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Predigt von Pfarrer Maximilian Pühringer zum heutigen Sonntag, 26.9.2021

Predigt 26. Sonntag im Jahreskreis, 26.9.2021
Perikopen: Num 11,25-29 Mk 9,38-43.45.47-48
Liebe Brüder und Schwestern im gemeinsamen Glauben!
Mitunter hört man beim Tod eines Menschen die Aussage, dass sein Geist weiterlebt. Gemeint ist, dass das, was einem Menschen wichtig war, die tiefen Haltungen und Prägungen präsent bleiben. Sein Geist wirkt unter uns. Im Abschnitt aus dem Buch Deuteronomium haben wir gehört vom Geist des Moses. Er möchte seinen Geist nicht für sich behalten, er möchte ihn schon zu Lebzeiten weitergeben, zuerst an die siebzig Ältesten und dann an zwei junge Männer namens Eldad und Medad. Den Geist weitergeben, den Geist Gottes, den Geist JHWHs weitergeben, darum geht es Mose. Auch wir können etwas von diesem Geist Gottes weitergeben, gerade im Blick auf Mose. Aber wie? Erstens: Sich nicht gegen den Geist wehren. Mose wehrt sich nicht, den Geist Gottes weiterzugeben. Er will an andere weitergeben, und nicht für sich behalten. Das ist die Haltung Gottes, die dem Mose scheinbar in Fleisch und Blut übergegangen ist, das Weitergeben, das Schenken, das Sich-Verschenken, das Sich-Hergeben, das Sich-Hingeben. Mose kann das. Er denkt an die anderen. Sein Nachfolger Josua tut sich da schon schwerer. Es gefällt ihm nicht, dass andere von diesem Geist ergriffen sind. Er sagt sogar: „Hindere die Menschen in ihrer Geistergriffenheit.“ Es stellen sich hier für mich zwei Fragen: Will ich wirklich von diesem Geist Gottes ergriffen sein? Und will ich diesen Geist auch andere weitergeben? Religiöse Kindererziehung, die freilich in unserer Zeit, der das Selbstverständliche fehlt, nicht leicht ist, fällt in diesen Bereich, wie vieles andere. Mose hat den Geist empfangen, um ihn weiterzugeben. Wir Christen empfangen immer, um weiter zu geben. Das muss in unser Herz hinein. Freilich unsere von der Erbschuld belastete Natur ist anders gepolt. „Haben wollen…auch haben wollen …mehr haben wollen,“ sind Wörter die Kinder oft sehr früh beherrschen, und das kann sich dann durch das ganze Leben ziehen. Zweitens: Dem Geist verbunden bleiben. In der Biographie des Moses finden sich auch so manche Brüche. In Ägypten hat er damals aus Zorn sogar einen Menschen erschlagen. Immer wieder hat er auch mit seinem göttlichen Auftrag gehadert. In allem ist er doch dem Geist Gottes verbunden geblieben. Das Gelingen unseres Lebens hängt immer auch vom Maß unserer Gottverbundenheit ab. Ich muss hier immer an das Wort Jesu denken: „Getrennt von mir könnt ihr nichts vollbringen.“ Sind wir ehrlich, was bleibt übrig, wenn Gott nicht mehr da ist, wenn jede Rückbindung an Gott fehlt? Wahrlich nicht viel? Was ist der Mensch ohne Gott? Nichts, gar nichts. Er hat kein Woher, kein Wohin und kein Wozu des Lebens. Er hat sich nach Karl Rahner zu einem „findigen Tier zurückgekreuzt.“ „So wahr mir Gott helfe,“ lautet eine Formel, die auch in der Politik verwendet wird. Hoffentlich stimmt sie, hoffentlich ist wirklich der Gedanke dabei, dass alles von der Hilfe Gottes abhängt. „Unsere Hilfe ist im Namen des Herrn, der Himmel und Erde erschaffen hat,“ heißt es in den Psalmen. Man kann viel nachdenken, wie gottverbunden die Welt ist, wie geistverbunden ich selber bin. Drittens: Aus dem Geist heraus leben und reden. Es war davon die Rede, dass jene, denen Mose den Geist weiterschenkte, prophetisch redeten. Und dann hat Mose noch den Wunsch geäußert: „Wenn doch das ganze Volk zu Propheten würde.“ Wir haben oft so falsche Vorstellungen von einem Propheten, die in Richtung Zukunftsvorhersager und Magie laufen. Die Bibel meint mit Propheten einen Menschen, der versucht von Gott her die Vorgänge um sich zu deuten und zu analysieren. Es ist ein Hausverstand, der vom Glauben erleuchtet ist, und der das eine oder andere in Worte fasst. Ein Prophet braucht einen gewissen Mut. Er legt den Finger in manche Wunden. Er bleibt realistisch an Gott und der Welt dran. Ein wenig prophetisch können wir alle sein mit den Fragen: Wo geht unsere Welt hin? Wo geht mein Leben hin? Mit diesen Fragen sollen wir uns beschäftigen und immer wieder kleinere und größere Antworten finden, und dadurch nehmen wir Verantwortung war. Wir müssen unser Leben einmal vor Gott verantworten. Kein Mensch kommt Gott aus.
Liebe Brüder und Schwestern!
Schön, dass Mose seinen Geist, den Geist Gottes weitergegeben hat. Das spornt uns an, uns nicht gegen den Geist zu wehren, dem Geist verbunden zu bleiben, und aus dem Geist heraus zu leben und zu reden.