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Die Vorausschau Don Boscos über den ersten salesianischen Bischof

Johannes Cagliero (1838–1926), Schüler, Mitarbeiter Don Boscos, Missionsbischof und Apostolischer Delegat, später Kardinal, sagte in eigener Sache aus (Positio super virtutibus, Romae o. J., wohl 1923, S. 1024 ff.):

Im August 1854, in meinem sechzehnten Lebensjahr, wurde ich im Oratorium schwer krank. Der Diener Gottes, der mich wie ein Vater liebte, ließ mir jede nur mögliche Hilfe zukommen, um mich von der schrecklichen Krankheit – typhusartiges gastrisches Fieber – zu retten, die mich seit etwa zwei Monaten ans Bett fesselte. Aber vergebens. Die Krankheit ließ sich nicht aufhalten, und meine Lage wurde hoffnungslos. Zwei berühmte Turiner Ärzte, Galvagno und Bellingeri, die jetzt tot sind, erklärten nach einer Beratung, mein Leben gehe zu Ende, und sagten dem Diener Gottes, er solle mir nur die Sterbesakramente spenden, da ich den nächsten Tag nicht mehr erleben würde. Von meinem Kameraden Buzzetti wurde ich über die Gefahr, in der ich mich befand, unterrichtet. Er sagte mir, Don Bosco würde kommen, um meine Beichte zu hören und mir die Sterbesakramente zu spenden. Der Diener Gottes kam in der Tat. Und mit seiner gewohnten Ruhe und mit einem freundlichen Lächeln kam er ganz, ganz langsam an mein Bett und sagte mir: „Johannes, sag mir mal, würdest du jetzt gern in den Himmel gehen, oder würdest du lieber gesund werden und noch etwas warten?“ – Ich weiß, daß ich antwortete: „Lieber Don Bosco, ich wähle das, was für mich besser ist.“ – „Für dich wäre es besser, wenn du jetzt in den Himmel gingest, weil du noch so jung bist. Aber die Zeit ist noch nicht da. Es ist noch so vieles zu tun. Du wirst gesund werden und wirst, wie es immer dein Verlangen war, das geistliche Gewand anziehen und Priester werden und dann . . . und dann . . . – er stand ein wenig nachdenkend da – wirst du mit deinem Brevier unter dem Arm weit, sehr weit fortgehen.“ – Aber er sagte mir nicht, wohin. – „Wenn es so ist“, antwortete ich, „dann brauche ich mich nicht auf den Empfang der Sakramente vorzubereiten, und mit der Beichte warte ich, bis ich wieder auf bin.“ – „Natürlich“, antwortete mir der Diener Gottes, „kannst du damit warten, bis du wieder auf bist.“ – Ich beichtete nicht, und von Sterbesakramenten war keine Rede mehr. Ich bemerke, daß ich schon vier Wochen vorher gebeichtet und die Wegzehrung empfangen hatte.

Inzwischen war meine Mutter, in Kenntnis gesetzt über die Schwere der Krankheit, von Castelnuovo gekommen. Als sie in mein Zimmer kam, freute ich mich über ihren Besuch. Ohne Umschweife sagte ich ihr, sie solle daran denken, mir eine Soutane mit allem, was dazu gehört, zu kaufen, da ich das geistliche Gewand werde anlegen müssen. Meine Mutter glaubte, ich sei am Phantasieren, und weinend sagte sie zu dem Diener Gottes, der gerade darüber in das Zimmer getreten war: „O Don Bosco, es ist wirklich wahr, meinem Jungen geht es schlecht. Er phantasiert und spricht davon, das geistliche Gewand anzuziehen, und sagt mir, ich solle alles Nötige besorgen.“ Don Bosco aber sagte ihr: „Nein, nein, meine gute Teresa, Euer Sohn liegt keineswegs im Delirium, er spricht sehr richtig. Besorgt ihm ruhig, was er nötig hat zu seiner Einkleidung. Er hat noch viele Dinge zu tun und will auch noch gar nicht sterben.“ Tatsächlich wurde ich nach einer langen Genesungszeit wieder völlig gesund, und ich zog die Soutane an.

Ich bemerkte ferner, daß der Diener Gottes, wenn er mich mit anderen Seminaristen des Hauses – das waren Don Reviglio, Don Rua, Don Francesia, Don Turchi und einige andere – zusammenstehend fand, öfter sagte: „Wir wollen mal sehen, ob sich Don Bosco täuscht. Ich sehe mitten unter Euch eine Mitra, diese wird nicht die einzige sein, aber da ist bereits eine!“ Wir scherzten dann mit dem Diener Gottes und versuchten zu erraten, wer von uns einfachen Theologiestudenten zu seiner Zeit Bischof werden würde. Don Alasonatti, der als Präfekt des Hauses Don Bosco beistand, sagte mir eines Tages: „Du mußt sorgen, daß du sehr gut wirst. Denn Don Bosco hat mir zu viele besondere Dinge über dich gesagt.“

In meinen ersten Priesterjahren traf ich einmal Don Bosco unten an der Treppe. Er war etwas müde. In kindlicher Liebe und mit scherzendem Tone sagte ich ihm: „Don Bosco, geben Sie mir Ihre Hand, und Sie werden sehen, wie ich Ihnen die Treppe hinaufhelfe!“ Und er gab mir väterlich seine Hand. Als wir aber im obersten Stock angelangt waren, sehe ich, daß er versucht, meine Hand zu küssen. Ich ziehe sie sofort zurück, aber nicht schnell genug. Ich sagte ihm dann: „Don Bosco, hatten Sie damit die Absicht, sich zu demütigen oder mich zu demütigen?“ – „Weder das eine, noch das andere“, sagte er, „den Grund wirst du zu seiner Zeit erfahren.“

Im Frühjahr 1883 ging es dem Diener Gottes gesundheitlich schlecht. Er mußte nach Frankreich fahren, entgegen der Meinung der Ärzte. Er machte sein Testament und verteilte an jedes Mitglied des Generalrates Andenken. Als er zu mir kam, gab er mir eine versiegelte Schachtel und sagte: „Dieses ist für Dich“, und reiste ab. Einige Zeit später packte mich die Neugier zu sehen, was sie enthielt. Ich öffnete und erblickte einen Bischofsring. Als ich im Oktober 1884 zum Titularbischof von Magida erwählt worden war, bat ich den Diener Gottes, er möge mir das Geheimnis enthüllen, warum er vor so vielen Jahren gesagt habe, einer seiner Theologen würde Bischof werden. „Jawohl“, antwortete er mir, „ich will es Dir sagen am Abend vor Deiner Bischofsweihe.“ Es war am Abend dieses Tages. Ich ging mit dem Diener Gottes allein in seinem Zimmer auf und ab. Da sagte er: „Du erinnerst Dich an die schwere Krankheit, die Du durchgemacht hast, als Du jung warst und im Anfang Deiner Studien standest?“ „Ja, mein Herr“, antwortete ich, „ich erinnere mich und denke daran, daß Sie gekommen waren, mir die Sterbesakramente zu spenden, sie mir dann aber nicht spendeten und sagten, ich würde wieder gesund werden und würde mit meinem Brevier sehr weit fortgehen und im heiligen Dienst als Priester arbeiten, und dann sagten Sie nichts weiter.“ – „Also gut“, sagte er darauf, „ich trat in Dein Zimmer in der Absicht, Dich auf den großen Schritt vorzubereiten. Da sah ich eine Taube durch das Zimmer fliegen, mit einem Ölzweig im Schnabel. Sie blieb über Deinem Haupte schweben und ließ den Ölzweig fallen. Dann verschwand sie, indem sie mit einem großen Licht das Zimmer durchflutete. Da war es mir sofort klar, daß Du nicht sterben würdest und daß die Taube mit ihrem Glanz die Fülle der Gnade des Heiligen Geistes bedeutete, mit der Du bekleidet werden würdest.“ – –

Don Michael Rua, der Nachfolger Don Boscos, dessen Seligsprechung am 29. Oktober 1972 erfolgt ist, erwähnt diese Vorausschau seines Vorgängers in seiner Aussage (a. a.O., S. 977 f.): Im gleichen Jahre 1854, wie mir scheint, machte der junge Johannes Cagliero, der jetzt Erzbischof ist, eine schreckliche Krankheit durch, wenn ich nicht irre, Typhus. Der Arzt hatte keine Hoffnung mehr, ihn durchzubringen. Der Diener Gottes besuchte ihn eines Tages, und da glaubte er, eine Taube zu sehen, die einen Kreis durch das Krankenzimmer flog und dann über seinem Kopfe schweben blieb. Der Diener Gottes tröstete uns, die wir in Angst und Sorge waren, diesen lieben Kameraden zu verlieren. Und er versicherte uns, er werde nicht nur wieder gesund werden, sondern daß der Herr noch große Absichten mit ihm habe. Bei anderen Gelegenheiten ließ er durchblicken, daß er Bischof werden würde, indem er ankündigte, daß von den vier oder fünf seiner Schüler, die da beisammen waren, einer Bischof würde. Unter diesen befand sich Cagliero.

Don Lemoyne, einer der Mitschüler Caglieros, sagte aus (a. a. O., S. 993 f.): Im Jahre 1854 befiel im Oratorium den jungen Johannes Cagliero, jetzt Erzbischof und Apostolischer Delegat in Mittelamerika, eine schwere Gastritis. Die Ärzte gaben ihn auf, und darauf wurden ihm die Sakramente gespendet. Der Ehrwürdige sagte zu dem Jüngling, als dieser ihn fragte, ob dieses wirklich seine letzte Beichte wäre: „Der Herr will noch nicht, daß Du stirbst. Du wirst das geistliche Gewand anziehen und mit dem Brevier unter dem Arm wirst Du herumreisen und dann . . . und dann . . . wirst Du sehr weit fortgehen.“ Bald danach gab es einen neuen Rückfall bei Cagliero, und wieder befand er sich in nächster Nähe des Todes. Aber er kam durch und wurde wieder ganz gesund. Und von da an begann der Ehrwürdige wiederholt zu erklären, einer seiner Jungen würde Bischof werden. Er meinte damit Cagliero, wie er es diesem am Abend vor seiner Bischofsweihe anvertraute. Und der Grund für diese Voraussage: Als Don Bosco 1854 in das Zimmer des Kranken trat, sah er eine strahlend leuchtende Taube umherfliegen, die einen Ölzweig im Schnabel hielt, und indem sie über Caglieros Bett schweben blieb, ließ sie den Ölzweig auf das Haupt des Kranken fallen und verschwand.

Aus: Wilhelm Schamoni, Wunder sind Tatsachen. Eine Dokumentation aus Heiligsprechungsakten, 2. Auflage, Würzburg/Stein am Rhein/Linz 1976, S. 255-257.
Moselanus
Ich hoffe sehr, das interpretiert jetzt niemand als Wunderkiwi!
Moselanus
Hochinteressant, herzliches Vergeltsgott!
Susi 47
heute schnitten wir kiwis für obstsalat
und ich entdeckte dies herz: