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Predigt von Pfarrer Maximilian Pühringer zur Hirtenmesse am Weihnachtstag, 25.12.2020

Predigt Weihnachtstag-Hirtenmesse, 25.12.2020
Perikopen: Tit 3,4-7 Lk 2,15-20
Liebe Brüder und Schwestern im gemeinsamen Glauben!
„Auf lasst uns nach Betlehem hinübergehen,“ oder lateinisch „transeamus usque Betlehem,“ wie es musikalisch ergreifend vertont wurde. Dieses Wort der Hirten, die als Erste zur Krippe gekommen sind, sagt uns was Weihnachten bedeutet. Es ist die Einladung, dass wir aufbrechen und selber Hirte werden, dass wir heute die Stimme des Engels hören, der uns verkündet: „Heute ist euch in der Stadt Davids der Retter geworden. Er ist der Messias der Herr.“ Weihnachten ist nicht nur ein historisches Ereignis vor 2000 Jahren mit dem Anlass zur nostalgischen Erinnerung. Weihnachten ist heute, es ist stets ein neues, ein aktuelles Ereignis. So wollen wir heute den Weg mit den Hirten mitgehen. Wir wollen darauf schauen, was denn das für ein Weg war, den sie gegangen sind. Wenn wir diesen Weg gehen, kommen wir zu Christus, unserem Erlöser und Heiland. Von ihm können wir leben. Denn er, der in der Krippe liegt, wo sonst Ochs und Esel fressen, wird dann von sich selber sagen: „Ich bin das Brot des Lebens, wer von mir isst, wird nie mehr hungern.“ Bedenken wir den Weg der Hirten. Erstens: Der Weg der Hirten ist der Weg ganz großer Einfachheit. Die Hirten lagerten auf freien Feld, hatten kein Dach über dem Kopf. Sie waren ohne Haus, unbehaust, so wie Maria und Josef in dieser Nacht. Gleiches findet mit Gleichem zusammen. Die vornehmen Menschen in den Palästen und Häusern Jerusalems waren eingeschlossen, nicht in der Einfachheit, sondern in der Komplexität und Kompliziertheit ihres Lebens. Das Leben wird einfach kompliziert, wenn man sich in sich selber verschließt. „Vereinfache, entkompliziere dein Leben,“ ist die Botschaft ihres einfachen Weges, die wir in dieser Zeit der Pandemie dringend brauchen können. Eine britische Schriftstellerin sagt in einem fiktiven Gespräch mit den Weisen aus den Morgenland, die ja später kommen, folgendes: „Ihr seid zu spät gekommen, genau, wie ich. Die Hirten waren schon vor euch da, und sogar die Tiere. Sie waren mit dem Chor der Engel schon versammelt, als ihr euch noch gar nicht auf den Weg gemacht hattet. Euretwegen musste sogar die strenge Ordnung des Himmels etwas gelockert werden. Ihr lieben Vettern, bittet für mich, bittet für die Großen dieser Welt, bittet für die Gelehrten und heiklen Seelen, dass sie beim Throne Gottes nicht ganz vergessen seien, wenn die Einfältigen einziehen in ihr Reich.“ Es klingt das an, was der Herr dann verkünden wird. Das ist das Geheimnis der Hirten. Jene, die sich ihrer Einfachheit bewusst sind, haben die größte Chance im Reich Gottes. Von heiklen Seelen ist auch die Rede. Heikle Seelen, gemeint sind schwierige Seelen, solche die schwer zufrieden zu stellen sind. Ein wenig heikel sind wir schon geworden. Die Einfachheit ist das beste Gegenmittel. Wir haben die Bitte und das Beispiel der Hirten wohl alle notwendig. Zweitens: Der Weg der Hirten ist der Weg des Wachseins. „Sie hielten Nachtwache bei ihrer Herde,“ heißt es. Sie waren wach. Es muss diese Fähigkeit des Wachseins in uns bleiben, die Fähigkeit wahrzunehmen, dass es eine Wirklichkeit gibt, die über unsere Welt hinausgeht, die Fähigkeit sich von Gott ansprechen zu lassen. „Weck die tote Christenheit aus dem Schlaf der Sicherheit,“ heißt es in einem Kirchenlied. So dürfen wir uns im Blick auf die Hirten ein paar Gewissenfragen stellen: Sind wir wach? Sind wir frei? Sind wir beweglich? Sind wir nicht alle erkrankt an Snobismus, Besserwisserei und Skepsis? Es gehört ja zum guten Ton es heute einfach immer besser zu wissen. Können Menschen die Stimme des Engels überhaupt vernehmen, die ja von vornherein nicht mit ihm rechnen? Immer mehr wird mir bewusst, dass der Tod der Demut das Grundproblem der Glaubensunfähigkeit im Menschen ist. Und mir wird dann noch bewusst, wieso der heilige Augustinus den Kern des Christusgeheimnisses mit Demut erklärt hat. Das ist Weihnachten, Demut Gottes, demütige Herablassung Gottes, ein zu uns herunter gekommener Gott. Unser Herz ist oft nicht wach. Es ist so vollgestopft und so betäubt mit dem Vielerlei dieser Welt und nicht mit dem, was uns an ewigen Gütern erwartet. Und da möchte ich noch eine Art Wortspiel aus dem Jakobusbrief einbringen. Er geht zunächst hart in Gericht mit den heiklen Seelen und sagt: „Ihr habt eure Herzen gefüttert.“ Und dann wendet er sich an die Einfachen und sagt ihnen: „Stärkt euer Herz!“ Das ist der Unterschied. Das Herz füttern macht es taub für Gott. Das Herz stärken lässt es offen sein für Gott. Was machen wir zu Weihnachten füttern wir das Herz und werden müde, oder stärken wir das Herz und gehen wir mit den Hirten den Weg des Wachseins? Drittens: Der Weg der Hirten ist der Weg der Eile. Die Hirten eilen zur Krippe. Die Eile kommt in der Bibel mehrmals vor. Maria eilte zu Elisabeth, die Jünger eilen zu Ostern zum leeren Grab. Die Liebe kennt immer Eile. Diese Eile hat jedoch nichts mit der menschlichen Hektik eines vollen Terminkalenders zu tun. Es ist die Freude einer tiefen Begegnung, des Begegnen-Wollens, die dem Menschen hier Flügel gibt. Der heilige Ambrosius sagt es sehr schön: „Die Gnade des Heiligen Geistes kennt keine hemmenden Bleigewichte.“ Diese Eile bedeutet, dass alles, was uns schwermacht, oder wo wir selber es uns schwermachen, verschwindet. Sie bedeutet, dass wir auf den Schwingen tiefer, innerlicher, christlicher Freude gehen lernen. Diese Eile kommt nicht aus der Hast, sondern aus dem Verschwinden der Hast. Sie kommt aus der Leichtigkeit des Herzens. Chesterson hat einmal gesagt: „Die Engel können fliegen, weil sie sich leicht nehmen.“ Und Richard Dehmel sagt: „Nichts ist schwer, sind wir nur leicht.“ Und vom heiligen Papst Johannes XXIII. stammt seine persönliche Erfahrung, die ihn sagen ließ: „Alles wird leicht, wenn wir uns von uns selbst trennen, wenn wir uns loslassen.“ Loslassen, darum ginge es, wenn wir das Schwergewicht nicht mehr auf uns setzen, sondern auf jenen Gott, den das Schwergewicht der Liebe auf unsere Welt gezogen hat. Setzen wir auf Gott, sind wir eilig unterwegs, wenn es um ihn geht? Es geht im Christentum um Gott und alles, was mit ihm zu tun hat. Können wir ihm irgendeinen Bereich unseres Lebens vorenthalten?
Liebe Brüder und Schwestern!
„Auf lasst uns nach Betlehem hinübergehen-transeamus usque Betlehem.“ Machen wir uns diese Worte der Hirten zu eigen. Sind wir gut unterwegs auf dem Weg der Einfachheit und des Wachseins, und sind wir vor allem eilig unterwegs. Bitten wir den Herrn, dass er uns hilft auf unserem Weg und er uns so glückselige Weihnachten schenken möge. Amen.
RupertvonSalzburg
Ich wünsche allen Mitusern ein gnadenreiches Weihnachtsfest!