M.RAPHAEL
559

Versklavt durch den eigenen Körper?

Heute wird gerne die Lieblosigkeit und Kälte der katholischen Kirche beklagt, weil sie so „unbarmherzig“ und verständnislos gegenüber der sexuellen Liebe sei. Sensible Männer und Frauen behaupten, dass sie ihre sexuelle Lust in einem sehr humanen und rücksichtsvollen Bewusstsein ausleben, für den jeder liebende Mensch doch Verständnis haben müsste. Sie würden ja niemandem weh tun, wenn alles mit gegenseitigem Einverständnis geschieht. Dann muss doch auch der liebe Jesus für eine solche „zärtliche“ Mitmenschlichkeit Verständnis haben.

Vor allem darf niemals vergessen werden, dass es ja der Körper ist, der einem die sexuellen Triebe geradezu aufzwingt. Man sei also gar nicht verantwortlich. Man darf diese schöne Lebensentfaltung nicht verneinen, man muss mit ihr liebevoll umgehen, indem man sich ihr, humanistisch und künstlerisch aufgewertet und ausgedeutet, hingibt.

Nur allzu gerne übernehmen die Konzilspfeifen diese Denke. Indem sie die Unkeuschheit, Unzucht und Perversion segnen, hoffen sie, ihre Kirchenpfründe zu retten. Sie klammern sich an jeden Strohhalm. In den Katakomben der Wahrheit gibt es keine schweren Limousinen, weder guten Rotwein noch delikaten Schweinebraten mit Tunke. Außerdem ist man meistens selber weder keusch noch normal. Also wollen sie nur noch lieb sein.

Aber stimmt diese humanistische Denke der einfühlsamen Vögelfreiheit? Nein. Vor meiner Erweckung hat mich der Herr angewiesen, im Fleischmarkt unterwegs zu sein, um das kennenzulernen, was in der gesamten Popmusik ständig verherrlicht wird. Die Schenkel der Moderatorinnen im Frühstücksfernsehen sprechen Bände. Im Leben geht es immer nur um Sex. Mit einer Freundin lag ich im Bett, während eine andere an meine Tür geklopft hat und in mein Bett wollte. Kein Witz.

Es war keine Liebe. Es war Lust. Es war Einsamkeit, Verlorenheit und Sinnlosigkeit. Es war der Versuch, vor der Wut eines Nichts zu fliehen, das einen immer verfolgt hat. Nur durch noch schnelleres Ausleben der fleischlichen Gier konnte man hoffen, oben auf der Welle der absoluten Verneinung zu reiten und nicht in sie hinein zu geraten und durch sie zerschlagen zu werden. Die Angst vor den billigen Keks vom Diskounter, wo die Türken einkauften, war immer gegenwärtig.

So war es vor allem immer noch etwas anderes. Es war Hochmut. Es war ein Aufbegehren gegen Gott, gegen den Dienst in Seiner Schöpfungsordnung. Wir alle können uns an die Schule erinnern. Wer waren die geilen und coolen in der Religionsstunde? Es waren die Frechen. Es waren die Hochmütigen. Die Frommen und Bescheidenen, die Nachdenklichen und wirklich Einfühlsamen hatten keinen Sex. Die gottlosen Superschlauen hatten ihn. Sie lachten den Religionslehrer aus; wir Hörenden, die, die keinen Sex hatten, nicht. Sie waren die Chefs, die Schlauberger, wir waren die doofen Versager. Das ist noch heute so, nicht wahr.

Das hat sich nie geändert. Bei meiner Jagd im Fleischmarkt habe ich seine grundlegenden Gesetze ausgiebig kennengelernt. Jeder liebe Kerl hat keinen Sex. Nur der Killer hat guten Sex. Nur mit dem gehen die Frauen gerne und geil ins Bett. Mit dem lieben, verständnisvollen und einfühlsamen Mann tun sie das nicht. Wenn überhaupt, dann nur als eine Art Opfer, als eine Art Pflegedienst im Sinne einer Krankenschwester, die Mitleid mit einem Versager hat. All das gilt auch für homosexuelle Beziehungen. Da wird die Lusche nur zum abhängigen Haustier herabgestuft, bevor man auf die Jagd nach Frischfleisch geht.

Gottlose Sexualität, Unkeuschheit, Unzucht und Perversion leben und nähren sich immer nur aus dem Hochmut. Nur gottlose Chefs haben Sex, leben in perversen Partnerschaften der „einfühlsamen Liebe“, die die, weil meistens selbst perversen, Konzilspfeifen so gerne segnen wollen. Es geht nicht um Liebe, vor allem nicht um die sich selbst aufopfernde Liebe des Herrn. Es geht immer nur um Gier und um Selbstverwirklichung.

So ist die anthropozentrische Menschheit (die Schenkel der Fernsehfrühstückstanten; die Hoffnung auf einen baldigen Blick ganz nach oben steigert die Einschaltzahlen). Das aber ist nicht Gott. Das ist das Fleisch, das in die Hölle geht.

“My body made me do it”, mein Körper/meine Gene haben mir keine Wahl gelassen, ist eine der größten Lügen, die es gibt. Der Körper ist ein Sklave des Geistes, nicht umgekehrt. Sonst gäbe es keine Schuld mehr. Alle Kriterien der Menschlichkeit wären ausgehebelt. Jeder kontemplative Mönch weiß das, erlebt das jeden Tag. Nicht nur der. Ich bin auch Rennruderer. Wie haben wir unseren Körper geknechtet, um ihn unserem Ziel des Siegens zu unterwerfen!!! Da wird nicht gebumst. Da wird gerudert. Es hat funktioniert. Unsere Entschiedenheit unterjocht unsern Körper. Er gehorcht aufs Blut. Das stimmt.

Nur modernistische Teufel behaupten das Gegenteil. Sie sind Lüge. Sie sind Privation. Sie sind Gespenster. Sie gehen in die Hölle.

Tanzt mit Raphael.