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Pestausbruch auf Mallorca: Vor 200 Jahren herrschte Panik auf der Ferieninsel

In mehreren Gräbern nahe der Kapelle von Santa Maria de Bellpuig liegen die an Pest verstorbenen Bürger aus Artà. Foto: B. Capó

Pestausbruch auf Mallorca: Vor 200 Jahren herrschte Panik auf der Ferieninsel

Es war einer der letzten großen Ausbrüche in Europa des "Schwarzen Todes": Im Mai 1820 brach im Nordosten Mallorcas noch einmal die Beulenpest aus und raffte zwei Drittel der Bevölkerung dahin. Dass die Infektionskrankheit eingedämmt werden konnte, hing mit Sperrzonen, Aus- und Einreisekontrollen sowie drastischen Quarantäne-Bestimmungen zusammen - mithin, wenn auch in anderer Größenordnung, ähnlichen Maßnahmen wie derzeit gegen das Coronavirus weltweit.

Nicht mal ein Horrorfilm könnte beschreiben, was damals vor 200 Jahren in Son Servera passiert ist", sagt Pere Salas. Er gehört zu einer Gruppe von Historikern, die seit Jahren zur "Peste de Llevant" forschen und ihre Ergebnisse nun im Gedenkjahr veröffentlichen.
Provinzregierung in Palma reagierte spät auf Pest-Ausbruch

Von den 1.684 Einwohnern von Son Servera starben 1.040. "Die Pest gelangte über Schmuggelrouten auf die Insel, wahrscheinlich mit einem Schiff, das an der Küste von Son Servera anlegte und Waren aus Nordafrika brachte. Dort war die Epidemie zuvor bereits ausgebrochen", sagt Isabel Moll, emeritierte Professorin für Zeitgeschichte der Balearen-Universität. Vermutlich sei das Bakterium über vom Schiff entladene Wachsrollen ins Dorf gelangt. Seit Ende des 19. Jahrhunderts ist bekannt, dass die Pest vor allem durch Flöhe übertragen wird, die auch auf Ratten leben.

Die Gesundheitsabteilung der spanischen Provinzregierung in Palma reagierte erst spät auf den Ausbruch. Erst nachdem ab 9. Mai in Son Servera die ersten Pestfälle bekannt wurden und sich die Epidemie nach Arta ausgebreitet hatte, erklärte die Behörde am 27. Mai beide Gemeinden sowie die Ostküste zu Sperrzonen. Keiner durfte mehr die Dörfer verlassen oder betreten. Zudem wurden Warenhandel und Schiffsverkehr untersagt - unter Androhung der Todesstrafe.

Alle Bewohner Son Serveras wurden isoliert

Als sich die Epidemie dennoch im Juni nach Sant Llorenc und Capdepera ausbreitete, griff die Provinzregierung zu noch drastischeren Maßnahmen. Alle Bewohner Son Serveras mussten den Ort verlassen und wurden isoliert in drei Gruppen untergebracht: Ein Lager war den Gesunden vorbehalten, eines den von Pestinfizierten und eines den anderweitig Erkrankten.

In Arta wurden die Pestkranken in den Wallfahrtskirchen Santa Maria de Bellpuig und Sant Salvador untergebracht. "Die Ärzte der betroffenen Gemeinden mussten an die Zentrale in Palma täglich einen Bericht über den aktuellen Gesundheitszustand der Bewohner durchgeben", so Isabel Moll. Die übrige Bevölkerung Mallorcas wurde via Zeitung und Aushänge informiert. Und wer sich über die Insel bewegen wollte, musste einen Gesundheitsnachweis präsentieren, berichtet die Wissenschaftlerin.

Am ersten Februar wird Sieg über die Pest gefeiert

In den geräumten Dörfern wurden im Oktober 1820 alle potenziellen Infektionsherde radikal vernichtet. "Katzen, Hunde und andere Haustiere wurden getötet, die Kleidung verbrannt, die Häuser gut durchlüftet", sagt Pere Salas. Zudem verlegte man die Friedhöfe vom Dorfzentrum in weiter abgelegene Gebiete.

Am 31. Januar 1821 wurde die Epidemie für überwunden erklärt. Tags darauf durften 644 Bewohner von Son Servera in ihre Häuser zurückkehren. Seither feiern die Serverins jährlich am 1. Februar den Sieg über die Pest. "Das hatten die Verantwortlichen der Gesundheitsbehörden den Überlebenden schon damals versprochen", so Moll.

Ausgeklügelte Logistik begrenzte Ausbruch der Pest

Die aktuellen Berichte über das Coronavirus verfolgen die Historiker eingehend. "Der Mensch - oder genauer gesagt: die Wissenschaft - kann den Tod durch die Verbreitung von Infektionen trotz aller Fortschritte immer noch nicht verhindern", sagt Pere Salas. Auch vor dem Hintergrund seiner Forschung plädiert er bei Epidemien für strenge Kontrollen. "Das war damals und ist auch heute die effizienteste Methode."

Dass vor genau 200 Jahren der Ausbruch der Pest begrenzt werden konnte, sei nur den Sperrzonen und einer für den damaligen Wissensstand sehr ausgeklügelten Logistik zu verdanken. Mallorca hänge als Insel sehr von der Außenwelt, von Wareneinfuhr und Tourismus ab - entsprechend wachsam müsse man bei einer Epidemie sein, sagt Historiker Salas.


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„Es war einer der letzten großen Ausbrüche in Europa des "Schwarzen Todes": Im Mai 1820 brach im Nordosten Mallorcas noch einmal die Beulenpest aus und raffte zwei Drittel der Bevölkerung dahin. Dass die Infektionskrankheit eingedämmt werden konnte, hing mit Sperrzonen, Aus- und Einreisekontrollen sowie drastischen Quarantäne-Bestimmungen zusammen - mithin, wenn auch in anderer Größenordnung, …More
„Es war einer der letzten großen Ausbrüche in Europa des "Schwarzen Todes": Im Mai 1820 brach im Nordosten Mallorcas noch einmal die Beulenpest aus und raffte zwei Drittel der Bevölkerung dahin. Dass die Infektionskrankheit eingedämmt werden konnte, hing mit Sperrzonen, Aus- und Einreisekontrollen sowie drastischen Quarantäne-Bestimmungen zusammen - mithin, wenn auch in anderer Größenordnung, ähnlichen Maßnahmen wie derzeit gegen das Coronavirus weltweit.