Predigt von Pfarrer Maximilian Pühringer zum 4. Ostersonntag 8.5. 2022

Predigt 4. Ostersonntag, Muttertag, 8.5.2022
Perikopen: Apg 13,14.43b-52 Joh 10,27-30
Liebe Brüder und Schwestern im gemeinsamen Glauben!
Bilder sind zum Betrachten da. Bilder wirken auf uns und machen etwas aus uns. Jedes Jahr am 4. Ostersonntag hören wir einen Abschnitt aus der Hirtenrede Jesu. Jesus, der gute Hirte, steht vor unseren Augen. Es ist eines der tröstlichsten Bilder der Bibel, das darauf wartet von uns betrachtet zu werden. Erstens: Die Stimme des guten Hirten. „Meine Schafe hören auf meine Stimme,“ sagt Jesus heute. Viele unterschiedliche Stimmen umgeben uns in einer eher lauten Welt. Manche wollen uns etwas einreden, nützen vielleicht auch unsere Schwächen aus. Es ist manchmal schwer sich im Stimmengewirr unserer Zeit zurechtzufinden. Ganz anders die Stimme des guten Hirten: Sie ist leise und unaufdringlich. Man muss zuerst gut in sich selber hineinhören, um sie zu vernehmen. Der Gute Hirte warnt vor den Stimmen, die andere klein machen. Diese Stimme entlarvt den Hass und die Unehrlichkeit und seien sie noch so elegant vorgetragen. Die Stimme des guten Hirten ist die Stimme einer mütterlich/väterlichen Liebe, die uns einlädt einfach mitzukommen. Wir sollten Ohr werden für diese Stimme. Zweitens: „Der gute Hirte führt.“ „Der Herr ist dein Hirte…, er lässt dich lagern auf grünen Auen und führt dich zum Ruheplatz am Wasser,“ heißt es im Psalm. Ich glaube, dass es der Plan Gottes ist den Menschen durchs Leben zu führen. Er überlässt uns nicht dem Zufall. Er führt. Als junger Mensch tut man sich vielleicht ein wenig schwerer das immer zu erkennen. Ältere Menschen haben vielleicht einen Vorteil. Sie können leichter sagen, dass es da eine Hand gibt, die selbst auf den krummen Zeilen im Buch des Lebens gerade schreibt. Es stimmt einfach, was Werner Bergengruen schreibt: „Der Mensch wird geführt.“ Ja, Gott führt uns durchs Leben. Dieser Führung dürfen wir uns anvertrauen, dürfen wir uns öffnen. Mal führt er uns, indem er uns vorangeht, um uns den rechten Weg zu zeigen. Mal geht er neben uns, um uns zu begleiten, hält er mit uns Tempo, bleibt mit uns auf Augenhöhe. Mal ist er hinter uns, um uns zu motivieren, dass wir nicht stehen bleiben, sondern weitergehen. Das Schlimmste, was uns im Glaubensleben passieren kann ist der geistliche Stillstand. „Ich bin der gute Hirte.“ Dieses Wort weist uns den Weg uns der Führung Gottes ganz und gar anheimzugeben. Drittens: Der gute Hirte überwindet Spannungen und Spaltungen. Er führt zusammen. In der Hirtenrede heißt es weiter: „Ich habe noch andere Schafe, die nicht aus diesem Stall sind; auch sie muss ich führen… dann wird es eine Herde geben und einen Hirten.“ Der Hirte führt zusammen. Spaltung entspricht ihm nicht. Denken wir, was Jesus zum Abschied gebetet hat: „Ich will, dass alle eins sind.“ Es gibt auseinanderstrebende Kräfte und zusammenstrebende Kräfte. Leider sind im Blick auf die gesellschaftlichen und kirchlichen Entwicklungen die auseinanderstrebenden Kräfte nicht gerade klein. Egoismus wächst. Es wird härter. Was kann man tun? Ich denke jeder soll einmal sein eigenes Leben anschauen mit der Frage: Sind bei mir die auseinanderstrebenden oder die zusammenstrebenden Kräfte größer? Eine ganz ehrliche Standortbestimmung kann sicher eine Hilfe sein, um gegebenenfalls neue Wege einzuschlagen.
Liebe Brüder und Schwestern!
Das Bild des Hirten darf wirken. Das reimt sich sogar. Der gute Hirte hat eine einladende Stimme, er führt durchs Leben und er führt zusammen. Das passt auch gut zum Muttertag. Denn die Mütter bemühen sich vielfach das auch zu verwirklichen. Es gebührt ihnen Dank dafür. Und dann haben wir im Mai noch besonders unsere himmlische Mutter vor uns, die Gottesmutter Maria. Sie möge uns immer Begleiterin und Wegweisung sein. Amen.
RupertvonSalzburg