17.01.22 - Antonius der Große um 251-356 Mönchsvater Einsiedler

Wenn du vollkommen sein willst,
geh, verkauf deinen Besitz
und gib das Geld den Armen;
so wirst du einen bleibenden Schatz im Himmel haben;
dann komm und folge mir nach. (Mt 19,21)


Diese Worte veränderten das Leben des heiligen Antonius. Als Sohn reicher Eltern geboren, war er einer der Ersten, die die zivilisierte Welt verlassen haben, um in der Einsamkeit der Wüste zu leben. Als ihn Freude nach Jahren in der Wüste fanden, sahen sie einen völlig veränderten Menschen, voll innerer Ruhe und Weisheit.
Obwohl Antonius in völliger Abgeschiedenheit leben wollte, scharten sich Schüler um ihn. Bald entstanden im damaligen Ägypten ganze Mönchskolonien in der Wüste. Nachdem sich das Christentum in der ganzen zivilisierten Welt ausgebreitet hatte, hielt man die Wüste für den letzten Rückzugsort der Dämonen. Durch ein reines und keusches Leben in Arbeit und ständigem Gebet kämpften die Wüstenväter gegen die Dämonen an und hatten dabei oft die grauenhaftesten Versuchungen zu bestehen.

Schaffe die Versuchungen ab, und niemand wird gerettet werden.

In diesem Ausspruch des Heiligen zeigt sich, wie entscheidend für ihn der Kampf gegen die Versuchungen war. Er ist zwar mit großen Mühen verbunden, wer aber die Versuchungen besiegt, geht als weiser und reifer Mensch voll innerer Stärke aus dem Kampf hervor.

Von der Weisheit der Wüstenväter wollten die Menschen lernen. Selbst Kaiser Konstantin suchte Rat beim heiligen Antonius. Oft war es den Menschen genug, einfach nur zu sehen, wie einer der Mönche lebte und wie er seine ganz alltäglichen Arbeiten verrichtete. Wollte einer ein Wort von den Vätern, musste er oft lange warten und erst nach mehrmaligem Bitten erhielt er dann einen meist ganz einfachen Ratschlag, wie "Halte dein Zimmer in Ordnung" oder "Iss einmal in der Woche nur Gemüse". Nicht im großen Tun, sondern in der Treue in den kleinen Dingen zeigt sich der Charakter eines Menschen.
Über das Leben des heiligen Antonius berichtet uns der heilige Athanasius, der den Wüstenvater noch persönlich gekannt hat. Es heißt, dass Athanasius dem Antonius seinen Mantel geschenkt hat, den dieser stets in Ehren hielt. Nach dem Tod des Antonius erhielt Athanasius eines der beiden Schafsfelle, mit denen der heilige Einsiedler sich bekleidete. Antonius aber wurde vom Einsiedler Paulus im den Mantel des Athansius bestattet.

Vom Leben des heiligen Einsiedlers Paulus von Theben berichtet der heilige Hieronymus. Einmal sollen sich Antonius und Paulus in der Wüste getroffen haben, und als Paulus starb, wurde Antonius durch eine Vision gerufen, um ihn zu bestatten. Dabei sollen Löwen das Grab für den Heiligen ausgehoben haben.

Ein bekanntes Attribut des heiligen Antonius ist das Schwein. Es steht für die zahlreichen Versuchungen, die er zu bestehen hatte. Schweine hatten aber auch eine besondere Bedeutung für den Antoniterorden, der im 11. Jahrhundert entstanden ist. Im Mittelalter hatte der Orden das Privileg, seine Schweine frei laufen zu lassen. Es gab mancherorts den Brauch, dass am Antoniustag das Antoniusschwein geschlachtet und an die Armen verteilt wurde. Daher ist Antonius der Patron der Haustiere, aber auch der Metzger.
Der Antoniterorden nahm sich besonders jener Menschen an, die am "Antoniusfeuer" erkrankt waren. Diese Massenkrankheit des Mittelalters entstand, weil immer wieder im Getreide wachsende Mutterkornpilze zusammen mit dem Getreide gemahlen und genossen werden. Die Krankheit war mit Geschwüren und qualvollen Schmerzen verbunden und endete meist tödlich. Antonius wurde als besonderer Helfer gegen diese Krankheit angerufen.

Was der heilige Antonius uns heute lehren kann, ist eine innige Freundschaft mit Jesus Christus. Sein Motiv, in die Einsamkeit der Wüste zu gehen, war ja nicht, um die Askese um der Askese willen zu leben, sondern um Jesus Christus nahe zu sein. Der Einsiedler möchte möglichst viel Zeit im Gebet verbringen, weil er dadurch Jesus Christus in ganz besonderer Weise nahe ist. Weil diese Freundschaft mit Jesus Christus für den Heiligen das höchste Gut ist, verbringt er die meiste Zeit wachend und kämpft gegen die Versuchungen, um seinem Freund rein und heilig gegenüber treten zu können.
Auch wenn es nicht unsere Berufung ist, in der Einsamkeit zu leben, so dürfen wir doch im Alltag die Freundschaft mit Jesus Christus pflegen. Wir dürfen uns freuen auf die Zeiten des Gebetes, weil wir in ihnen eine ganz besondere Zeit mit Jesus Christus verbringen, wie wenn wir bei einem lieben Freund sind. Auch während des Tages dürfen wir immer wieder an Jesus Christus denken. Er ist bei uns auf allen unseren Wegen und bei allem, was uns geschieht. Diese Nähe des Herrn war es, die dem heiligen Antonius die Erfüllung seines Lebens geschenkt hat. Jesus Christus will auch unser Leben mit seiner Nähe bereichern.

Schon immer war die Wüste ein besonderer Ort der Gottesbegegnung. Als das Christentum sich weithin ausgebreitet hatte und mit Kaiser Konstantin die Verfolgungen ein Ende hatten, gab es Menschen, die in einem Leben in der Wüste eine Form sahen, die Ursprünglichkeit des christlichen Glaubens zu bewahren, der im nun geordneten christlichen Leben der Städte zu verflachen drohte.
Andererseits sah man, nachdem der "ganze Erdkreis" christlich geworden war, die Wüste als das letzte Rückzugsgebiet der Dämonen an. Wer in die Wüste ging, ließ sich hier auf einen Kampf der besonderen Art ein. Er wurde hier total mit seiner eigenen Schwachheit konfrontiert und musste lernen, den Versuchungen zu widerstehen. Antonius sagte einmal:

Wer in der Wüste sitzt und die Herzensruhe pflegt, wird drei Kämpfen entrissen: Dem Hören, dem Reden, dem Sehen. Er hat nur noch einen Kampf zu führen: den gegen die Unreinheit.

Eben dieser Antonius ist es, der als die erste große Gestalt unter jenen Wüstenmönchen hervorragt und sie alle übertrifft. Nur wenigen außer ihm wurde es zuteil, den Ehrentitel eines Wüstenvaters zu tragen. Zu diesen Vätern strömten Mönche und andere Menschen, um von ihnen ein Wort der Weisung für ihr Leben zu erhalten.
Man hat ihre Worte bewahrt und von Generation zu Generation überliefert. Man nennt diese Aussprüche Apophthegmata Patrum. Sie beginnen meist mit einer Frage an den Altvater, woraufhin dessen Antwort folgt. Auch wenn wir nicht den asketischen Alltag eines Wüstenmönches leben, so können uns dennoch die Worte der Wüstenväter auch heute noch eine Weisung für unser Leben sein.

Vom Heiligen Antonius sind in den Sprüchen der Väter (Apophthegmata Patrum) viele Aussprüche und Begebenheiten aus seinem Leben überliefert. Einige davon finden Sie hier auf dieser Seite.
Dass auch große Heilige an sich selbst zweifeln können, zeigt die folgende Begebenheit:

Als der Altvater Antonius einmal in verdrießlicher Stimmung und mit düsteren Gedanken in der Wüste saß, sprach er zu Gott: "Herr, ich will gerettet werden, aber meine Gedanken lassen es nicht zu. Was soll ich in dieser meiner Bedrängnis tun? Wie kann ich das Heil erlangen?"
Bald darauf erhob er sich, ging ins Freie und sah einen, der ihm glich. Er saß da und arbeitete, stand dann von der Arbeit auf und betete, setzte sich wieder und flocht an einem Seil, erhob sich dann abermals zum Beten; und siehe, es war ein Engel des Herrn, der gesandt war, Antonius Belehrung und Sicherheit zu geben.
Und er hörte den Engel sprechen: "Mach es so und du wirst das Heil erlangen." Als er das hörte, wurde er von großer Freude und mit Mut erfüllt und durch solches Tun fand er Rettung.

Einer frage den Altvater Antonius:
Was muss ich tun, um Gott zu gefallen?
Der Greis gab ihm folgende Antwort:
Befolge, was ich dir auftrage!
Wohin immer du gehst -
habe überall Gott vor Augen!
Was immer du tust oder redest -
suche für alles ein Zeugnis in der Heiligen Schrift.
Wenn du dich an einem Ort niederlässt -
dann entferne dich nicht leicht.
Diese drei Dinge beachte,
und du wirst das Heil finden.


Antonius der Große
M.RAPHAEL
Danke. Unser aller geliebter Vater. 😇
der Logos
Antonius verlässt seine Höhle

Eine Episode aus der Zeit der Christenverfolgung von Henri Queffélec, aus „St. Anthony oft the Desert“, Verlag Dutton und Co., New York 1954

Kaiser Diokletian, bestrebt, den römischen Staat in seiner alten Ordnung wiederherzustellen, konnte nicht begreifen, warum sein Programm auf Widerstand stieß, und ließ nach den dafür Verantwortlichen fahnden. Früher oder …More
Antonius verlässt seine Höhle

Eine Episode aus der Zeit der Christenverfolgung von Henri Queffélec, aus „St. Anthony oft the Desert“, Verlag Dutton und Co., New York 1954

Kaiser Diokletian, bestrebt, den römischen Staat in seiner alten Ordnung wiederherzustellen, konnte nicht begreifen, warum sein Programm auf Widerstand stieß, und ließ nach den dafür Verantwortlichen fahnden. Früher oder später musste man dabei auch auf die Christen stoßen, die sich weigerten, ihm göttliche Verehrung zu erweisen.

Diokletian war kein blutrünstiger Tyrann, sondern wog die verschiedenen Seiten des Problems klug gegeneinander ab. Er wusste, dass in manchen Teilen Ägyptens ein Viertel der Einwohner bereits Christen waren, dass die neue Religion einen starken Auftrieb erlebte und die Bekehrungen ständig zunahmen. Eines Tages trafen Berichte ein, dass sich in der Umgebung von Memphis ein merkwürdiger Mann namens Antonius aufhalte, der in der Wüste lebe und einen ungeheuren Einfluss auf die Bevölkerung ausübe.

Diokletian selbst hatte eine große Zahl neuer Götter geschaffen, und die Christen machten sich mit ihrer Weigerung, diese anzuerkennen und zu verehren, des Hochverrats schuldig. Das reizte ihn, sie zu verfolgen. Schon so viele Kaiser vor ihm hatten das getan, dass es beinahe etwas Selbstverständliches war. Aber er wusste auch, dass man eine einmal begonnene Verfolgung bis zum endgültigen Erfolg durchführen musste.

Die Verfolgung begann keineswegs mit einem Massenmorden. Im März des Jahres 303 wurden zwei kaiserliche Gesetze erlassen. Das erste befahl die Schließung aller christlichen Kirchen und Gebetshäuser und verlangte, dass alle religiösen Gegenstände den Behörden abzuliefern seien. Das zweite ordnete die sofortige Verhaftung der Vorstände dieser Kirchen an. Aber wenn auch eine große Zahl von Kirchen samt ihren heiligen Büchern verbrannt wurde, gelang es doch vielen Priestern zu entkommen. Sie fürchteten sich nicht vor dem Tod, der sie zu Märtyrern gemacht hätte, sondern wollten nur ihre Herde nicht im Stich lassen.

Die Verfolgung nahm zu. Nun waren die einfachen Anhänger des neuen Glaubens die Opfer. Nach dem üblichen Vorgehen forderte man sie auf, den heidnischen Gottheiten zu opfern. Viele gaben dem Druck nach. Ein Teil derer, die Widerstand leisteten, wurden hingerichtet, doch die meisten wurden wieder freigelassen. Nur keine Märtyrer machen! war Diokletians Bestreben.

Auch viele Soldaten Diokletians bekehrten sich zum Christentum und desertierten aus Gewissensgründen. Diokletian wurde wütend und griff zum Terror. In Phrygien, Kappadozien, Arabien, Phönizien und vor allem in Ägypten floss das Blut in Strömen. Die Henker lösten einander ab; ihre Äxte wurden stumpf vom vielen Gebrauch. Menschlicher Erfindungsgeist und Grausamkeit verbanden sich in dem Streben, die Martern zu verlängern und sie immer schrecklicher zu machen. Frauen hing man an einem Fuß mit dem Kopf nach unten auf. Den Männern brach man Arme und Beine und vierteilte sie.

Dann kam der Tag, an dem Antonius beschloss, seinen Brüdern und Schwestern zu Hilfe zu eilen, nachdem er 20 Jahre lang einsam in der Wüste gelebt hatte. Es hatte ihn nie zum Martyrium gedrängt. Nun aber wünschte er, das Schicksal seiner Brüder und Schwestern zu teilen. So machte sich dieser Gandhi des 4. Jahrhunderts auf die Reise. Sein Entschluss stand fest, nachdem er jahrelang gezögert hatte. „Kommt, lasst uns ebenfalls kämpfen, wenn wir gerufen werden, oder wenigstens die beobachten, die kämpfen!“ Zusammen mit anderen Mönchen erreichte er in der Nähe von Aphroditopolis den Nil, und die kleine Gruppe bestieg in Boot, das sie mit zum Meer nahm. Das damalige Alexandria musste dem Neuankommenden vorkommen wie uns heute eine Stadt von Wolkenkratzern. Unter der Menge, die die Ankommenden erwartete, waren Christen, die von der bevorstehenden Ankunft der Mönche wussten. Sie empfingen Antonius mit dem Friedenskuss. Sein Name ging von Mund zu Mund und erweckte die Neugierde der Müßiggänger. Ein Mann, der 20 Jahre in der Wüste gelebt und die bösen Geister besiegt hatte und dem 40.000 Menschen gehorchten!? Alles drängte sich, um diesen Aszeten und Wundertäter zu sehen.

Antonius und seine Gefährten wurden von der großen Mehrheit der Bevölkerung dieser Großstadt gleichsam wie Ehrenbürger aufgenommen. Es machte Eindruck auf Griechen, Juden, Syrier und Afrikaner, dass diese Männer aus der Wüste herbeigeeilt waren, um denen, die sie ihre Brüder und Schwestern nannten, zu helfen, aufrecht zu sterben.

In Sporthallen, Schenken und Theatern begann eine heftige Diskussion. Würde die Polizei ihre merkwürdige Nachsicht aufgeben und die Mönche in das Gefängnis werfen? Oder würden diese Sieger bleiben? Welches Ende würde der merkwürdige Kampf nehmen, bei dem Todesurteile als Auszeichnung galten und nicht Niederlage, sondern Triumph bedeuteten?

Der Kampf war in der Tat seltsam und drückte in beredter Sprache die Verwirrung der Machthaber aus. Man erkannte, dass das Blut der Märtyrer zum Samen des Christentums wurde! So sah man sich der gewohnten Überlegenheit des Mächtigen beraubt. Es galt zu zeigen, dass man rücksichtslos bleiben und die Kandidaten des Märtyrertums ihre Hartnäckigkeit noch bereuen würden.

Eine solche Haltung aber war gegenüber Antonius und seinen Gefährten völlig nutzlos. Gleich Streikenden, die sich einfach hinlegen und von den Pferden der Polizei niedertreten oder von Lokomotiven überfahren lassen, stellten sich die Mönche freiwillig und brachten Richter und Polizei in Verwirrung.

Zur gleichen Zeit, da das Christentum seine dunkelsten Stunden zu durchleben schien, stellten Antonius und seine Gruppe sich die Aufgabe, das Heidentum zu erschüttern. Sie gingen überallhin, in die Friseurläden, die Schulen der Philosophen, die Sporthallen und selbst in die öffentlichen Häuser. Sie besuchten berühmte Kurtisanen, von denen manche so beeindruckt waren, dass sie sich der Leere der weltlichen Lust bewusstwurden. An Entbehrungen gewöhnt, schliefen diese Männer irgendwo: auf öffentlichen Plätzen, auf Treppen, in überfüllten Karawansereien, in leeren Wagen usw.

Die Verhaftungen und Verurteilungen gingen weiter, aber die Behörden wagten es nicht, Hand an die Neuankömmlinge zu legen. Sie taten, als ob sie diese Wüstenmänner, die nicht einmal Griechisch sprachen, verachteten. Die Mönche aber stellten die Verbindungen zwischen den Gefangenen und ihren Familien, den Gläubigen und den Priestern, die in der Stadt oder ihren Vorstädten verborgen waren, sowie den Bischöfen, deren Prozess vorbereitet wurde, her.

Wenn sie auch keinen direkten Zugang zu den Gefängnissen hatten, so wurden ihre Botschaften doch irgendwie weitergegeben. Überall fanden sich sympathisierende Wärter. Dazu kam, dass nicht alle Gefangenen eingesperrt waren. Die Mehrzahl musste in Kupferbergwerken und Steinbrüchen arbeiten, und die Wächter taten, als ob sie es nicht bemerkten, wenn ein Mönch einen der Arbeitenden anredete.

Die Mönche versäumten auch nicht, bei den öffentlichen Verhören dabei zu sein. Sie bildeten eine Art christlicher Zuhörer, die entweder Beifall riefen oder ihr Missfallen kundtaten. Andere, die sich weder um den Richter noch um die Soldaten kümmerten, lenkten die Aufmerksamkeit der Christen beim Verhör auf sich und ermutigten sie in ihrem Widerstand.

Auch den Hinrichtungen wohnten sie bei, da sie sehen wollten, wie ihre Brüder und Schwestern das Martyrium ertrügen. Dabei hüteten sie sich, in den Verlauf der Dinge einzugreifen, die den Eintritt einer christlichen Seele in das Paradies begleiteten. Der Anblick der Leiden bewegte sie tief, aber sie bemühten sich, ihren Schmerz in Freude zu verwandeln. Nach der Hinrichtung sammelten sie die sterblichen Überreste und sorgten für ein ehrenvolles Begräbnis.

Dies ging so weiter, bis die Behörden die Geduld verloren. Man sollte ihre Nachsicht nicht als Schwäche auslegen. Daher erließ der Präfekt eine eigene Anordnung, die es den Mönchen verbot, den Gerichtsverhandlungen beizuwohnen. Schließlich befahl er ihnen, die Stadt zu verlassen. Wenn auch das Martyrium jetzt Antonius` Lieblingstraum war, so hatte er doch bisher noch keine ernstlichen Versuche gemacht, dieses Ziel zu erreichen. Nun konnte er seine vorsichtige Haltung aufgeben. Also stellte er sich am nächsten Tag dort auf, wo der Präfekt und seine Wache auf dem Weg zum Gericht vorbeikommen mussten. In seinem festen Blick lag nichts von Unverschämtheit, aber aufrecht und mit blendend weißer Tunika angetan, stand er da, etwas entfernt von der Menge, die ihn bewunderte.

Bald erschien der Präfekt in seiner offenen Sänfte. Die ihn begleitenden Soldaten schrien die Leute an, die nicht schnell genug zur Seite traten. Die weiße Tunika des Antonius erregte die Aufmerksamkeit des Präfekten. Beider Blicke trafen sich. Entsetzt hielt die Menge den Atem an. Aber es geschah – nichts!

In dieser Szene zeigte sich die wirkliche Macht des Christentums zu jener Zeit.

Wenn man vielfach auch nachsichtig war, wurden nun doch die angesehensten Gefangenen hingerichtet. Es schien, als ob der Präfekt sich selbst beweisen wollte, dass er noch ein Mann sei.

Die Christen aber sahen der Entwicklung mit Zuversicht entgegen. Ende des Jahres 311 flaute die Verfolgung ab. Die Strenge der Behörden ließ – teils aus Ermüdung, teils aus Angst, diese Politik könnte sich rächen – nach. Man verstümmelte zwar nach wie vor die Opfer, blendete sie und lähmte sie durch Zerschneiden der Sehnen, aber man zögerte, sie zu töten. Eine Anzahl Priester kehrte in die Stadt zurück und feierte heimlich die hl. Messe.

Schließlich wurde ein Edikt der Duldung erlassen. Antonius aber hatte Alexandria bereits verlassen. Er fühlte sich nicht wohl in dieser riesigen Stadt, nachdem der Friede wieder eingekehrt war. Erneut hatte er den Ruf der Wüste vernommen. Wenn ihm schon das Martyrium nicht vergönnt war, wollte er sich wenigstens der Aszese weihen, und er kehrte zurück in die Einsamkeit.