Schneider übt scharfe Kritik an der charismatischen Erneuerung
Das sagt Bischof Athanasius Schneider in seinem jüngst auf Deutsch vorgelegten Interviewbuch „Christus Vincit“. Das Werk ist kurzweilig geschrieben, enthält viele persönliche Dinge sowie Schilderungen der sowjetischen Untergrundkirche und lohnt sich auch als Weihnachtsgeschenk.
Schneider sieht den Pentekostalismus als eine neue Abspaltung des Christentums, wobei die Tugend der Religion mit Gefühl und Irrationalismus ersetzt wird: „Pentekostalismus endet in Subjektivismus und Willkür.“
Erfahrung und Gefühl würden zum Maß aller Dinge. Es mangle an Vernunft, an Wahrheit und an der notwendigen geschöpflichen Ehrfurcht vor der Majestät Gottes.
Schneider bedauert, dass diese Bewegung durch die sogenannte charismatische Erneuerung auch tief in die katholische Kirche eingedrungen ist: „Weder das Alte noch das Neue Testament, weder die Apostel noch die Kirchenväter billigten eine gefühlsbetont irrationale religiöse oder liturgische Praxis, in welcher Gefühle eine wesentliche Rolle spielen.“
Er weist darauf hin, dass an Pfingsten Maria und die Apostel nicht zu Boden fielen oder „im Geist ruhten“, wie es bei vielen Veranstaltungen der charismatischen Erneuerung in unseren Tagen geschieht. Sie praktizierten keine Zungenrede, die unverständliche, zusammenhanglose Worte hervorbrachte, sie weinten nicht, sie klatschten nicht in die Hände, sie sprangen nicht herum oder tanzten, wie es bei vielen katholischen charismatischen Veranstaltungen üblich ist.
Charismatiker arbeiteten mit Gesten und Gebeten, welche die Gefühle berühren: „Allerdings tun sie das auf eine exaltierte Weise, die der gesamten katholischen Überlieferung fremd ist“.
Dagegen spreche die katholische Überlieferung die Sinne in einer ausgewogenen Weise an, durch Schönheit so wie in der überlieferten Liturgie:
„Als diese den Menschen jedoch weggenommen wurden, vor allem in Lateinamerika, nutzten die charismatischen protestantischen Sekten dieses geistige Vakuum, vor allem, da die Menschen in Lateinamerika von ihrem Temperament her dazu neigen, in der Religion Emotion und Gefühl stark zu betonen.“