Christus als der barmherzige Samariter

Origenes (um 185-253)

Priester und Theologe
Homilien zum Lukasevangelium, 34,3.7–9; GCS 9, 201–202.204–205 (Homélies sur l'évangile de Luc, trad. Delhougne, Les Pères commentent, p. 419–420; ins Dt. übers. © Evangelizo)

Christus als der barmherzige Samariter

Einem alten Schriftsteller zufolge, der das Gleichnis vom barmherzigen Samariter auslegen wollte, stellt der Mann, der von Jerusalem nach Jericho hinabging, Adam dar, Jerusalem das Paradies, Jericho die Welt, die Räuber die feindlichen Mächte, der Priester das Gesetz, der Levit die Propheten und der Samariter Christus. Darüber hinaus symbolisieren die Wunden den Ungehorsam, das Reittier den Leib des Herrn. […] Und das Versprechen des Samariters, wiederzukommen, deutet besagtem Ausleger zufolge auf das zweite Kommen des Herrn hin. […] Dieser Samariter nimmt unsere Leiden auf sich und trägt unsere Krankheiten (vgl. Mt 8,17). Er hebt den Schwerverletzten auf und bringt ihn in eine Herberge, das heißt in die Kirche. Diese steht offen für alle, verweigert niemandem ihre Hilfe, und alle werden von Jesus eingeladen, einzutreten: „Kommt alle zu mir, die ihr euch plagt und schwere Lasten zu tragen habt. Ich werde euch Ruhe verschaffen“ (Mt 11,28). Nachdem der Samariter den Verwundeten dorthin gebracht hat, reist er nicht sogleich ab, sondern bleibt den ganzen Tag bei dem Todkranken in der Herberge. Er versorgt seine Wunden nicht nur tagsüber, sondern auch nachts und umgibt ihn mit seiner ganzen liebevollen Fürsorge. […] Wahrlich, dieser Hüter der Seelen stand den Menschen näher als das Gesetz und die Propheten, „indem er barmherzig an ihm gehandelt hat“ und sich so „als der Nächste dessen erwies, der von den Räubern überfallen wurde“ (vgl. Lk 10,36–37), weniger durch Worte als durch Taten. Nach dem Wort: „Nehmt mich zum Vorbild, wie ich Christus zum Vorbild nehme“ (1 Kor 11,1), ist es uns also möglich, Christus nachzuahmen und Mitleid mit denen zu haben, die „von Räubern überfallen wurden“, auf sie zuzugehen, Öl und Wein auf ihre Wunden zu gießen und sie zu verbinden, sie auf unser eigenes Lasttier zu heben und ihre Lasten zu tragen. Um uns dazu zu ermutigen, sagte der Sohn Gottes zu uns allen, mehr noch als zu dem Gesetzeslehrer: „Geh und handle genauso“.
kyriake
Dass der Priester das Gesetz verkörpern soll, ist durchaus einsehbar, aber was hat der Levit mit den Propheten des ATs zu tun und wieso kommen sie in dieser Gleichniserzählung so schlecht weg?!!
Habe in einer anderen Auslegung gelesen, dass der Priester und der Levit das Alte und das Neue Testament symbolisieren sollen. Auch diese Deutung ist nicht ganz verständlich.
Vielleicht kann hier jemand …More
Dass der Priester das Gesetz verkörpern soll, ist durchaus einsehbar, aber was hat der Levit mit den Propheten des ATs zu tun und wieso kommen sie in dieser Gleichniserzählung so schlecht weg?!!
Habe in einer anderen Auslegung gelesen, dass der Priester und der Levit das Alte und das Neue Testament symbolisieren sollen. Auch diese Deutung ist nicht ganz verständlich.
Vielleicht kann hier jemand genauer erklären, was es mit den beiden Erste-Hilfe-Verweigerern auf sich hat?!!