Wenn man die Armen Seelen um Hilfe bittet, wird man erhört

Wenn man die Armen Seelen um Hilfe bittet, wird man bald erhört
Durch Anrufung der Armen Seelen können wir von Gott Hilfe in unseren Anliegen erlangen.

Die hl. Katharina von Bologna (+1463), deren Leib in der Kirche der Klarissinnen zu Bologna in Italien unversehrt ist, hat erklärt. „Oft habe ich das, was ich durch Anrufung der Heiligen im Himmel lange nicht habe erhalten können sogleich erlangt, wenn ich meine Zuflucht zu den leidenden Seelen im Fegfeuer genommen habe.“ Sie sagt auch: „Wenn ich eine Gnade sicher erlangen will, wende ich mich an die Armen Seelen, damit sie meine Bitte unserem himmlischen Vater vortragen. Gewöhnlich fühle ich es, dass ich ihrer Fürsprache die Erhörung verdanke.“

Maria Lindmayr gibt den Grund an, warum das Gebet zu den Armen Seelen so erfolgreich isst; sie sagt: „Wenn man die Armen Seelen um Hilfe bittet, wird man bald erhört. Dies kommt nicht etwa davon, als ob uns die Armen Seelen erhört hätten, sondern weil uns Gott erhört wegen seiner Liebe zu den Armen Seelen; denn Gott liebt diese so sehr.“

Nachfolgender Fall soll als Beweis dienen, welch großen Nutzen die Barmherzigkeit gegen die Armen Seelen bringen kann. Der Jesuit Jakob Montfort hatte im Jahre 1649 bei dem Buchdrucker Wilhelm Frießen in Köln ein Büchlein drucken lassen, das über die Armen Seelen handelte und die Menschen zur Barmherzigkeit gegen sie anregen sollte.

Der Buchdrucker las an den Sonntagen häufig darin. In dem Büchlein war die Behauptung aufgestellt, dass die Anrufung der Armen Seelen und die Barmherzigkeit gegen sie eines der besten Mittel sei, um von Gott die Erhörung des Gebetes zu erlangen. Nach einiger Zeit erkrankte das vierjährige Söhnchen des Buchdruckers so schwer, dass die Ärzte alle Hoffnung aufgaben und den Vater bereits auf den bevorstehenden Tod des Kindes vorbereiteten.

Der Buchdrucker begab sich nun in die Kirche und rief dort die Armen Seelen an, für die er viele Gebete verrichtete; auch legte er dort das Gelübde ab, dass er hundert der genannten Büchlein an Geistliche und Klöster unentgeltlich verteilen werde, falls sein Kind wieder gesund wird. Uns siehe! Als der Vater aus der Kirche nach Hause kam, hatte sich das Befinden des Knaben bedeutend gebessert; das Kind, das 14 Tage lang Ekel an allen Speisen hatte, verlangte zu essen und schon am folgenden Tage war es so gesund, als hätte ihm nie etwas gefehlt.

Drei Wochen darauf erkrankte plötzlich auch die Frau des Buchdruckers, und ihr Zustand verschlimmerte sich so sehr, dass gar keine Aussicht auf Besserung mehr vorhanden war. In seiner Bedrängnis nahm der Mann wieder zu den Armen Seelen seine Zuflucht, eilte in die Kirche und legte dort das Gelübde ab, er werde 200 der genannten Büchlein austeilen, wenn seine Frau wieder gesund würde. Auch diesmal half die Anrufung der Armen Seelen wunderbar. Das Befinden der Frau besserte sich zusehends, und schon nach acht Tagen war sie ganz munter. Der Buchdrucker machte hierauf den Verfasser des Buches von diesen zwei auffallenden Gebetserhörungen Mitteilung, wodurch dieser Fall bekannt wurde. (Spirago, Beispiel-Sammlung, Nr. 580)

Der belgische Wundertäter Pater Paul von Moll (+1896) gab einer Dame folgenden Rat: „Will man blühende Geschäfte machen, so braucht man nur einen Teil, wir wollen sagen zwei Prozent der Einnahmen oder des Gewinnes, zur Befreiung der Armen Seelen im Fegfeuer aufopfern. Mit dem Geld lasse man hl. Messen lesen oder verrichte andere gute Werke für die Armen Seelen. Diese können alles für ihre Wohltäter erlangen.“ Diese Dame befolgte den Rat und war dann mit ihren Geschäftserfolgen höchst zufrieden.

Es ist sehr zu loben, wenn fromme Eltern ihre Kinder schon frühzeitig anleiten, der Seelen im Fegfeuer zu gedenken. Der Redemptorist P. Johann Ullwer, der 1914 zu Budweis auf der Kanzel bei Nennung des Namen Jesus starb, hatte eine fromme Mutter, die es verstand, ihre Kinder schon in frühester Jugend zur Selbstüberwindung und gleichzeitig auch zur Liebe zu den Armen Seelen im Fegfeuer anzuleiten.

Wenn die Kinder in den Wald gingen, um Beeren zu pflücken, so wurde ihnen von der Mutter aufgetragen, die erste reife und schönste Beere auf die Erde niederzulegen; denn „sie gehört den Armen Seelen“. Die Kinder sollten diese Opfer der Selbstüberwindung in der frommen Absicht darbringen, dadurch den Armen Seelen zu helfen. Auch die erste reife Kirsche, Zwetschge, Birne, Apfel sollten sie aus demselben Grund nicht essen.

Die Mutter lehrte die Kinder, dass die Verstorbenen, die stets auf unsere Hilfe warten, dieses Opfer reichlich belohnen werden; sie werden ihnen behilflich sein, dass sie sich auf dem Weg über Feld und Wald nicht verirren, dass sie nichts vergessen, keine Sache verlegen und die verlorene bald finden, auch dass sie uns, wenn man sie bittet, sanft und leise aus dem Schlafe wecken zu einer Stunde, die man ihnen angibt. Johann Ullwer befolgte gewissenhaft die frommen Lehren seiner Mutter und erhielt von Gott den Beruf zum Priester- und Ordensstand; er war ein Muster der Selbstbeherrschung und brachte es zu hohen Tugenden. (Seine Lebensgeschichte erschien in der bischöfl. Buchdruckerei in Budweis. Seite 55.)

Die ehrw. Katharina Emmerich sagt: „Es ist nicht auszusprechen, welch großen Trost die Armen Seelen durch unsere Überwindungen und kleinen Opfer erhalten.“ Der hl. Augustin sagt: „Willst du, dass sich Gott deiner erbarme, dann erbarm dich deines Nächsten im Fegfeuer!“ Auch vertritt er die Ansicht, dass derjenige, welcher oft für die Verstorbenen gebetet hat, keines bösen Todes sterben werde. Der hl. Hieronymus behauptet: „Wir sind der ewigen Seligkeit um so viel näher, je mitleidiger und gütiger wir gegen die Armen Seelen sind.“

aus kath-zdw.ch