der Logos
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Solimões
vielen dank.
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"Der bösartige Mönch streute als Gerücht aus: Othmar habe eine Weibsperson geschändet. Dies wurde zur Klage erhoben, ein geistliches Gericht zu Konstanz über den Angeklagten versammelt und Othmar musste erscheinen. Die falsche Anklage wurde bezeugt von dem Elenden und der Unschuldige, erst durch das zudringliche Bitten seiner Freunde bewogen, sprach nichts zu seiner Rechtfertigung, als dieses: „…More
"Der bösartige Mönch streute als Gerücht aus: Othmar habe eine Weibsperson geschändet. Dies wurde zur Klage erhoben, ein geistliches Gericht zu Konstanz über den Angeklagten versammelt und Othmar musste erscheinen. Die falsche Anklage wurde bezeugt von dem Elenden und der Unschuldige, erst durch das zudringliche Bitten seiner Freunde bewogen, sprach nichts zu seiner Rechtfertigung, als dieses: „Ich bekenne, dass ich Gott vielfach beleidigt habe, aber nicht durch dieses Laster; dafür nehme ich Gott zum Zeugen.“ Der Unschuldige wurde verurteilt und gefangen gehalten. Mittlerweile ergriff Gottes Richterhand den Verleumder. Ein jähes Fieber befiel ihn, zog seinen Leib zusammen, dass er mit gekrümmten Leib nur die Erde, nimmer aber den Himmel anschauen konnte."
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Sankt Otmar

Ohne Sankt Otmar gäbe es kein St.Gallen. Die um 612 errichtete Eremitenzelle des irischen Glaubensboten Gallus stand ein Jahrhundert nach ihrer Gründung vor dem Zerfall. Die kleine Gemeinschaft, die noch am Grab des Heiligen ausharrte, drohte auszusterben. Da setzte um das Jahr 719 der Arboner Tribun Waltram den in Chur zum Priester ausgebildeten…More
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Sankt Otmar

Ohne Sankt Otmar gäbe es kein St.Gallen. Die um 612 errichtete Eremitenzelle des irischen Glaubensboten Gallus stand ein Jahrhundert nach ihrer Gründung vor dem Zerfall. Die kleine Gemeinschaft, die noch am Grab des Heiligen ausharrte, drohte auszusterben. Da setzte um das Jahr 719 der Arboner Tribun Waltram den in Chur zum Priester ausgebildeten Otmar als neuen Vorsteher der Galluszelle ein. Otmar war ein Alemanne und stammte wohl aus der Gegend zwischen Romanshorn und Arbon. Es gelang ihm, am Gallusgrab eine Klostergemeinschaft aufzubauen. Das hölzerne Bethaus der Galluszelle ersetzte er durch eine Steinkirche.

Zwischen 719 und 759, der Regierungszeit von Otmar, sind insgesamt 53 Klostereintritte verzeichnet. St.Gallen wuchs unter seinem Gründerabt schnell zu einem bedeutenden Kloster heran. Etliche Originaldokumente aus dem Stiftsarchiv St.Gallen erzählen von seinem Wirken, das in eine bewegte Zeit fiel. Im Jahr 746 unterwarfen die Franken Alemannien, was für das Kloster St.Gallen schon kurz nach seiner Gründung einen entscheidenden Einschnitt bedeutete. Otmar, der sich offenbar gegen die fränkische Bevormundung wehrte, wurde 759 gefangen genommen, in der Pfalz Bodman eingekerkert und zum Tod verurteilt, schließlich aber zu lebenslanger Haft auf der Insel Werd ›begnadigt‹. Dort starb Otmar, bereits kurz nach seiner Gefangensetzung, am 16. November 759.

Zehn Jahre nach seinem Tod wurde Otmars Leichnam nach St.Gallen überführt und dort zunächst in der Klosterkirche beigesetzt. Während der Bauzeit des karolingischen Münsters (Stiftskirche St.Gallen / St.Galler Klosterplan) wurden die Gebeine in die Peterskirche überführt. 864–867 ließ Abt Grimald (841–872) im Westen des Münsters eine eigene Otmarskirche errichten, in der die Reliquien des Heiligen am 24. September 867 feierlich niedergelegt wurden. Die Krypta dieser Kirche hat sich in der heutigen Kathedrale von St.Gallen auf der Westseite des Schiffs erhalten.