ውዳሴ ፡ ማርያም ፡ wǝddāse Māryām - Äthiopisches Marienlob

ውዳሴ ፡ በዐርብ ፡ Lobgesang am Vorabend (des Sabbat) Gebenedeit bist du unter den Weibern und gebenedeit die Frucht deines Leibes, o Jungfrau Maria, du …
Franz Graf
Ein beeindruckender Lobgesang, man ahnt, welch ein tiefer, schöner Glaube dem zugrunde liegen muß. Wo steht eigentlich die äthiopische Kirche, in der Beziehung zur hl katholischen Kirche? Sind diese Kirchen in Gemeinschaft, oder besteht hierbei ebenfalls der Zustand, einer gegenseitigen Exkommunikation, wie mit der orthodoxen, byzantinischen Kirche? (Was ich sehr bedauern würde)
Oenipontanus
@Franz Graf
Es gibt sowohl mit Rom unierte als auch nicht-unierte äthiopische Christen, wobei von den Unierten der eine Teil die römische Liturgie pflegt, der andere die traditionelle äthiopische Liturgie.More
@Franz Graf

Es gibt sowohl mit Rom unierte als auch nicht-unierte äthiopische Christen, wobei von den Unierten der eine Teil die römische Liturgie pflegt, der andere die traditionelle äthiopische Liturgie.
Franz Graf
In der alten Kirche galten doch auch viele Ostkirchen als Teilkirchen und waren in einer losen Gemeinschaft mit Rom und dennoch weitgehend eigenständig. Hatte der Papst damals nicht tatsächlich einen sogenannten Ehrenprimat? Kann es sein, das es sich mit den nichtunierten äthiopischen Christen heute ähnlich verhält? Ich Frage, weil mir (ich habe hierzu selbst keinerlei Einblick) überhaupt nicht …More
In der alten Kirche galten doch auch viele Ostkirchen als Teilkirchen und waren in einer losen Gemeinschaft mit Rom und dennoch weitgehend eigenständig. Hatte der Papst damals nicht tatsächlich einen sogenannten Ehrenprimat? Kann es sein, das es sich mit den nichtunierten äthiopischen Christen heute ähnlich verhält? Ich Frage, weil mir (ich habe hierzu selbst keinerlei Einblick) überhaupt nicht bekannt ist, das sich die äthiopische Kirche, irgendwann in der Vergangenheit, von der katholischen Kirche getrennt hätte, oder das es zwischen den Kirchen, irgendwann zu einer gegenseitigen Exkommunikation gekommen ist, vergleichbar mit der byzantinischen Orthodoxie. Es würde mich persönlich sehr interessieren. Vielleicht wissen sie dazu mehr, als ich selbst.
Oenipontanus
@Franz Graf
Damit Sie sich eine erste Vorstellung vom Glauben der nicht-unierten äthiopischen Kirche machen können, habe ich für Sie den ersten Teil des Glaubensbekenntnisses von Kaiser ገላውዴዎስ (Gälāwdewos; lateinisch: Claudius), dessen Thronname አጽናፍ ሰገድ (ʾAṣnāf Sägäd) war und der von 1540 bis 1559 als ንጉሠ ነገሥት (nǝgusä nägäst), d. h. „König der Könige“, in Äthiopien regierte, in der lateinischen …More
@Franz Graf

Damit Sie sich eine erste Vorstellung vom Glauben der nicht-unierten äthiopischen Kirche machen können, habe ich für Sie den ersten Teil des Glaubensbekenntnisses von Kaiser ገላውዴዎስ (Gälāwdewos; lateinisch: Claudius), dessen Thronname አጽናፍ ሰገድ (ʾAṣnāf Sägäd) war und der von 1540 bis 1559 als ንጉሠ ነገሥት (nǝgusä nägäst), d. h. „König der Könige“, in Äthiopien regierte, in der lateinischen Übersetzung von Hiob Ludolf aus dem Jahr 1702 abgetippt. Das liturgische Glaubensbekenntnis der äthiopischen Kirche war aber, soweit ich weiß, seit jeher das Nicänum.

In nomine Patris et Filii et Spiritus Sancti, unici Dei.
Haec est fides mea et fides Patrum meorum, Regum Israeliticorum et fides gregis mei, qui est in septis Regni mei:
Nos credimus in unum Deum et in Filium eius unicum Jesum Christum, qui est Verbum eius et potentia eius, consilium eius et sapientia eius, qui fuit cum eo antequam crearetur mundus. In ultimis vero diebus venit ad nos, non tamen ut decederet throno divinitatis suae. Et homo factus est ex Spiritu Sancto et ex Maria sancta virgine. Et baptizatus fuit in Jordane trigesimo anno et factus est homo perfectus. Et suspensus est in ligno crucis in diebus Pontii Pilati, passus, mortuus et sepultus est, et resurrexit tertia die. Et deinde quadragesima die ascendit cum gloria in coelos et sedet ad dexteram Patris sui. Et iterum veniet cum gloria, iudicaturus vivos et mortuos et non erit finis regno eius. Et credimus in Spiritum Sanctum, Dominum vivificantem, qui processit a Patre. Et credimus in unum baptismum ad remissionem peccatorum. Et speramus resurrectionem mortuorum ad vitam venturam in aeternum. Amen.

Quellenangabe: Confessio fidei Claudii Regis Aethiopiae. Halae Magdeburgensis: Typis et sumtibus Orphanotrophii, 1702, S. 7-8.
Franz Graf
Vielen Dank, sehr interessant. Im Prinzip bezeugt dieses Credo, das mir völlig unbekannt war, mit etwas anderen Worten, den selben apostolischen Glauben, wie unser Credo. Was ich jetzt nicht erkennen konnte, wie diese Kirche es mit den filioque sieht. Oder habe ich hierzu etwas übersehen?
Oenipontanus
@Franz Graf
Die traditionelle äthiopische Kirche gehört zu den "monophysitischen" Kirchen, d. h. zu denen, die das Konzil von Chalkedon nicht angenommen haben. Von den späteren Streitigkeiten zwischen Griechen und Römern bezüglich des "filioque" haben die Äthiopier mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit gar nichts mitbekommen.
Ischa Ischa Ischa
@Oenipontanus: vielen Dank, ein sehr schöner Text. Weiß man denn in etwa, wann er aufgeschrieben wurde (im Unterschied zu: wann entstanden... wegen der reinen Mündlichkeit...)?
Oenipontanus
@Ischa Ischa Ischa
Das ist eine schwierige Frage, da keine der bekannten Handschriften über das 14. Jahrhundert zurückreichen dürfte (Nota bene: Äthiopische Handschriften sind notorisch schwer zu datieren!), wir aber nicht wissen ob und wann zum ersten Mal der Text niedergeschrieben wurde.
Was wir aber wissen ist, dass die abessinische Tradition als Verfasser des "Weddase Maryam" Simon von Geshir …More
@Ischa Ischa Ischa
Das ist eine schwierige Frage, da keine der bekannten Handschriften über das 14. Jahrhundert zurückreichen dürfte (Nota bene: Äthiopische Handschriften sind notorisch schwer zu datieren!), wir aber nicht wissen ob und wann zum ersten Mal der Text niedergeschrieben wurde.
Was wir aber wissen ist, dass die abessinische Tradition als Verfasser des "Weddase Maryam" Simon von Geshir, auch Simon der Töpfer genannt, nennt, der ein Zeitgenosse des Jakob von Sarug war und folglich zeitlich ungefähr im frühen 6. Jahrhundert zu verorten ist. Ein Aramäer also! 😇 Hw. Sebastian Euringer, der größte katholische Äthiopist des 20. Jahrhunderts, hat zumindest die Möglichkeit zugestanden, dass diese Zuschreibung richtig ist. Ich für meinen Teil denke sowieso, dass man alte - mündliche oder schriftliche - Überlieferungen ernstnehmen und nicht a priori als "Legende" oder Ähnliches abtun sollte.
Ischa Ischa Ischa
@Oenipontanus vielen herzlichen Dank, lieber Oenipontanus 😉