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Predigt von Pfarrer Maximilian Pühringer zum heutigen Sonntag, 5.9.2021

Predigt Hl. Ägidius-Kirchenpatron, 5.9.2021
Perikopen: Phil 3,8-14 Mt 19,27-29
Liebe Brüder und Schwestern im gemeinsamen Glauben!
Heilige bleiben lebendig. Ihr Leben wird weitererzählt, damit es weiterwirkt in alle Zeiten, damit es für alle Menschen als Botschaft leibt. Unsere Kirche ist verbunden mit der Lebensgeschichte des hl. Ägidius. Wenn wir jetzt ein wenig seinem Lebensweg nachgehen, dann darf er auf uns Wirken. Erstens: Ägidius ist Gestalt des Gottvertrauens. Geboren wurde Ägidius 640 in Athen. Er war ein reicher Kaufmann. Er machte mit der Botschaft der heutigen Schrifttexte, in denen es ums Loslassen und Verzichten geht, ernst. Er hat seinen gesamten Besitz den Armen verschenkt und sich in ein Boot gesetzt, das er einfach im Meer treiben ließ, ehe er an der Rohemündung in Frankreich landete. Dieser legendäre Punkt seines Lebens, sich im Boot treiben zu lassen und schauen, wo man ankommt, steht für großes Gottvertrauen. Gott hat Wege für mich vorgesehen, Gott führt mich durchs Leben. Es steht auch dafür, dass es um seinen Willen geht. „Dein Wille geschehe,“ heißt es im Vater uns. Aber beten wir nicht eigentlich oft innerlich „mein Wille geschehe und der Himmel gebe seinen Segen dazu.“? Zutrauen und Vertrauen in Gott führt uns in eine tiefe Gottverbundenheit hinein. Das bedeutet Glauben, sich immer mehr in Gott hinein verbinden und festmachen. Dafür steht für mich der heilige Ägidius. Wir sollten Gott viel zutrauen. Zweitens: Ägidius ist die Gestalt der inneren Heilung. Ägidius lebte nach seiner Ankunft zunächst als Einsiedler am Rand der großen Sümpfe. Einer anderen Legende zufolge nährte ihn eine Hirschkuh mit ihrer Milch. Ägidius wurde bei einer Jagd vom Pfeil des Westgotenkönigs Wamba, als dieser versuchte das Tier zu erlegen, getroffen. Ägidius wird oft mit einem Pfeil im Schenkel dargestellt oder wie er die offene Wunde hinhält. Ägidus zeigt uns seine Verletzung. Jeder Mensch wird im Leben verwundet und verletzt. Die heilige Hildegard sagt, dass der Mensch auf dem Weg seiner Selbstwerdung, die Wunden in Perlen verwandeln kann. Wenn ich mich aussöhne mit mir und meinen Verwundungen, mit meiner Schwäche, dann geschieht Heilung, die extrem wertvoll ist wie eine Perle. Wir brauchen dafür die Begegnung mit dem heilenden Christus. Christus hat nie einem Menschen Heilung aufgezwungen, sondern sie immer dann geschenkt, wenn sie sich Ihm in Glauben und Vertrauen geöffnet haben. So hat Ägdius Christus erfahren, und so haben ihn auch die Menschen erfahren. Denn Ägidius gehört zu den Vierzehn Nothelfern, deren Verehrung über die Jahrhunderte zu einer Art christlichen Therapie für die Menschen wurde. Die Menschen sind zu Orten gepilgert, wo diese vierzehn Nothelfer verehrt wurden. Sie haben ihre Wunden mitgebracht. Sie haben sie im Licht der Heiligengestalten angeschaut und Gott hingehalten, der vielen innere Heilung, inneren Trost, inneren Halt geschenkt hat. Wir müssen auch dem Herrn unsere Wunden hinhalten, damit er sie heile, denn den Schatz unseres Glaubens, tragen wir immer in unserer menschlichen Zerbrechlichkeit. Wir brauchen immer wieder die Begegnung mit dem heilenden Gott. Nur so werden wir versöhnt und zufrieden. Drittens: Ägidius ist ein Heiliger der Stille. Der besagte König, der Ägidius mit dem Pfeil verletzte, erlaubte ihm in St. Gilles ein Kloster zu errichten. Dort wurde Ägidius Abt, dort lebe er in Stille und Zurückgezogenheit bis zu seinem Tod am 1. September 720. Wir leben heute in einer Diktatur des Lärms, die sich verschiedenartig gestaltet. Dem müssen wir Zeiten der persönlichen Stille entgegenhalten. Nur so werden wir offen für das Geheimnis Gottes. Im Angesicht vor dem lebendigen Gott wird uns bewusst, dass eigentlich jedes Wort zu viel ist. Denken wir daran, dass die entscheidendsten Momente unsres Glaubens in der Stille stattgefunden haben: Die Geburt unseres Erlösers in der Nacht von Betlehem. Die Auferstehung des Herrn in der Totenstille des Grabes. In der Stille können wir das Herz an Gott anschmiegen, wir werden empfänglicher, gelassener, bewusster und glücklicher. Wir müssen gegen die Versuchung des Lauten und des Geschreis ankämpfen, so finden wir das wahre Leben. Vom heiligen Ägidius ist folgendes Wort überliefert: „Ein Mensch, der vor Versuchungen flieht, flieht vor dem ewigen Leben.“
Liebe Brüder und Schwestern!
Unsere Kirche will uns das Leben unseres Patrons lebendig erhalten. Ägidius ist eine Gestalt des Gottvertrauens. Er ist eine Gestalt der inneren Heilung, und er ist ein Heiliger der Stille. Das ist eine Botschaft mit der man wirklich gut leben kann. „Heiliger Ägidius, bitte für uns.“ Amen.