Predigt von Pfarrer Maximilian Pühringer zum heutigen Sonntag, 19.6.2022

Predigt 12. Sonntag im Jahreskreis, 19.6.2022
Perikopen: Gal 3,26-29 Lk 9,18-24
Liebe Brüder und Schwestern im gemeinsamen Glauben!
Was macht der Glaube an Christus aus uns Menschen? Der Apostel Paulus hat uns in der Lesung im Brief an die Galater Antwort gegeben. Durch den Glauben wird man Sohn, Tochter, Kind Gottes. Man kann nur dann Kind Gottes werden, wenn man in Gemeinschaft mit Gott, mit Christus ist. Dreierlei Arten von Gemeinschaften sind es, in die wir uns immer wieder hinein begeben sollen. Erstens: Gebetsgemeinschaft. Jesus hat selber viel gebetet. Er hat sich nach dem Zeugnis der Heiligen Schrift oft zurückgezogen und die Gemeinschaft mit seinem Vater gesucht. Er hat Gesprächs-, Austausch- und Redegemeinschaft mit dem Vater gesucht. Das müssen auch wir tun, im Gespräch mit dem Vater bleiben. Kinder erlernen bei den Eltern das Sprechen, nach und nach, Wort für Wort bis sich auf einmal ganze Sätze und Sinnzusammenhänge auftun. Kinder Gottes lernen die Sprache des Glaubens im Gebet, im Reden mit ihm. Da eröffnet sich der Sinn des Lebens. Ein regelmäßig betender Mensch wird irgendwann einmal spüren, dass er ohne Gott gar nicht kann und will. Wir müssen heute sicher wieder mehr beten. Es gibt viele Möglichkeiten. Ich möchte einmal sehr die 150 Psalmen aus dem Alten Testament empfehlen. Es sind Lieder, die vom Leben reden, vom ganzen Leben des Menschen. In ihnen finden wir unser Leben. Zweitens: Lerngemeinschaft. Das waren die Jünger Jesu. Stufenweise, im Mitgehen haben sie ihn erkannt. Da war zuerst der sogenannte galiläische Frühling, in dem sie die Zeichen, Wunder und Verheißungen Jesu erlebten und voller Begeisterung waren. Das Ende dieses Frühlings markiert das heutige Evangelium, als Petrus Christus als Messias bekennt. Doch dann kommt der Umbruch. Jesus sagt den Jüngern sein Leiden voraus. Die Jünger müssen lernen, dass es ein anderer Messias ist. Viel müssen sie lernen die Jünger, auch noch nach Ostern. Und auch wir müssen bereitsein zum Lernen von Jesu, müssen zugeben, dass wir als Menschen und Christen wohl noch viel zu lernen haben. Lernen heißt Mitgehen mit ihm. „Lernt von mir,“ einmal hat Jesus dieses Wort gesagt. Es bedeutet nichts anderes: „Als geht mit mir, seid bei mir, schaut auf mich.“ Freilich, Lernen verlangt eines: Man muss zugeben, dass man nicht alles weiß und da tut sich er heutige Mensch, der immer alles besser weiß, schwer. Lernen müssen wir auf die Frage Jesu zu antworten: „Ihr aber, für wen haltet ihr mich?“ Damit wir nicht bei dem stehen bleiben, was die Menschen ebenso von ihm denken und halten. Drittens: Lebensgemeinschaft. „Wer mir nachfolgen will, der nehme täglich sein Kreuz auf sich, und folge mir nach,“ sagt Jesus. Täglich, nicht hin und wieder, wenn es dich gerade freut, sondern täglich. Man spürt aus diesen Worten, dass es um einen echten und tiefen Lebenszusammenhang geht. „Wer mir nachfolgen will, nehme täglich sein Kreuz auf sich.“ Der heilige Pfarrer von Ars, einer der ganz Großen vor Gott, hat dieses Wort Jesu einmal in folgenden Satz hinein übersetzt: „Ein Herz in der Nähe Gottes ist wie eine Traube unter dem Himmel.“ Ein Priester hat sich einmal mit jungen Menschen über diesen Satz unterhalten und sie gebeten, was er für sie ausdrückt. Jemand antwortete: „Eine Traube, die guten Wein geben soll, muss viel Sonne zu trinken bekommen.“ Dazu sind wir auf Erden, dazu sollen wir Lebensgemeinschaft mit Jesus haben: Viel Sonne Christi trinken, Sonne des rechten Menschseins und Christseins und Frucht bringen in Geduld. Oder wie es Jesus einmal gesagt: „Ich habe euch erwählt, dass ihr hingeht und Frucht bringt, und eure Frucht bleibt.“ Wir müssen unser Leben unter das Gesetz der Fruchtbarkeit stellen. Lebensgemeinschaft mit Jesus ist fruchtbar.
Liebe Brüder und Schwestern!
Kind Gottes wird man, wenn man Gemeinschaft mit ihm hat: Gebetsgemeinschaft. Lerngemeinschaft und Lebensgemeinschaft. Suchen wir diese Gemeinschaft mit ihm, damit wir nicht nur Kinder Gottes heißen, sondern es auch wahrhaftig sind. Amen.