Predigt von Pfarrer Maximilian Pühringer zum heutigen Sonntag, 31.7.2022

Predigt 18. Sonntag im Jahreskreis, 31.7.2022
Perikopen: Kol 3,1-5.9-11 Lk 12,13-21
Liebe Brüder und Schwestern im gemeinsamen Glauben!
Das heutige Evangelium kommt in der Leseordnung nicht oft vor. Alle drei Jahre am Sonntag und einmal jährlich wochentags. Ich muss sagen, dass mich diese Worte jedes Mal wirklich betroffen machen. Ich lade euch ein: „Lasst euch bitte heute auch davon betreffen.“ Verharmlosen wir die Botschaft Jesu nicht. Erstens: Da möchte ich eine Frage stellen: „Wieviel Erde braucht der Mensch?“ Die Antwort findet sich in folgender Geschichte: Der Bauer Pachomus ist todunglücklich, weil er zu wenig Land hat. Eines Tages kommt er ins Land der Baschkiren und schließt mit ihnen einen Vertrag: Soviel Land wie er an einem Tag um schreiten kann, soll ihm gehören. Frühmorgens beginnt er. Schnellen Schrittes ist der den ganzen Tag unterwegs. Noch diese Wiese, noch diesen Weidegrund, noch diese feuchte Niederung. Als die Sonne am Horizont verschwindet kommt er am Ausgangspunkt an. „Du bist tüchtig, du hast dir viel Land erworben,“ sagt der Älteste der Baschkiren. In diesem Augenblick taumelt Pachomus, fällt zu Boden, zu Tode gehetzt. Sie schaufeln ihm ein Grab. Es ist genauso lang, wie er vom Kopf zur Ferse misst. Soviel Erde braucht der Mensch. Pachomus und der Bauer sind ähnlich. Sie definieren sich über das Haben und nicht das Sein! Worüber definieren uns wir? Über das rechte Menschsein und Christsein? Zweitens: Es ist die Art und Weise, wie Gott den Kornbauern anredet: “Du Narr, noch in dieser Nacht wird dein Leben von dir zurückgefordert.“ „Du Narr!“ Wenn man es vom Griechischen Urtext übersetzt heißt es „du Unvernünftiger.“ Es ist unvernünftig Gott, das Wichtigste im Leben auszulassen. Diese Unvernunft wird hier kritisiert. Wir können in vielen Dingen noch so gescheit sein, aber in Wahrheit sind wir unvernünftig, wenn wir das Wichtigste auslassen. Wir sind heute so gescheit, können so viel. Wir können zum Mond fliegen, können Raketen produzieren, die die ganze Welt zerstören können, wir können uns Berge von Vorräten zusammentragen, die wir selber gar nicht abtragen können, während in anderen Teilen der Erde Menschen verhungern. Wir sind unheimlich gescheit, nur wie das eigentliche Menschsein und Christsein geht, das wissen wir nicht, oder wie Josef Ratzinger, der Papa em. Benedikt XVI., vor vierzig Jahren über dieses Evangelium gepredigt hat „darin sind wir ebenso dumm, wie wir in den anderen Bereichen gescheit sind.“ Es darf uns alle nicht wundern, wenn man Gott aus allem herauslässt, dass vieles nicht mehr funktionieren kann und wird. „Du Unvernünftiger, nach in dieser Nacht wird man deine Seele von dir zurückfordern! Wem wird dann alles gehören, was du hier angehäuft hast?“ Wir sehen hier, wie der Herr uns haben will, nämlich vernünftig! Der Herr selber will uns vernünftig haben, will die schlafende Vernunft wieder aufwecken, damit wir das rechte Menschsein und Christsein wieder neu lernen, und uns unsere Seele bewahren zum ewigen Leben. Aber wie können wir vernünftig werden? Drittens: „Reich werden vor Gott.“ Es geht in diesem Leben darum reich zu werden vor Gott, Schätze zu sammeln für das ewige Leben, uns nicht abzumühen für die Speise die verdirbt, sondern für die Speise, die da bleibt für das ewige Leben. Das sind Jesu Ratschläge. Aber wie finden wir diesen Reichtum vor Gott? Wir erfahren ihn vielfältig in den Geboten und den Seligpreisungen Jesu, vor allem in den Worten der Schrift: Reichtum vor Gott, das ist Gerechtigkeit, Geradheit, Mut zur Wahrheit (in den Lebenslügen der heutigen Welt), Demut, die vergeben kann, Gelassenheit, Güte, Reinheit des Herzens, und vor allem Glaube, Hoffnung und Liebe. Am Anschaulichsten wird das Ganze in jenen Menschen, die schon ganz reich vor Gott stehen, in den Heiligen. Diese helfen uns beim Reichwerden. Wir haben heute wieder von einem Heiligen gehört, in der Lesung aus dem Brief des Apostels Paulus an die Kolosser. Es ist eine Botschaft die zeitlos gültig ist. Heute hat er gesprochen von der Absage an die Habsucht, die Götzendienst ist, und dass wir so neue Mensch werden können nach dem Bild des Schöpfers. Und er sagt uns, wo das geschieht, gibt es keine Unterschiede mehr, nicht mehr Juden und Griechen, Sklaven und Freie, sondern Einheit. Oder schauen wir auf den heutigen Tagesheiligen, den heiligen Ignatius, den Gründer der Jesuiten, den Papst Franziskus so verehrt: Wie vielen hat er den Mut gegeben im persönlichen Leben aufzubrechen, um neu zu werden und zur größeren Ehre Gottes für das Heil der Menschen zu wirken. Oder wenn ich nach vorne schaue. Am Donnerstag feiern wir meinen Lieblingsheiligen, den heiligen Pfarrer von Ars. Er, der sich sein Priestertum so hart erkämpfen musste, weil ihm das Studium so schwer gefallen ist, hat eine religiös völlig heruntergekommene Pfarre zu neuer Blüte erweckt. Er, der aus Barmherzigkeit und unter der Bedingung niemals Beichte hören zu dürfen, zum Priester geweiht wurde, wurde zum größten Beichtvater der Kirchengeschichte. Wie vielen hat er Trost gespendet, Rat gegeben in schwierigen Situationen. Wie vielen hat er die schönsten Worte gesagt, die ein Priester im Auftrag Jesu sagen darf: „Ich spreche dich los von deinen Sünden.“ Wie viele hat er reich gemacht, weil er ihnen den Weg zum Himmel weisen wollte. Das wollte er. Als er seine neue Pfarrstelle antreten wollte hat er einen Hirtenjungen nach dem Weg gefragt. Dieser zeigte ihn den Weg. Als sie in Ars angekommen waren sagte ihm der Pfarrer: „Du hast mir jetzt den Weg nach Ars gezeigt, und ich werde dir den Weg zum Himmel zeigen.“
Liebe Brüder und Schwestern!
Es macht mich betroffen: Wie viel Erde braucht der Mensch? „Du Unvernünftiger noch in dieser Nacht wird man deine Seele von dir zurückfordern!“ Und dieses „Reichwerden vor Gott!“ Es macht betroffen. Es kann eine gute Betroffenheit sein, wenn sie mich sagen lässt: Ich möchte mich bemühen, ich werde etwas tun für das rechte Menschsein und Christsein. Amen.
RupertvonSalzburg
Hier die in der Predigt erwähnte Geschichte: "Erdengut," eine Erzählung von Leo Tolstoi – gloria.tv