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Eugenia-Sarto

Kann die Gottesliebe im Menschen vermehrt werden?

Der heilige Thomas schreibt über die Gottesliebe:

Die Gottesliebe ist eine Art Freundschaft mit Gott, gründend auf der Mitteilung der ewigen Seligkeit. Das Gnadengeschenk Gottes ist ewiges Leben.
Deshalb übersteigt auch die Gottesliebe alles Vermögen der Natur. Sie ist eine Eingiessung des Heiligen Geistes.
Wenn es heisst, dass die Liebe in uns hervorgehe aus einem guten Herzen, aus einem reinen Gewissen und aus ungeheucheltem Glauben, so ist das zu verstehen von dem Akt der Gottesliebe, der durch die genannten Akte angeregt wird.
Dasselbe gilt von dem , was Augustinus sagt, dass die Furcht zur Gottesliebe führt und von dem, was die Glosse sagt zu Mt 1,2, dass der Glaube die Hoffnung und die Hoffnung die Gottesliebe zeuge.


Kann die Gottesliebe gemehrt werden?

Antwort: Die Gottesliebe kann gemehrt werden. Wir werden nämlich deshalb Pilger genannt, weil wir zu Gott unterwegs sind, der das letzte Ziel unserer Seligkeit ist. Auf diesem Wege kommen wir nun um so schneller voran, je mehr wir uns Gott nähern. Ihm aber kommt man nicht näher mit Schritten des Leibes, sondern mit dem Verlangen des Geistes.

Die Gottesliebe wird auch nach der Glut des Aktes bestimmt, je nachdem etwas mehr oder weniger geliebt wird. Und in dieser Weise wird die Kraft der Gottesliebe gemehrt.
Die Gottesliebe ist erhabener als die anderen Tugenden.

Die Gottesliebe wächst nicht sofort mit jedem Liebesakt, aber jeder Liebesakt bereitet auf das Wachstum der Liebe vor, sofern der Mensch durch jeden Akt der Gottesliebe bereiter wird, der Gottesliebe entsprechend zu handeln; indem die Bereitschaft wächst, bricht der Mensch aus in einen glutvolleren Liebesakt, der ihn dann zum Fortschritt in der Liebe weitertreibt; und so wird die Gottesliebe dann wirklich vermehrt.

Jeder Akt der Gottesliebe verdient das ewige Leben, nicht zwar sofort, sondern dass es zu seiner Zeit geschenkt werde. So verdient auch jeder Akt der Gottesliebe das Wachstum der Liebe; jedoch nicht so, dass sie sofort wächst, sondern wenn der Mensch sich anstrengt, in dieser Weise zu wachsen.


Quelle:Summa Theologica, Band 17 A