Predigt von Pfarrer Maximilian Pühringer zum Karfreitag 2022

Predigt Karfreitag, 15.4.2022
Perikopen: Jes 52,13-53,12 Hebr 4,14-16; 5,7-9
Joh 18,1-19,42
Liebe Brüder und Schwestern im gemeinsamen Glauben!
In Abschiedsworten liegen oft besonders tiefe Aussagen. Die vier Evangelisten haben die letzten Worte Jesu in den Leidensgeschichten unterschiedlich akzentuiert. Wir hören am Karfreitag immer die Johannespassion. Ich möchte heute jedoch die letzten Worte Jesu nach dem heiligen Lukas herausgreifen. Da sagt er: „Vater, in deine Hände lege ich meinen Geist.“ Jesus legt sein Leben in die Hände Gottes. Er hat sich nicht aufgegeben, er hat sich hineingegeben in Gottes Hände. „In deine Hände lege ich mein Leben!“ Passt das in unsere Zeit? Da hat ein anderes Wort Konjunktur, nämlich Emanzipation d.h. sich aus den Händen lösen, sich aus der Handhabe anderer befreien. Das ist auch wichtig, weil keiner über einen anderen Menschen verfügen darf. Keiner hat das Recht andere zu manipulieren. Der Mensch muss sich ein Stück weit emanzipieren. Aber was ist, wenn sich der Mensch von Gott emanzipieren will und sich seiner Hand entzieht? Das hat Folgen! Wenn Gott uns nicht mehr tragen darf, wer trägt uns dann? Dann müssen wir uns selber tragen und das derheben wir nicht, da überheben wir uns. Wir alle verdanken uns Gott. Wer das nicht weiß, der meint er müsse sich selbst erschaffen und produzieren. Das wird böse enden. Wer sich nur mehr sich selbst verdankt, wird in die größten Abhängigkeiten hineinkommen und unfrei werden. Jesus ist einen anderen Weg gegangen. Das zeigt er uns am Karfreitag. Er, der Sohn hat immer in tiefster Verbundenheit mit dem Vater gelebt. Das hat schon der Zwölfjährige im Tempel anklingen lassen: „Wusstet ihr nicht, dass ich in dem sein muss, was meinem Vater gehört?“ Und am ist am Ende dieses Wort, sein durchgehaltenes Wort: „Vater, in deine Hände lege ich meinen Geist.“ Wir können und sollen uns in Gottes Hände legen. Da müssen wir nur eines lernen, dass wir loslassen können, dass wir uns selber loslassen können.
Liebe Brüder und Schwestern! Karfreitag. Jesus stirbt, er stirbt in Gott hinein. Das ist Programm. Legen wir unser Leben immer und immer wieder in Gottes Hände. Tun wir das in diesem Leben, damit wir es auch einmal am Ende unseres Leben tun können: „Herr, auf dich vertraue ich, in deine Hände, lege ich mein Leben. Amen.