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Predigt von Pfarrer Maximilian Pühringer zum heutigen Sonntag, 22.8.2021

Predigt 21. Sonntag im Jahreskreis, 22.8.2021
Perikopen: Jos 24,1-2a.15-17.18b Joh 6,60-69
Liebe Brüder und Schwestern im gemeinsamen Glauben!
Wieder haben wir einen Abschnitt aus dem Alten Testament, den wir in der Lesung gehört haben. Josua, der Nachfolger des Moses, der die Menschen ins Gelobte Land geführt hat, versammelt das Volk, um sie nach ihrem Glauben an Gott zu fragen: „Bleibt ihr bei eurem Glauben an Gott, oder wendet ihr euch anderen Göttern zu?“ Die Menschen sagen: „Wir bleiben bei unserem Gott, schließlich hat er uns aus Ägypten befreit und uns neue Heimat geschenkt.“ Diese kurze Erzählung lädt uns ein, ganz einfach über unseren persönlichen Glauben nachzudenken. Erstens: Der Glaube ist nichts Selbstverständliches. Der Glaube ist immer die ganz persönliche Frage an jeden einzelnen Menschen: „Glaubst du an mich?“ Es ist die Herzensfrage an uns. Und der Glaube ist immer eine Herzenssache. Das spielt sich ganz tief im Inneren, in mir ab. Es geht um die Lebensfrage in seiner Ganzheit: Wem folge ich? Wem diene ich? Für wen gehe ich? Was mache ich zur bestimmenden Leitlinie meines Lebens? Es kann nicht darum gehen, dass sich Gott um uns und unsere Welt zu drehen hat, sondern, dass sich mein Leben und unsere Welt um Gott zu drehen hat. Es darf bei der Gottesfrage um kein Lippenbekenntnis gehen. Wir verdanken uns Gott. Letztlich hängt mit der Gottesfrage sehr viel zusammen. Von Kardinal Joachim Meisner stammt folgender Satz: „Die deutsche Gottvergessenheit zeigt sich heute in der geschwundenen Menschlichkeit in unserem Land. Nur ein gläubiger Mensch wird auf Dauer ein friedfertiger Zeitgenosse bleiben. Wem Gott nicht mehr heilig ist, was soll dem noch heilig sein?“ Der Glaube ist nicht selbstverständlich. Wie Josua den Menschen die Frage nach ihrem Glauben stellte, so müssen wir uns diese Frage ins Herz sprechen lassen. Zweitens: Der Glaube braucht eine überzeugte Entscheidung. Josua drängt die Menschen auf eine Entscheidung. Für ihn ist es klar. Aber er spürt, dass die Menschen sehr sprunghaft und unverbindlich sind. Man hält sich alle Optionen offen, da man ja nie so wirklich weiß. So denken und leben heute viele Menschen. Es braucht eine Entscheidung, da hilft alles nichts. Das Meiste im Leben wissen wir im Vorhinein nicht. Wir wissen nie zweifelsfrei, ob eine Ausbildung, ein Arbeitsplatz, der Partner, das Klosterleben, der Wohnsitz, die Geldanlage das Richtige ist. Wir müssen uns trotzdem entscheiden. Das Leben wird eine Antwort geben, für die wir offen sein müssen. Es braucht hier diese Vertrauenshaltung, auch in die Unbegreiflichkeit Gottes. Denn Glauben ist nichts anderes, als die Unbegreiflichkeit Gottes ein Leben lang auszuhalten. Wichtig ist, dass wir uns im Glauben und für den Glauben entscheiden. Drittens: Glaube braucht Gemeinschaft. Josua versammelt das Volk, die Glaubensgemeinschaft. Das Volk Israel hat seine Identität sehr von Gott her gesehen, von dem sie sich freilich immer wieder auch entfernt haben. Aber sie haben sich doch sehr als Gemeinschaft von Gott her verstanden. Unsere Glaubensgemeinschaft ist die Kirche. Sie ist immer so stark bzw. so schwach, wie ihre Glieder sind. Ohne diese Gemeinschaft, mit allen Schwächen, die es in ihr gibt, würde unserem Glauben das Verbindende und Gemeinsame fehlen. Wir würden allein auf uns gestellt sein und in einer Art Einzelkämpfertum aufgehen. Wir brauchen neu das Bewusstsein, dass wir eine Glaubensgemeinschaft sind. Es ist die Frage an uns, wie wir unsere Zugehörigkeit zur Gemeinschaft unseres Glaubens verstehen, eher lose oder alternativlos. Die Frage Jesu im heutigen Evangelium ist an uns alle gerichtet, besonders an jene, die sich nach und nach zurückziehen: „Wollt auch ihr weggehen?“ Es ist die Frage einer gewissen Traurigkeit Jesu, über die wir nachdenken sollen. Und dann ist da noch die Antwort des Petrus, eine sehr starke Antwort: „Herr, zu wem sollten wir gehen, du hast Worte ewigen Lebens.“ Möge uns immer mehr bewusst werden, wie wohltuend es sein kann zur Kirche gehören zu dürfen, die uns jeden Sonntag, ja eigentlich jeden Tag ermöglicht Gott zu feiern.
Liebe Brüder und Schwestern!
Es war wohl wichtig, dass Josua damals das Volk nach dem Glauben gefragt hat. Auch wir sind gefragt: „Wie hältst du es mit dem Glauben? Wie hältst du es mit der Religion?“ Da kann man viel nachdenken, da kann uns viel bewusst werden, vor allem, dass der Glaube nicht selbstverständlich ist, dass der Glaube unsere klare Entscheidung verlangt und, dass der Glaube Gemeinschaft braucht. Bemühen wir uns um einen starken Glauben. Die Gottesmutter Maria, heute am Oktavtag ihrer Aufnahme in den Himmel ist ja das Fest Maria Königin, möge uns beim Glauben helfen. Bei ihr brauchen wir nicht ängstlich und kleingläubig sein, im Gegenteil, wir dürfen großgläubige Menschen sein, Menschen aus denen der Glaube Großes macht, und die selber aus dem Glauben heraus Großes wirken. Amen.
Sonia Chrisye
Wem Gott nicht mehr heilig ist, was soll dem noch heilig sein?“

Die Frage sollten wir tagtäglich beantworten durch unser Leben in Gedanken, Worten und Werken.
Wir dürfen aus dem Glauben leben, den die Mutter Jesu uns vorlebte und selber aus dem Glauben heraus Großes wirkte. Amen.

Danke für diese klaren Worte.