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"...man den unproduktiven Menschen töten darf...."

Am 3. August 1941 predigte der Bischof von Münster, Clemens August Graf von Galen in der Lamberti-Kirche:

Seit einigen Monaten hören wir Berichte, dass aus Heil- und Pflegeanstalten für Geisteskranke auf Anordnung von Berlin Pfleglinge, die schon länger krank sind und vielleicht unheilbar erscheinen, zwangsweise abgeführt werden. Regelmäßig erhalten dann die Angehörigen nach kurzer Zeit die Mitteilung, der Kranke sei verstorben, die Leiche sei verbrannt, die Asche könne abgeliefert werden. Allgemein herrscht der an Sicherheit grenzende Verdacht, dass diese zahlreichen unerwarteten Todesfälle von Geisteskranken nicht von selbst eintreten, sondern absichtlich herbeigeführt werden, dass man dabei jener Lehre folgt, die behauptet, man dürfe so genannt lebensunwertes Leben vernichten, also unschuldige Menschen töten, wenn man meint, ihr Leben sei für Volk und Staat nichts mehr wert. Eine furchtbare Lehre, die die Ermordung Unschuldiger rechtfertigen will, die gewaltsame Tötung der nicht mehr arbeitsfähigen Invaliden, Krüppel, unheilbar Kranken, Altersschwachen grundsätzlich freigibt!
...
Deutsche Männer und Frauen! Noch hat Gesetzeskraft der §211 des Reichsstrafgesetzbuches, der bestimmt: «Wer vorsätzlich einen Menschen tötet, wird, wenn er die Tötung mit Überlegung ausgeführt hat, wegen Mordes mit dem Tode bestraft.» Wohl um diejenigen, die jene armen Menschen, Angehörige unserer Familien, vorsätzlich töten, vor dieser gesetzlichen Bestrafung zu bewahren, werden die zur Tötung bestimmten Kranken aus der Heimat abtransportiert in eine entfernte Anstalt. Als Todesursache wird dann irgendeine Krankheit angegeben. Da die Leiche sofort verbrannt wird, können die Angehörigen und auch die Kriminalpolizei hinterher nicht mehr feststellen, ob die Krankheit wirklich vorgelegen hat und welche Todesursache vorlag. Es ist mir aber versichert worden, dass man im Reichsministerium des Innern und auf der Dienststelle des Reichsärzteführers Dr. Conti gar keinen Hehl daraus mache, dass tatsächlich schon eine grosse Zahl von Geisteskranken in Deutschland vorsätzlich getötet worden ist und in Zukunft getötet werden soll.
...
So müssen wir damit rechnen, dass die armen, wehrlosen Kranken über kurz oder lang umgebracht werden. Warum? Nicht, weil sie ein todeswürdiges Verbrechen begangen haben! Nicht etwa, weil sie ihren Wärter oder Pfleger angegriffen haben ... Nein, nicht aus solchen Gründen müssen jene unglücklichen Kranken sterben, sondern darum, weil sie nach dem Urteil irgendeines Amtes, nach dem Gutachten irgendeiner Kommission lebensunwert geworden sind, ... Arme Menschen, kranke Menschen, unproduktive Menschen meinetwegen. Aber haben sie damit das Recht auf das Leben verwirkt? Hast du, habe ich nur solange das Recht zu leben, solange wir produktiv sind, solange wir von anderen als produktiv anerkannt werden?
Wenn man den Grundsatz aufstellt und anwendet, dass man den unproduktiven Mitmenschen töten darf, dann wehe uns allen, wenn wir alt und altersschwach werden! Wenn man die unproduktiven Mitmenschen töten darf, dann wehe den Invaliden, die im Produktionsprozess ihre Kraft, ihre gesunden Knochen eingesetzt, geopfert und eingebüßt haben! Wenn man die unproduktiven Mitmenschen gewaltsam beseitigen darf, dann wehe unseren braven Soldaten, die als schwer
Kriegsverletzte, als Krüppel, als Invalide in die Heimat zurückkehren. Wenn einmal zugegeben wird, dass Menschen das Recht haben, unproduktive Mitmenschen zu töten, ...dann ist der Mord an uns allen, wenn wir alt und altersschwach und damit unproduktiv werden, freigegeben. Dann ist keiner von uns seines Lebens mehr sicher.
Lutrina
"unproduktive Menschen"....

Da würden in Deutschand nicht mehr viele übrig bleiben. Etwas mehr als 10 Mio Nettosteuerzahler haben wir noch die den Laden am Laufen halten...
Simon Tolon
Ja, aber was für einen Laden! Mehr als die Hälfte davon versickert in Unbill und Untreue.
CollarUri
Einer der wenigen Punkte, wo man die Naziideologie wirklich a fonds packen kann. Aber der heutige Mensch würde das nicht verstehen.
Simon Tolon
Vorsichtshalber predigt alles Welt deswegen #BleibGesund ...
Es schwingt eine Drohung mit darin.
CSc
„Bei der Vorgeschichte der Hitlerischen ‚Euthanasie‘-Aktionen zeigt sich, daß die Diskussion um 1900 mit der Frage nach einem ‚Recht auf Tod‘ begann, sich nach dem Ersten Weltkrieg mit dem ‚Erlösungstod für unheilbar Kranke‘ fortsetzte, zusätzlich die Kosten für den Unterhalt der ‚Ballastexistenzen‘ ins Spiel brachte (‚wie viele Siedlungshäuser könnte man dafür bauen!‘), zuletzt dann die Tötung …More
„Bei der Vorgeschichte der Hitlerischen ‚Euthanasie‘-Aktionen zeigt sich, daß die Diskussion um 1900 mit der Frage nach einem ‚Recht auf Tod‘ begann, sich nach dem Ersten Weltkrieg mit dem ‚Erlösungstod für unheilbar Kranke‘ fortsetzte, zusätzlich die Kosten für den Unterhalt der ‚Ballastexistenzen‘ ins Spiel brachte (‚wie viele Siedlungshäuser könnte man dafür bauen!‘), zuletzt dann die Tötung unheilbarer Neugeborener guthieß und damit das ‚Einfallstor‘ zur Vernichtung des sogenannten unwerten Lebens eröffnete. Widerstand leisteten nicht die Funktionseliten, sondern die Kirchen, am entschiedensten die katholische, die ‚einen kompromißlosen Standpunkt‘ einnahm.“ (Arnold Angenendt, Toleranz und Gewalt. Das Christentum zwischen Bibel und Schwert, 5. Auflage, Münster 2009, S. 135)