Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch ! Predigt vom hl.Antonius von Padua

Hl.Antonius von Padua, bitte für uns!!

Hl. Antonius von Padua (um 1195-1231)


Franziskaner, Kirchenlehrer
Predigt für den Sonntag der Osteroktav (Une Parole évangélique, éd. Franciscaines 1995, p. 79–81, rev.; ins Dt. übers. © Evangelizo)


Der dreifache Friede

Jesus sagte zu ihnen „Friede sei mit euch!“ (Joh 20,19). Dreimal sagt er „Friede sei mit euch!“, weil es ein dreifacher Friede ist, den der Herr wiederhergestellt hat: zwischen Gott und Mensch, indem er ihn durch sein Blut mit dem Vater versöhnte; zwischen Engel und Mensch, indem er die menschliche Natur annahm und sich über die Chöre der Engel erhob; zwischen Mensch und Mensch, indem er in sich selbst, dem Eckstein, das Volk der Juden und das Volk der Heiden vereinte. […]

Jesus kam also und trat in ihre Mitte (vgl. Joh 20,19). „Ich bin unter euch wie der, der bedient“ (vgl. Lk 22,27). Er tritt in die Mitte eines jeden Herzens. Er stellt sich ins Zentrum, weil von ihm, wie von einem Kreismittelpunkt alle Gnadenstrahlen ausgehen hin zu uns, die wir auf der Kreislinie stehen und uns um ihn herum bewegen. „Jesus trat also in ihre Mitte und sagte zu ihnen: Friede sei mit euch!“ (vgl. Joh 20,19).

Es gibt einen dreifachen Frieden: den in der Zeit, den des Herzens und den der Ewigkeit.

Den ersten musst du mit deinem Nächsten haben, den zweiten mit dir selbst, und so wirst du den dritten mit Gott im Himmel haben. Stehe auch du „in der Mitte“, und du wirst Frieden mit deinem Nächsten haben. Wenn du nicht in der Mitte bist, kannst du keinen Frieden haben. An der Peripherie gibt es weder Frieden noch Ruhe des Geistes, sondern Bewegung und Unruhe. Man sagt, dass Elefanten, wenn sie sich einem Kampf stellen, besonders um die Verwundeten besorgt sind: Sie schließen sie ins Zentrum der Gruppe ein, zusammen mit den Schwächsten. Nimm auch du deinen schwachen und verwundeten Nächsten in das Zentrum der Nächstenliebe auf.

Nachdem der Herr ihnen seine Hände und seine Seite gezeigt hatte, sagte er noch einmal: „Friede sei mit euch! Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch“ (Joh 20,21).


Wie der Vater mich – ungeachtet seiner Liebe – in die Passion gesandt hat, so sende auch ich euch mit der gleichen Liebe.