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Melchiades
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Die heilige Vorfastenzeit Teil III

Erstes Kapitel.

Das Geschichtliche der Vorfastenzeit.

Teil III

Im zwölften Jahrhundert sagte Peter von Blois über den zu seiner Zeit herrschenden
Brauch bezüglich des Beginns der Fasten :
„Alle Religiosen beginnen die Fasten mit den Sonntage Septuagesima,
die Griechen mit den Sonntage Sexagesima,
die Geistlichen mit dem Sonntage Quinquagesima,
und die ganze Heerschar der auf Erden streitenden Christenheit mit
dem darauf folgenden Mittwoch.“
Aus dieser Stelle kann man entnehmen,
dass die Weltgeistlichen noch einige Tage länger fastet,
als die einfachen Gläubigen.
Doch begann dasselbe nicht eigentlich am Sonntag,
sondern am Montage.
Das letztere erhellt aus einer dem zehnten Jahrhundert entstammenden
Lebensbeschreibung des heiligen Udalric (Ulrich) Bischof von Augsburg.

Das Concil von Clermont, 1095, auf welchem Urban II. Den Vorsitz führte,
enthält ein Dekret ,
in welchem der Clerus zur Abstinenz vom Fleische vom Sonntage Quinquagesima
an verpflichtet wurde.
Dieser Sonntag heißt demnach Dominica carnis privii ,
oder auch carnis privium sacerdotum ;
jedoch ist das immer so aufzufassen,
dass die eigentliche Fleischenthaltung erst mit dem folgenden Tag begann.
Eine ähnliche Übung finden wir in der griechischen Kirche
für die drei der Fastenzeit vorhergehenden Sonntage.
Noch im dreizehnten Jahrhundert wurde das so gehalten ;
denn ein Concil von Angers aus dieser Zeit bedroht noch die Priester mit Suspension,
welche das Fasten nicht am Montage,
nach Quinquagesima beginnen würden.

Nichtsdestoweniger begann dieser strengere Gebrauch kurze Zeit darauf einer milderen
Auffassung Platz zu machen :
und vom fünfzehnten Jahrhundert an finden wir,
dass die Weltgeistlichen,
und selbst die Mönche das Fasten gerade wie die übrigen Gläubigen
am Mittwoch nach Quinquagesima beginnen.

Die ursprüngliche Absicht bei all diesen verschiedenen Verrückungen des Fastenanfanges
läßt sich nicht verkennen.
Die Griechen stellen sich an, als ob sie daran Ärgernis nähmen,
dass die Lateiner nicht die vollen vierzig Tage fasten.
Ratramus in seiner Controverse gegen die Griechen machte daraus nicht das mindeste Hehl .
Die römische Kirche wollte diesem angeblichen Ärgernis
selbst den Vorwand entziehen,
und so stellte sich,
nach einigen Schwanken auf- und niederwärts die Übung fest,
dass man den ursprünglichen sechs und dreißig Tagen,
die vier letzten Tage der Woche Quinquagesima beizog.
Damit hatte man Alles hinweg geräumt,
was zu irgend einem Vorwande der Empfindlichkeit hätte dienen können,
und die römische Kirche fand sich daher nicht veranlaßt,
weitere Zugeständnisse zu machen und Gepflogenheiten anzunehmen,
welche in der Gewohnheit,
an Samstagen nicht zu fasten,

ihren ersten Grund hatten.

Eine kleine Bemerkung : Natürlich sind geschichtliche Vorgänge meistens staubtrocken. Und wer möchte sich, wenn es geht, nicht um sie herumdrücken ? Doch hier geht es gerade für uns einfachen Katholiken auch darum das Wissen zu erlangen, weshalb unser Fastenzeit ist, wie sie ist ; und welche, ja, Kämpfe ( im bildlichen Sinne) es gekostet hat, diese für alle Katholiken verbindlich einzuführen.