herzen verbunden ist, als wäre sie meine Rechte, durch die ich wirke".
Gertrud war mit Christus e i n Herz. Schon 350 Jahre vor der heiligen Margareta Maria Alacoque erkannte und enthüllte St. Gertrud die Hoheit und Würde des Herzens Jesu und seine Bedeutung im Reiche der Gnade. Der Herr zeigte ihr sein Herz als Quell des Lebens und der Liebe und der Heiligkeit. "Sieh", sprach er zu ihr, "ich übergebe dir den ganzen Reichtum der Süßigkeit meines göttlichen Herzens, damit du allen davon freigebig mitteilst, soviel du willst". Die Gesinnungen des Herzens Jesu waren so sehr ihre eigenen Gesinnungen, daß sie wirklich mit Paulus sagen konnte: "Ich lebe, nein, nicht ich, sondern Christus lebt in mir".
Dem Herrn gehörte jeder Pulsschlag ihres Herzens. Bei der Betrachtung seiner Liebe im heiligsten Altarssakrament oder beim Anblick des Gekreuzigten fiel verzehrendes Feuer in ihr Herz, das die Flammen heißer Gegenliebe daraus aufloderten.
"Wer mit Mehl umgeht", sagte sie, "wird Mehlstaub fangen. Wer Jesu Lieb und Leid bedenkt, muß Gegenliebe erlangen".
Wie der Ritter seinem König, so wollte sie mit Leib und Leben ihrem himmlischen König dienen und zu eigen sein. "Laß mich zu deiner Ehre das neue Rittertum deiner Liebe mit einem Eid beschwören. Stähle meine Hände zu Heldentaten, damit ich in dir und durch dich rasch und unermüdlich die Waffentaten edelster Liebestreue unternehme und glücklich vollbringe. Umgürte meine Lenden mit dem Schwerte deines Geistes und rüste mich mit männlichem Mute, um in Tugendstreit tapfer und mannhaft zu stehen, fest gegründet in dir, und unüberwindlich an deiner Seite auszuharren. Bringe meine Kräfte ins rechte Verhältnis zu meinen Unternehmungen, die ich, um deine Liebe zu erringen, wagen muß. Festige meine Gesinnung in dir, damit ich ungeachtet der Schwäche meines Geschlechtes mit Herzhaftigkeit und männlichem Starkmut jene Höhe der Liebe erkämpfe, die mir den Zutritt eröffnet zur geheimnisvollen Stätte der innigsten bräutlichen Liebeseinigung mit dir. Von jetzt an, o ewige Liebe, nimm und besitze mich als ganz dein Eigen. Denn ich habe fortan weder Herz noch Geist außer in dir".
Gertrud hatte vom Herrn die Verheißung, daß nicht der Tod über sie siegen werde, sondern die Macht der Liebe. Und in der Tat. Bei ihrem Verscheiden zog Christus ihre Seele mit göttlicher Kraft in sich, gleich wie die Glut der Mittagssonne das Tautröpfchen aufsaugt und in sich verzehrt.
So war die heilige Gertrud mit Christus e i n Geist, e i n Wille, e i n Herz.
Ist dieses Einswerden mit Christus nicht auch unser Ziel und unsere Aufgabe?
Möge St. Gertruds Fürbitte uns dabei behilflich sein! Mit ihren Worten beten wir zu Christus: "Dir vermähle sich mein Geist zu einem Geist, zu einem Odem, zu einem Willen, zu einer Liebe!" Amen.
Heiligenlegende/Lebensbilder edler Menschen und heiliger Gottesfreunde
michael7
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Eva
Mensch bedenke,
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Nicolaus
Für mich sehr wertvoll nachzulesen, weil meine liebe Mutter mit zweitem Taufnamen Gertrud hieß und dieser als "Trudilein" oft gebraucht wurde. Zwar mochte sie ihn anfänglich nicht, war aber zu überzeugen, dass die Namensgebung kein Zufall sein kann sondern bedeutsam ist.
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M.RAPHAEL
Vielen Dank. Sie gehört zu den unzähligen heiligen Frauen, die nach oben in den Himmel schauen und nicht von dem erhöhten Fahrersitz ihres schweren SUVs auf die grüne Erde nach unten. Eine zisterziensische Kirchenlehrerin?
Petros Patrikios
Neben der großen hl. Hildegard gehört die hl. Gertrud die Grosse zu den erlauchtesten Gestalten der Familia Benediktina.
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