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Nicky41
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Prophetische Zeilen - Der Dichter Vergil

Von allen Dichtern der Antike schätzten die lateinischen Kirchenväter und die gebildeten Christen am meisten Vergil. In diesem Punkt stimmen Sie mit Kaiser Augustus überein. Die Gründe sind freilich verschieden. Der Kaiser sieht in Vergil den Dichter, der mit seiner Aeneis eine römische Ilias geschaffen hat. Die Kirchenväter entdecken bei ihm Texte, die sehr deutlich auf den Messias hinweisen.

Publius Vergilius Maro, wie der Dichter mit seinem vollen Namen heißt, stammt vom Land. Er wuchs auf einem Landgut in der Nähe von Mantua auf. Es waren freilich unruhige Zeiten. In Rom ringt Caesar um steigenden Einfluss. Er kann Weggefährten und Gegner gleichermaßen ausschalten. Rom führt Kriege in Asien und Gallien. Die Legionäre müssen entlohnt werden. Zu diesem Zweck werden zahlreiche Bürger enteignet. Auch Vergil verliert sein Landgut und damit seine wirtschaftliche Grundlage. Vergil ist kein Stadtmensch. Die Luft in Rom schnürt ihm den Atem ab. Er sehnt sich aus den engen Gassen in die weiten Fluren, aus der düsteren Kammer unter den schattigen Baum in praller Sonne. Es entstehen seine "Bucolica". Maecenas wird auf ihn aufmerksam. Der Multimillionär, der auch in der Politik mitmischt, möchte als Förderer der Kunst in die Geschichte eingehen. Das ist ihm auch gelungen. Man spricht bis zum heutigen Tag von Mäzenatentum, wenn vermögende Leute Maler, Dichter und andere Künstler unterstützen, die zwar hochfliegende Gedanken haben, aber mit ihrem Alltag nur schlecht zurechtkommen, vor allem jedoch ständig in Geldnöten sind.

Vergil, und nicht nur er, hatte das Glück, von Maecenas entdeckt worden zu sein. Maecenas machte Oktavian, den Neffen Caesars, auf das Talent des Dichters aufmerksam. Auch er zählte fortan zu den Förderern des Dichters. Vor allem sorgte er dafür, dass er für sein enteignetes Landgut entschädigt wurde. Oktavian gelang es, ihm ein anderes Landgut zu verschaffen. Hier blühte der Dichter auf. Es entstand seine "Georgica", in denen er den Bauern durch das Jahr begleitet.

Höhepunkt seines dichterischen Schaffens aber wird die "Aeneis". Es ist das große Heldenepos, das mit dem Untergang Trojas beginnt und seinen Höhepunkt in der Gründung Roms hat. Oktavian war begeistert. Rom hatte eine Dichtung, die man an die Seite Homers stellen konnte. Aus Oktavian wurde Augustus, und Vergil, den man im vornehmen Rom für einen Wald- und Wiesendichter gehalten hatte, übernahme die Aufgabe eines römischen Reichsdichters.

In der Zeit der Völkerwanderung sind die Werke manche antiker Schriftsteller untergegangen. Die Germanen hatten nichts übrig für Dichter. Ihnen war ein gebratener Ochse lieber.

Die Schriften Vergils überlebten in den Klöstern, denn dieser römische Dichter hat in der vierten Ekloge seines Frühwerkes, den "Bucolica", folgende prophetische Zeilen geschrieben: "Bleiben noch Spuren des Frevels zurück, unter deiner Regierung wurden getilgt sie, befreit vom ewigen Schrecken der Länder. Jener wird göttliches Leben empfangen und schauen die Heroen, innig mit Göttern vereint, er selbst wird als Heros erscheinen und mit der Tugend des Vaters beherrschen den friedlichen Erdkreis."

Augustus mag das auf sich bezogen haben, aber die Kirchenväter sehen hier eindeutig den Bezug zum Propheten Jesaja und seiner messiansichen Prophezeiung. Der Messias wird der Friedensfürst sein. Mehr noch, er wird Gottes Sohn selber sein. Das weist über Kaiser Augustus hinaus, das weist hin auf Christus. Vergil wird so zur prophetischen Gestalt aus dem Heidentum. Vom Heiligen Geist geführt, spricht er Worte der Verheißung, die es später gebildeten römischen Bürgern ermöglichen, den Weg zum Glauben zu finden.

Aber auch Kaiser Augustus gehört zu den Wegbereitern, denn von ihm geht der Befehl aus, dass alle sich in Steuerlisten eintragen lassen müssen. So machen sich mit vielen anderen Joseph und Maria auf den Weg. Ihr Heimatort ist die Stadt Davids, Bethlehem. Hier erblickt der, den Vergil dunkel erahnte, das Licht der Welt.

Christ der Retter ist da - Ludwig Gschwind
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So machen sich mit vielen anderen Joseph und Maria auf den Weg.

Hier erblickt der, den Vergil dunkel erahnte, das Licht der Welt.