Nicky41
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Er sah Jesu Schicksal voraus - Der Philosoph Platon

Nicht nur das Judentum wurde von Gott auf das Kommen seines eingeborenen Sohnes vorbereitet, sondern es gibt auch bei anderen Völkern, anderen Kulturen Zeugnisse für die Erwartung eines Erlösers. Die Christen, die aus dem Heidentum zum Glauben an Jesus Christus gekommen waren, verwiesen gerne auf den Schüler des Sokrates: den Philosophen Platon.

Platon gehört zu den einflussreichsten Philosophen des Altertums. Er prägte auch das philosophische Denken der Kirchenväter. Während sein Lehrer Sokrates aus dem Handwerkerstand kam und einen künstlerischen Beruf als Bildhauer mit geringem Erfolg ausübte, stammte der 428 vor Christi Geburt geborene Platon aus einem alten athenischen Adelsgeschlecht. Finanzielle Sorgen waren ihm fremd. Eigentlich wollte er es als Dichter zu Ruhm und Ansehen bringen, die Begegnung mit Sokrates weckte jedoch in ihm ein anderes Talent, das Talent, den Dingen auf den Grund zu gehen. Allerdings ermöglichte es ihm seine Fähigkeit, sich gewandt auszudrücken, seine Gedanken in zahlreichen Veröffentlichungen unter die Leute zu bringen. Während Sokrates nichts geschrieben, nichts Sekretären diktiert hat oder von Schülern aufschreiben ließ, war Platon ständig am Schreiben und Diktieren. Hätte Platon nicht in seinen Dialogen Sokrates ein Denkmal gesetzt, wäre dieser große Denker wohl völlig in Vergessenheit geraten.

Dass die Christen angesichts des Werteverfalls der römischen Kaiserzeit in den Schriften Platons ihr eigenes Werteverständnis vorfanden und sich damit bestätigt fühlten, ist verständlich.

Wahrhaftigkeit hatten auch sie auf ihre Fahnen geschrieben angesichts der Verlogenheit, die ihnen allenthalben begegnete.

Gerechtigkeit erhofften sie in einer Welt voller Ungerechtigkeit nicht, wohl aber bei dem Gericht, das am Ende der Welt das Urteil über jedes menschliche Wesen fällt.

Tapferkeit benötigten sie, denn in dem Augenblick, in dem sie als Christen bekannt wurden, drohte ihnen die Verhaftung und der sichere Tod.

Zucht und Maß setzten sie sehr bewusst gegen ein Leben in Luxus und Völlerei.

Die vier Kardinalstugenden, die Platon als Orientierung für ein gelungenes Leben empfiehlt, werden von Paulus und den Kirchenvätern durch die drei göttlichen Tugenden Glaube, Hoffnung und Liebe überhöht.

Platon war von der Idee beseelt, die Menschen besser zu machen. Sein Lehrer Sokrates war ihm dabei Lehrmeister. Sokrates ist gescheitert. Platon meinte, nicht die Idee des Sokrates sei falsch gewesen, sondern die Umsetzung der Idee. Es sei zu wenig, nur mit Menschen zu sprechen und sie zu überzeugen, man müsste mit einflussreichen Leuten das Thema erörtern und sie für die gute Sache gewinnen, denn sie haben Vorbildfunktion in der Gesellschaft. Am besten wäre es, einen König oder anderen führenden Staatsmann für die Idee zu begeistern, dann könnte das Denken eines ganzen Volkes zum Wahren und Guten hin verändert werden.

Platon knüpfte Kontakte zum Herrscher Siziliens Dionysius I. Trotz vieler Gespräche konnte Platon den Politiker nicht von seiner Staatsphilosophie überzeugen. Enttäuscht kehrte er aus Syrakus wieder nach Athen zurück. Noch zwei weitere Reisen unternahm Platon nach Sizilien, diesmal zu Dionysius II. Die freundliche Aufnahme täuschte nicht darüber hinweg, dass auch dieser Politiker der Meinung war, dass Platons Ideen wirklichkeitsfremd seien und jedes Staatswesen Zugrunderichten würden.

Platon hat seine Gedanken in dem Werk "Politeia" - "Der Staat" - niedergelegt. In dieser Schrift heißt es, dass ein Gerechter in einem Staatswesen, in dem weder Gerechtigkeit noch Wahrhaftigkeit existieren eines Tages "gegeißelt, gefoltert, in Ketten gelegt, an beiden Augen geblendet, und nach all den Martern noch ans Kreuz geschlagen wird".

Jeder Christ, der diese Stelle las, wusste, von welchem Gerechten hier Platon in prophetischer Weise spricht. Es ist Jesus. Er richtet in der Stunde seines Todes am Kreuz sein Reich auf: das Reich der Gerechtigkeit, der Liebe und des Friedens.

Diese Stelle im "Staat" macht Platon zur prophetischen Stimme, die man auch in anderen Fragen heranziehen kann. Der Märtyrer Appolonius berief sich in seinem Prozess auf Platon und griff damit das Römische Reich an. Der Kirchvater Clemens von Alexandrien setzt die Gedanken Platons in Beziehung zum Buch der Weisheit. Kein Wunder, dass man im Mittelalter Platon zu den Menschen zählt, die mit Christus bei seiner Auferstehung in den Himmel eingehen durften, also nicht nur Adam und Eva, Abel und Abraham, David und Salomo, sondern auch Sokrates und Platon.

In den Stanzen des Vatikan hat der Maler Raffael die Schule von Athen gemalt und sie der "Disputa" der Theologen gegenübergestellt. Gottsucher sind die einen wie die anderen. Der Advent lädt ein, sich mit den Denkern auf den Weg zu machen.
Nicky41
DrMartinBachmaier
Die vier Kardinalstugenden auf Griechisch:
dikaiosýne = Gerechtigkeit
andreía = Tapferkeit
sophrosýne = Besonnenheit (Zucht und Maß)
sophía = Weisheit
Die Kardinaltugend der Weisheit fehlt im Artikel.More
Die vier Kardinalstugenden auf Griechisch:

dikaiosýne = Gerechtigkeit
andreía = Tapferkeit
sophrosýne = Besonnenheit (Zucht und Maß)
sophía = Weisheit

Die Kardinaltugend der Weisheit fehlt im Artikel.
Klaus Elmar Müller
Was katholisches Glauben vom Protestantismus unterscheidet ist beispielsweise der hier geschilderte Zugriff auf die antike Philosophie und die Leistungen des ja von Gott geschenkten Verstandes. "Prüfet alles, das Gute behaltet", rät schon der hl. Paulus, während Luther Philosophieren mit Hurerei gleichsetzte.