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Predigt von Pfarrer Maximilian Pühringer zum Fest Maria Namen

Predigt Mariä Namen, 12.9.2021
Perikopen: Sir 24,17-22 Lk 1,26-38
Liebe Brüder und Schwestern im gemeinsamen Glauben!
Bei uns im Stift Schlägl steht der Namenstag an erster Stelle, nicht der Geburtstag. Wir feiern in der Gemeinschaft immer den Namenstag. Gott kennt uns beim Namen und ruft uns beim Namen. Es ist auch üblich bei uns, dass der Abt zum Namenstag für jeden Mitbruder eine Ansprache hält mit guten Wünschen. Heute feiern wir das Fest Mariä Namen. „Der Name der Jungfrau war Maria,“ führt das Evangelium das junge Mädchen von Nazareth ein. Maria hat einen Namenstag, wie wir. Was können wir ihr zum Namenstag wünschen. Ein erster Glückwunsch lautet: Maria wir beglückwünschen dich zu deinen offenen Ohren. Wer über Maria nachdenkt, entdeckt sie als Hörende. Durch ihren Glauben, mit dem Gott sie begnadet hat, ist sie Ohr für Gott. Maria steht vor uns wie eine große Ohrmuschel. Sind wir noch fähig zuzuhören? Dem Hörenden geht es um mehr als um Informationsaustausch. Er will sich hineinhören in das menschliche und göttliche Gegenüber. Was schwingt mit in seiner Stimme? Sagt er etwas, indem er schweigt? Einem Menschen lauschen, kann eine Neuentdeckung sein. Heute haben viele das Lauschen verlernt. Ich wünsche mir selbst, immer mehr Hörender zu werden. Wie viele scheitern in ihrer Beziehung daran, dass sie einander nicht mehr zuhören können. Gespräche werden im Keim erstickt. Man vereinbart Treffen, und trifft sich eigentlich nie. Man pflegt den täglichen Umgang und umgeht einander in wichtigen Fragen. Auch als Kirche haben wir vielfach verlernt zu hören, auf das, was Er uns sagt. Maria lehrt uns das Hören. Sie ruft uns in die Stille des Wartens und Lauschens, bis Gott das Wort hat. Als Kirche mahnt sie unsere Sendung gerade in Situationen zu erfüllen, die undankbar, hoffnungslos oder konfliktgeladen sind. Maria ist eine „Apostolin des Ohres“. Sie hat gut hingehört, auf den Engel Gabriel und auf der Hochzeit zu Kana, auf den Anspruch Gottes im Blick auf die Nöte der Menschen. Maria, wir beglückwünschen Dich zu Deinen offenen Ohren. Aus dem Hören erwächst die Antwort. Und das ist ein zweiter Glückwunsch: Maria, wir beglückwünschen Dich zu Deinem beherzten Ja. Wir müssen uns in die Lage Marias hineinversetzen. Sie stellt fest, dass sich in ihrem Körper etwas tut, dass sie Mutter wird, noch dazu eine ledige Mutter in der damaligen Zeit. Welche Not hat sie wohl ausgestanden? Wie es bei uns Menschen so ist, musste sie zum Mittelpunkt des Dorftratsches werden. Da hat sich bis heute nichts geändert. Keine leichte Situation für ein junges Mädchen. Die Antwort Gottes klingt überraschend. Sie bietet kein Rezept, wie der Mensch es sich wünscht. Noch etwas ist zu bedenken. Damals hätte es ohnehin keine Rezepte gegeben, mit deren Hilfe man unerwünschte Kinder hätte loswerden können, wie es das heute leider gibt, und was von gar nicht so wenig moralisch akzeptiert ist, obwohl der Mord am ungeborenen Leben ein Verbrechen ist und bleibt. Maria bekommt die Zusicherung des Geistes. „Heiliger Geist wird über Dich kommen und die Kraft des Höchsten wird dich überschatten.“ Ein Kind vom Heiligen Geist. Hand aufs Herz: Wer glaubt es heute noch? Können wir das „Geheimnis des Glaubens“ annehmen oder wollen wir es mit dem Hirn auflösen? Lassen wir das Geheimnis zu! Auf Gabriels Botschaft hat Maria beherzt Ja gesagt: „Ich bin die Magd des Herrn.“ Eine Magd ist dem Herrn preisgegeben. Maria, wir bewundern Dein Ja zum Leben und nehmen Dich als Vorbild, um als Kirche Ja zu sagen. Wo es um Leben und Tod geht, gibt es keinen Kompromiss. Wir schützen das Leben von der Zeugung bis zum natürlichen Tod, ohne Wenn und Aber. Ihre Mission lautet: Als Volk des Lebens sind wir das Volk für das Leben! (Papst Johannes Paul II.) Es ist gut, dass wir die Bewahrung der Schöpfung oben ansetzen, aber bitte nicht auf Kosten des Menschen, der Krone der Schöpfung! Frösche tragen wir über die Straße, doch Kleine und Schwache wie Embryonen und Senioren bleiben auf der Strecke. Wählen wir das Leben! Kämpfen wir für das Leben! Christen müssen identifizierbar sein. Noch einer kommt hinzu, der meist im Hintergrund bleibt Josef, der Verlobte, der Maria nicht bloßstellen und sich deshalb im Stillen von ihr trennen wollte. Das ist der dritte Glückwunsch: Maria, wir beglückwünschen Dich zu Josef, der Deinen Sohn, den Gottessohn, erzog. Es ist schade, dass Josef meist nur als alter Mann dargestellt wird. Ich kann ihn mir als jungen Menschen vorstellen, mitten im Beruf als Zimmermann, die Gründung einer Familie im Blick. In einem modernen Lied über Josef heißt es: „Du wolltest weiter nichts, o nein, als mit Maria glücklich sein.“ Was wurde Josef abverlangt, als er die Vaterschaft an den Heiligen Geist abtreten musste. Selbst abnehmen, damit ein anderer zunehmen darf. Das bringt Josefs Leben auf den Punkt. Von ihm überliefern uns die Evangelien kein Wort. Wenn Josef sein Evangelium geschrieben hätte, hätte es wohl das Thema der Treue. Ohne Josef keine Gottesmutter, ohne Gottesmutter keinen menschlichen Erlöser. Diesen Gedanken zeichnet Papst Franziskus nach, der seinen Brief zum Josefsjahr mit „Patris corde“ überschrieben hat: Mit dem Herzen eines Vaters. Josef ist uns näher als wir denken, etwa, wenn Eltern ihren Einfluss auf Kinder schwinden sehen; wenn andere Menschen ins Leben eines Freundes treten und wir selbst uns zurücknehmen müssen; nicht zuletzt dort, wo ein Jugendlicher zu seinen Eltern oder Freunden sagt: „Ich entscheide anders, als Ihr es von mir erwartet. Ich gehe ins Kloster, ich werde Priester.“ Wir beklagen zwar den Priestermangel, aber wenn es das eigene Kind wäre, kann man es sich doch oft nicht wirklich vorstellen. Von uns ist die Haltung des Josef gefordert, annehmen und weiter begleiten, in Gedanken und Gebeten.
Liebe Brüder und Schwestern! Wir haben versucht, unsere Namenstagwünsche für Maria auszusprechen. Wir beglückwünschen Dich zu deinen offenen Ohren, Deinem beherzten Ja und zu Deinem Verlobten Josef. Einen hätten wir jetzt fast vergessen: Wir beglückwünschen Dich zu Deinem Sohn Jesus. Auch wenn wir den Namenstag Marias feiern, bleibt doch Er der Gastgeber. Er sorgt bei der Feier für die „Himmelsspeise“, indem er sich selber in Brot und Wein schenkt für unsere Pilgerreise. Maria, wir beglückwünschen Dich zu Deinem Sohn, der Mahl mit uns hält. Hoch sollen sie leben: Jesus, Maria und Josef. Amen.